Karten, Kneipen und ein Hauch Verbotenes

Veröffentlicht am 1. Mai 2026 um 19:32

Werner lehnte sich zurück, als hätte er die sechziger Jahre noch im Jackett stecken. „Weiß de“, begann er mit diesem schelmischen Funkeln in den Augen, „Keddich wor fröher e richtisch Zockerdorf. Wenn de owends dorsch de Gass jelaafe bis, häs de in jeder Kneip jehürt, wie de Kaate op de Disch jeklatscht sin.“

Er erzählte, wie sich die Männer nach Feierabend trafen, dicht gedrängt um wackelige Holztische, die Luft schwer vom Zigarettenrauch. Gespielt wurde alles, was Karten hatte – und gesetzt wurde nicht zu knapp. „Üwwerall hen se jezockt – un Jeld mi verlore wie verdähnt“, meinte Werner und schüttelte lachend den Kopf. „Awwer ofjehört hätt trotzdöm käne.“
Das Verbotene gehörte irgendwie dazu. Offiziell waren Glücksspiele untersagt, und wenn die Ordnungshüter jemanden „erwischt“ haben, wurd’s teuer. Werner erinnerte sich an einen Abend, an dem plötzlich jemand rief: „De Gendarm küt!“ In Windeseile verschwanden Karten, Geld und Aschenbecher in Schubladen, unter Tischdecken oder einfach in den Jackentaschen. Als der Polizist schließlich eintrat: „hämmer do jesesse wie de fromme Leut.“ Dann saßen alle brav da, als hätten sie gerade über die Kirchenrenovierung diskutiert.
„Der hätt uns joot durchschaut“, sagte Werner grinsend. „äwwer nohweise konnt he nix. Un kaum wor he widder drauße, jing et wigger – als wär nix jewese.“