Handwerk lebendig gemacht
Lötlampe „Vulcano“
– tragbares Heizgerät für Handwerk und Reparatur
Hersteller: Vulcano, Deutschland („Alemania“)
Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Messingtank, Eisenbrenner, Kunststoffgriff
Technik: Drucktank mit Vergaserrohr zur Erzeugung einer offenen Flamme
Zustand: stark gebraucht, mit Korrosionsspuren und typischer Patina
Gestaltung und Funktion
Die Lötlampe besteht aus einem zylindrischen Messingtank, einem Brennerkopf mit Luftlöchern, einem Regelventil und einem Tragegriff.
Durch Pumpen wurde Druck aufgebaut, der das Brennmittel (meist Benzin oder Petroleum) in den Brenner leitete. Dort wurde es vergasert und entzündet, wodurch eine starke, gerichtete Flamme entstand – ideal für:
- Lötarbeiten
- Auftauen von Rohren
- Erhitzen von Metallteilen
- Reparaturen im Freien oder auf Baustellen
Kulturelle Einordnung
Im Dialekt wurde sie je nach Region als „Feierbüchs“, „Brännrohr“, „Lötmaschin“ oder „Schweißlamp“ bezeichnet.
Solche Geräte waren unverzichtbar im Handwerk, besonders bei Installateuren, Schlossern, Dachdeckern oder Bastlern. Die Marke „Vulcano“ verweist auf die Kraft und Hitze, die das Gerät erzeugte – und auf die technische Raffinesse der damaligen Zeit.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert die Verbindung von Feuer, Technik und Handwerk. Es erzählt von einer Zeit, in der Wärme nicht elektrisch, sondern mechanisch und manuell erzeugt wurde – und in der Werkzeuge robust, langlebig und direkt waren.
Als museales Objekt steht die Lötlampe für eine Kultur, in der Reparatur und Gestaltung Handarbeit und Erfahrung bedeuteten – und für die Rolle des Feuers als Werkzeug im Dienst der Präzision.
Karbidlampe „SO.27“
– tragbare Lichtquelle für Arbeitseinsätze
Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Metall (verzinkt oder Stahlblech), mit Drehverschluss, Haken und Griff
Technik: Acetylen-Erzeugung durch Reaktion von Wasser mit Calciumcarbid
Zustand: stark gebraucht, mit Korrosionsspuren und Ablagerungen
Gestaltung und Funktion
Die Lampe besteht aus zwei zylindrischen Kammern, verbunden und abgedichtet durch einen Bügel:
- Oben: Wasserbehälter mit Dosiermechanismus
- Unten: Karbidkammer zur Gasentwicklung
- Seitlich: Drehgriff mit Prägung „SO.27“, vermutlich Serien- oder Modellnummer
- Oben: Tragebügel mit Haken, zur Befestigung an Gürtel oder Wand
Durch dosiertes Tropfen von Wasser auf das Karbid entsteht Acetylengas, das über eine Düse entzündet wird und eine helle, gerichtete Flamme erzeugt – ideal für dunkle Arbeitsumgebungen.
Kulturelle Einordnung
Im Dialekt wurde sie oft als „Karbidlampe“, „Bergmannslampe“, „Grubenlicht“ oder „Funzel“ bezeichnet.
Solche Lampen waren unverzichtbar im Bergbau, Tunnelbau, Höhlenforschung oder Nachtarbeit, bevor elektrische Beleuchtung flächendeckend verfügbar war. Die Bedienung erforderte Erfahrung und Vorsicht – Karbid war reaktiv, aber zuverlässig.
Die Seriennummer „SO,27“ verweist auf industrielle Fertigung, aber auch auf individuelle Nutzung und Zuordnung – oft war „die 27“ einfach „meine Lampe“.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert die Verbindung von Chemie, Technik und Arbeitswelt. Es erzählt von einer Zeit, in der Licht nicht selbstverständlich, sondern erarbeitet war – und in der Mobilität, Robustheit und Funktionalität über Komfort standen.
Als museales Objekt steht die Karbidlampe für eine Kultur, in der Arbeit unter Tage, im Dunkeln und mit Mut geleistet wurde – und für die Rolle technischer Hilfsmittel als Begleiter und Lebensretter.
Keramischer Markierungs- und Prüfstein mit Kennziffer „646“
Prägung „L“ und handschriftlichem Zusatz „Ersatz“
Datierung: mittleres 20. Jahrhundert
Material: Westerwälder Steinzeug, hellbeige, teils glasiert
Technik: Form- oder Presskeramik, eingeprägte Kennziffern, handschriftliche Nachmarkierung
Zustand: gut erhalten, mit deutlichen Gebrauchsspuren und klaren Funktionshinweisen
Beschreibung
Der Markierungsstein besteht aus robustem, dicht gebranntem Steinzeug, wie es in Höhr‑Grenzhausen traditionell gefertigt wurde. Die Vorderseite trägt die Zahl „646“, die als Material‑, Brenn‑ oder Serienkennziffer diente.
Am unteren Rand befindet sich ein eingestanztes „L“, vermutlich ein Positions‑, Größen‑ oder Qualitätsmerkmal innerhalb eines internen Systems.
Über diesem „L“ ist nachträglich, mit Stift, die handschriftliche Aufschrift „Ersatz“ angebracht. Diese Markierung stammt eindeutig aus dem Werkstattalltag und weist darauf hin, dass der Stein als Ersatzstück, Reserveprobe oder Austauschmarkierung vorgesehen war.
Seitlich trägt das Objekt zusätzlich die Prägungen:
- „Amber…“ (unvollständig lesbar, vermutlich Hersteller- oder Serienname)
- „Höhr-Grenzhau…“ (Herstellungsort Höhr‑Grenzhausen)
- „D.G.M“ (Deutsches Gebrauchsmuster – Hinweis auf rechtlichen Schutz)
Kulturelle Einordnung
Solche Steine wurden in der Westerwälder Keramikindustrie genutzt für:
- Brennproben
- Glasurtests
- Materialkennzeichnung
- Serien- und Qualitätskontrolle
- Markierung technischer Keramikbauteile
Die Kombination aus industrieller Prägung, erhabener Kennziffer, Positionsmarke und handschriftlicher Ergänzung zeigt die enge Verzahnung von standardisierter Produktion und manueller Werkstattpraxis.
Museale Bedeutung
Der Stein ist ein selten erhaltenes Beispiel für die unsichtbare Infrastruktur keramischer Produktion. Er dokumentiert, wie Herkunft, Material, Brennverhalten und Serienzugehörigkeit direkt im Objekt selbst festgehalten wurden.
Die handschriftliche Notiz „Ersatz“ macht das Stück besonders authentisch: Sie zeigt den gelebten Werkstattalltag, in dem Keramik nicht nur Produkt, sondern auch Werkzeug der eigenen Qualitätskontrolle war.
Flachsbrett mit Riffelung – Vorbereitung für Fasergewinnung
Datierung: vermutlich 19. bis frühes 20. Jahrhundert
Material: massives Holz, tief geriffelte Arbeitsfläche
Provenienz: ländlicher Haushalt oder landwirtschaftlicher Betrieb; Flachsanbau in der Region nicht ausgeschlossen
Zustand: stark gebraucht, mit deutlichen Spuren manueller Arbeit; Holz trocken und rissig, aber stabil
Gestaltung und Funktion
Das lange, rechteckige Brett mit tiefen, gleichmäßigen Rillen diente zur mechanischen Bearbeitung von Flachsfasern. Nach dem Rösten und Trocknen des Flachses wurden die Stängel über solche Riffelbretter gezogen, um die holzigen Bestandteile zu brechen und die Fasern zu lösen.
Der Griff am oberen Ende erleichtert das Halten oder Fixieren des Brettes, während die Rillen für Reibung und Führung sorgen. In Kombination mit einem Flachskamm oder einer Breche wurde das Material so auf die Weiterverarbeitung vorbereitet – etwa zum Spinnen.
Kulturelle Einordnung
Dieses Werkzeug steht für die handwerkliche Textilherstellung im bäuerlichen Alltag, für Geduld, Kraft und die Nähe zur Natur. Auch in Kettig dürfte Flachs angebaut und verarbeitet worden sein – sei es für Leinenstoffe, Garne oder Hauswäsche.
Als museales Objekt dokumentiert das Riffelbrett die Vorindustrielle Fasergewinnung, die Bedeutung von Eigenproduktion und die stille Schönheit eines Arbeitsgeräts, das einst zum Rhythmus des Jahres gehörte.
Weberschiffchen – Fadenflug im Webstuhl
Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Holz, mit Spulen und Garnresten
Provenienz: Handweberei; ländlicher oder hausgewerblicher Kontext
Zustand: gebraucht, mit deutlichen Spuren von Nutzung; Garnreste auf Spulen erhalten
Gestaltung und Funktion
Die Weberschiffchen dienen dazu, den Schussfaden durch das Kettfadenfeld eines Webstuhls zu führen. In der Mitte befindet sich eine Spule, auf die der Faden aufgewickelt ist. Die spitz zulaufende Form erlaubt ein leichtes Gleiten durch das Webfach – daher der Name „Schiffchen“.
Die beiden Exemplare zeigen typische Gebrauchsspuren: abgenutztes Holz, Garnreste und handwerkliche Patina. Sie wurden vermutlich in einem Handwebstuhl verwendet, wie er in ländlichen Haushalten oder kleinen Werkstätten üblich war.
Kulturelle Einordnung
Weberschiffchen stehen für die Textilherstellung in Handarbeit, für Rhythmus, Geduld und die Verbindung von Technik und Tradition. Auch in Kettig dürfte es früher Webstuben oder Heimarbeit gegeben haben – sei es zur Herstellung von Leinen, Tischtüchern oder Kleidung.
Als museale Objekte dokumentieren sie die Materialkultur des Webens, die handwerkliche Präzision und die stille Schönheit eines Werkzeugs, das Faden für Faden Geschichte schrieb.
Weberschiffchen aus der Großweberei
– Technik im Takt
Datierung: vermutlich mittleres 20. Jahrhundert
Material: Hartholz, Metall, Garnspule
Provenienz: industrielle Weberei; nicht aus Heimarbeit
Zustand: gebraucht, mit Spule und deutlichen Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Dieses Weberschiffchen stammt aus einer großen mechanischen Weberei und ist für den Einsatz in einem schnell laufenden Webstuhl konzipiert. Die robuste, aerodynamisch geformte Holzkonstruktion mit eingelassener Garnspule erlaubt das rasche Durchschießen des Schussfadens durch das Kettfach.
Die Metallteile sorgen für Stabilität und Führung, während die glatte Oberfläche Reibung minimiert. Anders als bei handgeführten Schiffchen steht hier die Effizienz im Vordergrund – das Schiffchen ist Teil eines rhythmischen, maschinellen Prozesses.
Kulturelle Einordnung
Solche Werkzeuge stehen für die Industrialisierung der Textilproduktion, für Geschwindigkeit, Präzision und die Verlagerung vom Handwerk zur Fabrik. Auch in der Region um Kettig gab es textile Betriebe, die mit solchen Schiffchen arbeiteten – sei es für Leinen, Baumwolle oder Mischgewebe.
Als museales Objekt dokumentiert das Weberschiffchen die Materialkultur der industriellen Fertigung, die technische Entwicklung des Webens und die stille Präsenz eines Werkzeugs, das tausendfach Fäden verband.
Schuhleisten für Damenschuh – Formvollendet in Holz
Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Hartholz, mit Bohrung und Aufhängung
Provenienz: lokale Schuhmacherei; möglicherweise aus Kettig
Zustand: stark gebraucht, mit glatter Oberfläche und feinen Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Dieser hölzerne Schuhleisten wurde für die Herstellung oder Reparatur eines kleinen Damenschuhs verwendet. Die schlanke, spitz zulaufende Form und die zierlichen Proportionen deuten auf ein elegantes Modell hin – möglicherweise ein Halbschuh oder ein feiner Schnürschuh.
Die glatte Oberfläche erleichtert das Einpassen des Leders, während die Bohrung mit Schnur eine praktische Aufhängung zur Lagerung oder Trocknung erlaubt. Solche Leisten waren unverzichtbar für die präzise Arbeit des Schuhmachers.
Kulturelle Einordnung
In den 1970er Jahren gab es in Kettig noch mindestens zwei Schuster, einen in der Neugasse und einen in der Hauptstraße. Dieser Leisten könnte aus einer dieser Werkstätten stammen und steht für ein Handwerk, das Sorgfalt, Maßarbeit und Ortsverbundenheit vereinte.
Als museales Objekt dokumentiert er die Materialkultur des Schuhmacherhandwerks, die Verbindung von Form und Funktion – und die stille Eleganz eines Werkzeugs, das Schritt für Schritt Individualität formte.
Zigarrenformer „PERLU-VORM“
– Tabaktechnik aus Holland, wahrscheinlich genutzt in der Eifel
Datierung: vermutlich mittleres 20. Jahrhundert
Material: Holz, mit Herstellerprägung und Seriennummern
Hersteller: PERLU-VORM, Helmond – Holland
Kennzeichnung: R=77365, Nummern „30“ und „8108“ gestempelt
Zustand: stark gebraucht, mit Patina und deutlicher Prägung
Gestaltung und Funktion
Dieses Objekt ist ein Zigarrenformer oder Bestandteil einer Pressform, wie sie in der Zigarrenherstellung verwendet wurde. Die Prägung „PERLU-VORM HELMOND – HOLLAND“ verweist auf einen niederländischen Hersteller, der für solide und präzise gefertigte Werkzeuge bekannt war.
Solche Formen dienten der Standardisierung und Pressung von Zigarrenrohlingen, bevor diese getrocknet und verpackt wurden. Die gestempelten Nummern geben Hinweise auf Modell, Größe oder Serienfertigung.
Kulturelle Einordnung
Auch wenn dieses Stück aus Holland stammt, passt es gut in die Geschichte der regionalen Tabakverarbeitung:
In der Eifel und dem angrenzenden Hunsrück gab es bis in die 1950er Jahre eine lebendige Tabakindustrie, mit Zigarrenmanufakturen, Tabakspinnereien und Heimarbeit. Orte wie Morbach waren Zentren dieser Produktion, und auch in kleineren Betrieben wurden Importwerkzeuge wie dieses verwendet.
Die Eifeler Tabaktradition war geprägt von Sonderkulturen, Familienarbeit und handwerklicher Verarbeitung – oft als Nebenerwerb in landwirtschaftlichen Haushalten. Zigarren galten als Alltagsluxus, und ihre Herstellung war ein wichtiger Wirtschaftszweig, der Geruch, Rhythmus und Stolz in viele Werkstätten brachte.
Museale Bedeutung
Dieses Zigarrenwerkzeug dokumentiert die Verbindung von internationaler Zulieferung und regionalem Handwerk, die Materialkultur der Zigarrenproduktion und die stille Präsenz eines Gewerbes, das einst tief in der Eifel verwurzelt war.
Schneiderschere „KRETZER SPECIAL“ –
Schnittpunkt des Handwerks
Datierung: vermutlich mittleres 20. Jahrhundert
Material: Stahl, lackierte Griffe
Hersteller: KRETZER, Solingen
Modell: SPECIAL
Provenienz: Schneiderei oder Haushaltsnutzung; möglicherweise aus Kettig
Zustand: stark gebraucht, mit Patina und sichtbaren Schleifspuren
Gestaltung und Funktion
Diese Schneiderschere ist ein klassisches Werkzeug der Textilverarbeitung. Die langen, scharfen Klingen und die ergonomisch geformten Griffe erlauben das präzise Schneiden von Stoffen, auch in mehreren Lagen.
Die Gravur „KRETZER SPECIAL“ verweist auf einen Solinger Hersteller, bekannt für Qualität und Langlebigkeit. Die Schere zeigt deutliche Gebrauchsspuren – ein Zeichen für intensive handwerkliche Nutzung.
Kulturelle Einordnung
In Kettig gab es früher mit Sicherheit mindestens einen Schneider, der mit solchen Werkzeugen arbeitete – sei es für Maßanzüge, Alltagskleidung oder Reparaturen. Die Schneiderei war ein Beruf, der Präzision, Geduld und handwerkliches Können vereinte.
Als museales Objekt dokumentiert diese Schere die Materialkultur des Schneiderhandwerks, die Verbindung von Funktion und Form – und die stille Präsenz eines Werkzeugs, das Stoffe in Geschichten verwandelte.
Ziehmesser von Johann Hillesheim – Holzformung mit Kraft und Gefühl
Datierung: spätes 19. oder frühes 20. Jahrhundert
Material: Stahl, Holzgriffe
Provenienz: Werkstatt von Johann Hillesheim (1864–1956), Wagner und Stellmachermeister in der Andernacher Straße, Kettig
Zustand: stark gebraucht, mit Patina und Spuren intensiver Nutzung
Gestaltung und Funktion
Die beiden Ziehmesser – auch Zieheisen genannt – stammen aus dem Besitz von Johann Hillesheim, der als Wagner und Stellmachermeister arbeitete und nebenbei noch ein wenig Landwirtschaft betrieb.
Das obere Messer besitzt eine leicht gebogene Klinge, ideal zum Abziehen und Formen von Rundhölzern, etwa für Speichen, Deichseln oder Räder. Das untere Werkzeug zeigt eine gerade Klinge mit Kerbe und angewinkelten Griffen, vermutlich für präziseres Arbeiten an flachen oder konkaven Holzflächen.
Kulturelle Einordnung
Diese Werkzeuge stehen für ein Handwerk, das Körperkraft, Materialverständnis und Erfahrung vereinte. In der Werkstatt von Johann Hillesheim wurden sie täglich genutzt – für Wagenbau, landwirtschaftliche Geräte und Reparaturen, die das Dorf am Laufen hielten.
Als museale Objekte dokumentieren sie die Materialkultur des ländlichen Handwerks, die Verbindung von Beruf und Nebenerwerb – und die stille Würde eines Werkzeugs, das Holz in Form und Funktion brachte.
Verstellbarer Schraubenschlüssel
– Vier Generationen Hillesheim: Handwerk, Technik und Unternehmergeist
Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Stahl, mit Schraubmechanik
Typ: verstellbarer Schraubenschlüssel („Engländer“)
Provenienz: ursprünglich aus der Werkstatt von Johann Hillesheim (1864–1956), Wagner und Stellmachermeister in der Andernacher Straße, Kettig
Weitergabe: über Peter Hillesheim (1893–1973), Elektrikermeister und nebenberuflicher Landwirt, anschließend an Anton Hillesheim, Inhaber eines Elektro- und Haushaltswarengeschäfts, später an Jürgen Hillesheim, Elektromeister und Radio- und Fernsehtechnikermeister, heute in vierter Generation bei Toni Hillesheim, Dipl.-Ing. Elektrotechnik
Zustand: stark gebraucht, mit Patina und deutlichen Spuren jahrzehntelanger Nutzung
Gestaltung und Funktion
Dieser verstellbare Schraubenschlüssel war ein universelles Werkzeug für Reparaturen, Installationen und mechanische Arbeiten. Die verstellbare Maulweite machte ihn zu einem unverzichtbaren Helfer – ob beim Wagenbau oder bei landwirtschaftlichen Geräten.
Die robuste Ausführung und die deutlichen Gebrauchsspuren zeigen, dass er über Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Werkstätten und Berufen eingesetzt wurde.
Kulturelle Einordnung
Der Schraubenschlüssel erzählt eine außergewöhnliche Familiengeschichte des Handwerks in Kettig:
- Johann Hillesheim, Wagner und Stellmachermeister, legte den Grundstein.
- Sein Sohn Peter Hillesheim, Elektrikermeister, führte das technische Erbe fort und betrieb mit seiner Frau Maria zusätzlich einen kleinen Tante-Emma-Laden in der Andernacher Straße – ein wichtiger sozialer Treffpunkt im Dorf.
- Anton Hillesheim baute den technischen Zweig weiter aus und führte einen Elektrobetrieb mit Ladengeschäft für Elektro- und Haushaltswaren, der das moderne Leben in Kettig mitprägte.
- Jürgen Hillesheim, mit zwei Meistertiteln (Elektro sowie Radio- und Fernsehtechnik), führte den Betrieb in die nächste Generation und verband traditionelles Handwerk mit moderner Technik.
- Heute bewahrt Toni Hillesheim, Dipl.-Ing. Elektrotechnik, dieses Werkzeug als Teil eines lebendigen Familienerbes.
Museale Bedeutung
Der Schraubenschlüssel steht nicht nur für handwerkliche Arbeit, sondern für Kontinuität, Anpassungsfähigkeit und technischen Fortschritt über vier Generationen.
Er ist ein Symbol dafür, wie sich ein Werkzeug durch die Hände einer Familie bewegt – vom Stellmacher über den Elektrikermeister bis zum Ingenieur – und dabei ein Stück Kettiger Geschichte bewahrt.
Blechschere „Standard Extra“
– Schneidkraft aus dem Familienbetrieb
Datierung: vermutlich mittleres 20. Jahrhundert
Material: Stahl, genietete Gelenkverbindung
Hersteller: nicht eindeutig identifizierbar; Modellbezeichnung „Standard Extra“
Provenienz: aus dem Besitz der Familie Hillesheim, über mehrere Generationen genutzt
Zustand: stark gebraucht, mit Patina und deutlichen Schneidspuren
Gestaltung und Funktion
Diese Blechschere mit der Aufschrift „Standard Extra“ ist ein klassisches Werkzeug für das Schneiden von Blechen, Drähten und festen Materialien. Die langen Griffe und die robuste Gelenkverbindung erlauben kraftvolles Arbeiten – ob beim Zuschneiden von Metallplatten, beim Installieren elektrischer Anlagen oder beim Reparieren landwirtschaftlicher Geräte.
Die Schere zeigt deutliche Gebrauchsspuren und wurde über mehrere Generationen hinweg in der Familie Hillesheim verwendet – ein Werkzeug, das Technik, Handwerk und Alltag miteinander verband.
Kulturelle Einordnung
Die Blechschere stammt aus dem Werkzeugbestand der Familie Hillesheim, deren Mitglieder über vier Generationen hinweg in verschiedenen handwerklichen und technischen Berufen tätig waren.
Museale Bedeutung
Diese Blechschere steht für die Vielseitigkeit des Werkzeugs im ländlichen Handwerk, für die Verbindung von Beruf und Alltag, und für die Kontinuität einer Familie, die Technik nicht nur ausgeübt, sondern weitergegeben hat.
Ein stilles Werkzeug – aber mit scharfem Schnitt durch die Geschichte.
Endzange „KNIPEX 50/180“
– Präzision im Familienbetrieb
Datierung: vermutlich spätes 20. Jahrhundert
Material: gehärteter Stahl
Hersteller: KNIPEX, Made in Germany
Modell: 50/180
Provenienz: aus dem Bestand der Familie Hillesheim, über mehrere Generationen genutzt
Zustand: gebraucht, mit Patina und funktionstüchtiger Schneide
Gestaltung und Funktion
Diese Endzange – auch Nageleisen oder Kneifzange genannt – ist ein klassisches Werkzeug für das Abkneifen von Draht, Nägeln oder Kabelenden. Die kurzen, kräftigen Schneiden und die stabile Bauweise machen sie ideal für präzise Arbeiten auf engem Raum, etwa beim Verlegen von Leitungen oder beim Entfernen von Befestigungen.
Das Modell „KNIPEX 50/180“ steht für deutsche Qualitätsfertigung und war sowohl im Elektrohandwerk als auch im Alltag eines Landwirts vielseitig einsetzbar.
Kulturelle Einordnung
Die Zange stammt aus dem Werkzeugbestand der Familie Hillesheim, deren Mitglieder über vier Generationen hinweg in technischen und handwerklichen Berufen tätig waren.
Museale Bedeutung
Diese Endzange steht für Präzision, Verlässlichkeit und die Verbindung von Technik und Alltag. Sie ist ein Werkzeug, das nicht auffällt, aber nie fehlt – und das über Generationen hinweg mitgedacht, mitgetragen und mitverwendet wurde.
Ein stilles Zeugnis für die Hand, die greift, trennt und gestaltet.
Schweifhobel von Johann Hillesheim
– Kurven in Holz, geformt mit Gefühl
Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Metall, mit zentraler Klinge und seitlichen Griffen
Modell: „No 51“ (Prägung sichtbar)
Provenienz: Werkstatt von Johann Hillesheim (1864–1956), Wagner und Stellmachermeister in der Andernacher Straße, Kettig
Zustand: stark gebraucht, mit Patina und Spuren intensiver Nutzung
Gestaltung und Funktion
Dieser Schweifhobel – auch als Spundhobel oder Ziehhobel bekannt – wurde zum Formen und Glätten von geschwungenen Holzflächen verwendet. Typische Einsatzbereiche waren Speichen, Radkränze, Deichseln oder geschwungene Möbelteile.
Die seitlichen Griffe erlauben präzise Führung, während die zentrale Klinge dünne Holzschichten abträgt. Die Prägung „No 51“ verweist auf ein genormtes Modell, das in vielen Werkstätten zum Einsatz kam.
Kulturelle Einordnung
In der Werkstatt von Johann Hillesheim, einem Wagner und Stellmachermeister, war dieser Hobel ein unverzichtbares Werkzeug. Er steht für ein Handwerk, das Kraft, Präzision und Materialverständnis vereinte – und für die Fähigkeit, aus grobem Holz geschwungene, funktionale Formen zu schaffen.
Als museales Objekt dokumentiert der Hobel die Materialkultur des ländlichen Holzhandwerks, die Verbindung von Technik und Tradition – und die stille Eleganz eines Werkzeugs, das Kurven in Holz schrieb.
Rohrschlüssel von Peter Hillesheim
– Technikgriff aus Meisterhand
Datierung: vermutlich mittleres 20. Jahrhundert
Material: Stahl, mit verstellbarer Backe und Rändelschraube
Typ: verstellbarer Rohrschlüssel („Stillson-Typ“)
Provenienz: aus dem Besitz von Peter Hillesheim (1893–1973), Elektrikermeister und nebenberuflicher Landwirt in der Andernacher Straße, Kettig
Zustand: stark gebraucht, mit Rostspuren und abgenutztem Griffprofil
Gestaltung und Funktion
Dieser Rohrschlüssel wurde zum Greifen und Drehen von Rohren, Muffen und Gewindeverbindungen verwendet – ein typisches Werkzeug für Installationsarbeiten, Reparaturen und technische Anpassungen. Die gezahnte Backe und die verstellbare Mechanik erlauben festen Halt auch bei glatten Oberflächen.
Peter Hillesheim nutzte ihn vermutlich sowohl im Rahmen seiner elektrotechnischen Tätigkeit als auch bei landwirtschaftlichen Reparaturen – ein Werkzeug, das vielseitig und zuverlässig war.
Kulturelle Einordnung
Peter Hillesheim war nicht nur Elektrikermeister, sondern betrieb mit seiner Frau Maria auch einen kleinen Tante-Emma-Laden in der Andernacher Straße. Sein Alltag war geprägt von technischem Können, praktischer Vielseitigkeit und familiärer Verbundenheit.
Der Rohrschlüssel steht für diese Mischung aus Beruf und Dorfleben, für die Fähigkeit, mit wenigen Werkzeugen viele Aufgaben zu bewältigen – und für die stille Präsenz eines Gegenstands, der nicht auffällt, aber nie fehlt.
Museale Bedeutung
Dieses Werkzeug dokumentiert die Materialkultur des ländlichen Handwerks, die Verbindung von Technik und Alltag, und die Lebensleistung eines Mannes, der mit Meistertitel und Bodenhaftung Kettig mitgestaltete.
Handkurbelbohrmaschine von Peter Hillesheim – Drehmoment aus Meisterhand
Datierung: vermutlich mittleres 20. Jahrhundert
Material: Metall, Holzgriff, Zahnradmechanik
Typ: Handkurbelbohrmaschine („Eggbeater Drill“)
Provenienz: aus dem Besitz von Peter Hillesheim (1893–1973), Elektrikermeister und nebenberuflicher Landwirt in der Andernacher Straße, Kettig
Zustand: gebraucht, mit Patina, intakter Mechanik und abgenutztem Griff
Gestaltung und Funktion
Diese Handkurbelbohrmaschine war ein unverzichtbares Werkzeug für präzise Bohrungen in Holz, Kunststoff und Metall – besonders dort, wo Strom nicht verfügbar war oder kontrolliertes Arbeiten gefragt war.
Die Zahnradmechanik überträgt die Drehbewegung der Kurbel auf das Bohrfutter, das verschiedene Bohrer aufnehmen konnte. Der Holzgriff sorgt für sicheren Halt, die rote Lackierung des Zahnrads für gute Sichtbarkeit im Werkstattalltag.
Kulturelle Einordnung
Peter Hillesheim nutzte dieses Werkzeug vermutlich bei elektrotechnischen Installationen, beim Bau und der Reparatur von Geräten, aber auch im landwirtschaftlichen Bereich. Als Elektrikermeister mit praktischem Sinn war er auf zuverlässige, vielseitige Werkzeuge angewiesen.
Zusätzlich betrieb er mit seiner Frau Maria einen kleinen Tante-Emma-Laden in der Andernacher Straße – ein Ort, an dem Technik, Alltag und Gemeinschaft zusammenkamen.
Museale Bedeutung
Diese Bohrmaschine steht für die Materialkultur des ländlichen Handwerks, für die Verbindung von Technik und Alltag, und für die Lebensleistung eines Mannes, der mit Meistertitel und Bodenhaftung Kettig mitgestaltete.
Ein Werkzeug, das nicht laut war, aber viel bewegte – mit der Kraft der Hand und dem Blick fürs Detail.
Holz-Flaschenzug mit Doppelrolle
– Kraft aus Seil und Holz
Datierung: vermutlich spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert
Material: Holz, Eisenhaken, Naturfaserseil
Typ: Doppelroll-Flaschenzug zur Lastenbewegung
Zustand: stark gebraucht, mit sichtbaren Altersspuren und Patina
Gestaltung und Funktion
Dieser Flaschenzug mit zwei Holzrollen und einem geschmiedeten Eisenhaken diente dem Heben und Bewegen schwerer Lasten. Das durchlaufende Naturfaserseil ermöglichte eine mechanische Übersetzung, bei der mit vergleichsweise geringem Kraftaufwand große Gewichte bewegt werden konnten.
Die Doppelrolle erhöhte die Effizienz, während die robuste Holzkonstruktion und der eiserne Haken für Stabilität und Langlebigkeit sorgten. Solche Geräte waren in Scheunen, Werkstätten, Kellern oder auf Baustellen im Einsatz – überall dort, wo Muskelkraft durch Technik unterstützt wurde.
Kulturelle Einordnung
Flaschenzüge wie dieser gehörten zur Grundausstattung handwerklicher und landwirtschaftlicher Betriebe. Sie stehen für eine Zeit, in der Mechanik und Materialverständnis den Alltag prägten – lange bevor elektrische Hebegeräte verbreitet waren.
In Kettig und Umgebung wurden solche Geräte etwa beim Heuaufzug, beim Einlagern von Vorräten oder beim Bau verwendet. Die Kombination aus Holz und Eisen zeigt die Materialwahl der Vorkriegs- und Nachkriegszeit, als Funktionalität und Reparierbarkeit im Vordergrund standen.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert die Materialkultur der Arbeit, die Verbindung von Technik, Handwerk und Alltag.
Es steht für eine Ära, in der Kraft durch kluge Konstruktion ergänzt wurde – und in der ein einfacher Flaschenzug zum unverzichtbaren Werkzeug wurde, das Sicherheit, Effizienz und Erfahrung vereinte.
Handerdbohrer und Handbohrer für Holz
– Werkzeuge aus dem traditionellen Holzhandwerk
Datierung: vermutlich spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert
Material: geschmiedeter Stahl, T‑Griffe aus Holz oder Metall
Typ: Handbohrer / Schneckenbohrer für Holz
Zustand: stark gebraucht, mit Rostpatina und deutlichen Spuren handwerklicher Nutzung
Gestaltung und Funktion
Die vier Bohrer bestehen aus langen, stabilen Metallstangen mit T‑förmigen Griffen, die eine kraftvolle, zweihändige Drehbewegung ermöglichten.
Am unteren Ende befinden sich unterschiedlich geformte Bohrspitzen, die jeweils für bestimmte Aufgaben im Holz geeignet waren:
- Schneckenförmige Spitzen für tiefe, saubere Bohrlöcher
- Schmale, spitze Formen für Vorbohrungen oder Zapfenlöcher
- Breitere Schneiden für gröbere Holzarbeiten oder Pfosten
Solche Bohrer wurden eingesetzt, bevor elektrische Maschinen verbreitet waren. Sie funktionierten allein durch Körperkraft und gleichmäßiges Drehen.
Kulturelle Einordnung
Diese Werkzeuge gehörten zur Grundausstattung von:
- Zimmerleuten (z. B. beim Bau von Fachwerk, Dachstühlen, Scheunen)
- Schreinern (für Möbel, Türen, Rahmen)
- Landwirten (für Zäune, Pfosten, Stallbau)
- Heimwerkern, lange bevor Akkuschrauber existierten
Sie stehen für eine Zeit, in der Holzbau noch stark handwerklich geprägt war und jedes Loch buchstäblich von Hand erarbeitet wurde.
Museale Bedeutung
Die Bohrer dokumentieren die Arbeitswelt des traditionellen Holzhandwerks.
Ihre Patina erzählt von jahrzehntelangem Einsatz in Werkstätten, Scheunen und auf Baustellen.
Sie zeigen, wie viel Kraft, Geschick und Erfahrung nötig waren, um Holz zu bearbeiten, und wie Werkzeuge gestaltet wurden, die einfach, robust und langlebig sein mussten.
Ein kleines Ensemble, das die Technikgeschichte des Bohrens sichtbar macht – lange bevor Strom und Maschinen die Arbeit erleichterten.
Handgefertigter Holz‑Winkel
– Spezialmaß aus der Werkstatt
Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Hartholz, handgearbeitet
Typ: fester Spezial‑Winkel / Anreiß‑ und Prüfwerkzeug
Zustand: gut erhalten, mit Patina, Kerben und deutlichen Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Der Winkel besteht vollständig aus massivem Holz, dessen Schenkel präzise miteinander verbunden wurden. Die Form ist schlicht, aber funktional – typisch für Werkzeuge, die nicht industriell, sondern vom Handwerker selbst hergestellt wurden.
Auffällig ist der ungewöhnliche Öffnungswinkel, der nicht den üblichen 90 Grad entspricht. Das deutet darauf hin, dass das Werkzeug für eine ganz bestimmte wiederkehrende Arbeit gedacht war, etwa:
- das Anreißen eines festen Schrägwinkels
- das Prüfen von Bauteilen mit definierter Neigung
- das Herstellen von Serienstücken mit identischem Winkel
- das Arbeiten an Fachwerk, Gestellen oder Rahmen
Da der Winkel nicht verstellbar ist, diente er als festes Referenzmaß, das immer exakt gleich blieb.
Kulturelle Einordnung
Solche selbst gefertigten Holz‑Winkel waren typisch für:
- Zimmerleute (z. B. Dachneigungen, Strebenwinkel)
- Schreiner (Serienmaße bei Möbeln oder Rahmen)
- Wagner und Stellmacher (Radbau, Gestellbau)
- Landwirte, die sich Werkzeuge für Reparaturen selbst bauten
Sie zeigen, wie praktisch, erfinderisch und materialbewusst Handwerker früher arbeiteten. Ein Stück Holz, ein paar präzise Schnitte – und schon entstand ein Werkzeug, das über Jahre zuverlässig diente.
Museale Bedeutung
Der Holz‑Winkel dokumentiert die Alltagskultur des Handwerks, in der Werkzeuge nicht nur gekauft, sondern selbst entwickelt und angepasst wurden.
Er erzählt von Erfahrung, Routine und handwerklicher Präzision, die sich in solchen Spezialanfertigungen spiegeln.
Dass der genaue Zweck heute unbekannt ist, macht das Objekt umso spannender: Es steht für das stille Wissen der Werkstätten, das oft nur mündlich weitergegeben wurde.
„Schmiesch“ – Verstellbarer Holz‑Anschlagwinkel aus dem Handwerk
Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Hartholz, Metallachse zur Verstellung
Typ: verstellbarer Anschlagwinkel / Schmiege
Regionale Bezeichnung: Schmiesch (Kettijer Platt)
Zustand: gut erhalten, mit Patina und deutlichen Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Die Schmiesch besteht aus zwei hölzernen Schenkeln, die über eine drehbare Achse miteinander verbunden sind. Dadurch lässt sich der Winkel frei einstellen und anschließend fixieren.
Mit diesem Werkzeug konnten Handwerker:
- beliebige Winkel übertragen, etwa von einem Bauteil auf ein anderes
- Schrägschnitte anreißen, z. B. für Dachlatten, Leisten oder Rahmen
- Gehrungen prüfen, bevor gesägt oder gehobelt wurde
- Serienarbeiten mit identischem Winkel herstellen
Die Konstruktion ist einfach, aber hochfunktional – ein typisches Beispiel für Werkzeuge, die jahrzehntelang zuverlässig ihren Dienst taten.
Kulturelle Einordnung
Der Schmiesch war ein unverzichtbares Werkzeug für:
- Zimmerleute
- Schreiner
- Wagner und Stellmacher
- Landwirte, die viel selbst reparierten
Dass er aus Holz gefertigt ist, zeigt die Materialnähe und Improvisationskunst früherer Werkstätten. Viele solcher Winkel wurden vom Handwerker selbst hergestellt – angepasst an die eigenen Bedürfnisse.
Der Name Schmiesch ist ein schönes Beispiel für regional verankerte Fachsprache, die oft nur im Dorf oder in der Zunft verstanden wurde.
Museale Bedeutung
Dieses Werkzeug dokumentiert die Arbeitswelt des traditionellen Holzhandwerks.
Es zeigt, wie wichtig präzise Winkel für Bau, Möbel und Reparaturen waren – lange bevor digitale Messgeräte existierten.
Die Schmiesch verbindet Handwerk, Sprache und regionale Identität und ist damit ein wertvolles Objekt für das virtuelle Museum.
Schlüsselbund mit alten Bartschlüsseln
– Werkzeug eines hilfsbereiten Handwerkers
Datierung: 19. Jahrhundert bis frühes 20. Jahrhundert
Material: Eisen
Typ: Sammlung verschiedener Bartschlüssel an einem Metallring
Zustand: stark gebraucht, mit Rostpatina und individuellen Abnutzungsspuren
Gestaltung und Funktion
Der große Metallring trägt eine Vielzahl alter Bartschlüssel, die sich in Form, Länge und Bartgestaltung deutlich unterscheiden.
Jeder Schlüssel öffnete ein anderes Schloss – von Haustüren über Stalltüren bis hin zu Truhen, Schränken oder Werkzeugkisten.
Die Vielfalt zeigt, dass der Besitzer nicht nur einen einzigen Haushalt, sondern vermutlich viele verschiedene Schlösser bedienen musste.
Kulturelle Einordnung
Ein solcher Schlüsselbund gehörte oft zu:
- Handwerkern, die Türen reparierten oder Schlösser instand hielten
- Dorfschmieden, die Schlösser fertigten oder nacharbeiteten
- Hausmeistern oder Gemeindedienern, die Zugang zu vielen Gebäuden brauchten
- Landwirten, die mehrere Ställe, Schuppen und Truhen sicherten
Gerade im ländlichen Raum war es üblich, dass ein Handwerker „mal eben“ half, wenn jemand sich ausgesperrt hatte oder ein Schloss klemmte.
Der Schlüsselbund steht damit für Vertrauen, Nachbarschaftshilfe und handwerkliche Kompetenz.
Museale Bedeutung
Diese Sammlung dokumentiert die Geschichte der Schließtechnik ebenso wie die soziale Rolle des Handwerks.
Jeder Schlüssel ist ein kleines Unikat, das von einem bestimmten Schloss, einem bestimmten Ort und einer bestimmten Aufgabe erzählt.
Der gesamte Bund wirkt wie ein mobiles Archiv des Alltags – ein Werkzeug, das nicht nur Türen, sondern auch Geschichten öffnet
Holzwerkzeugkiste
– Handgefertigte Transportkiste eines Handwerkers
Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: unbehandeltes Nadelholz; Rundholzgriff
Typ: tragbare Werkzeugkiste in traditioneller Zimmermanns‑/Landhandwerksform
Zustand: stark gebraucht; deutliche Abnutzungsspuren, dunkle Patina, handwerkliche Reparaturen möglich
Gestaltung und Funktion
Die Werkzeugkiste ist vollständig handgefertigt und besteht aus grob zugeschnittenen Holzbohlen, die zu einem rechteckigen Kasten zusammengesetzt wurden. Die beiden seitlichen Stirnbretter sind dreieckig ausgeformt, um den runden Holztragegriff aufzunehmen.
Diese Bauform war im Handwerk weit verbreitet, weil sie:
- stabil, aber leicht genug zum Tragen war
- sich aus einfachen Resthölzern herstellen ließ
- schnell repariert werden konnte
- genügend Platz für Hammer, Zange, Schraubendreher, Nägel und Kleinteile bot
Die sichtbaren Gebrauchsspuren – Kerben, Abrieb, dunkle Flecken – erzählen von jahrelanger Nutzung auf Baustellen, in Werkstätten und bei Reparaturarbeiten im Dorf.
Kulturelle Einordnung
Solche Werkzeugkisten gehörten zur Grundausstattung vieler Handwerker:
- Zimmerleute
- Schreiner
- Landwirte, die viel selbst reparierten
- Dorfschmiede oder Hausmeister
Sie waren nicht nur Transportbehälter, sondern auch ein Stück persönlicher Arbeitsidentität. Jeder Handwerker hatte seine eigene Kiste, oft selbst gebaut, angepasst an die eigenen Werkzeuge und Arbeitsweisen.
Die einfache, funktionale Konstruktion zeigt die Pragmatik des ländlichen Handwerks: Man nutzte, was verfügbar war, und baute es so, dass es Jahrzehnte hielt.
Museale Bedeutung
Die Werkzeugkiste dokumentiert die materielle Kultur des Handwerks:
Sie steht für Mobilität, Improvisation, Selbstbau und die enge Verbindung zwischen Mensch und Werkzeug.
Als Objekt erzählt sie von:
- der Arbeitswelt früherer Generationen
- der Bedeutung von Handarbeit und Reparatur
- der Schlichtheit und Zweckmäßigkeit traditioneller Arbeitsgeräte
Ein authentisches Zeugnis des alltäglichen Arbeitens in einer Zeit, in der Werkzeuge noch nicht industriell verpackt, sondern im eigenen Kasten getragen wurden.
Schneidewerkzeug für Besen
– Handgerät zur Herstellung runder Reisig‑ oder Strohbesen
Das Objekt ist ein robustes, handbetriebenes Schneide‑ und Presswerkzeug, wie es in kleinen Werkstätten oder landwirtschaftlichen Haushalten zur Herstellung von Reisig‑, Stroh‑ oder Rundbesen verwendet wurde. Solche Geräte dienten dazu, das gebündelte Material – meist Birkenreisig, Ginster, Haselruten oder Stroh – gleichmäßig abzuschneiden, zu formen und zu verdichten, bevor der Besen endgültig gebunden wurde.
Aufbau und Funktionsweise
Das Werkzeug besteht aus:
- einem massiven Gusseisenkörper, der fest auf einer Werkbank verschraubt wurde
- einem langen Hebelarm, der über ein Gelenk eine kräftige Schneid‑ oder Pressbewegung auslöst
- einer Schneidkante bzw. Pressfläche, die das Besenmaterial bündig kürzt oder formt
Durch den langen Hebel konnte mit vergleichsweise wenig Kraftaufwand ein sauberer, gleichmäßiger Schnitt erzeugt werden – entscheidend für die Qualität eines runden Besens.
Solche Geräte wurden oft regional gefertigt, waren langlebig und wurden über Jahrzehnte genutzt.
Historischer und handwerklicher Kontext
Bevor industriell gefertigte Besen den Markt dominierten, war die Herstellung von Reisig‑ und Strohbesen ein typisches Nebengewerbe in ländlichen Regionen. Viele Familien stellten Besen:
- für den Eigenbedarf,
- für den lokalen Handel,
- oder als saisonale Zusatzarbeit her.
Das Schneidewerkzeug war dabei ein zentrales Hilfsmittel, um:
- die Besenköpfe zu glätten,
- die Rundform zu erzeugen,
- und überschüssiges Material sauber abzutrennen.
Es steht damit für ein fast verschwundenes Handwerk, das eng mit bäuerlichem Alltag und regionaler Selbstversorgung verbunden war.
Museale Bedeutung
In der Rubrik „Handwerk & Landwirtschaft“ oder „Alltagsarbeit früher“ zeigt dieses Werkzeug:
- die Materialkultur eines traditionellen Handwerks,
- die Bedeutung von einfachen, aber effektiven Mechaniken,
- und die Selbstversorgungsstrukturen früherer Dorfgemeinschaften.
Es ist ein authentisches Beispiel dafür, wie mit einfachen Mitteln langlebige Alltagsgegenstände hergestellt wurden – und wie viel handwerkliches Geschick hinter einem scheinbar simplen Besen steckt.
Schneidewerkzeug für flache oder gebündelte Materialien
– vermutlich aus der Besen‑ oder Bürstenherstellung
Das Gerät ist ein schweres, handbetriebenes Schneidewerkzeug, das mit seinem langen Hebelarm und der massiven, fest verschraubbaren Grundplatte eindeutig für Arbeiten gedacht war, bei denen viel Druck und ein sauberer Schnitt erforderlich sind. Die Bauform weist auf ein Werkzeug hin, das in kleinen Werkstätten, landwirtschaftlichen Haushalten oder im Handwerk eingesetzt wurde, um flache oder gebündelte Materialien zu kürzen.
Aufbau und Funktionsweise
Das Werkzeug besteht aus:
- einem massiven Metallkörper, der auf einer Werkbank fixiert wurde
- einem langen Hebelarm mit Holzgriff, der große Hebelwirkung erzeugt
- einer beweglichen Schneidklinge, die beim Herunterdrücken des Hebels das Material durchtrennt
- einer feststehenden Gegenplatte, gegen die geschnitten wird
Die Konstruktion ist auf Kraft, Stabilität und Wiederholgenauigkeit ausgelegt – ideal für Materialien, die sich nicht einfach mit einem Messer schneiden lassen.
Wahrscheinlicher Einsatzbereich
Die Form und Mechanik passen besonders gut zu Tätigkeiten wie:
- Kürzen von Reisig- oder Strohbesen (z. B. flache Besenköpfe, Handfeger, Rundbesen)
- Schneiden von flachen Bündeln wie Schilf, Stroh, Ruten oder dünnen Zweigen
- Zuschneiden von Besenmaterial, bevor es gebunden oder in eine Fassung eingesetzt wurde
Im Unterschied zum zuvor beschriebenen Werkzeug für runde Besen wirkt dieses Gerät eher für flache oder breite Bündel geeignet – also für Besenarten, die nicht rund, sondern fächerförmig oder flach gebunden wurden.
Auch im Bürstenmacher‑Handwerk wurden ähnliche Geräte genutzt, um Borsten oder Pflanzenfasern auf eine einheitliche Länge zu bringen.
Historischer Kontext
Solche Werkzeuge waren typisch für:
- kleine ländliche Werkstätten,
- Nebenerwerbs‑Besenmacher,
- Selbstversorger-Haushalte,
- regionale Handwerksbetriebe, die Besen, Bürsten oder Reinigungsgeräte herstellten.
Bevor industriell gefertigte Besen den Markt dominierten, war die Herstellung ein wichtiges saisonales Zusatzgewerbe. Ein Werkzeug wie dieses garantierte:
- gleichmäßige Schnittkanten,
- saubere Besenköpfe,
- und eine professionelle Optik.
Museale Bedeutung
Für dein virtuelles Museum ist dieses Werkzeug ein starkes Objekt in der Rubrik:
„Handwerk & Landwirtschaft – Arbeitsgeräte des Alltags“
Es zeigt:
- die Materialkultur eines fast verschwundenen Handwerks,
- wie viel Mechanik und Muskelkraft früher in einfachen Alltagsgegenständen steckte,
- und wie regional verwurzelt die Herstellung von Besen und Bürsten war.
Es ergänzt das zuvor beschriebene Rundbesen‑Werkzeug perfekt und zeigt die Vielfalt der traditionellen Besenmacherei.
Spezieller Rundhobel von Johann Hillesheim
Kategorie: Alltagsleben / Handwerk
Dieser besondere Rundhobel stammt aus dem Besitz von Johann Hillesheim (1864–1956), Wagner und Stellmachermeister. Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Flachhobel besitzt dieses Werkzeug einen abgerundeten, konvex geformten Hobelsohlboden, der speziell zum Bearbeiten von Rundungen, Hohlformen und geschwungenen Holzflächen entwickelt wurde.
Solche Hobel waren unverzichtbar für das traditionelle Wagen‑ und Stellmacherhandwerk, denn viele Bauteile – etwa Felgen, Speichen, Radkränze, Kutschenteile oder gebogene Holme – erforderten präzise, gleichmäßige Rundungen.
Handwerklicher Kontext
Als Wagner und Stellmacher arbeitete Johann Hillesheim täglich mit komplexen Holzformen. Ein Rundhobel wie dieser diente ihm dazu:
- konvexe und konkave Flächen exakt auszuhobeln
- Rundungen an Wagenrädern anzupassen
- geschwungene Bauteile für Kutschen und landwirtschaftliche Geräte zu formen
- feine Passarbeiten an gebogenen Holzelementen auszuführen
Der Rundhobel war damit ein hochspezialisiertes Werkzeug, das viel Erfahrung und Gefühl erforderte – ein echtes Meisterstück des traditionellen Handwerks.
Bedeutung des Objekts
Dieses Werkzeug ist weit mehr als ein Gebrauchsgegenstand:
- Es trägt die Gebrauchsspuren eines jahrzehntelangen Berufslebens
- Es dokumentiert die Arbeitsweise eines Stellmachermeisters
- Es zeigt die Materialkultur des ländlichen Handwerks um 1900
- Es bewahrt ein Stück Familien‑ und Dorfgeschichte
Solche spezialisierten Hobel wurden oft über Generationen hinweg genutzt und gepflegt – sie waren wertvolle Werkzeuge, die den Alltag eines Handwerkers prägten.
Handwerkerinschrift „J. Patey – 12/7/21“ in der Innenwand von Breitestraße 17
Kettig, datiert 12. Juli 1921
Kategorie: Bau‑, Sozial‑ und Alltagsgeschichte
In der Innenwand des Hauses Breitestraße 17 in Kettig befindet sich eine historische Handwerkerinschrift mit der Signatur „J. Patey – 12/7/21“. Die Ritzung stammt aus dem Jahr 1921 und wurde vermutlich während einer Bau‑ oder Renovierungsphase angebracht. Solche persönlichen Markierungen sind typische, aber selten erhaltene Zeugnisse der handwerklichen Arbeitswelt des frühen 20. Jahrhunderts.
Bei der jüngsten, aufwendig durchgeführten Renovierung des Hauses — ausgeführt von Jürgen Hillesheim — wurde die Wand mit traditionellem Lehmputz versehen. Die historische Inschrift blieb dabei bewusst sichtbar, um die Geschichte des Gebäudes und die Spuren früherer Handwerker zu bewahren.
Beschreibung
- ovale Vertiefung im historischen Mauerwerk
- darin glatterer Steinbereich mit eingeritzter Inschrift
- Text: „J. Patey 12/7/21“
- handwerklich ausgeführte Ritzung, vermutlich mit Nagel, Messer oder Maurerwerkzeug
- deutliche Altersspuren, Patina, leichte Abwitterung
- umgebender moderner Lehmputz bildet einen bewussten Rahmen und lässt die Inschrift als Zeitfenster bestehen
Historische Einordnung
Die Inschrift steht exemplarisch für:
- die Tradition der Handwerkersignaturen, die oft versteckt in Wänden, Dachstühlen oder unter Böden hinterlassen wurden
- die Bau‑ und Renovierungstätigkeit der frühen 1920er Jahre
- die persönliche Handschrift eines namentlich greifbaren Arbeiters
- die Kontinuität handwerklicher Arbeit in Kettig über mehr als ein Jahrhundert
Solche Markierungen dienten als Datierung, als persönlicher Stolz oder einfach als spontane Geste eines Arbeiters, der seine Spuren hinterlassen wollte.
Museale Bedeutung
Die Inschrift ist kulturhistorisch wertvoll, weil sie:
- ein authentisches Zeugnis individueller Handwerksgeschichte darstellt
- die Bauphasen des Hauses Breitestraße 17 dokumentiert
- die Verbindung zwischen Vergangenheit und moderner Renovierung sichtbar macht
- ein seltenes Beispiel für erhaltene persönliche Spuren im Mauerwerk ist
- die lokale Geschichte von Kettig auf menschlicher Ebene erfahrbar macht
Durch die bewusste Entscheidung, die Inschrift sichtbar zu belassen, wird sie zu einem kleinen, aber bedeutenden Denkmal der Alltagsgeschichte.