Werner saß vorne, die Brille halb auf der Nase, ein paar vergilbte Unterlagen in der Hand. Und dann begann er zu erzählen – vom „Schachclub 1924 Kettig e.V.“, der einst zu den stärksten Vereinen Deutschlands gehörte.
„Mir hatte mol die erste Mannschaft in der ersten Bundesliga, die zweite in der zweiten un die dritte in der dritten Bundesliga. Jeder Schachspieler in ganz Deutschland hätt de SC Kettisch jekannt!“
Man merkte sofort: Das war kein Dorfstolz – das war echte Geschichte.
Dann blätterte Werner in seinen Papieren und sagte mit feierlicher Stimme:
„Passt emol off un hürt zo, wer do alles drin wore…“
Er las die Platzierung von 1982 vor:
- SG Porz Köln
- Königsspringer Frankfurt
- Solinger SG
- SG Kettisch
- Bayern München
Einen Moment lang war es still. Dann brach der ganze Raum in schallendes Gelächter aus.
„De SG Kettisch wor vür Bayern Münche!“ rief Werner triumphierend.
„Bi kann dat dann sin?“ rief einer aus der Runde.
„Jo, die hatten och en Schachclub jehat!“
„Hatten die och noch wat anneres?“ warf ein anderer ein, und das Gelächter wurde noch lauter.
Werner las weiter:
„Fünfter wor Bayern München, dann kom de SV Bochum, dann Hamburger SK… alles kläne Städtche!“
Er grinste breit.
„Ketsch hät die schwer üvertrumpft!“
Danach folgten Bamberg, Eppendorf, Düsseldorf, Sindelfingen – und Kettig mittendrin, als wäre es das Normalste der Welt.
Der vierte Platz berechtigte damals zur Teilnahme an der Deutschen Schachmeisterschaft.
„Die hät am Thur in de Hall stattjefonne!“ erklärte Werner weiter.
Marita hob skeptisch die Augenbrauen:
„Dat söhste jetz doch net wirklich, dat dat am Thur stattjefonne hätt?“
Werner winkte ab und fuhr fort:
Die ersten vier spielten den Meister im Kreuzvergleich aus.
„Do simer allerdings nur värte wore – ower ümmerhin värte! Un mir wore vür Bayern Münche!“
Der Raum tobte.
Und für einen Moment war allen klar:
Das war mal der Schachclub Kettisch.
Ein Dorfverein, der sich unter die ganz Großen mischte – und Bayern München hinter sich ließ.