Springer hüpft – un dat Perd wagglt

Veröffentlicht am 1. Mai 2026 um 19:32

1974, zum 50‑jährigen Jubiläum des Schachclub 1924 Kettig e.V., verwandelte sich der Schulhof in eine Bühne, wie man sie im Dorf noch nie gesehen hatte. Auf den Asphalt wurde ein riesiges Schachbrett gemalt – und die Figuren waren keine Holzklötze, sondern echte Menschen.

Die kläne Kinnerche woren die Bauere un hatten all Köstümme an“, erinnerte sich Werner.
Die Dame erschien als richtige Prinzessin, mit Krönchen und Kleid.
Der König trug Mantel und Krone, stolz wie ein Herrscher über ganz Kettig.

Die Springer waren der Höhepunkt:
Die Perd hattn su e Perd jebaut – die han in su em Perd drin jestanne!
Die steckten in einem gebastelten Pferdekostüm, das bei jedem Schritt wackelte und die Zuschauer zum Lachen brachte.

Während draußen die Figuren bereitstanden, saßen drinnen – in der Schule, wo heute die Feuerwehr ist – zwei echte Schachspieler.
Di han jespillt, un wenn di en Zuch jemacht han, han die dat eraus jerov!

„Springer von G1 noh E2!“

Der Ruf hallte über den Hof, und sofort setzte sich der Herold in Bewegung. Er ging zu der menschlichen Figur, die verschoben werden sollte, nahm sie an die Hand und führte sie dorthin, „bo se hin sollt“.

„Dau – noh E2, bitte!“

So wurde jeder Zug zu einem kleinen Schauspiel.
Die Figuren liefen, stolperten, lachten, verbeugten sich – und das ganze Dorf schaute zu.

Leider gibt es kein Filmmaterial davon.
Wenn dat hück wär, hätt jede Modde ihr Kinnche jefilmt“, sagte Werner.
Aber damals gab es eben noch kein Handy – nur Erinnerungen, die heute umso wertvoller sind.