Spuren der Kriege


Britische Keramikkrüge
mit Aufschrift „S.R.D.“ / „SRD“

Datierung: Erster Weltkrieg bis Mitte 20. Jahrhundert
Material: Steinzeug mit Salzglasur, Korkverschluss
Technik: Zweifarbige Glasur (braun/beige), schwarze Beschriftung
Zustand: gut erhalten, mit Gebrauchsspuren und typischer Patina

Beschreibung

Die beiden Krüge bestehen aus robustem Steinzeug mit einer braunen Salzglasur im oberen Bereich und einem naturfarbenen unteren Teil. Beide tragen die Aufschrift „S.R.D.“ bzw. „SRD“ in schwarzer Schrift – teils klar, teils durch Glasur leicht überdeckt.

Sie sind mit Korkstopfen verschlossen und zeigen die typische Form britischer Vorratskrüge für alkoholische Flüssigkeiten, insbesondere Rum oder Spirituosen.

Kulturelle Einordnung

Die Abkürzung „SRD“ wurde im britischen Militär unterschiedlich gedeutet, u. a. als:

  • Service Rum Distribution
  • Supply Reserve Depot
  • Oder scherzhaft: Soon Runs Dry

Solche Krüge waren Teil der militärischen Versorgung, insbesondere in Feldlagern und Depots. Sie wurden nach Gebrauch oft zweckentfremdet, z. B. als Wasserbehälter, Werkzeuglager oder sogar Blumentöpfe.

Museale Bedeutung

Diese Krüge dokumentieren die Verbindung von Militär, Logistik und Materialkultur. Sie erzählen von einer Zeit, in der Versorgung sichtbar und greifbar war – und in der selbst einfache Behälter Teil der Erinnerung und des Alltags wurden.

Als museale Objekte stehen sie für die Spuren des Krieges im zivilen Leben, für die Wandlungsfähigkeit von Dingen und für die Materialsprache militärischer Organisation.


Leder-Gamaschen
– Schutz für Bein und Schuh

Datierung: vermutlich mittleres 20. Jahrhundert
Material: schwarzes Glattleder, Metallreißverschluss, Schnalle
Zustand: getragen, mit leichten Gebrauchsspuren; funktionstüchtig

Gestaltung und Funktion

Die Gamaschen bestehen aus robustem Leder und werden über dem Schuh und dem unteren Hosenbein getragen. Sie lassen sich seitlich mit einem Reißverschluss schließen und zusätzlich mit einer Schnalle fixieren. Diese Kombination schützt vor Schmutz, Nässe und mechanischer Belastung – etwa beim Marschieren, Arbeiten im Gelände oder Reiten.

Kulturelle Einordnung

Gamaschen waren besonders in militärischen, jagdlichen und landwirtschaftlichen Kontexten verbreitet. Sie dienten nicht nur dem Schutz, sondern auch der Ordnung und Einheitlichkeit der Kleidung. In der bäuerlichen Praxis wurden sie oft bei der Feldarbeit oder beim Umgang mit Tieren getragen.

Als museales Objekt dokumentieren sie die praktische Kleidung vergangener Jahrzehnte – zwischen Funktion, Alltag und Disziplin. Sie erzählen von Wegen durch Matsch und Stall, von Uniformität und von der Notwendigkeit, sich gegen die Elemente zu wappnen.


US-M1938 Canvas-Gamaschen
– Soldatenschutz im Gelände

Datierung: ca. 1940er Jahre
Material: olivgrünes Segeltuch (Canvas), Metallösen, Riemen mit Metallschnalle
Provenienz: vermutlich US-amerikanische Armee, Zweiter Weltkrieg
Zustand: getragen, mit Gebrauchsspuren; vollständige Schnürung und Verschluss erhalten

Gestaltung und Funktion

Die Gamaschen bestehen aus robustem, wetterfestem Canvas und sind konisch geschnitten, um eng am Unterschenkel zu sitzen. Sie werden mit einer Schnürung über Metallösen geschlossen und oben durch einen Riemen mit Schnalle gesichert. Diese Konstruktion schützt das Hosenbein und den Schuh vor Schmutz, Nässe und mechanischer Belastung – etwa beim Marschieren, im Gelände oder bei der Arbeit unter widrigen Bedingungen.

Kulturelle Einordnung

Solche Gamaschen gehörten zur Standardausrüstung der US-Infanterie im Zweiten Weltkrieg. Sie stehen für die praktische Kleidung der Soldaten, die unter verschiedensten klimatischen und geografischen Bedingungen einsatzbereit sein mussten.

Als museales Objekt dokumentieren sie die Materialwahl, die Funktionalität und die Uniformierung der damaligen Zeit. Sie erzählen von Strapazen im Feld, von militärischer Ordnung und von der Notwendigkeit, sich gegen die Elemente zu schützen – mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln.


Feldflasche mit Wollüberzug
– Soldatenausrüstung im Gelände

Datierung: vermutlich Zweiter Weltkrieg oder frühe Nachkriegszeit
Material: Aluminiumflasche mit Wollfilzüberzug, Lederriemen, Metallbeschläge
Provenienz: militärischer Gebrauch; Herkunft nicht eindeutig geklärt
Zustand: getragen, mit deutlichen Gebrauchsspuren; Riemen und Verschluss vollständig erhalten

Gestaltung und Funktion

Die Feldflasche besteht aus einem abgerundeten Aluminiumkörper, der mit einem festen Wollfilzüberzug versehen ist. Dieser diente der Isolation und dem Schutz vor äußeren Einflüssen. Zwei schwarze Lederriemen mit Metallbeschlägen fixieren die Flasche und ermöglichen das Tragen am Koppel oder Rucksack.

Solche Flaschen waren für den Transport von Trinkwasser konzipiert und gehörten zur Standardausrüstung von Soldaten im Feld. Die robuste Bauweise und die einfache Handhabung machten sie zu einem unverzichtbaren Begleiter im militärischen Alltag.

Kulturelle Einordnung

Feldflaschen wie diese stehen exemplarisch für die persönliche Ausrüstung von Soldaten im 20. Jahrhundert. Sie erzählen von Strapazen im Gelände, von langen Märschen und vom Alltag fernab der Heimat.

Als museales Objekt dokumentiert die Flasche nicht nur technische Funktionalität, sondern auch die Materialwahl und Fertigungsmethoden ihrer Zeit. Sie ist ein stiller Zeuge militärischer Geschichte – und zugleich ein Symbol für die menschliche Seite des Kriegsalltags: Durst, Erschöpfung und das Bedürfnis nach Versorgung unter schwierigen Bedingungen.


Reinigungsset für Waffen oder Maschinen
– Militärischer Werkzeugsatz

Datierung: vermutlich Zweiter Weltkrieg oder frühe Nachkriegszeit
Material: Metallbehälter, Drahtbürsten, Spiralfedern, Stahlteile
Provenienz: militärischer oder technischer Gebrauch; Herkunft nicht eindeutig geklärt
Zustand: stark gebraucht, mit Korrosionsspuren; Inhalt vollständig erhalten

Gestaltung und Funktion

Das Set besteht aus zwei flachen Metallbehältern mit Klappdeckel, die jeweils eine Auswahl an Drahtbürsten unterschiedlicher Durchmesser sowie Spiralfedern und Reinigungswerkzeuge enthalten. Die Bürsten sind für das Reinigen von Rohren, Läufen oder anderen schwer zugänglichen technischen Komponenten konzipiert – etwa bei Feuerwaffen, Maschinen oder landwirtschaftlichen Geräten.

Die robuste Ausführung und die Vielfalt der Werkzeuge sprechen für eine Nutzung im Feld oder in der Werkstatt, wo schnelle und gründliche Reinigung notwendig war.

Kulturelle Einordnung

Solche Reinigungssets waren Bestandteil der militärischen Ausrüstung oder wurden in technischen Berufen verwendet, in denen Präzision und Wartung eine zentrale Rolle spielten. Sie stehen für den oft unsichtbaren Teil der Arbeit: die Pflege, die Instandhaltung, das Funktionieren im Hintergrund.

Als museales Objekt dokumentiert das Set die Materialwahl, die praktische Organisation und die Bedeutung von Wartung im Alltag von Soldaten, Mechanikern oder Landwirten. Es erzählt von Disziplin, von technischer Sorgfalt und von der Notwendigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen für Einsatzbereitschaft zu sorgen.


Stiefelanziehhilfen
– Klappbares Drahtmodell für Arbeits- und Militärstiefel

Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: gebogener Eisendraht, unbehandelt
Provenienz: ziviler oder militärischer Gebrauch; genaue Herkunft nicht dokumentiert
Zustand: stark gebraucht, mit Korrosionsspuren; Mechanik vollständig erhalten

Gestaltung und Funktion

Die beiden Fotos zeigen ein einziges Paar Stiefelanziehhilfen, gefertigt aus mehreren miteinander verbundenen Drahtsegmenten. Die Konstruktion ist klappbar, sodass die Hilfen sowohl flach zusammengelegt als auch in eine geöffnete Arbeitsposition gebracht werden können.

Die Form erlaubt das Einhängen in die seitlichen Laschen oder Ösen hoher Stiefel. Durch gleichmäßiges Ziehen an beiden Griffen wurde das Anziehen von eng sitzenden Lederstiefeln erleichtert – sei es im bäuerlichen Alltag oder bei militärischen Stiefeln wie den sogenannten „Knobelbechern“.

Kulturelle Einordnung

Dieses klappbare Modell zeigt eine weiterentwickelte, platzsparende Variante der klassischen Stiefelanziehhilfe. Es steht für praktische, robuste Alltagswerkzeuge, die sowohl im zivilen Bereich als auch im Militär genutzt wurden.

Als museales Objekt dokumentiert es die Verbindung von einfacher Materialwahl, funktionaler Gestaltung und alltäglicher Notwendigkeit – ein kleines, aber aussagekräftiges Stück Gebrauchskultur.



Die große Zeit
– Illustrierte Kriegsgeschichte, Band 1 (1915)

Kategorie: Zeitgeschichte – Erster Weltkrieg / Propagandistische Bild- und Textdokumentation
Verlag: Ullstein & Co., Berlin und Wien
Erscheinungsjahr: 1915

Der erste Band der Reihe „Die große Zeit“ ist ein umfangreich gestaltetes Werk zur Darstellung des Ersten Weltkriegs aus zeitgenössischer Perspektive. Die Reihe erschien bereits während des Krieges und diente der patriotischen Mobilisierung, der Selbstdarstellung des Kaiserreichs und der emotionalen Bindung der Heimatbevölkerung an das Kriegsgeschehen.

Band 1 bildet den Auftakt dieser ambitionierten, reich illustrierten Kriegsdokumentation.

Einband

  • kräftiger blauer Leineneinband
  • goldgeprägter Titel „Die große Zeit“
  • zentrales Emblem mit Reichsadler (symbolische Überhöhung des Kaiserreichs)
  • dekorative Goldlinien am Rand
  • sichtbare Gebrauchsspuren, die den historischen Charakter unterstreichen

Der Einband folgt der typischen Bildsprache patriotischer Kriegsbücher: monumental, würdevoll, staatstragend.

Titelblatt & Ausstattung

  • Titel: „Die große Zeit – Illustrierte Kriegsgeschichte“
  • Untertitel: Mit zahlreichen Bildern, Karten und Beilagen
  • Bandangabe: Band I
  • Verlag: Ullstein & Co., Berlin und Wien
  • Druckvermerk: Kunstverlag Georgi 1915
  • Mitwirkende: umfangreiche Liste von Militärs, Professoren, Politikern und Publizisten
    – darunter u. a. Generalleutnante, Admiräle, Historiker, Journalisten und Reichstagsabgeordnete

Die Vielzahl prominenter Mitwirkender sollte dem Werk Autorität und Glaubwürdigkeit verleihen.

Inhaltliche Einordnung

Band 1 behandelt:

  • die Vorgeschichte des Krieges
  • die Mobilmachung 1914
  • frühe Feldzüge und Schlachten
  • politische und gesellschaftliche Entwicklungen im Reich
  • die Darstellung deutscher Soldaten als pflichtbewusst, tapfer und moralisch überlegen

Die Texte sind stark patriotisch, teilweise propagandistisch, und betonen die Einheit von Volk, Heer und Kaiser.

Die zahlreichen Illustrationen – Fotografien, Karten, Zeichnungen – dienten der emotionalen Visualisierung des Kriegsgeschehens.

Museale Bedeutung

Dieses Buch ist ein wichtiges Objekt, weil es:

  • ein authentisches Zeitdokument der deutschen Kriegspropaganda von 1915 ist
  • die Bild- und Textsprache des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg zeigt
  • die Rolle großer Verlage wie Ullstein in der öffentlichen Meinungsbildung dokumentiert
  • durch Einband, Typografie und Mitwirkendenliste ein vollständiges Beispiel für patriotische Kriegsdarstellungen bildet
  • als Band 1 den Grundstein einer mehrbändigen Kriegsreihe legt

Es eignet sich hervorragend für eine Sammlung, die die Medien- und Propagandageschichte des frühen 20. Jahrhunderts dokumentiert.


IB – Illustrierter Beobachter:
Englands Schuld (Sonderdruck, ca. 1940/41)

Kategorie: Zeitgeschichte – Nationalsozialistische Propaganda / Politische Publizistik
Herausgeber: Zentralorgan der NSDAP („Illustrierter Beobachter“)
Format: Sonderdruck / Propagandabroschüre

Der Sonderdruck „Englands Schuld“ stammt aus dem Umfeld des Illustrierten Beobachters, einer reichsweit verbreiteten Propagandazeitschrift der NSDAP. Die Publikation gehört zu einer Serie politischer Sonderhefte, die während des Zweiten Weltkriegs gezielt zur Feindbildkonstruktion, Meinungslenkung und Legitimierung des Krieges gegen Großbritannien eingesetzt wurden.

Gestaltung & visuelle Sprache

  • Titelblatt mit aggressiv überzeichneter Darstellung britischer Macht und Kolonialherrschaft
  • plakative Bildsprache, typisch für NS‑Propaganda
  • groß gesetzter Titel „Englands Schuld“
  • Kennzeichnung als „Sonderdruck“, häufig mit Nummerierung (z. B. Nr. 2)
  • farbige oder zweifarbige Drucktechnik, je nach Ausgabe

Die Bildsprache folgt dem Muster der NS‑Propaganda:
Überhöhung des Gegners, moralische Anklage, vereinfachte Weltbilder.

Beilagenkarten (im Bild sichtbar)

Zu diesem Sonderdruck gehören zwei typische Propagandakarten:

1. Weltkarte des Britischen Empire

  • farblich hervorgehobene britische Territorien
  • Darstellung der globalen Ausdehnung des Empire
  • Legende mit Kategorien wie „Dominions“, „Mandate“, „Protektorate“
  • Ziel: Überzeichnung britischer Weltmacht und Darstellung als „Bedrohung“

2. Karte „Kriegsschauplatz Nordsee“

  • Darstellung der Nordsee, britischer Inseln und deutscher Küsten
  • strategische Einordnung des Seekriegs
  • farbliche Markierung britischer Einflusszonen
  • Ziel: Verdeutlichung der militärischen Lage aus deutscher Sicht

Diese Karten dienten der emotionalen und geopolitischen Rahmung des Heftes.

Inhaltliche Einordnung

Der Sonderdruck vermittelt:

  • eine einseitige Schuldzuweisung an Großbritannien
  • die Darstellung Englands als „Weltbeherrscher“ und „Unterdrücker“
  • die Rechtfertigung deutscher Kriegsziele
  • die ideologische Einbettung des Konflikts in ein „geschichtliches Sendungsbewusstsein“

Der Text folgt der typischen NS‑Rhetorik:
vereinfachend, emotionalisierend, historisch verzerrend.

Museale Bedeutung

Dieses Objekt ist ein wichtiges Zeitzeugnis, weil es:

  • die Propagandamechanismen des NS‑Staates sichtbar macht
  • die visuelle und sprachliche Manipulation der Bevölkerung dokumentiert
  • zeigt, wie geopolitische Themen propagandistisch instrumentalisiert wurden
  • durch Kartenmaterial und Bildsprache ein vollständiges Propagandapaket bildet
  • als Sonderdruck des „Illustrierten Beobachters“ ein typisches Massenmedium der NS‑Zeit repräsentiert

In einer Sammlung erfüllt es eine aufklärerische Funktion:
Es zeigt, wie politische Feindbilder konstruiert und verbreitet wurden.


Spendenbescheinigung für die Frontsammlung (1941)

Kategorie: Spuren der Kriege
Objektart: Spendenquittung / NS‑Zeitliches Verwaltungsdokument
Aussteller: Ortsgruppe Kettig der NSDAP
Datierung: 28. Dezember 1941
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Person: Johann Hillesheim (1864–1956)

Dieses Dokument bestätigt die Teilnahme von Johann Hillesheim an einer landesweiten Sammlung von Woll‑, Pelz‑ und Wintersachen für die Front im Winter 1941. Die Aktion wurde von der örtlichen NSDAP‑Ortsgruppe Kettig organisiert und diente der Ausstattung deutscher Soldaten an der Ostfront, wo extreme Kälte und Materialmangel herrschten.

Auf dem vorgedruckten Formular sind die gespendeten Gegenstände handschriftlich vermerkt:
1 Kopfschutz, 2 Paar Handschuhe.
Die Bescheinigung trägt das Dienstsiegel der Ortsgruppe sowie Datum und Unterschrift des zuständigen Funktionärs.

Das rosafarbene Papier, die standardisierte Formulierung und die propagandistische Überschrift „Das Weihnachtsgeschenk für unsere Soldaten!“ spiegeln die Verbindung von politischer Mobilisierung, sozialem Druck und ideologischer Aufladung wider, die viele dieser Sammlungen prägte.

Historischer Kontext

Der Winter 1941/42 war einer der härtesten des Zweiten Weltkriegs. Die Wehrmacht war schlecht ausgerüstet, und viele Soldaten litten unter extremer Kälte. Die NSDAP organisierte daher im gesamten Reich Sammelaktionen, bei denen Zivilpersonen Kleidung, Decken und Winterausrüstung spenden sollten.

Solche Dokumente zeigen:

  • die Einbindung der Zivilbevölkerung in die Kriegsführung,
  • die Propagandastrategien, die Solidarität und Pflichtgefühl erzeugen sollten,
  • und die alltägliche Präsenz des Krieges selbst in kleinen Gemeinden wie Kettig.

Die Spendenbescheinigung ist damit ein typisches Beispiel für die Art von Schriftgut, das den Krieg bis in die privaten Haushalte hinein sichtbar machte.

Familiäre Einordnung

Für die Familie Hillesheim dokumentiert dieses Schriftstück:

  • die Teilnahme von Johann Hillesheim an einer staatlich organisierten Sammlung,
  • die Auswirkungen des Krieges auf das Alltagsleben in Kettig,
  • und die Verbindung zwischen lokaler Gemeinschaft und nationaler Kriegsführung.

Es ergänzt die Familienüberlieferung um ein konkretes Zeugnis der Jahre 1941/42, in denen der Krieg zunehmend auch das zivile Leben bestimmte.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Dieses Objekt eignet sich besonders für diese Kategorie, weil es:

  • die Verzahnung von Front und Heimat dokumentiert,
  • die Propaganda‑ und Mobilisierungsmechanismen der NS‑Zeit sichtbar macht,
  • ein authentisches Beispiel für Kriegsalltag in einer rheinischen Gemeinde ist,
  • und zeigt, wie selbst kleine Schriftstücke die großen historischen Entwicklungen widerspiegeln.

Es ist ein unscheinbares, aber eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie tief der Krieg in das alltägliche Leben der Menschen eingriff


Ehrenkreuz der Deutschen Mutter, Zweite Stufe

(vermutlich verliehen an Maria Elisabeth Hillesheim, geb. Kleemann)

Kategorie: Spuren der Kriege
Objektart: staatliche Auszeichnung / Orden
Datierung: nach 1939
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Person: Maria Elisabeth Hillesheim, geb. Kleemann (1905–1975)
Familiärer Bezug: Ehefrau von Peter Hillesheim (1893–1973)
Familie: Mutter von acht Kindern (davon eines 1937 im Alter von zwei Jahren verstorben)
Erhaltungszustand: Band nahezu neuwertig, Orden vermutlich nie getragen; Verleihungsurkunde nicht mehr vorhanden

Dieses Ehrenkreuz der Deutschen Mutter in Silber (Zweite Stufe) wurde sehr wahrscheinlich an Maria Elisabeth Hillesheim, geb. Kleemann, verliehen. Die Zweite Stufe war für Mütter mit sechs bis sieben lebenden Kindern vorgesehen. Maria Elisabeth brachte insgesamt acht Kinder zur Welt, wobei eines früh verstarb — ein Schicksal, das viele Familien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts teilten.

Der Orden besteht aus einem weiß‑blau emaillierten Kreuz mit Strahlenkranz und einem zentralen Medaillon mit der Aufschrift „Der Deutschen Mutter“. Das dazugehörige Band befindet sich in nahezu ungetragenem Zustand, was darauf hindeutet, dass das Ehrenkreuz wahrscheinlich nie öffentlich getragen wurde. Die Verleihungsurkunde ist nicht mehr erhalten.

Historischer Kontext – Warum dieses Objekt „Spuren der Kriege“ trägt

Das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter wurde 1938 eingeführt und war ein zentrales Instrument der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik. Es sollte kinderreiche Familien ideologisch aufwerten und die Rolle der Mutter im Sinne der NS‑Ideologie definieren.

Gerade im Krieg erhielt die Auszeichnung eine zusätzliche Bedeutung:

  • Sie diente der Mobilisierung der Heimatbevölkerung,
  • sollte Geburten fördern, um die Verluste des Krieges auszugleichen,
  • und war Teil einer umfassenden gesellschaftlichen Steuerung, die Frauen in eine staatlich definierte Rolle drängte.

Das Ehrenkreuz ist daher nicht nur ein Orden, sondern ein politisches Werkzeug, das tief in das private Leben eingriff. Es zeigt, wie der Krieg und die Ideologie des Regimes selbst intime Bereiche wie Mutterschaft und Familienplanung beeinflussten.

Familiäre Einordnung

Für die Familie Hillesheim dokumentiert das Ehrenkreuz:

  • die Größe und Belastung einer kinderreichen Familie in Kriegs‑ und Vorkriegszeiten,
  • die Lebensleistung von Maria Elisabeth Hillesheim,
  • und die Art und Weise, wie staatliche Ideologie und Kriegspolitik in den Alltag einer Kettiger Familie hineinwirkten.

Dass das Kreuz offenbar nie getragen wurde, verleiht dem Objekt eine stille, fast zurückhaltende Aussagekraft: Es steht weniger für öffentliche Anerkennung als für die private Realität einer Mutter, die ihre Familie durch schwere Zeiten führte.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Dieses Objekt eignet sich besonders für diese Kategorie, weil es:

  • die Verzahnung von privatem Leben und staatlicher Kriegs‑ und Bevölkerungspolitik sichtbar macht,
  • die ideologische Instrumentalisierung von Mutterschaft dokumentiert,
  • ein authentisches Zeugnis der NS‑Zeit ist,
  • und zugleich eine persönliche Familiengeschichte aus Kettig bewahrt.

Es zeigt, wie politische Systeme selbst in die intimsten Lebensbereiche eingreifen — und wie solche Eingriffe bis heute in Familienarchiven sichtbar bleiben


Studio‑Portrait eines Soldaten (1914)

Fotograf: Kronen‑Atelier Willy Berndt, Köln, Schildergasse 72–74
Datierung: 1914
Provenienz: Nachlass von Maria „Tante Miesche“ Hillesheim (1905–1997), Kettig

Dieses Studio‑Portrait aus dem Jahr 1914 zeigt einen jungen Soldaten in festlicher Uniform, aufgenommen kurz vor oder zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Der Mann sitzt in aufrechter Haltung auf einem Stuhl, den Blick leicht seitlich gerichtet. Die Uniform mit hohem Kragen, Knopfreihe und Schulterstücken entspricht der Vorkriegs‑ bzw. Mobilmachungszeit des Deutschen Heeres. In der Hand hält er seine Kopfbedeckung, was auf eine bewusst repräsentative Darstellung hinweist.

Die Fotografie wurde im Kronen‑Atelier Willy Berndt in der Kölner Schildergasse angefertigt – einem renommierten Atelier, das um 1914 zahlreiche Soldatenportraits für Familien im Rheinland produzierte. Das Bild ist auf Karton montiert, wie es für hochwertige Atelieraufnahmen der Zeit typisch war.

Familiärer Kontext

Das Portrait stammt aus dem Nachlass von Tante Miesche (1905–1997) aus Kettig. Aufgrund der zeitlichen Einordnung und der familiären Überlieferung könnte der abgebildete Soldat ein Kamerad ihres Bruders Peter Hillesheim (1893–1973) gewesen sein, der ebenfalls im Ersten Weltkrieg diente.

Diese Zuordnung bleibt offen, ist jedoch plausibel, da Familien häufig Portraits von Freunden, Kameraden oder Nachbarn aufbewahrten, die gemeinsam in den Krieg zogen oder aus denselben Orten stammten.

Museale Einordnung

Das Portrait ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Bildkultur des Ersten Weltkriegs, in der Soldaten vor dem Abmarsch professionelle Fotografien anfertigen ließen, um ihren Familien ein bleibendes Bild zu hinterlassen.

Es dokumentiert:

  • die militärische Mode und Repräsentationskultur der Jahre 1914/15
  • die Rolle städtischer Fotoateliers als Produzenten persönlicher Erinnerungsbilder
  • die familiäre Praxis des Aufbewahrens solcher Portraits über Generationen hinweg
  • die Verbindung zwischen lokaler Geschichte (Kettig) und den großen historischen Ereignissen der Zeit

Als Objekt verbindet es persönliche Erinnerung, regionale Herkunft und die allgemeine Geschichte des Ersten Weltkriegs zu einem vielschichtigen Zeugnis der Epoche.


Foto coloriert durch MyHeritage

Gruppenfoto einer Rekruten‑ oder Ausbildungseinheit (ca. 1914)

Ort: unbekannt, vermutlich Garnisons‑ oder Ausbildungskaserne
Datierung: um 1914
Provenienz: Nachlass Hillesheim, Kettig
Hinweis: Der bereits identifizierte Soldat aus den Fotos von 1914 und 1917 ist hier stehend in der hinteren Reihe, dritter von rechts zu erkennen.

Dieses historische Gruppenfoto zeigt vierzehn Soldaten in feldgrauen Uniformen der frühen Kriegsjahre. Die Männer sind in zwei Reihen vor einem Backsteingebäude mit Fenster und Tür angeordnet: sieben sitzend in der vorderen Reihe, sieben stehend dahinter. Die Uniformen mit hohen Kragen, Koppelriemen und Schirmmützen entsprechen der Vorkriegs‑ bzw. Mobilmachungszeit 1914, was auf eine Aufnahme während der Grundausbildung oder einer frühen Dienstphase schließen lässt.

Der Soldat, der bereits auf dem Atelierportrait von 1914, der Lazarettaufnahme Weihnachten 1914 und dem Wachfoto von 1917 identifiziert wurde, ist hier stehend, dritter von rechts eindeutig auszumachen. Die Übereinstimmung von Gesichtszügen, Körperhaltung und Uniformdetails bestätigt seine wiederkehrende Präsenz in diesem kleinen Konvolut.

Historischer Kontext

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurden in den deutschen Garnisonsstädten zahlreiche Rekruten‑ und Ersatzbataillone aufgestellt. Gruppenfotos wie dieses waren typische Erinnerungsstücke der Ausbildungseinheiten. Sie dienten:

  • der Dokumentation der Kameradschaft,
  • als Andenken für die Familien,
  • und als sichtbares Zeichen des Übergangs vom Zivilleben in den Militärdienst.

Die formale Anordnung der Soldaten, die einheitliche Kleidung und der neutrale Hintergrund entsprechen der gängigen fotografischen Praxis der Zeit.

Familiäre Einordnung

Das Foto stammt aus dem Nachlass von Tante Miesche (1905–1997). Da ihr Bruder Peter Hillesheim (1893–1973) ebenfalls Soldat war, ist es wahrscheinlich, dass der abgebildete Kamerad aus seinem persönlichen Umfeld stammt — möglicherweise ein Freund, Nachbar oder Mitrekrut aus der Region Kettig/Neuwied.

Die wiederholte Identifikation desselben Soldaten in mehreren Fotografien aus den Jahren 1914 bis 1917 lässt auf eine enge Verbindung schließen, die über den gesamten Kriegsverlauf hinweg Bestand hatte.

Museale Einordnung

Dieses Foto ergänzt das bereits bestehende Bildkonvolut um eine weitere wichtige Facette: die Ausbildungsphase des Soldaten. Zusammen mit den anderen Aufnahmen entsteht ein ungewöhnlich dichter, mehrjähriger Einblick in die militärische Biografie eines einzelnen Mannes — von der Ausbildung über den Lazarettaufenthalt bis zum Kasernendienst 1917.

Das Bild dokumentiert:

  • die Struktur früher Ausbildungseinheiten,
  • die Uniformierung und Selbstrepräsentation der Soldaten 1914,
  • die Bedeutung fotografischer Erinnerungsstücke im militärischen Alltag,
  • und die Verbindung zwischen persönlicher Familiengeschichte und den großen historischen Ereignissen des Ersten Weltkriegs.

Foto coloriert durch MyHeritage

Weihnachten 1914 im Lazarett Coblenz – Gruppenaufnahme mit verwundeten Soldaten und Pflegepersonal

Ort: Militärlazarett Coblenz
Datierung: Weihnachten 1914
Provenienz: Nachlass Hillesheim, Kettig
Hinweis: Der zuvor gezeigte Soldat (Portrait 1914) ist auf dieser Aufnahme sitzend rechts in der Stuhlreihe zu erkennen.

Diese historische Fotografie zeigt eine große Gruppe verwundeter Soldaten, Pflegepersonal und vermutlich auch Ärzte, die sich zu Weihnachten 1914 im Lazarett Coblenz versammelt haben. Die Szene ist sorgfältig arrangiert: In der Mitte steht ein geschmückter Weihnachtsbaum, umgeben von Patienten in Uniform oder Krankenhauskleidung sowie mehreren Krankenschwestern in typischer Diensttracht.

Die Stimmung wirkt trotz des militärischen und medizinischen Umfelds feierlich und gemeinschaftlich – ein Moment der Ruhe und Menschlichkeit inmitten des ersten Kriegswinters.

In der rechten Stuhlreihe sitzt ein Soldat, der eindeutig mit dem zuvor gezeigten Portrait von 1914 übereinstimmt. Die Übereinstimmung betrifft Haltung, Gesichtszüge und Uniformdetails. Damit lässt sich das Portrait zeitlich und biografisch in den Kontext eines Lazarettaufenthalts einordnen.

Historischer Kontext

Bereits im Herbst 1914 waren die Lazarette im Rheinland stark ausgelastet. Coblenz war ein bedeutender Standort der Militärverwaltung und verfügte über mehrere Lazarettabteilungen, in denen Verwundete aus den frühen Schlachten des Ersten Weltkriegs behandelt wurden.

Weihnachtsfeiern wie diese wurden vielerorts organisiert, um Verwundeten Trost zu spenden und ein Gefühl von Normalität zu vermitteln. Die Fotografien solcher Feiern wurden häufig an Familien geschickt oder als Erinnerungsstücke aufbewahrt.

Familiäre Einordnung

Das Foto stammt aus dem Nachlass von Tante Miesche (1905–1997). Da ihr Bruder Peter Hillesheim (1893–1973) ebenfalls Soldat im Ersten Weltkrieg war, ist es gut möglich, dass der abgebildete Kamerad aus seinem Umfeld stammt.

Die Verbindung zwischen Portrait und Lazarettfoto legt nahe, dass der Soldat:

  • 1914 im Raum Köln fotografiert wurde,
  • später verwundet oder erkrankt ins Lazarett Coblenz kam,
  • und dass seine Aufnahme als Erinnerung im Familienbesitz bewahrt wurde.

Diese Zuordnung bleibt offen, ist aber historisch plausibel und fügt sich stimmig in die überlieferte Familiengeschichte ein.

Museale Einordnung

Das Objekt ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Kriegserfahrung an der Heimatfront. Es dokumentiert:

  • die medizinische Versorgung im ersten Kriegswinter,
  • die soziale und emotionale Bedeutung von Gemeinschaftsfeiern im Lazarett,
  • die Rolle der Fotografie als Erinnerungsmedium,
  • und die Verbindung zwischen persönlicher Familiengeschichte und den großen historischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts.

Die Kombination aus Portrait und Lazarettaufnahme ermöglicht eine biografische Annäherung an einen einzelnen Soldaten, dessen Spuren sich in der regionalen Geschichte von Kettig und Coblenz erhalten haben.


Foto coloriert durch MyHeritage

Gruppenfoto von Sanitäts‑ oder Lazarettpersonal (nach 1914)

Ort: unbekannt, vermutlich Lazarett‑ oder Genesungseinrichtung
Datierung: vermutlich nach 1914
Provenienz: Nachlass Hillesheim, Kettig
Hinweis: Der bereits identifizierte Soldat aus den früheren Aufnahmen ist hier stehend in der Mitte eindeutig zu erkennen.

Diese historische Fotografie zeigt fünf Männer in einheitlichen, gestreiften Kitteln mit Schürzen und charakteristischen Mützen, die jeweils ein rundes Abzeichen tragen. Die Kleidung entspricht typischen Arbeits‑ oder Sanitätsuniformen der Zeit des Ersten Weltkriegs, wie sie in Lazaretten, Genesungsheimen oder militärischen Versorgungseinrichtungen getragen wurden.

Die Gruppe steht vor einem repräsentativen Eingang mit verzierten Holztüren und steinernem Portal — ein Hinweis auf ein größeres öffentliches oder militärisches Gebäude. Die Haltung der Männer wirkt gelöst und selbstbewusst, was auf eine spätere Phase des Krieges oder einen Genesungs‑ bzw. Arbeitsdienst hindeutet.

Der bereits aus mehreren Fotografien identifizierte Soldat ist hier in der Mitte stehend klar auszumachen. Im Vergleich zu den früheren Aufnahmen (1914 Portrait, Lazarett Coblenz 1914, Wachfoto 1917, Rekrutengruppe ca. 1914) wirkt seine Körperhaltung reifer und selbstsicherer, was eine zeitlich spätere Entstehung des Fotos nahelegt.

Historischer Kontext

Während des Ersten Weltkriegs wurden viele Soldaten nach Verwundungen oder Erkrankungen in Lazaretten eingesetzt — teils als Patienten, teils später als Hilfskräfte im Sanitäts‑ oder Verwaltungsdienst.

Typische Merkmale solcher Einrichtungen:

  • gestreifte Kittel für Pflege‑ oder Arbeitsdienste,
  • einheitliche Kopfbedeckungen mit Abzeichen,
  • Gruppenfotos vor Eingängen oder Verwaltungsgebäuden,
  • gemischte Teams aus Genesenden, Sanitätssoldaten und Hilfspersonal.

Die Aufnahme könnte daher eine Arbeitsgruppe innerhalb eines Lazaretts zeigen, möglicherweise während eines späteren Genesungsaufenthalts oder einer Versetzung in den Innendienst.

Familiäre Einordnung

Das Foto stammt aus dem Nachlass von Tante Miesche (1905–1997). Da ihr Bruder Peter Hillesheim (1893–1973) Soldat war und der abgebildete Kamerad auf mehreren Fotos aus seinem Umfeld erscheint, ist es wahrscheinlich, dass dieser Mann ein enger Freund oder Kamerad war, dessen Bilder bewusst im Familienbesitz aufbewahrt wurden.

Die wiederholte Identifikation desselben Soldaten über mehrere Jahre hinweg (1914–1917 und später) erlaubt eine ungewöhnlich dichte Rekonstruktion seiner militärischen Stationen.

Museale Einordnung

Dieses Foto erweitert das bestehende Konvolut um eine weitere Facette: den Dienst oder Aufenthalt in einer medizinischen Einrichtung. Zusammen mit den anderen Bildern entsteht ein bemerkenswert vollständiges Bild eines Soldatenlebens im Ersten Weltkrieg:

  • Ausbildung (ca. 1914),
  • Atelierportrait (1914),
  • Lazarettaufenthalt (Weihnachten 1914),
  • Kasernendienst (1917),
  • Sanitäts‑ oder Arbeitsdienst (dieses Foto).

Damit wird das Objekt zu einem wertvollen Zeugnis der individuellen Kriegserfahrung, der militärischen Mobilität und der sozialen Realität hinter der Front.


Foto coloriert durch MyHeritage

Soldatenportrait vor der Prinz‑Karl‑Kaserne (1917)

Ort: Prinz‑Karl‑Kaserne (vermutlich Ulm)
Datierung: 1917
Provenienz: Nachlass Hillesheim, Kettig
Hinweis: Der bereits identifizierte Soldat aus den Fotos von 1914 ist hier als zweiter von links sitzend eindeutig zu erkennen.

Diese Gruppenaufnahme aus dem Jahr 1917 zeigt acht Soldaten in feldgrauer Uniform, die vor dem Tor der Prinz‑Karl‑Kaserne posieren. Fünf Männer sitzen in der vorderen Reihe, drei stehen dahinter. Die Uniformen entsprechen der späten Phase des Ersten Weltkriegs, mit typischen Kragenpatten, Schirmmützen und Ausrüstungsdetails.

Im Vordergrund steht eine kleine Trommel und eine Tafel mit der Aufschrift „1917 / Wache / Prinz Karl Kass.“ angebracht ist. Die Szene zeigt eine Wachmannschaft, vermutlich während eines regulären Dienstes oder als bewusst arrangiertes Erinnerungsfoto.

Der Soldat, der bereits auf dem Atelierportrait von 1914 sowie auf der Lazarettaufnahme Weihnachten 1914 identifiziert wurde, ist hier zweiter von links sitzend klar auszumachen. Die Übereinstimmung von Gesichtszügen, Haltung und Uniformdetails bestätigt die Kontinuität seiner militärischen Laufbahn.

Historischer Kontext

Die Prinz‑Karl‑Kaserne war ein bedeutender Standort württembergischer Truppen. Im Jahr 1917 befand sich das Deutsche Heer im vierten Kriegsjahr; viele Soldaten waren nach Verwundungen oder Krankheit in Ersatz‑ und Genesungseinheiten eingesetzt oder übernahmen Wach‑ und Sicherungsaufgaben im Hinterland.

Gruppenfotos wie dieses dienten der Dokumentation von Kameradschaft und wurden häufig an Familien geschickt oder unter den Soldaten selbst verteilt.

Familiäre Einordnung

Das Foto stammt aus dem Nachlass von Tante Miesche (1905–1997). Da ihr Bruder Peter Hillesheim (1893–1973) ebenfalls Soldat war, ist es wahrscheinlich, dass der abgebildete Kamerad aus seinem persönlichen Umfeld stammt.

Die wiederholte Präsenz desselben Soldaten in mehreren Fotografien aus den Jahren 1914 und 1917 deutet auf eine enge Verbindung hin – sei es als Freund, Kamerad oder Nachbar aus Kettig oder der Region.

Museale Einordnung

Dieses Foto ist ein eindrucksvolles Zeugnis der militärischen Alltagskultur im Ersten Weltkrieg. Es dokumentiert:

  • die Struktur und Bedeutung von Wachmannschaften,
  • die Rolle von Kasernen als soziale Räume,
  • die Praxis der fotografischen Selbstrepräsentation von Soldaten,
  • und die Möglichkeit, individuelle Biografien über mehrere Bildquellen hinweg nachzuzeichnen.

Gemeinsam mit den anderen überlieferten Aufnahmen entsteht ein kohärentes biografisches Fragment, das die Wege eines einzelnen Soldaten zwischen Front, Lazarett und Kasernendienst sichtbar macht.



Militärische Manöverkarte von 1913
– Vorbereitung im Rheinland am Vorabend des Krieges

Die großformatige „Karte für die Manöver der 15. Division 1913“ ist ein eindrucksvolles Dokument der militärischen Planung im Deutschen Kaiserreich kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Sie wurde im Maßstab 1:1.000.000 erstellt und in der Kartographischen Abteilung der Königlichen Preußischen Landesaufnahme bearbeitet – der zentralen Institution für Vermessung und strategische Kartografie.

Die 15. Division und ihre rheinischen Standorte

Die 15. Division war eine der bedeutenden rheinischen Truppeneinheiten des preußischen Heeres. Ihr Divisionskommando befand sich in Köln, dem administrativen Zentrum der Einheit. Doch die Division war nicht nur in Köln präsent, sondern im gesamten Rheinland verankert:

  • Köln – Sitz des Divisionskommandos und wichtiger Garnisonsstandort
  • Koblenz – bedeutender Standort einzelner Regimenter und Stützpunkt für Übungen, Märsche und Logistik
  • Aachen, Bonn, Düren, Eschweiler, Jülich – weitere Standorte der unterstellten Regimenter

Damit wird verständlich, warum eine großräumige Karte wie diese notwendig war: Die Division operierte über ein weites Gebiet hinweg, und Koblenz spielte als strategischer Verkehrsknotenpunkt am Rhein eine zentrale Rolle. Von hier aus konnten Truppen verlegt, Manöver vorbereitet und Geländeabschnitte erkundet werden.

Inhalt und Funktion der Karte

Die Karte diente der Planung und Durchführung groß angelegter Divisionsmanöver. Sie zeigt:

  • Geländeformen und Höhenangaben
  • Flüsse, Täler und Übergänge
  • Straßen- und Bahnverbindungen
  • Ortschaften und strategische Punkte

Der Maßstab erlaubte einen weiten Überblick über ganze Regionen, ideal für die Koordination von Marschwegen, Versorgungslinien und Übungsszenarien.

Historischer Kontext: Europa kurz vor 1914

Das Jahr 1913 war geprägt von wachsender politischer Spannung. Großmanöver dienten:

  • der Erprobung moderner Gefechtsführung
  • der Ausbildung von Offizieren
  • der Vorbereitung auf mögliche Mobilmachungen
  • der Demonstration militärischer Stärke

Die Karte ist damit ein unmittelbares Zeugnis der Vorkriegsatmosphäre, in der militärische Planung bereits auf Hochtouren lief.

Museale Bedeutung

Für die Rubrik „Spuren der Kriege“ zeigt dieses Objekt:

  • die militärische Präsenz im Rheinland, insbesondere die Rolle von Köln und Koblenz
  • die Bedeutung von Kartografie als strategischem Werkzeug
  • die organisatorische Professionalität des preußischen Heeres
  • die enge Verbindung zwischen regionaler Geografie und militärischer Planung

Sie macht sichtbar, wie systematisch und großräumig militärische Übungen vorbereitet wurden – und wie stark Orte wie Koblenz in diese Strukturen eingebunden waren.


Militärische Manöverkarte der 16. Division (1913)

Objektart: topografische Militärkarte
Titel: Karte für das Korpsmanöver und die Manöver der 16. Division 1913
Datierung: 1913
Herkunft: Deutsches Kaiserreich, Vorkriegszeit
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Kategorie: Spuren der Kriege

Diese großformatige, mehrfach gefaltete Militärkarte wurde im Jahr 1913 für die Übungen des XVI. Armeekorps und der 16. Division erstellt. Sie zeigt ein detailliertes topografisches Geländeprofil mit Höhenlinien, Flussläufen, Wegen und Ortschaften und diente der taktischen Vorbereitung groß angelegter Manöver im Deutschen Kaiserreich.

Die Karte weist deutliche Gebrauchsspuren auf: Faltungen, Abrieb – und auf der linken Seite mehrere kreisrunde Abdrücke von Kaffeetassen, die sich wie zufällige Schatten vergangener Nutzung über das Papier legen. Diese Spuren verleihen dem Objekt eine besondere Authentizität. Sie lassen erahnen, dass die Karte nicht nur ein technisches Hilfsmittel war, sondern ein Arbeitsinstrument, das vermutlich auf Tischen von Offizieren lag, während Lagebesprechungen stattfanden, Entscheidungen vorbereitet wurden oder Pausen zwischen Übungen genutzt wurden. Die Kaffeeflecken sind damit stille Zeugnisse eines militärischen Alltags, der oft nüchterner und menschlicher war, als es offizielle Dokumente vermuten lassen.

Ein kleiner Übersichtsausschnitt in der Ecke zeigt das übergeordnete Manövergebiet und verdeutlicht die strategische Einbettung der Übungen.

Historischer Kontext

Die Karte stammt aus der unmittelbaren Vorkriegszeit, nur ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Militärische Großmanöver dienten im Kaiserreich sowohl der Ausbildung als auch der politischen Machtdemonstration.

1913 war geprägt von:

  • zunehmender Aufrüstung,
  • wachsender internationaler Spannung,
  • und einer Armee, die sich intensiv auf mögliche Konflikte vorbereitete.

Im Rückblick wirkt die Karte wie ein Vorzeichen der kommenden Ereignisse: ein Dokument aus einer Zeit, in der Krieg noch als planbares, geordnetes Manöver erschien – kurz bevor die Realität des Weltkriegs diese Vorstellung zerstörte.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Diese Karte ist ein eindrucksvolles Objekt für die Kategorie Spuren der Kriege, weil sie:

  • die militärische Denkweise der Vorkriegszeit sichtbar macht,
  • zeigt, wie Gelände als strategischer Faktor analysiert wurde,
  • die Vorbereitungsmechanismen eines Staates dokumentiert, der sich am Rand eines globalen Konflikts befand,
  • und durch die Kaffeetassenringe eine unerwartet persönliche, fast intime Spur militärischer Praxis bewahrt.

Gerade diese kleinen, unbeabsichtigten Markierungen machen das Objekt zu einem besonders eindrucksvollen Zeugnis: Sie verbinden die große Geschichte der Kriege mit den kleinen Gesten des Alltags, die sonst selten überliefert werden.


Foto restauriert und coloriert durch Google Gemini - Nano Banana Pro

Gruppenfoto des Telegraphen‑Bataillons
– Reservejahrgänge 1912–1914 (ca. 1913)

Objektart: formelles Gruppenfoto / militärische Mannschaftsaufnahme
Datierung: ca. 1913
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Person: Peter Hillesheim (1893–1973)hintere Reihe, 4. von links
Militärischer Kontext: Telegraphen‑Bataillon, III. Bataillon, 3. Kompanie
Ort: vermutlich Kassel oder Koblenz (Standorte des Telegraphen‑Bataillons)

Dieses Gruppenfoto zeigt Angehörige des Telegraphen‑Bataillons, III. Bataillon, 3. Kompanie, zugehörig zu den Reservejahrgängen 1912–1914. Die Soldaten sind in mehreren Reihen aufgestellt, in vollständiger Uniform, und posieren für eine offizielle Mannschaftsaufnahme.

Peter Hillesheim befindet sich in der hinteren Reihe, vierter von links. Die Aufnahme zeigt ihn in der frühen Phase seiner militärischen Laufbahn, bevor er 1914 in den Ersten Weltkrieg einrückte und später als Feldtelegraphist eingesetzt wurde.

Bildinhalt und Charakter

Die Fotografie zeigt:

  • eine große, streng aufgestellte Soldatengruppe,
  • Uniformen der Vorkriegszeit mit hohen Kragen und Kompanieabzeichen,
  • eine typische Kulisse militärischer Ausbildungsstandorte (Baumreihe, Außenaufnahme),
  • eine formelle, dienstliche Atmosphäre.

Im Gegensatz zu späteren Fotos aus dem Feld zeigt dieses Bild die geordnete, strukturierte Welt des Friedensdienstes, bevor der Krieg das Leben der Männer veränderte.

Handschriftliche Beschriftung

Auf dem Foto ist vermerkt:

„T.B. III 3 Comp
Reserve 1912–14“

Diese Angaben bestätigen:

  • die Zugehörigkeit zur 3. Kompanie des III. Telegraphen‑Bataillons,
  • die zeitliche Einordnung in die Reserveausbildung vor dem Krieg,
  • und die Funktion der Aufnahme als offizielles Erinnerungsfoto der Einheit.

Historischer Kontext

Die Telegraphen‑Bataillone waren hochspezialisierte technische Truppenteile. Sie bildeten:

  • Telegraphisten,
  • Fernsprecher,
  • Signal‑ und Nachrichtenpersonal aus.

Diese Männer bildeten später das Rückgrat der militärischen Kommunikation im Ersten Weltkrieg. Viele der hier abgebildeten Soldaten — darunter Peter Hillesheim — wurden 1914 mobilisiert und an die Front verlegt.

Dieses Foto zeigt die letzte Phase des Friedensdienstes, bevor die Einheit in den Krieg zog. Es passt daher zeitlich vor das nachfolgend beschriebene Foto der „Sprengung der letzten 300 Tage“ vom 16.11.1913.


Foto restauriert und coloriert durch Google Gemini - Nano Banana Pro

Gruppenfoto des Telegraphen‑Bataillons
– „Sprengung der letzten 300 Tage“
(16. November 1913, Koblenz)

Objektart: private Gruppenfotografie / Erinnerungsfoto
Datierung: 16. November 1913
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Person: Peter Hillesheim (1893–1973)stehend genau in der Mitte, hintere Reihe
Militärischer Kontext: Telegraphen‑Bataillon, 3. Kompanie (III. Comp.), Reservejahrgänge 1912–1914
Ort: „Cölner Hof“, Koblenz

  • In den Koblenzer Adressbüchern um 1910–1914 ist der „Cölner Hof“ unter Plan 7 als Gastwirtschaft geführt.

  • Der Name „Cölner Hof“ war typisch für Gaststätten, die sich an Reisende orientierten – der Plan war damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

 

Dieses großformatige Gruppenfoto zeigt Angehörige des Telegraphen‑Bataillons, Reservejahrgänge 1912–1914, bei einer feierlichen oder kameradschaftlichen Zusammenkunft im „Cölner Hof“ in Koblenz. Anlass war die sogenannte:

„Sprengung der letzten 300 Tage“
— ein traditioneller Ausdruck für das Feiern des letzten Abschnitts der aktiven Dienstzeit.

In der hinteren Reihe, genau in der Mitte, steht Peter Hillesheim, der später im Ersten Weltkrieg als Feldtelegraphist eingesetzt wurde. Das Foto dokumentiert damit nicht nur seine militärische Zugehörigkeit, sondern auch die frühe Phase seiner Ausbildung im Nachrichtenwesen.

Bildinhalt und Atmosphäre

Die Aufnahme zeigt:

  • eine große Gruppe junger Soldaten in Uniform,
  • versammelt um einen langen Tisch,
  • mit Bierkrügen, Gläsern und festlicher Stimmung,
  • in einem Gastraum mit Garderobenständern, Lampen und typischer Wirtshausatmosphäre der Zeit.

Die handschriftliche Beschriftung am unteren Rand lautet:

„Reserve 1912–14
Telegr. Battl. 3. III Comp.
Sprengung der letzten 300 Tage
im Cölner Hof 16.11.1913 Coblenz“

Diese Angaben machen das Foto zu einer selten präzise datierten Quelle der Vorkriegszeit.

Historischer Kontext

Vor dem Ersten Weltkrieg waren die Telegraphen‑Bataillone hochspezialisierte technische Truppenteile. Sie bildeten:

  • Fernmelder,
  • Telegraphisten,
  • Signal‑ und Nachrichtenpersonal aus.

Die Männer, die hier feiern, gehörten zu den Jahrgängen, die nur wenige Monate später in den Krieg zogen. Viele von ihnen wurden 1914 sofort mobilisiert und an die Front verlegt.

Für Peter Hillesheim markiert dieses Foto den Übergang:

  • vom Friedensdienst
  • zum Kriegsdienst, der ab 1914 sein Leben prägte.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Dieses Objekt ist museal besonders wertvoll, weil es:

  • die Vorkriegsrealität einer technischen Einheit zeigt,
  • die kameradschaftliche Kultur der Reservejahrgänge dokumentiert,
  • die militärische Ausbildung von Peter Hillesheim belegt,
  • und eine seltene Momentaufnahme aus der Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg darstellt.

Es ergänzt die späteren Feldpostkarten und Einsatzfotos hervorragend:
Während jene den Kriegsalltag zeigen, dokumentiert dieses Bild die Wurzeln und den Beginn seiner militärischen Laufbahn.


Foto restauriert und coloriert durch Google Gemini - Nano Banana Pro

Militärischer Aufmarsch einer deutschen Einheit (vermutlich 1914–1915)

Objektart: historische Fotografie / Truppenaufmarsch
Datierung: ca. 1914–1915
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Ort: unbekannt, möglicherweise Koblenz
Militärischer Kontext: deutsches Heer im Ersten Weltkrieg

Diese historische Fotografie zeigt einen großen militärischen Aufmarsch mit dicht geschlossenen Marschkolonnen, flankiert von zahlreichen Zuschauern. Die Soldaten tragen Mäntel und Helme, viele führen Gewehre. Im Hintergrund stehen weitere Formationen in Reih und Glied, während Offiziere den Ablauf überwachen.

Die Szene vermittelt den Eindruck eines feierlichen oder offiziellen Anlasses, etwa einer Parade, eines Ausmarsches oder einer öffentlichen Präsentation einer Truppeneinheit.

Einordnung der dargestellten Truppe

Die Uniformdetails — Mäntel, Helme mit Federbusch, geschulterte Gewehre — entsprechen dem Erscheinungsbild deutscher Infanterie zu Beginn des Ersten Weltkriegs.

Ob es sich konkret um die 25. Reserve‑Division handelt, lässt sich anhand des Fotos allein nicht sicher bestätigen. Allerdings sprechen mehrere Punkte dafür, dass dies möglich ist:

  • Die 25. Reserve‑Division wurde 1914 in Koblenz aufgestellt.
  • Große öffentliche Aufmärsche fanden dort regelmäßig statt, besonders zu Kriegsbeginn.
  • Die Zuschauerzahl und der städtische Rahmen passen zu einem Garnisonsstandort wie Koblenz.
  • Die Familie Hillesheim hat mehrere Bezüge zu dieser Division.

Damit ist es plausibel, dass das Foto einen Aufmarsch der 25. Reserve‑Division zeigt — aber nicht eindeutig belegbar.

Museal korrekt wäre daher die Formulierung:

„Möglicherweise Aufmarsch der 25. Reserve‑Division in Koblenz“

Historischer Kontext

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren öffentliche Aufmärsche ein wichtiges Mittel:

  • zur Mobilisierung,
  • zur Verabschiedung der Truppen,
  • zur Demonstration militärischer Stärke,
  • und zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls.

Solche Paraden wurden häufig fotografiert und als Erinnerungsstücke aufbewahrt oder verschickt.

Museale Bedeutung

Dieses Foto ist bedeutsam, weil es:

  • die militärische Kultur der Vorkriegs- und Frühkriegszeit zeigt,
  • die öffentliche Wahrnehmung des Militärs dokumentiert,
  • ein seltenes Beispiel für einen großen Aufmarsch mit Zuschauerbeteiligung ist,
  • und möglicherweise einen direkten Bezug zur Einheit von Peter Hillesheim hat.

Es ergänzt die Sammlung um eine repräsentative, öffentliche Perspektive auf die militärische Welt, die sich deutlich von den späteren Front‑ und Alltagsaufnahmen unterscheidet.


**Feldpost aus Fléville (Argonnen), 16. Februar 1915.
Peter Hillesheim, Telegraphen‑Bataillon Nr. 3, III. Kompanie, im Einsatz bei der 25. Reserve‑Division.
Fléville war 1915 ein zentraler Nachrichten‑ und Unterkunftsraum der deutschen 3. Armee im Argonnen‑Abschnitt, in dem schwere Stellungskämpfe tobten. Fernmelder wie Hillesheim sorgten unter großer Gefahr für die Verbindung zwischen den Fronttruppen und den Stäben.

Feldtelegraphie im Ersten Weltkrieg – Rollenetiketten und Feldpostkarte aus Fléville (1915/1916)

Objektart: Rollenetiketten des Deutschen Reichstelegraphen & Feldpostkarte
Datierung: 1915–1916
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Militärischer Kontext: 25. Reserve‑Division, Deutsches Kaiserreich
Einsatzort: Feldtelegraphenstation Fléville, Frankreich

Diese beiden Objekte – eine Rolle mit Etiketten des Deutschen Reichstelegraphen, ein historisches Foto zweier Feldtelegraphisten und die Rückseite dieser Feldpostkarte aus Fléville – stammen aus dem militärischen Umfeld von Peter Hillesheim (1893–1973), der im Ersten Weltkrieg in der 25. Reserve‑Division diente. Er war 1915 und 1916 nachweislich in einer Feldtelegraphenstation in Fleville (Frankreich) eingesetzt.

1. Rollenetiketten „Deutscher Reichstelegraph“

Material: Rollenpapier, blauer Druck
Technik: Buchdruck
Zustand: relativ gut erhalten, altersbedingte Patina

Die Etiketten zeigen den Reichsadler in ovaler Umrahmung mit der Aufschrift „Deutscher Reichstelegraph“. Solche Rollen wurden in Telegrafenstationen, Postämtern und militärischen Nachrichtenstellen verwendet, um Telegramme, interne Meldungen oder technische Dokumente zu kennzeichnen.

Dass diese Etiketten im Familienbesitz erhalten blieben, legt nahe, dass sie direkt aus dem Einsatzumfeld von Peter Hillesheim stammen – vermutlich aus der Feldtelegraphenstation in Fleville, in der er Dienst tat.

Sie stehen exemplarisch für die staatlich organisierte Nachrichtenübermittlung des Kaiserreichs, in der Telegrafie eine zentrale Rolle spielte – sowohl im zivilen Bereich als auch im militärischen Nachrichtendienst.

2. Feldpostkarte der Feldtelegraphenstation Fleville (1915)

Das zweite Objekt ist eine zeittypische Fotografie bzw. Feldpostkarte, die zwei Soldaten an einem Feldtelegraphen‑Arbeitsplatz zeigt. Die Männer tragen Kopfhörer, bedienen Morsegeräte und sitzen an einem improvisierten Tisch mit technischer Ausrüstung.

Das Bild vermittelt eindrucksvoll:

  • die technische Komplexität der Nachrichtenübermittlung,
  • die Enge und Improvisation der Arbeitsräume,
  • und die Bedeutung der Telegrafie für die militärische Führung.

Solche Fotos sind seltene Zeugnisse des Kommunikationsalltags an der Front – ein Bereich, der im kollektiven Gedächtnis oft hinter Infanterie‑ und Artilleriebildern zurücktritt.

Die Rückseite der Feldpostkarte, datiert auf den 16. Februar 1915, mit dem Absendervermerk:

„Feldpost…station Fléville“

Sie dokumentiert:

  • den tatsächlichen Einsatzort von Peter Hillesheim,
  • die Existenz einer organisierten Feldtelegraphenstelle in Fleville,
  • und die Bedeutung der Feldpost als Verbindung zwischen Front und Heimat.

Die Karte ist ein persönliches Schriftzeugnis, das die militärische Funktion (Telegraphie) und die private Ebene (Kommunikation mit der Familie) miteinander verbindet.

Historischer Kontext – Feldtelegraphie im Ersten Weltkrieg

Die Telegrafie war das Nervensystem der militärischen Führung. Über sie liefen:

  • Befehle,
  • Lageberichte,
  • Artillerie‑Koordination,
  • und logistische Meldungen.

Feldtelegraphisten wie Peter Hillesheim arbeiteten oft unter schwierigen Bedingungen: improvisierte Räume, technische Störungen, feindlicher Beschuss und die ständige Notwendigkeit, Leitungen zu reparieren oder neu zu verlegen.

Die Kombination aus Etikettenrolle, Foto und Feldpostkarte zeigt diesen Bereich des Krieges in ungewöhnlicher Dichte.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Dieses Objektensemble ist museal besonders wertvoll, weil es:

  • die Kommunikationsinfrastruktur des Ersten Weltkriegs sichtbar macht,
  • die tatsächliche Tätigkeit eines einzelnen Soldaten dokumentiert,
  • sowohl technische als auch persönliche Quellen vereint,
  • und ein seltenes Beispiel für materielle Überlieferung aus einer Feldtelegraphenstation darstellt.

Es zeigt, wie Krieg nicht nur an der Frontlinie stattfand, sondern auch in den stillen, konzentrierten Räumen der Nachrichtenübermittlung – dort, wo Informationen den Verlauf ganzer Operationen bestimmten.


„Beim Bäume fällen im Walde“ – Feldpostkarte aus Fléville (16. Februar 1915)

Kategorie: Spuren der Kriege
Objektart: Feldpostkarte (Fotografie + handschriftliche Rückseite)
Datierung: 16. Februar 1915
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Person: Peter Hillesheim (1893–1973) — der Mann im Hemd mit Hosenträgern
Ort: Fléville, Frankreich (Hinterland der Argonnen-Front)

Diese Feldpostkarte zeigt deutsche Soldaten während einer Arbeitsphase im Wald von Fléville im Februar 1915. Der Erste Weltkrieg hatte sich an der Westfront bereits zu einem Stellungskrieg verfestigt, in dem Waldarbeiten, das Schlagen von Holz und der Bau von Unterständen zum täglichen Alltag der Truppen gehörten.

Im Zentrum der Aufnahme steht Peter Hillesheim, der in Hemd und Hosenträgern beim Bäume fällen zu sehen ist. Die hellen Holzspäne am Boden und der angeschnittene Baumstamm belegen die Tätigkeit. Weitere Soldaten stehen oder sitzen um den Baum herum — ein Moment der Arbeit, aber auch der kurzen Ruhe.

Rückseite der Feldpostkarte

Die handschriftliche Notiz lautet:

„Beim Bäume fällen im Walde“

Damit wird das Motiv eindeutig beschrieben. Solche kurzen Beschriftungen waren typisch für Feldpostkarten, die Soldaten an ihre Familien schickten, um den Alltag abseits der unmittelbaren Front zu dokumentieren.

Holz war ein unverzichtbarer Rohstoff:

  • für Unterstände,
  • für Stützbalken in Gräben,
  • für Kochstellen,
  • für Brennholz,
  • für provisorische Wege und Stege.

Die Karte zeigt damit eine Tätigkeit, die zwar unspektakulär wirkt, aber für das Überleben im Stellungskrieg essenziell war.

Historischer Kontext – Fléville, Argonnen, Winter 1915

Fléville lag im deutschen Hinterland der Argonnen‑Front, einem dicht bewaldeten Gebiet, das von Grabensystemen, Unterständen und ständigen Sicherungsarbeiten geprägt war.

Die Uniformen ohne Stahlhelm (der erst ab 1916 eingeführt wurde), die kahlen Bäume und die winterliche Bodenbeschaffenheit passen exakt zum 16. Februar 1915, dem Datum, das die Metadaten der Aufnahme bestätigen.

Museale Bedeutung

Diese Feldpostkarte ist museal besonders wertvoll, weil sie:

  • die Arbeitsrealität hinter der Front zeigt,
  • einen seltenen Einblick in den Alltag deutscher Soldaten im Winter 1915 gibt,
  • die persönliche Perspektive von Peter Hillesheim dokumentiert,
  • und die Verbindung zwischen Front und Heimat über die Feldpost sichtbar macht.

Sie ergänzt die Sammlung um ein Objekt, das nicht Kampf oder Technik zeigt, sondern die körperliche, alltägliche Arbeit, die den Stellungskrieg überhaupt erst möglich machte.


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Feldpostkarte aus der Feldtelegraphenstation Fléville (31. Dezember 1915)

Kategorie: Spuren der Kriege
Objektart: Feldpostkarte (Fotografie + handschriftliche Rückseite)
Datierung: 31. Dezember 1915
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Person: Peter Hillesheim (1893–1973)
Militärischer Kontext: 25. Reserve‑Division, Deutsches Kaiserreich
Einsatzort: Feldtelegraphenstation N..., Frankreich

Diese Feldpostkarte vom 31. Dezember 1915 stammt aus dem Einsatz von Peter Hillesheim, der im Ersten Weltkrieg in der 25. Reserve‑Division diente und 1915/1916 in der Feldtelegraphenstation eingesetzt war. Die Karte vereint zwei Ebenen: eine fotografische Vorderseite und eine handschriftliche Rückseite, die gemeinsam ein selten dichtes Bild vom Alltag der Feldtelegraphisten vermitteln.

Vorderseite: Neujahrsgruß aus der Feldtelegraphenstation

Die Vorderseite zeigt eine Gruppenaufnahme von vier Soldaten in einem provisorisch eingerichteten Raum. Links im Bild sitzt Peter Hillesheim. Auf dem Tisch stehen Weinflaschen und Gläser, im Hintergrund ein geschmückter Weihnachtsbaum. Eine Tafel trägt die Aufschrift:

„Prosit Neujahr! 1916“

Diese Szene dokumentiert eindrucksvoll:

  • den Versuch, trotz Krieg Gemeinschaft und Normalität zu bewahren,
  • die kameradschaftliche Atmosphäre innerhalb der Telegraphentruppe,
  • und die improvisierten Lebensbedingungen hinter der Front.

Solche Fotografien sind seltene Zeugnisse des sozialen Lebens in technischen Einheiten, die im kollektiven Gedächtnis oft weniger präsent sind als Infanterie‑ oder Artillerietruppen.

Rückseite: Handschriftliche Feldpost vom 31.12.1915

Die Rückseite der Karte trägt eine handschriftliche Nachricht aus der Feldfernsprechstation, datiert auf den 31. Dezember 1915. Sie nennt mehrere Namen und Funktionsbezeichnungen der beteiligten Soldaten und dokumentiert damit die interne Struktur der Einheit.

Auch wenn einzelne Wörter schwer zu entziffern sind, ist klar erkennbar:

  • dass die Karte innerhalb der Telegraphentruppe zirkulierte,
  • dass sie als Neujahrsgruß und Erinnerungsstück diente,
  • und dass sie ein authentisches Schriftzeugnis aus dem unmittelbaren Einsatzraum ist.

Historischer Kontext – Feldtelegraphie im Ersten Weltkrieg

Die Karte ergänzt das zuvor beschriebene Ensemble aus Rollenetiketten und Telegraphistenfoto und zeigt die persönliche Seite derselben Tätigkeit. Während die Etiketten und Geräte den technischen Rahmen sichtbar machen, zeigt diese Karte:

  • die Menschen hinter der Technik,
  • ihre Versuche, im Krieg kleine Inseln der Normalität zu schaffen,
  • und die Bedeutung der Feldpost als Verbindung zwischen Front und Heimat.

Feldtelegraphenstationen waren das Kommunikationszentrum der Armee: Über sie liefen Befehle, Lageberichte und Artillerieanweisungen. Die Männer, die dort arbeiteten, waren hochspezialisierte Soldaten — und zugleich junge Männer, die den Jahreswechsel fern der Heimat verbrachten.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Diese Feldpostkarte ist ein besonders eindrucksvolles Objekt, weil sie:

  • Alltag, Kameradschaft und Emotionen im Krieg sichtbar macht,
  • ein seltenes Gruppenfoto aus einer Feldtelegraphenstation enthält,
  • die persönliche Präsenz von Peter Hillesheim dokumentiert,
  • und die Verbindung zwischen technischer Kriegsführung und menschlichem Erleben herstellt.

Sie ist ein kleines, aber tief berührendes Zeugnis dafür, wie Menschen im Krieg versuchten, sich selbst und einander Halt zu geben.


Foto coloriert durch MyHeritage

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Soldatenfoto aus dem Einsatzraum der 25. Reserve‑Division (1916)

Kategorie: Spuren der Kriege
Objektart: private Fotografie / Gruppenaufnahme
Datierung: 1916
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Person: Peter Hillesheim (1893–1973)zweiter von links, sitzend
Militärischer Kontext: 25. Reserve‑Division, Deutsches Kaiserreich
Ort: vermutlich Frankreich, Einsatzraum der Division

Diese Fotografie aus dem Jahr 1916 zeigt fünf Soldaten der 25. Reserve‑Division in einem Moment der Ruhe und Kameradschaft. Die Männer sitzen und stehen um einen kleinen Holztisch vor einem steinernen Gebäude, vermutlich einer Unterkunft oder einem provisorischen Quartier im Einsatzgebiet.

Peter Hillesheim, der in dieser Zeit in der Feldtelegraphie eingesetzt war, sitzt zweiter von links. Die Soldaten halten Gläser in der Hand, auf dem Tisch stehen Flaschen — ein seltener Augenblick der Entspannung inmitten des Kriegsalltags.

Bildinhalt und Atmosphäre

Die Aufnahme vermittelt eindrucksvoll:

  • die informellen Pausen zwischen den militärischen Aufgaben,
  • die kameradschaftliche Verbundenheit der Soldaten,
  • die provisorischen Lebensbedingungen im Feld,
  • und die Mischung aus Erschöpfung, Gelassenheit und Zusammenhalt, die viele Frontfotos dieser Zeit prägt.

Die einfache Szenerie — Holztisch, Stühle, Steinmauer, offene Tür — zeigt die improvisierte Realität des Kriegsalltags fernab der Heimat.

Historischer Kontext

Die 25. Reserve‑Division war 1916 an der Westfront eingesetzt, unter anderem in Lothringen und in den Bereichen um Verdun. Auch wenn der genaue Aufnahmeort nicht überliefert ist, passt die Szenerie zu den typischen Unterkünften und Ruheräumen hinter der Frontlinie.

Das Foto ergänzt die zuvor beschriebenen Objekte aus der Feldtelegraphenstation Fleville:
Während die Rollenetiketten und die Feldpostkarte die technische und schriftliche Seite des Dienstes zeigen, dokumentiert dieses Bild die menschliche Seite desselben Einsatzes — die Momente, in denen Soldaten versuchten, Normalität zu bewahren.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Dieses Foto ist ein wertvolles Objekt, weil es:

  • den Alltag jenseits der Kampfhandlungen sichtbar macht,
  • die soziale Realität der Soldaten zeigt,
  • die persönliche Präsenz von Peter Hillesheim im Ersten Weltkrieg dokumentiert,
  • und ein seltenes Beispiel für private Frontfotografie aus einer technischen Einheit darstellt.

Es ist ein stilles, aber eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie Menschen im Krieg Gemeinschaft suchten und bewahrten — selbst in den kurzen Pausen zwischen den Anforderungen des militärischen Dienstes.


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Feldpostkarte „Garten hinter der Feldtelegraphenstation“ (13. Januar 1916)

Objektart: Feldpostkarte (Fotografie + handschriftliche Rückseite)
Datierung: 13. Januar 1916
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Person: Peter Hillesheim (1893–1973)ganz links im Bild
Militärischer Kontext: 25. Reserve‑Division, Deutsches Kaiserreich
Ort: Gartenbereich hinter der Feldtelegraphenstation, vermutlich Ferme Navarin (Frankreich)

Diese Feldpostkarte aus dem Januar 1916 zeigt Peter Hillesheim gemeinsam mit vier Kameraden im Außenbereich einer Feldtelegraphenstation. Die Aufnahme entstand in einem kleinen Garten oder Hof hinter dem Stationsgebäude — ein Ort, der den Soldaten als kurzer Rückzugsraum diente.

Vorderseite: Soldaten im Garten hinter der Feldtelegraphenstation

Die Fotografie zeigt fünf Soldaten in entspannter Haltung vor einem steinernen Gebäude.

  • Peter Hillesheim steht ganz links, in Uniform.
  • Ein Kamerad sitzt rauchend auf einem Stuhl, andere stehen locker daneben.
  • Die Szene wirkt spontan und ungezwungen — ein Moment der Ruhe zwischen den technischen und organisatorischen Aufgaben der Feldtelegraphie.

Die Aufnahme vermittelt:

  • den informellen Alltag abseits der Front,
  • die kameradschaftliche Atmosphäre innerhalb der Telegraphentruppe,
  • und die räumliche Umgebung einer militärischen Nachrichtenstation im Feld.

Die Mischung aus Uniformen, improvisierter Umgebung und entspannten Körperhaltungen macht das Bild zu einem seltenen Zeugnis des Lebens „hinter den Drähten“.

Rückseite: Handschriftlicher Eintrag vom 13. Januar 1916

Die Rückseite trägt eine kurze handschriftliche Notiz, datiert auf den 13. Januar 1916.

Der Text verweist auf den Ort „Garten hinter der Feld...“. Auch wenn einzelne Wörter schwer zu entziffern sind, ist klar:

  • Die Karte wurde innerhalb der Einheit geschrieben,
  • sie diente als Erinnerungsstück an einen gemeinsamen Moment,
  • und sie bestätigt die zeitliche Einordnung der Aufnahme.

Damit ist die Karte nicht nur ein Bild, sondern auch ein persönliches Schriftzeugnis aus dem unmittelbaren Einsatzraum.

Historischer Kontext – Alltag in der Feldtelegraphie

Die Feldtelegraphie war das Kommunikationszentrum der Armee. Hier liefen Befehle, Meldungen und Artillerieanweisungen zusammen. Die Männer arbeiteten oft unter schwierigen Bedingungen, aber sie schufen sich kleine Inseln der Normalität — wie der Garten hinter der Station zeigt.

Diese Karte ergänzt die zuvor beschriebenen Objekte aus Fleville:

  • Die Rollenetiketten zeigen die technische Seite,
  • die Neujahrskarte die kameradschaftliche Festkultur,
  • und diese Karte zeigt die alltägliche Ruhe zwischen den Einsätzen.

Gemeinsam entsteht ein ungewöhnlich vollständiges Bild des Lebens eines Feldtelegraphisten.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Dieses Objekt ist besonders wertvoll, weil es:

  • die menschliche Seite des Kriegsalltags sichtbar macht,
  • die persönliche Präsenz von Peter Hillesheim dokumentiert,
  • die räumliche Umgebung einer Feldtelegraphenstation zeigt,
  • und ein seltenes Beispiel für private Frontfotografie mit zugehöriger Feldpostnotiz ist.

Es ist ein stilles, aber eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie Soldaten im Ersten Weltkrieg zwischen Pflicht, Technik und kurzen Momenten der Normalität lebten


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Feldpostkarte von Peter Hillesheim an seinen Vater Johann Hillesheim (21./22. April 1916)

Objektart: Feldpostkarte (Fotografie + postalisch gestempelte Rückseite)
Datierung: 21./22. April 1916
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Absender: Peter Hillesheim (1893–1973)
Adressat: Johann Hillesheim, Kettig bei Koblenz, Hauptstraße 269
Militärischer Kontext: 25. Reserve‑Division, Deutsches Kaiserreich
Ort der Aufnahme: vermutlich Ferme Navarin Frankreich, Einsatzraum der Division
Ort der postalischen Bearbeitung: Feldpostexpedition der Großherzoglich Hessischen 25. Reserve‑Division

Vorderseite: Gruppenfoto mit Sanitäter – Peter Hillesheim stehend rechts

Die Vorderseite zeigt eine größere Gruppe von Soldaten vor einem hölzernen oder gemauerten Unterstand.

  • Peter Hillesheim steht rechts hinter dem sitzenden Soldaten mit der Rotkreuzbinde, eindeutig erkennbar durch Haltung und Position.
  • Mehrere Soldaten tragen Armbinden mit Kreuzsymbol, was auf die Anwesenheit von Sanitätspersonal hinweist.
  • Die Szenerie wirkt wie ein kurzer Moment der Ruhe oder ein bewusst arrangiertes Erinnerungsfoto im Umfeld der Feldtelegraphie oder einer angeschlossenen Sanitätsstelle.

Die Aufnahme vermittelt:

  • die Durchmischung verschiedener Funktionsbereiche (Telegraphie, Sanitätswesen),
  • die kameradschaftliche Verbundenheit innerhalb der Einheit,
  • und die provisorische Architektur des Frontalltags.

Solche Gruppenfotos sind typische Erinnerungsstücke, die Soldaten an die Heimat schickten — oft als Beweis, dass es ihnen gut ging.

Rückseite: Feldpost vom 21./22. April 1916

Die Rückseite ist postalisch vollständig erhalten und zeigt:

  • den blauen Stempel „25. Res. Division – Brieftauben‑Train“,
  • den schwarzen Stempel der Feldpostexpedition der Großh. Hess. 25. Reserve‑Division, datiert 22.4.16,
  • die Adresse:
    „Herrn Joh. Hillesheim, Kettig b. Koblenz, Hauptstr. 269“
  • eine handschriftliche Nachricht von Peter Hillesheim (Inhalt nicht vollständig überliefert, aber eindeutig als persönliche Feldpost erkennbar).

Die Karte wurde vermutlich am 21. April 1916 geschrieben und am 22. April 1916 durch die Feldpost bearbeitet.

Die Stempel belegen:

  • die militärische Zugehörigkeit zur 25. Reserve‑Division,
  • die Nutzung des Brieftauben‑Trains (eine organisatorische Einheit für Nachrichtenübermittlung),
  • und die offizielle Weiterleitung über die Feldpostexpedition.

Historischer Kontext – Kommunikation im Ersten Weltkrieg

Diese Karte ergänzt die bisherigen Objekte aus der Feldtelegraphie auf ideale Weise:

  • Die Rollenetiketten zeigen die technische Infrastruktur,
  • die Neujahrskarte und die Gartenaufnahme zeigen den Alltag der Telegraphisten,
  • und diese Karte zeigt die offizielle Kommunikation zwischen Front und Heimat.

Die Feldpost war für Millionen Soldaten die wichtigste Verbindung zur Familie. Sie transportierte nicht nur Nachrichten, sondern auch Hoffnung, Normalität und Zugehörigkeit.

Die Stempel der 25. Reserve‑Division sind zudem ein wertvolles militärhistorisches Detail, das die genaue Einordnung des Einsatzraums ermöglicht.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Diese Feldpostkarte ist ein besonders aussagekräftiges Objekt, weil sie:

  • die persönliche Präsenz von Peter Hillesheim im Frühjahr 1916 dokumentiert,
  • ein authentisches Gruppenfoto aus dem Einsatzraum zeigt,
  • die offizielle militärische Postabwicklung sichtbar macht,
  • und die Verbindung zwischen Frontalltag und familiärer Kommunikation eindrucksvoll belegt.

Sie ist ein kleines, aber historisch dichtes Zeugnis, das sowohl die menschliche als auch die organisatorische Seite des Krieges sichtbar macht.


Foto restauriert und coloriert durch Google Gemini - Nano Banana Pro

Telegraphenmast (ca. 1916–1917)

Objektart: Fotografie eines errichteten Telegraphenmastes
Datierung: ca. 1916–1917
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Militärischer Kontext: Telegraphen‑Bataillon / Feldtelegraphie, Deutsches Kaiserreich
Ort: unbekannt, vermutlich Frankreich im Einsatzraum der 25. Reserve‑Division

Diese historische Fotografie zeigt einen von der Einheit von Peter Hillesheim errichteten Telegraphenmast, wie er im Ersten Weltkrieg zur militärischen Nachrichtenübermittlung genutzt wurde. Der Mast ist außergewöhnlich groß und mit mehreren Reihen von Isolatoren ausgestattet — ein Hinweis auf eine Hauptleitung oder einen wichtigen Verteilerpunkt im Feldtelegraphennetz.

Mehrere Soldaten stehen vor dem Mast und dem angrenzenden Gebäude. Die Szene wirkt bewusst dokumentarisch: ein Foto, das die technische Leistung und den Stolz der Einheit festhält.

Bildinhalt und Bedeutung

Das Foto zeigt:

  • einen hochkomplexen Telegraphenmast mit dicht gesetzten Isolatoren,
  • ein massives Gebäude mit Fensterläden, vermutlich eine Feldtelegraphenstelle oder Unterkunft,
  • mehrere Soldaten, die vor ihrer Arbeit posieren,
  • eine klare Straßenszene ohne erkennbare Kampfspuren.

Solche Masten waren entscheidend für:

  • die Übermittlung von Befehlen,
  • die Koordination von Truppenbewegungen,
  • die Artillerie‑Kommunikation,
  • und die Verbindung zwischen Front, Etappe und Heimat.

Der Bau und die Wartung dieser Anlagen gehörten zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Telegraphisten.

Historischer Kontext – Die technische Front des Ersten Weltkriegs

Die Telegraphen‑ und Fernsprechtruppen bildeten das Kommunikationsnetz der Armee. Ohne sie wären:

  • Artillerieeinsätze,
  • Rückzugsbefehle,
  • Versorgung,
  • Lageberichte

kaum möglich gewesen.

Dieses Foto zeigt die Infrastruktur, die Männer wie Peter Hillesheim errichteten — ein Bereich des Krieges, der selten im Fokus steht, aber für den Verlauf der Operationen unverzichtbar war.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Dieses Objekt ist museal besonders wertvoll, weil es:

  • die materielle Seite der Feldtelegraphie sichtbar macht,
  • die Arbeitsleistung und technische Kompetenz der Telegraphisten dokumentiert,
  • die räumliche Umgebung einer Nachrichtenstation zeigt,
  • und die Sammlung um ein seltenes Motiv ergänzt:
    nicht nur die Menschen, sondern die technische Struktur, die sie schufen.

Es bildet ein wichtiges Gegenstück zu den Gruppenfotos, Feldpostkarten und Alltagsszenen aus der Einheit von Peter Hillesheim.


Foto coloriert durch MyHeritage

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Vier Feldpostkarten aus dem Raum Verdun (30. August 1917)

Objektart: Feldpostkarten (Fotografien + handschriftliche Rückseiten)
Datierung: 30. August 1917
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Militärischer Kontext: 25. Reserve‑Division, Deutsches Kaiserreich
Einsatzraum: Frontabschnitt Verdun, Frankreich

Diese vier Feldpostkarten wurden am 30. August 1917 beschriftet und stammen aus dem Einsatzraum der Schlachtfelder von Verdun, einem der zentralen Kriegsschauplätze des Ersten Weltkriegs. Jede Karte trägt auf der Rückseite das gleiche Datum und eine kurze Orts‑ oder Motivangabe, die den Blick des Soldaten auf seine Umgebung festhält.

Gemeinsam bilden sie ein eindrucksvolles visuelles und schriftliches Zeugnis der Kriegslandschaft, wie sie Peter Hillesheim im Spätsommer 1917 erlebte.

1. „Stellung bei Verdun“

Die erste Karte zeigt eine Gruppe deutscher Soldaten in einer Schützengraben‑ oder Deckungsstellung.

Die Szene vermittelt:

  • die zerstörte, kahle Landschaft des Verdun‑Sektors,
  • die unmittelbare Nähe zur Front,
  • und die typische Enge und Gefährdung der Grabensysteme.

Die handschriftliche Notiz „Stellung bei Verdun“ verortet das Bild eindeutig im Umfeld der anhaltenden Stellungskämpfe.

2. „Französische Batterie“

Die zweite Karte zeigt zwei zerstörte oder aufgegebene französische Geschütze.

Sie dokumentiert:

  • die Materialschlachten des Ersten Weltkriegs,
  • die enorme Zerstörungskraft der Artillerie,
  • und die Spuren zurückgelassener Stellungen nach schweren Kämpfen.

Solche Motive wurden häufig als „Beweisbilder“ verschickt, um den Angehörigen zu zeigen, was an der Front tatsächlich sichtbar war.

3. „Französischer Tank“

Die dritte Karte zeigt einen französischen Panzer, vermutlich ein frühes Modell, das im Stellungskrieg eingesetzt wurde.

Sie steht für:

  • die technologische Entwicklung des Krieges,
  • das Auftreten neuer Waffengattungen,
  • und die Faszination wie auch Bedrohung, die diese Maschinen auslösten.

Für viele Soldaten war der Anblick eines Panzers 1917 noch etwas Neues und Bemerkenswertes — entsprechend häufig tauchen solche Motive in Feldpostkarten auf.

4. „Worville“

Die vierte Karte zeigt eine Straßenszene eines französischen Ortes, vermutlich Worville (heute: möglicherweise Vauquois, Wavrille oder ein ähnlich klingender Ort im Verdun‑Sektor).

Das Motiv zeigt:

  • zivile Architektur im Kriegsgebiet,
  • militärische Arbeiten oder Aufräumarbeiten auf der Straße,
  • und die Präsenz von Soldaten im Ortsbild.

Solche Karten dokumentieren die Überlagerung von zivilem Raum und militärischer Nutzung, wie sie im Frontgebiet alltäglich war.

Historischer Kontext – Verdun 1917

Obwohl die große Schlacht von Verdun 1916 stattfand, blieb der Raum auch 1917 ein hochaktiver Frontabschnitt. Die Stellungen waren zerstört, die Landschaft verwüstet, und die Kämpfe gingen in wechselnder Intensität weiter.

Die vier Karten zeigen:

  • Stellungen,
  • Artilleriereste,
  • neue Waffentechnik,
  • und zerstörte Ortschaften.

Damit bilden sie ein kompaktes Panorama der Kriegsrealität im Verdun‑Sektor.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Dieses Kartenensemble ist museal besonders wertvoll, weil es:

  • vier unterschiedliche Aspekte des Frontalltags zeigt,
  • die persönliche Perspektive von Peter Hillesheim dokumentiert,
  • die Zerstörungskraft und technische Entwicklung des Krieges sichtbar macht,
  • und die Verbindung zwischen Front und Heimat über die Feldpost greifbar macht.

Gemeinsam erzählen die Karten von der Härte des Stellungskrieges, der Verwüstung der Landschaft und der Art und Weise, wie Soldaten ihre Umgebung wahrnahmen und weitergaben.


Foto coloriert durch MyHeritage

Fotografie einer französischen Familie im Quartier – mit handschriftlicher Erläuterung von Peter Hillesheim (ca. 1917)

Kategorie: Spuren der Kriege
Objektart: private Fotografie + handschriftliche Rückseitenbeschreibung
Datierung: vermutlich 1917
Provenienz: Familiennachlass Hillesheim, Kettig
Person: Peter Hillesheim (1893–1973)
Ort: Umgebung von Mouriès (Südfrankreich), laut Wegweiser im Bild
Diese Fotografie zeigt ein offenes Automobil mit fünf Personen, aufgenommen in einem französischen Ort nahe Mouriès. Die Kleidung der Personen und der Fahrzeugtyp weisen auf die Zeit des Ersten Weltkriegs hin. Das Bild wirkt auf den ersten Blick wie eine zivile Alltagsszene — doch die handschriftliche Rückseite offenbart seine eigentliche Bedeutung.

Vorderseite: Eine französische Familie im Automobil

Auf dem Foto sitzt eine französische Familie in einem offenen Wagen. Die Szene wirkt ruhig, fast alltäglich, und zeigt:

  • eine ältere Frau,
  • eine jüngere Frau in heller Kleidung,
  • ein Mädchen, etwa 12 Jahre alt,
  • sowie zwei weitere Personen im Fahrzeug.

Der Wegweiser im Hintergrund („Mouriès 3 K“) verortet die Aufnahme in der Provence.

Rückseite: Persönliche Erklärung von Peter Hillesheim

Die handschriftliche Notiz von Peter Hillesheim macht das Foto zu einem Zeitzeugnis von Nähe, Begegnung und Alltag im Krieg. Er schreibt:

„Umstehende Karte habe ich von einer alten Platte gemacht.
Der Herr ist in deutscher Gefangenschaft.
Die alte Frau links neben ihm ist die Großmutter, in deren Wohnung wir in Quartier sind.
Die Mutter (oder die Frau von dem Herrn) ist auf der andern Karte die weiß angezogene Person und das kleine Mädchen ist die 12 Jahre alte Remand.
Also Großmutter, Mutter und Kind aus unserem Quartier.
Herzliche Grüße Peter“

Diese Zeilen zeigen:

  • dass die abgebildete Familie direkt mit dem Quartier der deutschen Soldaten verbunden war,
  • dass der Mann auf dem Foto Kriegsgefangener war,
  • dass Peter Hillesheim die Menschen im Quartier persönlich kannte,
  • und dass er bewusst ein Bild dieser Familie nach Hause schickte, um seine Erlebnisse zu teilen.

Die Notiz ist ein seltenes Beispiel für zwischenmenschliche Begegnungen im Krieg, fernab der Front.

Historischer Kontext – Quartierleben im Ersten Weltkrieg

Deutsche Soldaten waren häufig in französischen Dörfern einquartiert. Dabei entstanden:

  • pragmatische Alltagsbeziehungen,
  • gelegentlich freundschaftliche Kontakte,
  • aber auch Spannungen, geprägt von Besatzung und Kriegsrealität.

Die Erwähnung eines Gefangenen im Haushalt zeigt die komplexe Situation:
Zivilbevölkerung, Kriegsgefangene und Soldaten lebten teilweise unter einem Dach.

Dieses Foto dokumentiert genau diese Grauzone zwischen Krieg und Alltag, die in offiziellen Quellen kaum sichtbar wird.

Museale Einordnung – „Spuren der Kriege“

Dieses Objekt ist museal besonders wertvoll, weil es:

  • eine zivile Perspektive auf den Krieg zeigt,
  • die Begegnung zwischen deutschen Soldaten und französischen Familien dokumentiert,
  • ein seltenes Beispiel für persönliche Reflexion eines Soldaten ist,
  • und die menschliche Dimension des Quartierlebens sichtbar macht.

Es ergänzt die militärischen Fotos und Feldpostkarten von Peter Hillesheim um eine soziale, zwischenmenschliche Ebene, die den Krieg nicht nur als Kampfgeschehen, sondern als Lebenswirklichkeit zeigt.