Früher war es auf dem Dorf ganz normal, dass die Söhne der Landwirte schon lange vor dem Führerschein auf dem Traktor saßen. Auf den Feldern durfte man alles fahren, was Räder hatte – Pflug, Egge, Anhänger, egal. Hauptsache, man blieb außerhalb der öffentlichen Wege. Und das taten sie… meistens.
Wenn die Arbeit auf dem Feld getan war, kam der Rückweg. Und da begann das Improvisieren. Der Traktor hatte nämlich nur einen richtigen Sitz und daneben einen schmalen Notsitz, der eher symbolisch war. Also stand man hinten auf der Ackerschiene, klammerte sich fest und balancierte dabei noch das Werkzeug – oft eine Sense, eine Forke oder ein Rechen. Meist stand der Vater dort, weil die Väter ihre Söhne liebten und sie nicht auf die gefährliche Ackerschiene stellen wollten.
Die Ackerschiene war schmal, wackelig und bei voller Fahrt alles andere als sicher. Also hieß es meistens:
„Komm, Jung, dau fährst – ich stell mich hinne drop.“
Und manchmal, wenn der Vater noch das Werkzeug sortierte oder mit dem Nachbarn quatschte, rief er nur:
„Fahr mol vür, et es jo nur e kleins Stückche!“
Der Sohn ließ sich das nicht zweimal sagen. Einmal am Steuer, immer am Steuer. Und so tuckerte er los, stolz wie Oskar, die Sense quer über den Schoß, den Blick nach vorne gerichtet wie ein richtiger Landwirt.
Das Problem:
Dieses „kleine Stückchen“ führte oft doch über ein paar Meter öffentlichen Weg. Und genau dort stand dann – wie aus dem Nichts – die Polizei.
Die Beamten kannten das Spiel längst. Sie sahen den Jungen, der kaum über das Lenkrad schauen konnte, die Sense gefährlich schräg in der Hand, und den Vater, der hinten angerannt kam und schon von weitem rief:
„Joo, joo, ich wees, ich wees… er wollt nur heem!“
Die Polizisten schüttelten den Kopf, versuchten ernst zu bleiben, und sprachen eine Verwarnung aus. Meistens mit einem halben Lächeln, denn sie wussten:
So lief das eben auf dem Dorf.
Der Junge musste absteigen, der Vater übernahm – und beide wussten, dass es beim nächsten Mal wieder genauso laufen würde.