Körperpflege & Wohlbefinden – Mens sana in corpore sano
Vasenol Körper‑Sanitärs‑Puder
Vasenol‑Werke Dr. Arthur Köpp A.G., Leipzig
Deutschland, ca. 1930er–1950er Jahre
Kategorie: Körperpflege- und Konsumgeschichte
Diese kleine Blechdose mit roter Lackierung enthält „Vasenol Körper‑Sanitärs‑Puder“, ein Körperpflegeprodukt der Leipziger Vasenol‑Werke. Solche Puder gehörten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Standardausstattung vieler Haushalte und wurden sowohl zur täglichen Hygiene als auch zur Vorbeugung von Hautreizungen verwendet. Die Dose ist ein typisches Beispiel für frühe Markenartikel im Bereich Körperpflege und zeigt die Gestaltungssprache der Vorkriegs- und frühen Nachkriegszeit.
Beschreibung
- zylindrische Blechdose mit roter Lackierung
- schwarzer und weißer Aufdruck im typischen Schriftbild der Zeit
- Deckelbeschriftung: „Körper Vasenol Puder“
- Seitenbeschriftung u. a.:
- „Ideales Vorbeugungsmittel gegen Wundlaufen“
- „beseitigt unangenehme Hautausdünstungen, Schweißgeruch u.s.w.“
- „Für Sport und Reise unentbehrlich“
- Hersteller: Vasenol‑Werke Dr. Arthur Köpp A.G., Leipzig
- deutliche Gebrauchsspuren: Kratzer, Lackabrieb, leichte Roststellen
Die Dose ist ein schönes Beispiel für frühe Produktverpackungen aus dünnem Weißblech, bevor Kunststoffbehälter üblich wurden.
Historische Einordnung
Das Produkt steht exemplarisch für:
- die Hygienevorstellungen der 1930er–1950er Jahre
- die Verbreitung von Körperpudern als Mittel gegen Reibung, Schweiß und Geruch
- die Rolle der Vasenol‑Werke als Hersteller von Körperpflegeprodukten
- die frühe Markenbildung im Bereich Kosmetik und Hygiene
- die typische Blechverpackung der Zeit, die robust und wiederverwendbar war
Solche Puder wurden im Alltag, beim Sport, auf Reisen und in der Kinderpflege eingesetzt.
Museale Bedeutung
Die Dose ist kulturhistorisch wertvoll, weil sie:
- ein authentisches Beispiel früher Körperpflegeprodukte darstellt
- die Werbe- und Verpackungssprache der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt
- ein Stück Alltags- und Konsumgeschichte bewahrt
- durch ihre Patina eine gelebte Nutzungsgeschichte vermittelt
In einer Sammlung zur Alltags-, Konsum- oder Hygienegeschichte ist dieses Objekt ein anschauliches Beispiel für frühe Markenartikel und Körperpflegepraktiken
Badeofen „KALDEWAI ROBUSTA 1,8 mm“
– Warmwasser aus Feuerkraft
Datierung: vermutlich mittleres 20. Jahrhundert
Material: emailliertes Stahlblech, Armaturen aus Metall, Brauseschlauch
Typbezeichnung: KALDEWAI ROBUSTA 1,8 mm
Provenienz: häusliche Nutzung in Waschküche, Keller oder Nebengebäude
Zustand: gebraucht, mit Patina und funktionaler Erhaltung; Anschluss für Ofenrohr sichtbar
Gestaltung und Funktion
Der Badeofen vom Typ „KALDEWAI ROBUSTA“ ist ein feuerbeheizter Warmwasserbereiter, wie er in vielen Haushalten vor der Einführung zentraler Heizsysteme verwendet wurde. Das Gerät wird von unten mit Holz oder Kohle befeuert, wobei das Wasser im emaillierten Behälter erhitzt wird.
Oben befindet sich der Anschluss für das Ofenrohr, das die Abgase ableitet. Die Armatur mit Warm- und Kaltwassergriff sowie Brauseschlauch erlaubt die direkte Nutzung des erhitzten Wassers – etwa zum Baden, Duschen oder Waschen.
Kulturelle Einordnung
Solche Badeöfen waren ein fester Bestandteil der Alltagskultur in ländlichen und städtischen Haushalten, besonders in Waschküchen, Kellern oder Nebengebäuden. Sie stehen für die Übergangszeit zwischen Feuer und Leitung, für Eigeninitiative und die Kunst, mit einfachen Mitteln Komfort zu schaffen.
Als museales Objekt dokumentiert der „KALDEWAI ROBUSTA“ die Materialkultur der Wärmeversorgung, die Verbindung von Technik und Lebenspraxis – und die stille Leistung eines Geräts, das Wärme aus Flammen schöpfte.
Keramiktasse („Pisspott“)
und emaillierter Nachttopf („Pann“)
Datierung: ca. 1930er–1960er Jahre
Materialien:
- Links: glasierte Keramiktasse („Pisspott“)
- Rechts: emaillierter Nachttopf („Pann“)
Herkunft: Mitteleuropa, Haushalts- und Sanitärkultur
Gestaltung und Funktion
Links steht der Pisspott – eine Keramiktasse, die äußerlich stark an eine klassische Kaffeetasse erinnert, mit Henkel und schlichtem Dekor. Trotz dieser Form wurde sie nicht als Trinkgefäß genutzt. In vielen Haushalten dienten solche Keramikgefäße als kleiner Nachttopf oder als Behältnis für Flüssigkeiten im Schlafzimmer oder Stallbereich. Die dickwandige Keramik war robust, leicht zu reinigen und unempfindlich gegenüber Gerüchen.
Rechts befindet sich die Pann, ein emaillierter Nachttopf mit blauem Rand und seitlichem Henkel. Er war für die nächtliche Notdurft gedacht und wurde unter dem Bett oder im Nachtschrank aufbewahrt. Die Emaille sorgte für Hygiene und einfache Reinigung.
Kulturelle Einordnung
„Pisspott un Pann“ zeigen zwei Varianten derselben Grundfunktion – aber in unterschiedlichen Materialien und Größen. Die Keramiktasse, die wie eine Kaffeetasse aussieht, ist ein schönes Beispiel dafür, wie Alltagsgegenstände zweckentfremdet oder regional unterschiedlich genutzt wurden.
Der Dialekt macht die Zuordnung klar und unverblümt:
- Pisspott für das kleine Keramikgefäß
- Pann für den größeren emaillierten Nachttopf
Beide Objekte erzählen von einer Zeit vor dem Badezimmer, von Pragmatismus, Humor und regionaler Alltagssprache.
Zerlegbarer Reiserasierer aus Messing
– „Reiserasierer von Johann Hillesheim“
Datierung: vermutlich 1920er–1940er Jahre
Hersteller: MULCUTO, Solingen
Materialien: Messing, Stahl (Klinge), Blechdose mit Farbresten
Herkunft: Solingen, Deutschland – persönliche Nutzung durch Opa Peter Hillesheim
Gestaltung und Funktion
Der Rasierer besteht aus mehreren zerlegbaren Messingteilen:
- Rasierkopf mit verstellbarer Doppelklinge und Schraubmechanik
- Gerändelter Griff für sicheren Halt
- Kleine, zylindrische Blechdose zur Aufbewahrung, mit Korrosionsspuren und verblasster Lackierung
Die Gravuren „MULCUTO WERK SOLINGEN GERMANY“ verweisen auf die traditionsreiche Klingenfertigung in Solingen. Die Konstruktion erlaubt das platzsparende Verstauen – ideal für Reisen, Militärdienst oder Wochenpendler.
Kulturelle Einordnung
Dieser Reiserasierer steht für eine Zeit, in der Körperpflege mobil, mechanisch und langlebig war. Er war Teil der persönlichen Ausstattung eines Mannes, der Wert auf Ordnung und Auftreten legte – ob auf Reisen, im Dienst oder zu Hause.
Im Dialekt hätte man ihn schlicht als „Rasiermaschinche“, „Reiserasierer“ oder „Messingrasierer“ bezeichnet. Als museales Objekt dokumentiert er die Verbindung von Handwerk, Pflegekultur und persönlicher Geschichte.
Er erzählt von Opa Peter Hillesheim – von seinem Alltag, seiner Sorgfalt, vielleicht auch von seinem Stolz, ein ordentliches Rasiergerät zu besitzen. Die Gebrauchsspuren, die Patina, die Dose: alles spricht von einem Gegenstand, der nicht nur benutzt, sondern begleitet wurde.
Klappbarer Sicherheits‑Rasierapparat aus Stahl
– „Reiserasierer Marke Vorwärts“
Datierung: ca. 1910er–1930er Jahre
Hersteller/Marke: Vorwärts (Deutschland), eingetragenes Gebrauchsmuster D.R.G.M. 223705
Materialien: Stahl (Rasierapparat), Karton (Originalschachtel)
Herkunft: Deutschland, persönlicher Besitz von Uropa Johann Hillesheim
Gestaltung und Funktion
Der Rasierer ist ein klappbares Modell, eine frühe und platzsparende Bauform des Sicherheitsrasierers. Typische Merkmale:
- Klappmechanismus: Der Griff lässt sich nach links oder rechts an den Rasierkopf anlegen, sodass ein kompaktes, reisefreundliches Paket entsteht.
- Stahlkonstruktion: Robust, langlebig, korrosionsbeständig – ideal für Reisegepäck oder Feldgepäck.
- Gerändelter Griff für sicheren Halt beim Rasieren.
- D.R.G.M. 223705 auf dem Kopf – Hinweis auf ein geschütztes deutsches Gebrauchsmuster.
- Originale Pappschachtel mit den Aufschriften
- „Sicherheits Rasier‑Aparat“
- „Marke Vorwärts“
Die Schachtel zeigt deutliche Alterungsspuren, was ihre Authentizität unterstreicht.
Der Klappmechanismus macht den Apparat zu einem typischen Reiserasiergerät der Zeit – kompakt, funktional und zuverlässig.
Kulturelle Einordnung
Klappbare Sicherheitsrasierer waren besonders beliebt bei:
- Reisenden
- Soldaten
- Handwerkern und Pendlern
- Männern, die ein kompaktes, aber hochwertiges Rasiergerät benötigten
Der Rasierer steht für eine Epoche, in der Körperpflege mechanisch, präzise und mobil war. Als persönlicher Besitz von Uropa Johann Hillesheim trägt er nicht nur technische, sondern auch familiäre Bedeutung.
Er erzählt von Alltag, Sorgfalt und dem Anspruch, auch unterwegs gepflegt aufzutreten – ein kleines, aber charakterstarkes Stück Familiengeschichte.
„OPA’S RASIERTOPF“
– Nostalgisches Rasurset in Replikform
Datierung: Spätes 20. oder frühes 21. Jahrhundert (Replik)
Materialien: Keramik (Rasiertopf), Holz und Kunststoff (Rasierpinsel), Rasierseife
Herkunft: Deutschland, vermutlich als Geschenkartikel oder Retro-Produkt gefertigt
Gestaltung und Funktion
Das Rasurset besteht aus einem glasierten Keramiktopf mit Henkel und Seitentasche, einer runden Rasierseife und einem Rasierpinsel mit Holzgriff. Die Aufschrift „OPA’S RASIERTOPF“ ist humorvoll und typografisch modern gestaltet – ein Hinweis auf die nostalgische, aber nicht historische Herkunft.
Die Form des Topfs orientiert sich an klassischen Rasiergefäßen, wie sie bis in die 1950er Jahre verwendet wurden:
- Seife wird im Topf aufgeschäumt
- Der Pinsel dient zum Auftragen des Schaums auf die Haut
- Die Seitentasche kann Wasser oder den Pinsel aufnehmen
Kulturelle Einordnung
Dieses Objekt ist eine Replik, keine originale Antiquität. Es greift die Formensprache und Funktion traditioneller Rasursets auf, wird aber mit einem spielerischen, familiären Bezug („Opa“) und modernen Materialien präsentiert.
Solche Artikel sind typisch für eine Rückbesinnung auf handwerkliche Rituale und werden oft als Geschenkartikel, Dekoration oder Retro-Erinnerung verkauft. Sie stehen für die Sehnsucht nach Beständigkeit, für familiäre Wärme und für die Ästhetik vergangener Alltagskultur.
Mechanischer Haarschneider
– „Handhaarschneider“
Datierung: ca. 1920er–1950er Jahre
Material: Stahl, vernickelt oder verchromt, mit sichtbaren Gebrauchsspuren und Korrosion
Herkunft: Deutschland oder Mitteleuropa, fabrikmäßig gefertigt
Gestaltung und Funktion
Der Haarschneider besteht aus zwei gegenläufigen Schneidblättern, die durch das Zusammendrücken der Federgriffe in Bewegung gesetzt werden. Die Schneidmechanik ist rein mechanisch, ohne Strom oder Batterie.
Typisch für diese Geräte sind:
- Federmechanismus zur Rückstellung
- Zahnschnitt für gleichmäßige Haarlängen
- Robuste Ganzmetallkonstruktion, oft vernickelt oder verchromt
- Einfach zerlegbar zur Reinigung und Wartung
Die sichtbare Patina und Korrosion zeugen von langjährigem Gebrauch – möglicherweise im häuslichen Umfeld oder beim Dorffriseur.
Kulturelle Einordnung
Mechanische Haarschneider waren bis in die 1950er Jahre weit verbreitet, besonders:
- in ländlichen Haushalten
- bei Friseuren ohne Stromanschluss
- im Militär und Internaten
Im Dialekt nannte man sie oft „Haarschneidmaschinche“, „Schnibbelapparat“ oder schlicht „Schneidgerät“.
Als museales Objekt steht der Haarschneider für eine Zeit, in der Körperpflege handbetrieben, präzise und langlebig war. Er erzählt von Haarschnitten am Küchentisch, von Sonntagsfrisuren und von der handwerklichen Sorgfalt, mit der Generationen gepflegt wurden.
Metallspritze mit Holzgriff
– medizinisches Gerät zur häuslichen Anwendung
Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: vernickeltes Metall, Holzgriff, Kolbenmechanik
Zustand: gebraucht, mit typischer Patina und Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Die Spritze besteht aus einem zylindrischen Metallkörper mit Kolbenmechanik, einem hölzernen Griffstück und einer Anschlussöffnung für Schläuche oder Kanülen.
Solche Geräte wurden häufig zur Verabreichung von Flüssigkeiten, insbesondere für:
- Einläufe (Klistiere)
- Spülungen (z. B. bei Wunden oder Ohren)
- häusliche Reinigungsmaßnahmen im Rahmen der Volksmedizin
Die Anwendung erfolgte meist im häuslichen Umfeld, oft unter Anleitung von Hebammen, Heilkundigen oder erfahrenen Familienmitgliedern.
Kulturelle Einordnung
Im Dialekt wurde das Gerät je nach Region als „Spritze“, „Klistier“, „Reinigungsrohr“, „Darmrohr“ oder „Hausdoktor“ bezeichnet.
Es steht für eine Zeit, in der medizinische Versorgung nicht flächendeckend verfügbar, sondern oft selbst organisiert und tradiert war. Die Geräte wurden gereinigt, aufgehoben und über Generationen weitergegeben – Ausdruck von Vertrauen in bewährte Methoden.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert die Verbindung von Körperpflege, Heilpraxis und Selbsthilfe. Es erzählt von einer Kultur, in der Gesundheit nicht delegiert, sondern gestaltet wurde – mit einfachen Mitteln, aber großer Sorgfalt.
Als museales Objekt steht die Metallspritze für eine Zeit, in der medizinische Geräte robust, langlebig und direkt waren – und für die Rolle der Hausmedizin als Brücke zwischen Erfahrung und Versorgung.
Eiskompresse mit Schraubdeckel
– „Eiskompresse“
Datierung: ca. 1950er–1980er Jahre
Material: Textilgewebe (wasserdicht beschichtet), Kunststoffdeckel mit Schraubverschluss
Herkunft: Mitteleuropa, medizinischer Haushaltsbedarf
Gestaltung und Funktion
Die Eiskompresse besteht aus einem faltbaren, runden Textilkörper, der sich durch Falten sternförmig ausdehnt und an die Körperform anpasst. Der obere Teil ist mit einem weißen Schraubdeckel versehen, der das Einfüllen von Eis oder kaltem Wasser ermöglicht.
Solche Kompressen wurden zur lokalen Kühlung bei Prellungen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder Fieber eingesetzt. Sie sind flexibel, wiederverwendbar und passen sich durch die Faltenstruktur gut an Stirn, Knie oder Schulter an.
Kulturelle Einordnung
Die Eiskompresse war ein vertrautes Hausmittel – oft griffbereit im Schrank, schnell zur Hand bei „Koppwieh“ oder „e Beul“. Sie steht für Fürsorge, Erste Hilfe und den Wunsch, Schmerzen zu lindern, bevor der Arzt gerufen wurde.
Im Dialekt wurde sie je nach Region als „Kachelche“, „Koppkühlche“ oder einfach „Kühlbeutel“ bezeichnet – ein Ausdruck, der Wärme, Nähe und Alltag verbindet. Als museales Objekt dokumentiert sie die Verbindung von medizinischer Funktion, häuslicher Pflege und sprachlicher Prägung
Bimsstein mit Aufhängeschlaufe
– Körperpflege aus vulkanischem Ursprung
Datierung: Gebrauch bis heute; Fundstück aus der Umgebung
Material: natürlicher Bimsstein (vulkanisches Glas), geflochtene Kunststoffschlaufe
Provenienz: aus der Region um Kettig; typisches Haushaltsobjekt
Zustand: gebraucht, mit deutlichen Spuren der Nutzung; Schlaufe intakt
Gestaltung und Funktion
Der helle, poröse Bimsstein stammt aus der vulkanisch geprägten Landschaft der Umgebung – vermutlich aus dem Neuwieder Becken oder der Pellenz, wo Bims seit Jahrhunderten abgebaut wird. Die grobe Oberfläche eignet sich ideal zur mechanischen Entfernung von Hornhaut, besonders an Füßen und Händen.
Die geflochtene Schlaufe dient der Aufhängung im Badezimmer, oft direkt in der Dusche oder am Waschbecken. Der Stein liegt gut in der Hand und ist durch seine natürliche Struktur langlebig und hygienisch.
Kulturelle Einordnung
Bimsstein ist ein typisches Produkt der Region – sowohl geologisch als auch wirtschaftlich. Der Abbau und die Verarbeitung von Bims prägten über Jahrzehnte das Leben in der Umgebung, etwa in Mülheim-Kärlich, Plaidt oder Kettig selbst.
Als museales Objekt steht der Bimsstein für die Verbindung von Naturmaterial und Körperpflege, für die Nutzung regionaler Ressourcen im Alltag und für die stillen Routinen der Selbstfürsorge. Er erzählt von Hygiene, von Gewohnheiten und von der Nähe zwischen Landschaft und Lebenspraxis.
Friseurstuhl
wie er bei Raths Hans in der Dobenstraße gestanden haben könnte
Datierung: vermutlich 1930er–1950er Jahre
Material: Metallgestell, Lederpolsterung, Holzarmlehnen, verchromte Elemente
Provenienz: Herkunft unbekannt; typisches Modell eines traditionellen Herrenfriseursalons
Zustand: stark gebraucht, mit Patina und altersbedingten Spuren; Mechanik weitgehend erhalten
Gestaltung und Funktion
Der schwere Friseurstuhl vereint robuste Technik mit handwerklicher Eleganz. Das solide Metallgestell trägt eine gepolsterte Sitz- und Rückenfläche aus dunklem Leder, flankiert von geschwungenen Holzarmlehnen. Besonders charakteristisch ist die justierbare Kopfstütze, deren gepolsterte Auflagen individuell an die Körpergröße des Kunden angepasst werden konnten – ideal für Rasur und Haarschnitt.
Die ausklappbare Fußablage bietet dem sitzenden Kunden Halt und Komfort. Zusätzlich verfügt der Stuhl über eine zweite, kleinere ausklappbare Fußstütze, speziell für Kinder oder kleinere Personen, die im Friseursalon oft auf einem Zusatzbrett oder Kissen saßen. Diese Doppelfußstütze war ein typisches Merkmal vieler Dorffriseure.
Die Mechanik des Stuhls erlaubte das leichte Zurücklehnen und Positionieren des Kunden, was besonders für die klassische Nassrasur wichtig war.
Kulturelle Einordnung
Dieser Friseurstuhl steht für den traditionellen Herrenfriseur als sozialen Treffpunkt des Dorfes. Genau so ein Modell könnte bei Raths Hans in der Dobenstraße gestanden haben, wo man nicht nur die Haare schneiden ließ, sondern Neuigkeiten austauschte, lachte und manchmal auch wartete, bis man „dran war“.
Als museales Objekt erzählt der Stuhl von handwerklicher Präzision, von Ritualen der Körperpflege und von einer Zeit, in der der Friseurbesuch ein kleines gesellschaftliches Ereignis war.
Elektrischer Haartrockner „FÓN“
– wie Technik und Markenname Geschichte schrieben
Datierung: vermutlich 1950er–1960er Jahre
Material: Metallgehäuse, Kunststoffgriff, textilummanteltes Stromkabel
Hersteller: nicht eindeutig identifizierbar; Bezeichnung „FÓN“ in Anlehnung an die historische Marke „Fön“
Zustand: gebraucht, mit altersbedingten Spuren; Kabel und Gehäuse intakt
Gestaltung und Funktion
Der kompakte Haartrockner trägt die Gravur „FÓN“, eine Schreibweise, die unmittelbar an die frühe Markenbezeichnung „Fön“ erinnert. Dieser Name wurde ursprünglich von der Berliner Firma Sanitas eingeführt und später von AEG weitergeführt. Der Begriff leitet sich vom warmen Alpenwind „Föhn“ ab – ein treffendes Bild für die Funktion des Geräts.
Das Metallgehäuse mit gelochter Luftaustrittsöffnung, der schwarze Kunststoffgriff und das stoffummantelte Stromkabel spiegeln typische Designmerkmale der Nachkriegszeit wider: solide Technik, klare Linien und ein Hauch von Modernität. Der Haartrockner erzeugt warme Luft über einen kleinen Motor und leitete sie durch das Frontgitter – ein Prinzip, das bis heute unverändert geblieben ist.
Kulturelle Einordnung
Der Haartrockner „FÓN“ steht für eine Phase, in der elektrische Körperpflegegeräte den Alltag eroberten. Der Markenname „Fön“ wurde so bekannt, dass er zum Gattungsbegriff für Haartrockner wurde – ein seltenes Beispiel dafür, wie ein Markenname in die Alltagssprache übergeht.
Als museales Objekt dokumentiert der Haartrockner die Technisierung der Schönheitspflege, den Stolz auf moderne Haushaltsgeräte und den Wandel von Friseursalons und Badezimmern in der Nachkriegszeit. Er erzählt von neuen Routinen, von Selbstständigkeit und von einem Stück technischer Kulturgeschichte, das bis heute im Sprachgebrauch nachhallt.
Waschlavoir – Original von Tante Miesche
Datierung: vermutlich frühes 20. Jahrhundert
Material: Keramik, handbemalt mit blauem Dekor
Provenienz: Familienbesitz; überliefert von Tante Miesche
Zustand: gut erhalten, mit Gebrauchsspuren; vollständiges Set aus Schüssel und Krug
Gestaltung und Funktion
Das Waschlavoir besteht aus einem großen Keramik-Waschkrug und einer passenden Waschschüssel, beide verziert mit blauem floralen Dekor auf weißem Grund. Die geschwungene Form, der gezackte Rand und die feine Bemalung zeugen von handwerklicher Qualität und ästhetischem Anspruch.
Solche Sets wurden vor der Einführung fließenden Wassers im Haushalt verwendet – meist auf einem Waschtisch im Schlafzimmer oder der „guten Stube“. Der Krug wurde mit Wasser gefüllt, die Schüssel diente zur Körperpflege.
Kulturelle Einordnung
Dieses Waschlavoir ist nicht nur ein Zeugnis der häuslichen Hygiene vergangener Zeiten, sondern auch ein emotionales Familienobjekt. Als Original von Tante Miesche erzählt es von Gewohnheiten, Fürsorge und dem Stolz auf schöne Dinge im Alltag.
Als museales Objekt dokumentiert es die Materialkultur des Waschens, die Verbindung von Funktion und Schönheit und die Weitergabe von Dingen über Generationen hinweg – mit Geschichten, die sich nicht abwaschen lassen.
Drei historische Glasflaschen
– Apotheken‑ und Haushaltsglas
(ca. spätes 19. Jh. bis frühes 20. Jh.)
Kategorie: Alltagskultur – Pharmazie, Haushalt & Kleingewerbe
Dieses kleine Ensemble aus drei Glasflaschen zeigt typische Formen und Materialien, wie sie in Apotheken, Haushalten und kleinen Werkstätten vom späten 19. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitet waren. Die Stücke dokumentieren den Übergang von handwerklich hergestelltem Gebrauchsglas zu industriell gefertigten Behältnissen.
1.) Kleine braune Apothekenflasche mit Korkverschluss
Beschreibung
- gedrungene, zylindrische Form
- braunes (bernsteinfarbenes) Glas
- originaler oder zeittypischer Korkverschluss
- glatte Oberfläche ohne Prägung
Einordnung
Braunglas wurde bevorzugt für lichtempfindliche Substanzen verwendet, etwa Tinkturen, ätherische Öle oder medizinische Lösungen.
Die kleine Größe deutet auf hochkonzentrierte oder teure Inhaltsstoffe hin.
2.) Klare, farblose Flasche ohne Verschluss
Beschreibung
- transparentes, farbloses Glas
- zylindrischer Körper mit leicht verjüngtem Hals
- kein Verschluss erhalten
- industriell geblasenes oder gepresstes Glas
Einordnung
Solche Flaschen wurden universell eingesetzt:
für Hausmittel, Chemikalien, Essenzen, Spirituosen oder Vorräte.
Die fehlende Prägung spricht für Alltagsgebrauch und breite Verfügbarkeit.
3.) Hohe, gerippte braune Flasche mit Korkverschluss
Beschreibung
- schlanke, hohe Form
- vertikale Rippenstruktur zur besseren Griffigkeit
- braunes Glas
- Korkverschluss
- dekorativ und funktional zugleich
Einordnung
Gerippte Flaschen wurden häufig für medizinische Präparate, Haushaltschemikalien oder Apothekenware genutzt.
Die Rippen dienten als taktiler Warnhinweis:
Viele solcher Flaschen enthielten reizende oder gefährliche Stoffe.
Museale Bedeutung des Ensembles
Diese drei Flaschen sind ein anschauliches Beispiel für:
- die Materialkultur des Alltags um 1900
- die Entwicklung von Apotheken‑ und Laborbehältnissen
- die zunehmende Standardisierung industrieller Glasproduktion
- die Vielfalt von Formen, Farben und Funktionen im historischen Gebrauchsglas
Gemeinsam erzählen sie eine Geschichte von Heilmitteln, Haushaltspraxis und handwerklicher Versorgung in einer Zeit, in der Glasbehälter noch wertvolle Mehrwegobjekte waren.
Höhensonne „Original Hanau“
(Deutschland, ca. 1950er–1960er Jahre)
Deutschland, ca. 1950er–1960er Jahre
Medizin- und Alltagsgeschichte – UV‑Bestrahlungsgeräte und Dokumentation
Hersteller: Original Hanau / Quarzlampen GmbH Hanau
Die „Höhensonne Original Hanau“ gehört zu den bekanntesten UV‑Bestrahlungsgeräten der Nachkriegszeit. Sie wurde in Haushalten, Arztpraxen und Kurheimen eingesetzt und galt als modernes Mittel zur Gesundheitsvorsorge. Ihr charakteristisches stromlinienförmiges Gehäuse und der schwere Bakelit‑Sockel spiegeln das Designverständnis der 1950er und frühen 1960er Jahre wider.
Beschreibung
- cremefarbenes, tropfenförmiges Lampengehäuse
- massiver, glänzend schwarzer Sockel aus Bakelit mit Rippenstruktur
- rückwärtig geführtes Netzkabel
- originaler Umschlag/Beipackzettel „Höhensonne® Original Hanau“ mit Firmenlogo
- sichtbare Gebrauchsspuren, die auf regelmäßigen Einsatz hinweisen
Das Gerät kombiniert funktionale Technik mit einer für die Zeit typischen, leicht futuristischen Formensprache.
Begleitunterlagen
a) Produktbroschüre „Solilux – Schmerzen lindern und heilen“
- farbig gestaltete Werbebroschüre im Stil der 1950er Jahre
- beschreibt Licht‑ und Wärmetherapiegeräte des Herstellers
- vermittelt den medizinischen Fortschrittsoptimismus der Zeit
b) Prüfkarte / Testkarte
- grüne Karte mit gedruckten Prüf- und Kontrollfeldern
- handschriftliche Nummern belegen die werkseitige Funktionsprüfung
- dokumentiert die Qualitätskontrolle der Quarzlampen GmbH Hanau
c) Garantieschein / Garantieanhänger
- kleiner weißer Anhänger, zweisprachig (Deutsch/Französisch)
- handschriftliche Nummer
- ursprünglich am Gerät befestigt
- zeigt den internationalen Vertrieb und das strukturierte Servicewesen
d) Originalumschlag „Höhensonne Original Hanau“
- beiger Umschlag mit Firmenlogo (Strahlenfigur)
- diente zur Aufbewahrung aller Unterlagen
- typisches Corporate Design der Wirtschaftswunderzeit
Technische Einordnung
- UV‑Lampe zur künstlichen Bestrahlung von Haut und Körper
- Einsatzbereiche:
- Vitamin‑D‑Zufuhr im Winter
- Behandlung von Hauterkrankungen
- kosmetische Bräunung
- Betrieb über Netzstrom
- Reflektor im Inneren zur Bündelung der Strahlung
- häufig mit Schutzbrillen und Zeitmessern ausgeliefert (hier nicht vorhanden)
Die Höhensonne war ein typisches Produkt der Nachkriegsmoderne, als künstliches UV‑Licht als gesundheitsfördernd galt.
Historische Bedeutung
Die „Original Hanau“ steht exemplarisch für:
- den medizinischen Fortschrittsglauben der 1950er/60er Jahre
- die Verbreitung von Heim‑Therapiegeräten
- die Rolle von Heraeus/Hanau als führendem Hersteller von UV‑Technik
- die Verbindung von medizinischer Anwendung und kosmetischem Nutzen
Solche Geräte waren in vielen Haushalten präsent und wurden oft saisonal genutzt.
Museale Bedeutung
Das Objekt ist kulturhistorisch wertvoll, weil es:
- ein authentisches Beispiel für medizinische Alltagsgeräte der Wirtschaftswunderzeit darstellt
- die Material- und Formensprache der 1950er/60er Jahre zeigt
- die Entwicklung von UV‑Therapie und Heimmedizin dokumentiert
- durch den erhaltenen Original‑Beipackzettel besonders aussagekräftig ist
In einer Sammlung zur Alltags-, Medizin- oder Technikgeschichte ist die Höhensonne ein prägnantes Zeugnis ihrer Epoche.
„Barttasse, Tirschenreuth um 1880 – Aufglasurbemalung mit Goldstaffagen“. Foto: Richard Huber (Eigenes Werk). Quelle: Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Barttasse,_Tirschenreuth_um_1880.jpg
Lizenz: Creative Commons Attribution – ShareAlike 4.0 International (CC BY‑SA 4.0) –
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
Barttasse – Original um 1880 und moderne Replik
1. Historisches Original (um 1880)
Material: Porzellan mit Goldstaffage
Datierung: ca. 1880
Herkunft: siehe Quellenangabe
Quelle: Wikimedia Commons
Diese Barttasse aus der Zeit um 1880 ist ein typisches Beispiel für die kunsthandwerklich reich verzierten Porzellanwaren des späten 19. Jahrhunderts. Die Tasse besitzt einen innenliegenden horizontalen Steg, der oberhalb des Trinkrandes angebracht ist. Dieser Steg diente dazu, den damals weit verbreiteten Schnurrbart vor dem Kontakt mit heißen Getränken zu schützen.
Bartträger verwendeten zu dieser Zeit häufig Bartwichse, um ihren Schnurrbart zu formen. Der Steg verhinderte, dass Hitze und Feuchtigkeit das Wachs aufweichten oder der Bart durch das Getränk durchnässt wurde. Die dekorative Gestaltung mit floralen Motiven und Goldakzenten entspricht dem Geschmack der Gründerzeit und zeigt, dass Barttassen nicht nur Gebrauchsgegenstände, sondern auch Statusobjekte waren.
2. Moderne Replik (Spaßgeschenk, 21. Jahrhundert)
Die nachfolgenden Fotos zeigen eine humorvolle, moderne Variante der historischen Barttasse. Diese Repliken greifen das Prinzip des Bartschutzes auf, interpretieren es jedoch mit zeitgenössischem Witz und grafischen Elementen neu.
Typische Merkmale der Repliken:
- integrierter Bartschutz im Inneren der Tasse,
- humoristische Aufdrucke („Shaving is for PUSSIES“),
- grafische Motive wie stilisierte Bärte oder Rasiermesser,
- Gestaltung als Geschenkartikel mit ironischem Bezug auf Männlichkeit und Bartmode.
Während das historische Original ein funktionales Objekt des Alltags war, dienen die modernen Varianten vor allem als Spaßgeschenk oder dekoratives Accessoire. Sie spiegeln zugleich wider, dass Bartträger heute wieder präsenter sind und Bartpflege erneut kulturelle Bedeutung gewonnen hat.
Kulturhistorischer Hintergrund der Barttasse
Die Barttasse entstand in einer Zeit, in der der Schnurrbart weit mehr war als ein modisches Detail: Er galt als sichtbares Zeichen von Männlichkeit, gesellschaftlichem Rang und persönlicher Pflegekultur. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren gezwirbelte, gewachste Bärte in vielen Teilen Europas und Nordamerikas allgegenwärtig.
Vor diesem Hintergrund entwickelte der englische Porzellanfabrikant Harvey Adams im Jahr 1860 eine Tasse, die den empfindlich frisierten Bart vor Hitze und Feuchtigkeit schützen sollte. Sein Entwurf integrierte einen porzellanenen Steg knapp unterhalb des Trinkrandes – eine einfache, aber äußerst wirkungsvolle Lösung. Die Innovation verbreitete sich schnell, und zahlreiche Manufakturen griffen das Konzept auf.
Zwischen 1860 und etwa 1920 wurden Barttassen in vielen Ländern produziert und genutzt, besonders in:
- Großbritannien
- Frankreich
- Deutschland
- Nordamerika
Die meisten Exemplare bestanden aus Porzellan, oft kunstvoll dekoriert und mit Goldstaffage versehen. Renommierte Hersteller wie Derby, Meißen, Limoges oder Imari fertigten eigene Varianten, die sowohl funktional als auch repräsentativ waren.
Mit dem Wandel der Bartmode nach dem Ersten Weltkrieg – kürzere Bärte, glattrasierte Gesichter, weniger Bartwichse – verlor die Barttasse ihre praktische Bedeutung. Heute sind sie begehrte Sammel‑ und Ausstellungsobjekte, die einen anschaulichen Einblick in die Alltagskultur und Körperpflege des 19. Jahrhunderts geben.