Dieses Rezept stammt aus dem handgeschriebenen Kochbuch von Anna Rausch, geb. Kerwer – einer Kettigerin, die um 1914 mit einfachen Mitteln Köstlichkeiten zauberte, während die Welt draußen unruhiger wurde. In ihrer Küche aber duftete es nach Roggenmehl, Zimt und Nelken, und das „Mainzer Gebäck“ war ein kleiner Luxus, den man sich trotz knapper Zeiten gönnte.
Mit Schmalz, Hirschhornsalz und einem Hauch Kakao wurde ein Pfefferkuchenersatz gebacken, der so charaktervoll war wie die Menschen im Dorf. Und wenn der Teig mal bockig war, wurde einfach „noch etwas Mehl nachgearbeitet“ – ganz so, wie man es in Kettig schon immer gemacht hat: pragmatisch, herzlich und ohne viel Aufhebens.
So lebt mit jedem Blech dieses Gebäcks ein Stück Kettiger Geschichte weiter – und vielleicht auch ein kleines Lächeln von Anna selbst.
Mainzer Gebäck
Pfefferkuchenersatz mit Schokoladenglasur
2 Pfund Roggenmehl,
½ Pfund Schmalz, zerlassen,
½ L. Milch
300gr. Zucker
30gr. Zimt
etwas Nelken
1 Eßl. Cakao,
10 gr. Hirschhorn
1 gr. Natron oder Pottasche.
Dies wird alles zusammen gewirkt nicht gerührt, beliebige Stücke ausgesteckt und gebacken.
Nach dem backen werden sie glasiert.
Sollte der Teig sich nicht ausrollen so tut man noch etwas Mehl nacharbeiten.
Mainzer Gebäck – moderne Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung
(Pfefferkuchenersatz mit Schokoladenglasur)
1. Teig vorbereiten
- Roggenmehl in eine große Schüssel geben.
- Zucker, Zimt, Nelken, Kakao, Hirschhornsalz und Natron/Pottasche untermischen.
- Das Schmalz in einem Topf schmelzen.
- Die Milch leicht erwärmen (nicht kochen).
- Flüssiges Schmalz und warme Milch zur Mehlmischung geben.
2. Teig zusammenarbeiten
- Alles gründlich verkneten, bis ein glatter, formbarer Teig entsteht.
(Das Original sagt „zusammenwirken, nicht rühren“ – also wirklich mit den Händen arbeiten.) - Wenn der Teig zu weich ist oder klebt, etwas Roggenmehl nacharbeiten, bis er sich gut ausrollen lässt.
3. Formen
- Den Teig auf einer bemehlten Fläche ca. 0,5–1 cm dick ausrollen.
- Beliebige Formen ausstechen: Rechtecke, Rauten, Kreise – früher nahm man, was da war.
- Die Stücke auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.
4. Backen
- Den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
- Das Gebäck ca. 12–18 Minuten backen, bis es leicht gebräunt ist.
(Roggengebäck wird nicht hell – also auf den Duft achten.)
5. Glasieren
- Nach dem Backen das Gebäck noch warm mit einer Schokoladenglasur bestreichen.
(Klassisch: einfache Kuvertüre oder Kakao-Zuckerguss.) - Vollständig auskühlen lassen, damit die Glasur fest wird.
6. Genießen
- Das Gebäck hält sich gut und wird mit der Zeit sogar aromatischer.
- Perfekt zu Kaffee, Tee oder als nostalgisches Adventsgebäck.