Die gute Stube – Wohnen mit Herz und Tradition
Porzellantasse mit Widmung
(„Em Miesche sein Tass“)
Datierung: ca. frühes 20. Jahrhundert
Material: Glasiertes Porzellan mit Golddekor und Handmalerei
Herkunft: Mitteleuropa, vermutlich Rheinland oder angrenzende Regionen
Gestaltung und Funktion
Diese fein gearbeitete Porzellantasse zeigt eine aufwändige Bemalung mit Goldrand, floralen Reliefs und einer Szene mit zwei Personen beim gemeinsamen Mahl. Die Widmung auf der Vorderseite lautet:
„Meiner lieb. Schwägerin Maria Hillesheim“
Die Rückseite trägt die Inschrift:
„Nimm die Tasse doch aus meiner Hand
Und trink daraus dein Leben lang.“
Diese Kombination aus Bildmotiv und persönlicher Beschriftung macht die Tasse zu einem Erinnerungsstück mit familiärer Bedeutung. Die Goldverzierung im Inneren und die geschwungene Henkelgestaltung unterstreichen den festlichen Charakter – vermutlich ein Geschenk zu einem besonderen Anlass wie Verlobung, Hochzeit oder Besuch.
Kulturelle Einordnung
„Em Miesche sein Tass“ ist mehr als ein Trinkgefäß – sie ist ein Ausdruck von Zuneigung, Zugehörigkeit und familiärer Verbundenheit. Solche Tassen wurden oft als Einzelstücke verschenkt und dienten nicht nur dem Gebrauch, sondern auch der Repräsentation und Erinnerung.
Der Dialektausdruck verleiht dem Objekt eine persönliche Note: „Em Miesche“ steht für eine konkrete Person, eingebettet in eine Gemeinschaft, und die Tasse wird zum Symbol für Nähe und Wertschätzung. Als museales Objekt dokumentiert sie die Verbindung von Alltagskultur, Porzellankunst und familiärer Geschichte.
Klappbare Fußbank
– Komfortmöbel für die gute Stube
Datierung: vermutlich 1950er–1970er Jahre
Material: Holzgestell, Leder- oder Kunstlederbespannung, Metallnieten
Typ: klappbare Fußbank / Fußhocker
Zustand: gut erhalten, mit Patina und sichtbaren Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Die Fußbank besteht aus einem klappbaren Holzrahmen, der sich vollständig zusammenlegen lässt. Die Sitz‑ bzw. Auflagefläche ist mit Leder oder Kunstleder bespannt und entlang der Kanten mit Zier- und Haltnieten befestigt.
Durch die variable Rahmenkonstruktion kann die Höhe leicht angepasst werden – ein Hinweis darauf, dass das Möbelstück für bequeme Fußablage gedacht war, etwa vor einem Sessel oder Sofa.
Die Form erinnert an traditionelle Faltmöbel, wie man sie aus Wohnstuben, Gästezimmern oder auch aus Reisemöbel‑Sets kennt.
Kulturelle Einordnung
Fußbänke dieser Art waren typische Elemente der „guten Stube“:
Sie dienten der Bequemlichkeit, ergänzten Sitzmöbel und wurden oft genutzt, um beim Lesen, Handarbeiten oder Fernsehen die Beine hochzulegen.
Die Kombination aus Holz, Lederoptik und Nieten spiegelt den Geschmack einer Zeit wider, in der Möbel sowohl praktisch als auch dekorativ sein sollten.
Dass die Bank klappbar ist, zeigt den Wunsch nach Flexibilität und Platzersparnis im Wohnraum.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert die Wohn- und Alltagskultur des 20. Jahrhunderts.
Es zeigt, wie Komfort, Handwerk und Funktionalität zusammenkamen, um kleine, aber nützliche Möbelstücke zu schaffen.
Die Patina erzählt von vielen Jahren Nutzung – ein stiller Begleiter im Wohnzimmer, der ein Stück häuslicher Gemütlichkeit bewahrt.
Zwei Tisch‑Petroleumlampen für die „gute Stube“ (um 1900–1930)
Kategorie: Beleuchtung & Wohnkultur – Bürgerliche und ländliche Innenräume
Diese beiden Tisch‑Petroleumlampen stammen aus der Zeit zwischen 1900 und den 1930er Jahren und repräsentieren die typische Beleuchtungskultur der „guten Stube“ – jenes Raumes, der in vielen Haushalten als repräsentativer Wohn‑ und Empfangsbereich diente. Im Gegensatz zu den schlichteren Wandlampen für Küche oder Stall sind diese Lampen dekorativer, hochwertiger und ästhetisch gestaltet, was ihren Einsatzort klar erkennen lässt.
Gestaltung & Aufbau
1. Lampe mit grünem Glasbehälter und weißem Schirm
- dekorativer Metallfuß mit Ornamenten
- grüner, gerippter Glasbehälter für Petroleum
- Messingbrenner mit Stellrad
- hoher, klarer Glaszylinder
- weißer Glaslampenschirm, der das Licht weich streut
- insgesamt eine elegante, wohnliche Erscheinung
Diese Kombination aus farbigem Glas und weißem Schirm war typisch für Lampen, die im Wohnzimmer oder in der Stube standen, da sie ein angenehmes, warmes Licht erzeugten.
2. Lampe mit facettiertem Glasbehälter
- dunkler, massiver Metallfuß
- klarer, facettierter Glasbehälter, der das Licht bricht und funkeln lässt
- Messingbrenner mit Dochtmechanik
- hoher Glaszylinder
- ohne Schirm, dafür mit besonders dekorativem Glas
Diese Lampe wirkt etwas eleganter und könnte sowohl in der Stube als auch auf einer Anrichte oder einem Fenstersims gestanden haben. Das facettierte Glas war beliebt, weil es das Licht glitzernd reflektierte und damit eine festliche Atmosphäre erzeugte.
Funktion & Nutzung im Alltag
In der „guten Stube“ dienten solche Lampen:
- als Abendbeleuchtung bei Besuch
- als Lichtquelle für Handarbeiten oder Lesen
- als repräsentatives Wohnaccessoire
- als Zeichen von Ordnung, Wohlstand und Geschmack
Die Stube wurde oft nur zu besonderen Anlässen genutzt – entsprechend gepflegt und dekorativ waren die Lampen, die dort standen.
Datierung
Die Kombination aus:
- Pressglasbehältern
- Messingbrennern
- Glaszylindern
- dekorativen Metallfüßen
- weißem Schirm (bei Lampe 1)
weist auf eine Herstellung zwischen ca. 1900 und 1930 hin, also in die Zeit, in der Petroleumbeleuchtung ihren Höhepunkt erreichte, bevor elektrische Lampen sie allmählich verdrängten.
Museale Bedeutung
Diese beiden Lampen sind wertvolle Zeugnisse für:
- die Wohnkultur der frühen Moderne,
- die Gestaltung der „guten Stube“ als repräsentativen Raum,
- die technische Entwicklung der Petroleumbeleuchtung,
- die Verbindung von Funktionalität und dekorativem Anspruch.
Sie zeigen eindrucksvoll, wie Licht nicht nur praktisch, sondern auch ästhetisch und sozial bedeutsam war.
Friedrich Schreyvogl –
Die Nibelungen (Zeitgeschichtliche-Verlag Berlin, 1941)
Kategorie: Literaturgeschichte – Romanfassung deutscher Sagenstoffe im Nationalsozialismus
Der Roman Die Nibelungen von Friedrich Schreyvogl, erschienen 1941 im Zeitgeschichtlichen-Verlag Berlin, ist eine erzählerische Bearbeitung des Nibelungenstoffs in der Form eines historischen Romans.
Schreyvogl, ein österreichischer Schriftsteller, greift die mittelalterliche Heldensage auf und gestaltet sie im Stil epischer Prosa neu – mit deutlicher Nähe zu den ideologischen und ästhetischen Vorstellungen der Zeit.
Gestaltung & Ausstattung
- Einband: roter Leinenband mit schwarzem Rücken
- Deckelprägung: goldfarbene Emblematik (Schwert, Schild, Flügel) – symbolisch für Kampf, Ehre und Mythos
- Rückenprägung: Goldschrift mit Titelangabe (teils verblasst), ornamentale Elemente oben und unten
- Innenleben:
- Titelblatt mit Angabe: Friedrich Schreyvogl – Die Nibelungen. Roman
- Erscheinungsjahr: 1941 (im Druck: „1944“ bei späteren Auflagen)
- Druckvermerk: Zaunrith’sche Buchdruckerei, Salzburg
- Gestaltung: Martin Kausche, Stettin
- Seitenzählung: z. B. 212–213 (im gezeigten Ausschnitt)
- Handschriftlicher Vermerk: „592 1.8.42“ – vermutlich Zugang oder Inventarisierung
Inhalt & literarischer Kontext
Schreyvogl erzählt die Geschichte von Siegfried, Kriemhild, Hagen und dem Untergang der Burgunden in einer romanhaften, psychologisch vertieften Form.
Die Sprache ist pathetisch, bildreich und auf heroische Charakterzeichnung ausgelegt.
Der Roman steht in der Tradition nationalistischer Literaturadaptionen, wie sie im Dritten Reich gefördert wurden – mit Betonung von Treue, Opfer, Kampf und Schicksal.
Museale Bedeutung
Dieses Buch ist ein aussagekräftiges Objekt, weil es:
- eine ideologisch geprägte Romanfassung eines zentralen deutschen Sagenstoffs darstellt
- die Buchgestaltung der NS-Zeit dokumentiert – typografisch, symbolisch und drucktechnisch
- die Rezeption der Nibelungensage im 20. Jahrhundert beleuchtet
- durch Einband, Prägung und Druckvermerk ein komplettes literarisches Zeitzeugnis bietet
- durch den handschriftlichen Eintrag auch Provenienzspuren enthält
Es eignet sich hervorragend als Einstieg in eine literarisch-historische Objektgruppe – etwa zu NS-Literatur, Sagenrezeption oder Buchgestaltung im Dritten Reich.