Schule & Bildung / Lern- und Unterrichtsmaterialien
Schulbank mit Tintenfassmulde – wie sie früher in der „Kettijer Schull“ standen
Datierung: vermutlich erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
Material: Massivholz, Metallgestell, eingelassene Tintenfassmulde
Provenienz: Schulmöbel aus regionalem Bestand; vergleichbar mit Mobiliar der Volksschule in Kettig
Zustand: gebraucht, mit deutlichen Gebrauchsspuren; stabile Konstruktion
Gestaltung und Funktion
Die Schulbank besteht aus einem fest verbundenen Sitz- und Schreibplatz, gefertigt aus massivem Holz mit einem schräg gestellten Pultdeckel. In die Oberfläche ist eine runde Mulde für das Tintenfass eingelassen – ein typisches Merkmal der Schulmöbel aus der Zeit vor dem Kugelschreiber.
Auf dem Pult liegt eine kleine Schiefertafel mit geometrischer Zeichnung, daneben ein hölzernes Federmäppchen mit dem Aufdruck „G. J. Uebeleisen“, einem bekannten Hersteller für Schulbedarf. Die Bank bietet Platz für zwei Schüler und war Teil eines streng geordneten Klassenraums, in dem Disziplin und Handschrift gleichermaßen zählten.
Kulturelle Einordnung
Diese Schulbank steht exemplarisch für den Alltag in der „Kettijer Schull“, wie ihn Generationen erlebt haben: mit Griffel und Tinte, mit Rechenaufgaben auf der Tafel und dem Geruch von Bohnerwachs im Flur.
Als museales Objekt dokumentiert sie die Bildungsgeschichte des Dorfes, die Entwicklung von Lernkultur und die handfesten Spuren, die Schulzeit im Leben hinterlässt. Sie erzählt von Konzentration, Gemeinschaft und dem Stolz, endlich „in die Schull“ zu gehen.
Griffeldose
– Schulalltag mit Herz und Handschrift
Datierung: vermutlich 1950er–1960er Jahre
Material: Holz, bedruckt und handbeschriftet
Provenienz: Schulbedarf; möglicherweise aus regionalem Handel
Zustand: gebraucht, mit deutlichen Gebrauchsspuren und persönlichen Einträgen
Gestaltung und Funktion
Die rechteckige Griffeldose aus Holz diente zur Aufbewahrung von Griffeln, Bleistiften und kleinen Schreibutensilien. Der Deckel trägt einen grafischen Aufdruck mit zwei stilisierten Bleistiften und der Bezeichnung „Griffeldose“ in markanter Schrift.
Besonders auffällig sind die handgeschriebenen Einträge: „I Love You“ in roter Tinte sowie Zahlen und Kritzeleien auf der linken Seite. Diese persönlichen Spuren machen die Dose zu einem lebendigen Zeugnis des Schulalltags – zwischen Rechenaufgaben, Tagträumen und ersten Schwärmereien.
Pädagogische Einordnung
Die Griffeldose steht für die materielle Kultur der Volksschule, für Ordnung im Ranzen und kleine Rituale am Pult. Sie erzählt von einem Schulalltag, wie er auch in der „Kettijer Schull“ stattgefunden haben könnte – mit Schiefertafel, Tintenfass und dem Stolz auf ein eigenes Mäppchen.
Als museales Objekt dokumentiert sie nicht nur die Funktion eines Gebrauchsgegenstands, sondern auch die Spuren kindlicher Persönlichkeit, die sich in Kritzeleien und Liebesbotschaften verewigen. Ein stiller Zeuge von Lernen, Wachsen und dem ganz normalen Leben zwischen den Zeilen.
Schreibtafel mit gehäkeltem Wischtuch
– „Griffeldavel“ als Lernwerkzeug
Datierung: ca. 1950er–1970er Jahre
Materialien: Holzrahmen, Schiefertafel oder lackierte Schreibfläche; Wischtuch aus Baumwollgarn, gehäkelt
Herkunft: Mitteleuropa, Schulbedarf für Grund- und Volksschulen
Gestaltung und Funktion
Die Griffeltafel besteht aus einer rechteckigen Schreibfläche mit Holzrahmen, die entweder aus Schiefer oder aus lackiertem Karton gefertigt ist. Sie diente dem Schreiben mit Griffel oder Kreide – für Rechenübungen, Schreibtraining oder Notizen im Unterricht.
Besonders charmant ist das gehäkelte Wischtuch, in Blau und Orange, mit Schlaufe zum Aufhängen. Solche Tücher wurden oft von Eltern oder Großeltern gefertigt und verliehen dem Schulalltag eine persönliche Note.
Pädagogische Einordnung
Die Griffeltafel war ein zentrales Werkzeug im Schulalltag vieler Generationen – wiederverwendbar, leise, sparsam. Sie steht für eine Zeit, in der Lernen mit einfachen Mitteln geschah, aber mit großer Sorgfalt.
Im Dialekt wurde sie schlicht als „Davel“, „Schiefertafel“ oder „Griffelbrett“ bezeichnet. Als museales Objekt dokumentiert sie die Verbindung von Bildung, Handwerk und familiärer Fürsorge.
Sie erzählt von Klassenzimmern mit Holzstühlen, von Tafelbildern und vom Stolz, den ersten Buchstaben sauber zu schreiben – begleitet vom selbstgehäkelten Tüchlein, das mehr war als nur ein Wischer: ein Stück Zuhause im Schulranzen.
Handglocke mit Holzgriff und Messingkörper – Das Pausensignal
Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Messing (Glockenkörper), Holz (gedrechselter Griff)
Zustand: Gebrauchsspuren, sichtbare Korrosion und Lochbildung am unteren Rand
Gestaltung und Funktion
Die Glocke besteht aus einem gedrechselten Holzgriff und einem leicht ausgestellten Messingkörper mit umlaufenden Zierlinien. Die Form ist klassisch, funktional und auf gute Klangentfaltung ausgelegt.
Ein sichtbares Loch am unteren Rand deutet auf Korrosion oder mechanische Beschädigung hin – ein Zeichen intensiver Nutzung oder Alterung. Die Oberfläche zeigt typische Patina, die auf langjährige Verwendung schließen lässt.
Kulturelle Einordnung
Solche Handglocken wurden traditionell verwendet:
- in Schulen zum Pausensignal oder zur Ordnung
- in kirchlichen Kontexten bei Andachten oder Prozessionen
- im Haushalt als Rufzeichen, etwa für Dienstboten oder Pflege
Im Dialekt hätte man sie schlicht als „Glöckche“, „Handglock“ oder „Klingel“ bezeichnet.
Als museales Objekt steht sie für eine Zeit, in der akustische Signale sichtbar, greifbar und persönlich waren. Sie erzählt von Alltag, Ritual und Kommunikation ohne Elektronik – und von der Hand, die sie geführt hat.
Leder-Medizinball
– Sportgerät aus dem Schulsport
Datierung: vermutlich Mitte 20. Jahrhundert
Material: Echtleder, handvernäht, mit zentralem Rundpatch
Typ: Medizinball für Kraft- und Koordinationstraining
Zustand: gebraucht, mit sichtbaren Falten und Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Dieser Medizinball aus Leder war ein zentrales Trainingsgerät in Turnhallen und für den Schulsport. Sein Gewicht und seine Form erlaubten vielfältige Übungen zur Kraft, Koordination und Beweglichkeit – vom Werfen und Fangen bis zu Partnerübungen und Stabilisierungsarbeit.
Die handvernähten Ledersegmente und die zentrale Rundnaht zeigen die hochwertige Verarbeitung und die typische Gestaltung früherer Sportgeräte, bevor Kunststoff und Massenproduktion Einzug hielten.
Kulturelle Einordnung
Der Medizinball war über Jahrzehnte ein Symbol für körperliche Ertüchtigung im Schulsport. Er steht für eine Zeit, in der Training einfach, direkt und körpernah war – ohne digitale Geräte, aber mit viel Disziplin und Gemeinschaft.
In Kettig und Umgebung gehörten solche Bälle zur Ausstattung von Turnhallen und Schulsälen – oft begleitet von Holzsprossenwänden, Matten und Seilen.
Museale Bedeutung
Dieser Leder-Medizinball dokumentiert die Materialkultur des Schulsports, die Verbindung von Bewegung, Pädagogik und Gemeinschaft. Er steht für eine Ära, in der Sport nicht nur Leistung, sondern auch Charakterbildung und soziale Teilhabe bedeutete – und in der ein einfacher Ball zum Werkzeug für Gesundheit und Haltung wurde.
Der kleine Geograph – Farbig illustrierte Lernwelt für den Erdkundeunterricht
Das vorliegende Heft aus der Reihe „Der kleine Geograph“ zeigt besonders schön, wie sich der Schulunterricht im frühen 20. Jahrhundert weiterentwickelte: weg von rein schwarz‑weißen Arbeitsblättern hin zu farbigen Karten, die Kindern das Lernen anschaulicher und lebendiger machten. Die farbigen Darstellungen waren ein deutlicher Fortschritt und machten das Heft zu einem beliebten Begleiter im Erdkundeunterricht.
Aufbau und didaktische Idee
Das Heft gehört zur Abteilung I – Billige Atlashefte und behandelt das Thema Europa. Trotz des Begriffs „billig“ war der Inhalt erstaunlich hochwertig:
- farbige Karten, die politische und geografische Strukturen klar erkennbar machten
- übersichtliche Gestaltung, ideal für jüngere Schülerinnen und Schüler
- hohe Auflagenzahlen, was auf eine weite Verbreitung im Schulalltag hinweist
- ergänzende Arbeits- und Wiederholungshefte in der Gesamtreihe
Die farbigen Karten halfen Kindern, Länder, Grenzen, Flüsse und Gebirge schneller zu erfassen – ein wichtiger Schritt in der Entwicklung moderner Schulatlanten.
Schulischer Kontext
Erdkunde war ein Kernfach, das:
- Orientierung in Europa und der Welt vermitteln sollte
- politisches Verständnis förderte
- Heimatkunde mit Weltwissen verband
- durch Kartenarbeit besonders praxisnah war
Ein Heft wie dieses zeigt, wie visuell und anschaulich der Unterricht bereits damals gestaltet wurde – lange vor modernen Farbatlanten oder digitalen Karten.
Museale Bedeutung
Für die Rubrik „Schule & Bildung – Lern- und Unterrichtsmaterialien“ steht dieses Heft exemplarisch für:
- den Übergang von einfachen Schwarz-Weiß-Arbeitsblättern zu farbigen Lernmaterialien
- die Entwicklung des Geografieunterrichts
- die grafische Gestaltung früher Schulatlanten
- die Materialkultur des historischen Schulalltags
Es ist ein lebendiges Zeugnis dafür, wie Kinder früher die Welt entdeckten – mit einfachen Mitteln, aber bereits erstaunlich modernem Anspruch.