Maschinen von anno Tobak
Handzug‑Pflug
(Urmitz, spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert)
Kategorie: Landwirtschaft & Ländliche Arbeitswelt
Objektart: Einfurchen‑Pflug / Handzug‑Pflug
Material: Holz (Pflugbaum, Griffstück), Eisen (Pflugschar, Streichblech, Beschläge)
Datierung: ca. 1880–1930
Herkunft: Urmitz (Besitz eines Familienzweigs einer Kettiger Familie) Heutiger Standort: Urmitz
Zustand: restauriert; dekorative Präsentation mit handgeschmiedeter Wandaufhängung
Dieser Einfurchen‑Pflug stammt aus Urmitz, einer Nachbargemeinde von Kettig, und befindet sich im Besitz eines Familienzweigs, der historisch mit Kettig verbunden ist. Das Gerät besteht aus einem massiven hölzernen Pflugbaum, einer geschmiedeten Pflugschar und einem gebogenen Streichblech. Charakteristisch ist das einzelne, hoch angesetzte Griffstück, das der Führung des Pfluges diente und typisch für kompakte Handzug‑ oder Tierzugpflüge der Region ist.
Die Eisenbeschläge und Verstärkungen zeigen handwerkliche Schmiedetechnik, wie sie im Rheinland bis ins frühe 20. Jahrhundert üblich war. Die deutlichen Abnutzungsspuren an Schar und Streichblech belegen eine lange Nutzung auf den schweren Böden der Rheinschiene.
Funktion & Nutzung
Der Pflug diente dem Aufreißen und Wenden der Ackerfurche. Je nach Boden und verfügbarem Zugtier konnte er:
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von Menschen im Handzug,
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oder von Kühen bzw. Pferden
geführt werden. Das einzelne Griffstück erlaubte die Kontrolle der Pflugtiefe und die Führung der Furche. Solche Geräte prägten die bäuerliche Landwirtschaft, bevor ab den 1930er‑Jahren motorisierte Technik die Feldarbeit zunehmend ersetzte.
Restaurierung & heutige Präsentation
Der Pflug wurde vor kurzem sorgfältig restauriert, wobei Holz und Metall konserviert und stabilisiert wurden. Für die heutige Präsentation wurde eine neue, handgeschmiedete Wandaufhängung angefertigt, die das historische Gerät sicher trägt und zugleich die regionale Schmiedetradition fortführt.
Der Pflug befindet sich weiterhin in Urmitz und wird dort als Dekorationsobjekt präsentiert. Die Kombination aus historischem Arbeitsgerät und moderner handwerklicher Aufhängung macht das Stück zu einem eindrucksvollen Blickfang.
Museale Bedeutung
Das Objekt dokumentiert:
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die Arbeitswelt der Rheindörfer um 1900,
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die handwerkliche Tradition regionaler Schmiede,
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die materielle Kultur bäuerlicher Haushalte,
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und die enge Verbindung zwischen Urmitz und Kettig durch Familienbesitz und Weitergabe von Arbeitsgeräten.
Durch seine Restaurierung und heutige Präsentation wird der Pflug zu einem sichtbaren Erinnerungsstück an die vormoderne Landwirtschaft der Region und an die gemeinsame Geschichte der beiden Nachbardörfer.
Mechanischer Kartoffelernter – Pferdegezogene Grabmaschine
Datierung: ca. frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Eisen, Stahl, teils genietet und geschweißt
Zustand: starke Korrosion, Gebrauchsspuren, originaler Aufbau erhalten
Gestaltung und Funktion
Der Kartoffelernter besteht aus einem robusten Metallrahmen mit großen Speichenrädern, einem zentralen Grabscharmechanismus und mehreren gebogenen Zinken oder Rüttelarmen, die die Erde lockern und die Kartoffeln an die Oberfläche befördern.
Das Gerät wurde pferdegezogen und diente der mechanischen Ernte von Kartoffeln auf kleinen bis mittleren Feldern. Die Konstruktion erlaubt eine gleichmäßige Tiefenführung und eine schonende Freilegung der Knollen.
Kulturelle Einordnung
Solche Geräte waren typisch für die bäuerliche Landwirtschaft vor der Motorisierung. Sie ersetzten die reine Handarbeit mit Grabgabel oder Spaten und ermöglichten eine effizientere Ernte, besonders in Regionen mit schweren Böden.
Im Dialekt nannte man sie oft „Grubber“, „Kartoffelzieher“, „Rappelmaschin“, „Kartoffelschlicker“ oder „Erdäpfelernter“.
Als museales Objekt dokumentiert der Kartoffelernter den Übergang von Handarbeit zu Mechanisierung, die Rolle des Pferdes als Zugtier und die Technikgeschichte des bäuerlichen Alltags. Er erzählt von Erntezeiten, Familienarbeit und der mühsamen, aber gemeinschaftlichen Arbeit auf dem Feld.
Handpflug – „Plooch“
Datierung: ca. frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Eisen, Stahl, Holz (teils ersetzt oder ergänzt)
Zustand: starke Korrosion, originaler Aufbau erhalten, Gebrauchsspuren sichtbar
Gestaltung und Funktion
Der Pflug besteht aus einem stabilen Metallrahmen mit zwei Handgriffen, einem einzelnen Laufrad zur Führung und einem Pflugkörper mit Schar, der die Erde aufreißt und wendet.
Dieses Modell wurde manuell geführt, meist in Kombination mit einem Zugtier (Pferd oder Ochse). Der Pflug diente zur Bodenbearbeitung vor der Aussaat, insbesondere zum Aufbrechen und Wenden der oberen Erdschicht.
Kulturelle Einordnung
Solche Geräte waren bis zur Motorisierung der Landwirtschaft weit verbreitet. Sie stehen für eine bäuerliche Arbeitsweise, die auf Kraft, Erfahrung und Rhythmus beruhte.
Im Dialekt wurde der Pflug oft als „Plooch“ oder „Pflüch“ bezeichnet – ein zentrales Werkzeug im bäuerlichen Wortschatz.
Als museales Objekt dokumentiert der Handpflug den Übergang von Handarbeit zu Mechanisierung, die Rolle des Menschen als Führer des Geräts und die körperliche Dimension der Feldarbeit. Er erzählt von Saatvorbereitung, Jahreszeiten und der engen Verbindung zwischen Mensch, Tier und Boden.
Holzegge
– Landwirtschaftliches Bodenbearbeitungsgerät, heute dekorativ genutzt
Datierung: spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert
Material: überwiegend Holz; eiserne Beschläge und Verbindungselemente
Zustand: stabile Grundstruktur, deutliche Gebrauchsspuren; dekorativ aufgehängt
Gestaltung und ursprüngliche Funktion
Diese Egge besteht fast vollständig aus Holz, einschließlich des rechteckigen Rahmens und der zahlreichen Holzzinken, die in den Boden griffen. Holzeggen dieser Art wurden nach dem Pflügen über das Feld gezogen, um Erdklumpen zu zerkleinern, die Oberfläche zu glätten und Saatgut einzuarbeiten.
Da die Zinken aus Holz gefertigt waren, mussten sie regelmäßig erneuert werden. Sie nutzten sich durch Steine, Wurzeln und harte Böden schnell ab. Die Konstruktion war bewusst einfach gehalten, damit Reparaturen direkt auf dem Hof durchgeführt werden konnten.
Kulturelle Einordnung
Holzeggen gehören zu den ältesten Bodenbearbeitungsgeräten der bäuerlichen Landwirtschaft. Sie stehen für eine Arbeitsweise, die auf Handwerk, Erfahrung und Materialkenntnis beruhte.
Im Dialekt wurde eine solche Egge oft „Ägg“, "Ääsch", „Holzegge“, „Schleifegge“ oder „Zinkegge“ genannt.
Die heutige Nutzung als Deckeninstallation zeigt die Wertschätzung ländlicher Alltagskultur und die ästhetische Umdeutung eines ehemals rein funktionalen Werkzeugs. Sie verbindet Erinnerung, Handwerk und Gestaltung in einem Objekt.