Brüdcher kave bei de Schulzes - Willi & Gilbert

Veröffentlicht am 31. Mai 2026 um 15:47

In der Breitestraße direkt neben einer Metzgerei gab es früher die kleine Bäckerei der Gebrüder Schulz. Vorne im Laden stand der jüngere Bruder Willi, immer freundlich und immer ein bisschen langsam – nicht aus Absicht, sondern weil seine Hände leicht zitterten. Wer mehr als zwei Brötchen wollte, brauchte bei ihm einfach ein bisschen Geduld.

Früher fuhr er regelmäßig mit dem Fahrrad nach Weißenthurm, den Korb voller frischer Brötchen, und verkaufte sie dort direkt vom Rad aus. Ein rollender Bäckerladen, lange bevor Foodtrucks modern wurden.

Willi hatte im Laden seine feste Reihenfolge:
Er holte eine Papiertüte, machte die Fingerspitzen nass, damit er sie besser greifen konnte, und griff dann in die Auslage. Dabei stieß er regelmäßig mit der Hand ans Regal darüber, und die Brötchen sprangen zurück wie kleine Flummis.

„Joo, die wolle halt widder ham“, sagte er dann und sammelte sie wieder ein, als wäre das das Normalste der Welt.

Manchmal rutschte ihm ein Brötchen auch auf den Boden. Kein Drama. Willi hob es auf, klopfte es ab und packte es in die Tüte. Auch damals gab es schließlich schon die 5‑Sekunden‑Regel. Die Leute nahmen es mit Humor – es war eben Willi.

Hinten in der Backstube arbeitete der ältere Bruder Gilbert, ein ruhiger, bedächtiger Mann. Man sah ihn selten, aber man hörte ihn umso öfter. Wenn wieder ein Blech fertig war, rief er nach vorne:

„Willi! Do sin widder frische Brüdche – mach, hol se no vür!“

Brötchenkauf bei den Schulze‑Brüdern war kein schneller Einkauf. 
Es war ein kleines Abenteuer – und manchmal eine echte Geduldsprobe.
Aber man ging gerne hin, weil es herzlich, menschlich und unverwechselbar war.