Flur I

Flur I umfasst die ältesten und am dichtesten genutzten Bereiche der Kettiger Gemarkung. Viele der hier überlieferten Namen beziehen sich auf Wege, Hanglagen und Auen, die das Dorf seit Jahrhunderten prägen. Sie zeigen, wie eng Landwirtschaft, Alltag und Landschaft miteinander verbunden waren.

Flur I – Blatt 1

Der gute Leinepfad.
Im goldenen Morgen.
Am Mittelweg.
Auf dem Hundel.
Vorn am Mittelweg.
Im Mittelweg.
Auf der Kümm.
Unter der Kümm.
Im Kirchweg.
Auf den Dillen.
In der Aue.

Flur I (Blatt 1): Bedeutungen der Flurnamen

 

Der gute Leinepfad

„Leinepfad“ ist ein alter Wegname.

  • „Leine“ kann auf einen Grenzpfad (Lehne/Leine = Grenze, Hangkante) zurückgehen
  • oder auf einen schmalen, langgezogenen Weg
  • „gut“ bezeichnet oft einen besonders gut begehbaren oder wichtigen Weg

Wahrscheinlich:
Ein alter, gut ausgebauter Grenz- oder Hangweg, der als verlässlicher Pfad galt.

 

Im goldenen Morgen

Ein poetischer, sehr alter Flurname.
„Goldener Morgen“ bezeichnet häufig:

  • sonnenexponierte Ostlagen,
  • fruchtbare, helle Ackerflächen,
  • oder eine Wiese, die morgens besonders hell beschienen wurde

Wahrscheinlich:
Eine helle, sonnenreiche Lage, die morgens „golden“ wirkte.

 

Am Mittelweg

Ein klassischer Lagebezug.
„Mittelweg“ → ein Weg in mittlerer Lage, oft zwischen zwei Hauptwegen oder Flurabschnitten.

Wahrscheinlich:
Parzellen am mittleren Hauptweg der Flur I.

 

Auf dem Hundel

„Hundel / Hundeln / Hundelchen“ ist ein alter rheinischer Geländename.
Er kann bedeuten:

  • kleiner Hügel,
  • runde Erhebung,
  • manchmal auch steiniger Boden (Hund = hart, karg)

Wahrscheinlich:
Eine kleine, runde Erhebung oder ein karger Hangbereich.

 

Vorn am Mittelweg

„Vorn“ → dorfnahe Seite.
Wahrscheinlich:
Der vordere Abschnitt der Parzellen am Mittelweg, näher am Dorf.

 

Im Mittelweg

Bezieht sich auf den Weg selbst oder die direkt angrenzenden Parzellen.

Wahrscheinlich:
Flächen entlang oder unmittelbar im Bereich des Mittelwegs.

 

Auf der Kümm

„Kümm / Kimm / Kümme“ ist ein alter Geländename:

  • bedeutet oft Kante, Saum, Randlinie,
  • manchmal auch Hangkante oder Geländerippe

Wahrscheinlich:
Eine Geländekante oder ein höherer Randbereich innerhalb von Flur I.

 

Unter der Kümm

„Unter“ → tiefer gelegen, hangabwärts.
Wahrscheinlich:
Die unterhalb der Geländekante (Kümm) liegenden Parzellen.

 

Im Kirchweg

„Kirchweg“ → der alte Weg zur Kirche, oft einer der ältesten Wege im Dorf.

Wahrscheinlich:
Parzellen entlang des historischen Kirchwegs.

 

Auf den Dillen

„Dille / Dillen“ ist ein alter Flurname:

  • kann auf Dillpflanzen zurückgehen,
  • häufiger aber auf kleine, längliche Parzellen (dill = schmal, lang)
  • manchmal auch auf Mulden (Delle → Dille)

Wahrscheinlich:
Ein längliches Parzellenfeld oder eine leichte Mulde.

 

In der Au

„Au“ → feuchte Wiesenlandschaft, oft bachnah.

Wahrscheinlich:
Eine Wiesenfläche in einem feuchten, bachnahen Bereich

Flur I – Blatt 2

In den Achter Stücken.
An den 6 Nußbäumen ober dem Gutemannspfad.
An den 6 Nußbäumen.
Am Gutemannspfad zwischen den 2 Straßen.
Zwischen den 2 Straßen.
Im Bremelsstück.
An der Kärlicherstrasse.
Unter der Wies.

Flur I – Blatt 2: Bedeutungen der Flurnamen

 

In den achter Stücken

„Achter“ bedeutet im Dialekt oft hintere, also weiter vom Dorf entfernte Stücke Land.
Wahrscheinlich: Felder, die „hinten“ in der Flur lagen.

 

An den 6 Nußbäumen ober dem Gutemannspfad

Ein sehr konkreter Name:

  • „6 Nußbäume“ → markante Baumgruppe, oft als Orientierungspunkt genutzt
  • „ober“ → oberhalb, also hangaufwärts
    Wahrscheinlich: Acker- oder Wiesenflächen oberhalb einer bekannten Baumgruppe am Gutemannspfad.

 

An den 6 Nußbäumen

Wie oben, nur ohne die Lageangabe.
Wahrscheinlich: direkt bei dieser Baumgruppe gelegene Parzellen.

 

Am Gutemannspfad zwischen den 2 Straßen

„Gutemannspfad“ dürfte ein alter Weg sein, der zum Gebiet „Am Guten Mann“ führt.
Der Name „Am Guten Mann“ stammt von einem ehemaligen Siechenhaus (Leprosorium), das 1389 erstmals erwähnt wurde. Die heutige Kapelle wurde 1838 erbaut.
„Zwischen den 2 Straßen“ → Lagebeschreibung.
Wahrscheinlich: ein Streifen Land zwischen zwei Wegen, die den Gutemannspfad kreuzten oder einrahmten.

 

Zwischen den 2 Straßen

Ein reiner Lageflurname.
Wahrscheinlich: ein schmaler Bereich zwischen zwei parallelen oder sich kreuzenden Wegen.

 

Im Bremelsstück

„Bremel“ bedeutet Brombeere (regional auch „Brömme“).
Wahrscheinlich: ein Stück Land, das früher stark mit Brombeeren bewachsen war.

 

An der Kärlicherstraße

Ein klarer Verkehrsbezug.
Wahrscheinlich: Parzellen entlang der alten Straße Richtung Kärlich.

 

Unter der Wies

„Unter“ bezeichnet die tiefere Lage.
Wahrscheinlich: ein Bereich unterhalb einer größeren Wiesenfläche, vermutlich hangabwärts.

Flur I – Blatt 3

Im Pohlstück.
Auf dem Urmitzerweg.
Im Kleinflur.

Flur I – Blatt 3: Bedeutungen der Flurnamen

 

Im Pohlstück

„Pohl“ ist ein sehr alter Begriff und kann mehrere Bedeutungen haben:

  • mittelhochdeutsch pfuhl → Tümpel, Wasserloch
  • mundartlich Pohl → Senke, feuchte Stelle
    Wahrscheinlich: ein Stück Land mit einer feuchten Mulde oder einem kleinen Wasserloch.

 

Auf dem Urmitzerweg

Ein klarer Wegbezug.
Wahrscheinlich: Flächen entlang des alten Weges, der von Kettig nach Urmitz führte — ein traditioneller Verbindungsweg zwischen den Orten.

 

Im Kleinflur

„Kleinflur“ bezeichnet meist eine kleinere, abgegrenzte Teilfläche innerhalb einer größeren Flur.
Wahrscheinlich: ein kleineres Ackerstück oder eine kompakte Parzellenansammlung, die sich deutlich von den umliegenden größeren Feldern unterschied.

Flur I – Blatt 4

Unter der Wies bis auf die Anwand.

Flur I – Blatt 4: Bedeutungen der Flurnamen

 

Unter der Wies bis auf die Anwand

Dieser Eintrag ist ein zusammengesetzter Lageflurname, der zwei Elemente verbindet:

„Unter der Wies“

„Unter“ bezeichnet in Flurnamen fast immer die tiefere, hangabwärts gelegene Fläche.
Wahrscheinlich: ein Bereich unterhalb einer größeren, bekannten Wiesenfläche.

„bis auf die Anwand“

„Anwand“ ist ein alter Begriff für eine Anhöhe, einen Hang oder eine Böschung.
Er taucht im Rheinland häufiger auf und bezeichnet meist eine Geländekante, die sich deutlich vom flacheren Gelände absetzt.

Gesamtbedeutung:
Ein langgestreckter Bereich, der unterhalb einer Wiese beginnt und sich bis zu einer Hangkante oder Böschung („Anwand“) hinzieht.
Solche Bezeichnungen beschreiben oft Parzellen, die sich über mehrere Geländestufen erstrecken.

Flur I – Blatt 5

Am Urmitzerweg ober dem Bach.
Im Niederflur ober der Bach.
Im Niederflur.

Flur I – Blatt 6: Bedeutungen der Flurnamen

 

Am Urmitzerweg ober dem Bach

Ein zusammengesetzter Lageflurname:

  • Urmitzerweg → der alte Weg nach Urmitz
  • ober dem Bach → oberhalb des Bachs, also hangaufwärts

Wahrscheinlich: Acker- oder Wiesenflächen entlang des Urmitzerwegs, die oberhalb eines kleinen Bachs lagen (vermutlich des Kettiger Bachs oder eines Seitenlaufs).

 

Im Niederflur ober der Bach

„Niederflur“ bezeichnet eine tiefer gelegene Flur, oft in Bachnähe.
„Ober der Bach“ bedeutet oberhalb des Bachs, also leicht erhöht.

Wahrscheinlich: ein tiefer gelegener Flurbereich, der sich jedoch noch oberhalb des Bachbetts befand — eine typische Übergangszone zwischen Hang und Aue.

 

Im Niederflur

Ein klarer topografischer Begriff.

  • „Nieder-“ → tief, unten
  • „Flur“ → Acker- oder Wiesenland

Wahrscheinlich: die tiefste, bachnahe Zone dieser Flur, oft feuchter, früher möglicherweise Überschwemmungsgebiet oder besonders fruchtbares Ackerland.

Flur I – Blatt 6

Am Pfräder.

Flur I – Blatt 6: Bedeutung des Flurnamens

 

Am Pfräder

„Pfräder“ ist ein alter, mundartlicher Geländename, der in verschiedenen rheinischen Regionen in ähnlicher Form vorkommt (Pfrad, Pfräder, Pfrahd).
Er lässt sich sprachlich auf zwei mögliche Wurzeln zurückführen:

1. Bezug zu „Pfad“

  • In vielen Dialekten wurde Pfad zu Pfrad / Pfräder verschliffen.
  • Gemeint ist dann ein schmaler, älterer Weg, oft ein Trampelpfad oder ein Verbindungsweg zwischen Parzellen.

2. Bezug zu „Fron-/Pfron-“ (seltener)

  • In Einzelfällen kann es auf Pfron zurückgehen, was Gemeindeland oder gemeinschaftlich genutzte Wege bezeichnete.
  • Diese Deutung ist möglich, aber weniger wahrscheinlich.

Wahrscheinlich:
Ein Bereich an einem alten, schmalen Pfad, der als Verbindungsweg zwischen Feldern oder Flurstücken diente.
Der Name weist auf eine schmale Wegführung oder Randlage innerhalb von Flur I hin.