Bevor Werner die große Liste der Spieler vorlas, wollte Marita natürlich wissen, wer denn eigentlich in der ersten Mannschaft vom Schachclub Kettisch gespielt hat. Und genau an dieser Stelle begann eine der unterhaltsamsten Erinnerungsrunden des Abends – voller Zwischenrufe, Gelächter und erstaunlicher Namen.
Marita stellte also die Frage, die alle hören wollten:
„Ber wor dann in de ürschte Mannschaft beim Schachclub Kettisch?“
Werner, der seine Unterlagen wie einen Schatz hütete, hob den Kopf und sagte breit grinsend:
„Ber wor dann in de Ürschte Mannschaft dren jewes. Hei stinn die Name all!“
„Mei Vadde, de wor och dobei!“
Werner nickte zufrieden.
„Jetz les ich eich emol jrad vor, wer bei uns in de Ürschte jespillt hat.“
Aus der Runde kam ein skeptischer Zwischenruf:
„Dat woren doch net nur Ketsche…?“
Werner schnaubte.
„Noch net en halve!“
Der ganze Raum lachte.
Dann begann er, die Namen und Berufe vorzulesen – und jeder Eintrag klang beeindruckender als der vorherige:
- Helmut Glock, Betriebswirt graduiert
- Norbert Degenhart, leitender Angestellter bei Rasselstein
– Werner kommentierte: „Dat wor e hu Deer beim Rasselstein.“ - Hartmuth Kauter, Diplom‑Ingenieur für Brauereitechnologie
– „Och käne Dommkopp!“
– „Ove wenn der dat Wort Pockere jehürt hätt, fing der aan ze ziddere!“
– „Wenn die hei trainiert hann, kom der fönfmo raus: Was ist mit dem Tisch? Fangt nicht an ohne mich!“
Werner lachte und zeigte ein Foto.
„Dat wor de Hartmuth Kauter – said aus, als wenn e ken Wässerche trübe könnt.“
Dann kam endlich ein Kettiger Junge in der Liste:
Wilhelm Fink, Student der Germanistik und politischen Wissenschaften
und die nächsten in der Liste
- Helmut Kess, Amtsrat
- Helmut Hürter, Student der Mathematik und Physik
- Ralf König, Organisationsleiter der rheinischen Lebensversicherung
– Werner: „Der wor en Zwillingsbroder vom Herr Kauder – pockertechnisch!“
Weiter ging es:
- Heinz Schulz, kaufmännischer Angestellter
- Georg Stein, Rentner
– Werner hob die Stimme:
„Der Mann wor ehemalijer DDR‑Großmeister! Der is jeflüchtet änunsechzisch un hät hei in Ketsch och jespillt!“
Da meldete sich Manni zu Wort:
„Mein Vadde hat jo gude Kontakte mit dem Müllersch Günde. Do hieß dat mo: Pitter, künnst dau mo am Sontach Morje no Annenach fahre an de Bahnhoff den suwiesu Dokter abhole…“
Werner nickte heftig:
„Jo, der belgische Großmeister sowieso – der is hei imme enjefloche wure, füred Schachspille!“
Der ganze Raum lachte, staunte und schüttelte ungläubig den Kopf.
Und am Ende war allen klar:
Der Schachclub Kettisch wor emol e janz jroße Numme.
Nicht nur im Dorf – sondern in ganz Deutschland.