Flur VIII
Die Flur VIII umfasst einen landschaftlich vielfältigen Abschnitt der Kettiger Gemarkung. Hier treffen alte Wege auf Quellbereiche, lang genutzte Wiesen, Hanglagen und Hofstrukturen, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben. Viele der Namen verweisen auf frühere Besitzer, charakteristische Pflanzenbestände oder markante Geländemerkmale. Andere spiegeln die traditionelle Nutzung wider – von Weideflächen über Obstwiesen bis hin zu kleinen Wasserläufen und Senken.
Gemeinsam zeichnen sie ein Bild einer vielschichtigen Kulturlandschaft, in der natürliche Formen und menschliche Bewirtschaftung eng miteinander verwoben sind.
Flur VIII
Vorn unterm Keudelsweg.
In der hintern Seibertswies.
Oben unterm Keudelsweg.
Im Hasenthal.
Im Kendel.
Am Görgenborn.
Auf dem untersten Neuhof.
Auf dem obersten Neuhof.
Auf der Hohbirk.
In den Dilgen.
Auf der obern Paarweide.
Flur VIII: Bedeutungen der Flurnamen
Vorn unterm Keudelsweg
„Keudelsweg“ ist ein alter Wegname innerhalb der Flur.
- Vorn → dorfnahe Seite
- Unterm → unterhalb des Weges, also tiefer gelegen
Wahrscheinlich:
Die vorderen, tiefer liegenden Parzellen unterhalb des Keudelswegs.
In der hintern Seibertswies
„Seibertswies“ → Wiese, die nach einem Besitzer Seibert benannt wurde.
- Hinterna → vom Dorf aus gesehen die rückwärtige, entferntere Seite
Wahrscheinlich:
Der hintere Teil einer Wiese, die einst einem Seibert gehörte oder nach ihm benannt wurde.
Oben unterm Keudelsweg
- Oben → höher gelegener Abschnitt
- Unterm Keudelsweg → dennoch unterhalb des Weges, aber im oberen Teil der Hangzone
Wahrscheinlich:
Die oberhalb gelegenen Parzellen, die trotzdem noch unterhalb des Keudelswegs liegen — typisch für gestufte Hanglagen.
Im Hasenthal
„Hasen-“ taucht häufig in Flurnamen auf:
- Hinweis auf Hasenvorkommen,
- oder auf buschiges Gelände, in dem Hasen lebten.
„-thal“ → Senke, Tal, Geländemulde.
Wahrscheinlich:
Ein kleines Tal oder eine Senke, in der früher viele Hasen vorkamen oder die entsprechend bewachsen war.
Im Kendel
„Kendel / Kandel“ bedeutet im Rheinland:
- kleine Rinne,
- Geländeeinschnitt,
- Wasserlauf oder Kerbe im Hang.
Wahrscheinlich:
Ein schmaler Geländeeinschnitt oder eine kleine Hangrinne, oft mit zeitweiligem Wasserlauf.
Am Görgenborn
„Görgen“ → mundartliche Form von Georg (Personenname).
oder „Gürgen“ → mundartlich für Hainbuche (auch Hagebuche).
„Born“ → Quelle.
Wahrscheinlich:
Eine Quelle oder Quellmulde, die nach einem früheren Besitzer oder Anlieger namens Georg benannt wurde.
Oder eine Quelle oder feuchte Stelle, an der Hainbuchen standen.
Auf dem untersten Neuhof
„Neuhof“ → neuer Hof, neue Hofstelle oder neu erschlossenes Ackerland.
„Unterst“ → der unterste, tiefste Abschnitt.
Wahrscheinlich:
Der unterste Teil eines Hofbereichs oder Hoflandes, das als „Neuhof“ bezeichnet wurde.
Auf dem obersten Neuhof
Gegenstück zum vorherigen Namen.
„Oberst“ → höchstgelegener Abschnitt.
Wahrscheinlich:
Der oberste, am Hang liegende Teil des Neuhofs.
Auf der Hohbirk
„Hoh-“ → hoch,
„-birk“ → Birke oder birkenbewachsener Hang.
Der Name bezeichnet oft:
- einen birkenbestandenen Höhenzug,
- oder eine markante Geländekante mit Birken.
Wahrscheinlich:
Ein höher gelegener Hang- oder Kuppenbereich, der durch Birkenbewuchs auffiel.
In den Dilgen
„Dilgen / Dillen / Dielgen“ taucht im Rheinland häufig auf:
- kann auf Dillpflanzen,
- oder auf kleine, längliche Parzellen zurückgehen
- manchmal auch auf Delle → kleine Mulde.
Wahrscheinlich:
Ein kleinteiliges, längliches Parzellenfeld oder eine leichte Mulde innerhalb von Flur VIII.
Auf der obern Paarweide
„Paarweide“ → Weidefläche, möglicherweise für ein bestimmtes Vieh („Paar“ = Paarhufer) oder nach einem Besitzer benannt.
„Obern“ → höher gelegener Teil.
Wahrscheinlich:
Die höher gelegene Weidefläche eines größeren Weideareals, das als Paarweide bekannt war.