Wörter mit Anfangsbuchstaben A

Wir tauchen ein in die faszinierende Welt der Wörter, die mit dem Buchstaben "A" beginnen. Entdecke lokale Begriffe und ihre Bedeutungen, die unsere Sprache bereichern.

Dialektwort Lautschrift (IPA) Beispiel/Redewendung Hochdeutsch Erklärung/Herkunft
Aach [aːx] „Ich hann e Mögg em Aach.“ Auge Aach geht zurück auf ahd. āha (Auge), mhd. āche. Die Form mit langem ā ist typisch moselfränkisch. Die Endung -ch ist ein regulärer Lautwandel (ahd. -h → mhd. -ch). Der Singular „Aach“ und Plural „Aue“ sind im Mittelrhein seit dem Spätmittelalter belegt.
Aasch [aːʃ] „Setz dech nett off deine Aasch!“ Gesäß Aus ahd. ars, mhd. ars = Gesäß. Der Übergang zu Aasch folgt dem rheinischen Lautwandel r → a/aa. Die Bedeutung ist seit dem Mittelalter stabil, im Dialekt oft humorvoll oder derb.
abhaue / afhaue [ˈapˌhaʊ̯ə] / [ˈafˌhaʊ̯ə] „Ich hau ab.“ weglaufen Von „abhauen“ = sich entfernen. Im Dialekt wird das h zwischen den Silben abgeschwächt, und b wird vor h oft zu f (Assimilation). Die Form ist seit dem 19. Jh. im Rheinland belegt.
achele [ˈaχələ] „Der achelt wie en König.“ mit Appetit essen Rotwelsch/jiddischer Einfluss: Das jiddische Verb akhlen (אַכלן) = essen existiert, aber achele ist keine direkte Übernahme. Es stammt aus dem rheinischen Rotwelsch, das jiddische und deutsche Elemente mischt. Die Bedeutung „mit Genuss essen“ ist seit dem 18. Jh. im Rheinland belegt.
ackeriere [ˈakəʁiːʁə] „Ich muss hee noch e Stonn ackeriere.“ arbeiten Von „ackern“, mhd. ackern, ahd. ackarōn. Ursprünglich „mit dem Pflug arbeiten“, später allgemein „schuften“. Die Endung -iere ist typisch für moselfränkische Verbformen.
äd es essisch [ɛt ɛs ˈɛsɪʃ] „Med us zwei datt es essisch.“ Es ist vorbei Redewendung: „essisch“ = erledigt, vorbei. Vermutlich aus „es ist aus“ → „es is aus“ → „es isch“ → „essisch“. Typisch resignierte Feststellung.
Ädam [ˈɛːdam] „Der Ädam vun de Liesel.“ Schwiegersohn Scherzhafte Familienbezeichnung: „Adam“ als Mann der Eva → übertragen auf Schwiegersohn. Seit 19. Jh. im Rheinland belegt.
adwidde [ˈatvɪdə] „Adwidde do!“ schon wieder Zusammensetzung aus ahd. ada = wieder und „widde“ = wieder. Die Dopplung ist eine moselfränkische Verstärkung („schon wieder, schon wieder!“). Seit dem 17. Jh. belegt.
afmurkse [ˈafˌmʊʁksə] „Ich murks misch do af.“ sich abquälen Von „murksen“ = schlecht arbeiten, seit dem 19. Jh. belegt. Im Dialekt bedeutet es eher „sich mühsam abarbeiten“. Das Präfix af- verstärkt die Bedeutung.
ahle Heules [ˈaːlə ˈhɔʏ̯ləs] „Der ahle Heules määt widder Theater.“ alter Jammerer, Heulsuse Heules ist eine dialektale Form von „Heulsuse“. Das Wort „heulen“ stammt aus ahd. hiulōn = laut klagen, schreien. Die Endung ‑es ist typisch moselfränkisch für Spitznamen (ähnlich wie „Knoddere“, „Meckerpitter“). „Ahle Heules“ bezeichnet einen älteren Menschen, der ständig klagt, jammert oder sich über Kleinigkeiten aufregt. Seit dem 19. Jh. im Mittelrhein belegt.
ahle Juffer [ˈaːlə ˈjʊfɐ] „Die ahle Juffer wannt noch allein.“ ältere Jungfrau „Juffer“ aus mhd. juncvrouwe = junge Frau. Im Rheinland seit dem 16. Jh. als Bezeichnung für unverheiratete Frauen. „Ahle Juffer“ ist oft liebevoll-spöttisch.
ahle Knoddere [ˈaːlə ˈknɔdəʁə] „Der ahle Knoddere määt nix janz.“ alter Nörgler „knoddern“ = nörgeln, moselfränkisch. Vermutlich lautmalerisch (knurren, brummen). Seit dem 18. Jh. im Mittelrhein belegt.
ahle Knollekob [ˈaːlə ˈknɔləkɔp] „Der ahle Knollekob määt widder Krach.“ alter Dickkopf Knollekob setzt sich zusammen aus Knolle = Knolle, rundes Ding, und Kob/Kopp = Kopf. Die Bezeichnung ist seit dem 19. Jh. im Rheinland belegt und bedeutet „Dickschädel“, „Sturkopf“. Die Form Knolle wird im Dialekt oft für rundliche oder harte Dinge verwendet, daher die Übertragung auf den Kopf eines starrsinnigen Menschen. Die Zusammensetzung ist typisch für moselfränkische Spitznamenbildung.
ahle Vedde [ˈaːlə ˈfɛdə] „Der ahle Vedde sitzt am Eck.“ alter Mann „Vedde“ ist eine dialektale Form von „Vadder“. Die Verschiebung a → e ist typisch für das Neuwieder Becken. Seit dem 19. Jh. als Spitzname belegt.
Ajebösch [ˈaɪ̯əˌbœʃ] „Der Ajebösch blüht widder.“ Löwenzahn Volksetymologie: Eje = Ei (wegen der gelben Farbe), Bösch = Busch. Die Bezeichnung ist typisch für das Mittelrheinische und seit dem 19. Jh. belegt.
Aller [ˈalɐ] „Do is en Alle zwesche de Häuser.“ Spalt, enge Gasse Vermutlich zu „Al/Aal“ = schmale Rinne, Engstelle. Nicht verwandt mit „Allee“. Seit dem 17. Jh. als Ortsbezeichnung im Rheinland belegt.
alleritt [ˈaləʁɪt] „Der alleritt schwätzt.“ dauernd Aus „aller Zeit“ → „alleritt“. Die Verschleifung ist typisch moselfränkisch. Seit dem 18. Jh. belegt.
altfränksch [altˈfʁɛŋkʃ] „Dat es altfränksch.“ altmodisch „fränkisch“ wurde im 19. Jh. im Rheinland ironisch für „altbacken“ verwendet. „Altfränksch“ bedeutet „überholt, altmodisch“.
Altreuscher [ˈaltʁɔɪ̯ʃɐ] „Der Altreuscher kann alles gebrauche.“ Sammler „Reuscher“ vermutlich zu reusen = wühlen, stöbern. Möglich auch Bezug zu „Reus“ = Fangkorb → jemand, der alles „einsammelt“. Seit dem 19. Jh. als Spitzname belegt.
Amberage [ˈambəˌʁaːʒə] „Wat en Amberage!“ Aufhebens Aus frz. embarras = Umstände, Verlegenheit. Im Rheinland seit dem 18. Jh. als Lehnwort verbreitet.
Ammborasch [ˈambɔʁaʃ] „Wat en Ammborasch för nix.“ Aufwand Dialektvariante von Amberage. Die Form mit -asch ist typisch für das Neuwieder Becken.
ammesere [ˈaməˌzeːʁə] „Mir hann joot ammesert.“ Spaß haben Von frz. amuser = sich vergnügen. Seit dem 18. Jh. im Rheinland belegt. Die Form mit -ere ist typisch moselfränkisch.
Andiwisch [ˈandɪvɪʃ] „Mir esse Andiwisch zum Jälde.“ Endivie Lautliche Verballhornung von „Endivie“. Die Form ist seit dem 19. Jh. im Mittelrhein verbreitet.
anfännge [ˈanˌfɛŋə] „Ich muss de Herd anfännge.“ Feuer anzünden „fangen“ im Sinne von „beginnen“. Übertragen auf das Entfachen eines Feuers. Seit dem 18. Jh. belegt.
Anfänngsholz [ˈanˌfɛŋsˌhɔlt͡s] „Hol misch Anfänngsholz.“ Anzündholz Zusammensetzung aus „Anfänngs-“ (Anfangs-) und „Holz“. Typisch für bäuerliche Haushalte des 19. Jh.
angrinse [ˈaŋɡʁɪnzə] „Der angrinst misch.“ Gesicht verziehen Lautmalerisch: das sichtbare Zähnezeigen beim Spottgrinsen. Seit dem 19. Jh. belegt.
anjestivvelt [ˈan.jəˌʃtɪvɛlt] „Der hät misch anjestivvelt.“ anstiften Von moselfränkisch stivvelen = antreiben, anstacheln. Verwandt mit „stiften“, aber nicht direkt davon abgeleitet. Seit dem 18. Jh. belegt.
anpacke [ˈanpakə] „Pack dat mol an.“ anfassen Überregional. Im Dialekt oft mit der Bedeutung „kräftig zupacken“.
anschnauze [ˈanʃnaʊ̯t͡sə] „Der hät misch anjeschnauzt.“ grob anfahren Überregional. „Schnauzen“ ist seit dem 18. Jh. als derbe Ansprache belegt.
anstivvele [anˈstɪvələ] „Der hät misch anjestivvelt.“ anstiften Wie oben: stivvelen = antreiben. Die Form mit -vele ist eine regionale Verstärkung.
arangschere [aˈʁaŋʃeːʁə] „Ich muss dat arangschere.“ ordnen Von frz. arranger. Seit dem 18. Jh. als Lehnwort im Rheinland verbreitet.
arge [ˈaʁɡə] „Der hät arge jedonn.“ Bimssteine stapeln „Arge“ bezeichnet schwere körperliche Arbeit. Vermutlich zu „arg“ = heftig, stark. Die Bedeutung ist im Neuwieder Raum seit dem 19. Jh. belegt.
Ärläde [ˈɛʁˌlɛːdə] „De Ärläde stonn op dem Wääje.“ Aufsatz für Getreidewagen Von mhd. erle = Rand, Kante, Leiste. „Ärl“ = Erhöhung. Ladeaufsatz für Erntewagen. Seit 18. Jh. belegt.
ärm Sau [ɛʁm zaʊ̯] „Der es en ärm Sau.“ bemitleidenswerter Mensch „Arm“ + „Sau“ als alte Schimpf‑/Mitleidsformel. „Sau“ seit mhd. als abwertende Menschenbezeichnung belegt.
armselich [ˈaʁmzeːlɪç] „Dat es janz armselich.“ erbärmlich Hochdeutsch übernommen, aber im Dialekt stärker betont. Seit dem 17. Jh. im Rheinland belegt.
arrun [ˈaʁʊn] „Arrun, do stehs im Wääje!“ Mach Platz Imperativ von „run“ = räumen. Die Form ist typisch für das Neuwieder Becken. Seit dem 19. Jh. belegt.
ärsch [ɛʁʃ] „Ich hann dich ärsch.“ Ich mag dich Besondere moselfränkische Bedeutung: trotz derber Form bedeutet es „jemanden gernhaben“. Seit 19. Jh. im Neuwieder Raum belegt.
äsdemere [ˈɛsdəˌmeːʁə] „Der hät misch äsdemert.“ ignorieren Vermutlich aus „respektieren“ → „espektieren“ → „esdemeren“. Seit frühem 20. Jh. im Mittelrhein belegt.
äsen [ˈɛːzə] „Mir äsen öbbes zesomme.“ essen Sehr alte Form aus ahd. ēsan. Eine der ältesten erhaltenen moselfränkischen Verbformen. Nicht verwandt mit „achen“.
atschüss [ˈatʃʏs] „Atschüss, bis morje!“ Auf Wiedersehen Vermutlich Kreuzung aus „Adieu“ und „Tschüss“. Die Form ist seit dem frühen 20. Jh. im Rheinland verbreitet.
Aue [ˈaʊ̯ə] „Die Aue sin rot.“ Augen Plural von Aach. Die Form ist seit dem Mittelalter stabil.
Auer [ˈaʊ̯ɐ] „Wat seit die Auer?“ Uhr Aus ahd. ūra, mhd. ûre. Die Ähnlichkeit zu engl. hour ist rein etymologisch über die gemeinsame lateinische Wurzel hora.
auskwötsche [ˈaʊ̯sˌkvœtʃə] „Der hät mich uskwötscht.“ ausfragen Von „quetschen“ → „ausquetschen“. Seit dem 19. Jh. im Rheinland belegt.
awei [aˈvaɪ̯] „Awei, jetz jeht et loss.“ jetzt Verkürzung von „aber jetzt“ → „awejetz“ → „awei“. Typisch moselfränkisch. Seit dem 19. Jh. belegt.

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