Auf den Spuren von „Werle“ – ein verschwundener Ort taucht wieder auf
Seit Generationen kursierten in Kettig und Umgebung Gerüchte über einen untergegangenen Ort namens Werle. Hinweise gab es viele, Beweise dagegen kaum. Erst durch die Auswertung mittelalterlicher Quellen – allen voran das Testament des Propstes Gerlacus von St. Castor aus dem Jahr 1236 – ließ sich der Name eindeutig verorten. In dieser Urkunde wird „Werle“ im gleichen Atemzug mit Kettig, Kerleghe (Kärlich) und weiteren Besitzungen des Stifts St. Castor genannt. Damit wird klar: Werle war kein Mythos, sondern ein realer Siedlungs- oder Hofname, vermutlich eine Wüstung in unmittelbarer Nähe von Kettig.
Auch andere bislang rätselhafte Ortsbezeichnungen wie Poudilbach und Menigenweidere tauchen in diesem Zusammenhang auf und deuten auf ein dichtes Netz kleiner landwirtschaftlicher Besitzungen hin, die heute verschwunden oder umbenannt sind. Das Testament liefert damit einen seltenen Einblick in die mittelalterliche Landschafts- und Besitzstruktur rund um Kettig – und bestätigt, dass Werle tatsächlich existierte, wenn auch nur noch in den Spuren alter Pergamente.
Testament des Propstes Gerlach
Aus dem Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preußischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien, Bd. 3 vom Jahre 1212 bis 1260, S. 437 – 438
Quelle: 'Urkundenbuch zur Geschichte der, jetzt die Preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien. 3, Vom Jahre 1212 bis 1260', Bild 453 von 1228 | MDZ
'Urkundenbuch zur Geschichte der, jetzt die Preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien. 3, Vom Jahre 1212 bis 1260', Bild 454 von 1228 | MDZ
Lateinischer Text
Gerlach Propst zu S. Castor in Coblenz testiert zu Gunsten seiner Stiftskirche
über sein Haus, Güter u. a. m. zu Andernach, Wolmerath, Werl, Kettig u. a. O.
Coblenz 11. September 1236.
Noverint universi, quod ego Gerlacus praepositus S. Castoris in Confluentia, compos mentis mee ecclesie S. Castoris, a qua multa bona me recepisse recognosco, pro remedio anime mee et fratrum meorum eontuli domum meam in Andernacho apud Cornporthe sitam, marcam annuatim solventem, quae marca in anniversario meo sic dividetur:
- cuilibet canonico residenti sex denarios,
- cuilibet vicario altarium tres denarios,
- ad lumen et ad sacrificium duos denarios,
- campanariis denarium,
- ad potum solidum.
Et isti denarii scilicet ad potum, lumen, campanariorum sumentur de non residentibus personaliter quocunque modo. Reliquam hereditatem meam liberis fratrum meorum et sororis mee relinquo equaliter dividendam.
Annum gratie prebendae mee et ecclesie in Wolmerode confero ad reedificationem claustri S. Castoris. Annum vero gratie in Werle, Ketge, Puodilbach et fructus anni in Menigenweidere (!) et Kerleghe et quicquid supererit de annona et aliis mihi debitis lego ad solvendum debita mea et exequias; etiam precia subscriptorum:
- Aline dimidiam marcam,
- Thilmanno dimidiam marcam,
- Henrico de Mettheric marcam,
- Saulino marcam,
- Wilchino vestes competentes.
Servitium Isinbardi relinquo arbitrio manufidelium meorum. Praedicatoribus quatuor maldra. Minoribus quatuor maldra siliginis. Cuilibet vicario altaris XVIII denarius, domum meam apud S. Castorem magistro Meiwardo alia vice legavi et adhuc hoc ratum habeo. Supellectilem meam eidem et custodi fratri suo relinquo. Ingüberto recognosco me debere XVIII solidos.
Huius testamenti executores sive manufideles constituo scolasticum, custodem et Willelmum de Andernacho, si potuerit et voluerit interesse.
Acta sunt hec in domo mea anno Domini MCCXXXVI in die Proti et Jacincti, presentibus decano, scolastico, custode, Gerardo canonico S. Castoris, et huic scripto sigillum decani cum meo apponi rogavi.
Original im St.-A. mit 2 Siegeln wovon 1 fehlt
Moderne deutsche Übersetzung
Es sollen alle wissen, dass ich, Gerlach, Propst von St. Castor in Koblenz, bei klarem Verstand, zugunsten der Kirche St. Castor – von der ich viele Wohltaten empfangen habe – zum Heil meiner Seele und der meiner Brüder folgendes vermache:
Ich übergebe mein Haus in Andernach, gelegen bei Cornporthe, sowie eine jährlich zu zahlende Mark. Diese Mark soll an meinem Jahrestag wie folgt verteilt werden:
- Jeder residierende Kanoniker erhält sechs Denare,
- jeder Altarvikar drei Denare,
- für Licht und Opfer zwei Denare,
- den Glöcknern einen Denar,
- für das Trankopfer einen Solidus.
Diese Denare für Trankopfer, Licht und Glöckner sollen von jenen genommen werden, die nicht persönlich residieren, auf welche Weise auch immer.
Den Rest meines Erbes vermache ich den Kindern meiner Brüder und meiner Schwester zur gleichen Verteilung.
Das Gnadenjahr meiner Pfründe und der Kirche in Wolmerath vermache ich zur Wiederherstellung des Klosters St. Castor.
Das Gnadenjahr in Werl, Kettig, Puodilbach sowie die jährlichen Einkünfte in Menigenweidere und Kerleghe und alles, was darüber hinaus an Getreide und anderen mir zustehenden Gütern übrig bleibt, vermache ich zur Begleichung meiner Schulden und für meine Begräbnisfeierlichkeiten.
Auch folgende Geldbeträge vermache ich:
- Alina: eine halbe Mark,
- Thilmann: eine halbe Mark,
- Heinrich von Mettheric: eine Mark,
- Saulinus: eine Mark,
- Wilchinus: angemessene Kleidung.
Den Dienst des Isinbard überlasse ich dem Ermessen meiner treuen Vertrauten.
Den Predigern vermache ich vier Malter, den Minderbrüdern vier Malter Roggen.
Jedem Altarvikar vermache ich siebzehn Denare.
Mein Haus bei St. Castor habe ich bereits Magister Meiward vermacht und bestätige dies erneut.
Mein Hausrat vermache ich ihm und seinem Bruder, dem Custos.
Ich erkenne an, dass ich Ingübert achtzehn Solidi schulde.
Als Vollstrecker dieses Testaments bestimme ich den Scholastiker, den Custos und Wilhelm von Andernach, sofern sie es können und wollen.
Dieses Testament wurde in meinem Haus am Festtag der Heiligen Protus und Hyacinthus im Jahr des Herrn 1236 verfasst, in Anwesenheit des Dekans, des Scholastikers, des Custos und Gerhard, Kanoniker von St. Castor. Ich bat darum, dass das Siegel des Dekans zusammen mit meinem an dieses Schriftstück angehängt werde.
Kommentar
Der Ausdruck „Ich vermache ein Gnadenjahr“ ist wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt – aber im Kontext ist das keine wörtliche Wiedergabe von „annus gratiae“ im modernen Sinn (etwa „Jahr der Gnade“), sondern eine falsche oder zu wörtliche Übersetzung.
Erklärung:
Im mittelalterlichen Urkundenlatein kommt der Ausdruck „unum annum gratiae“ oder ähnlich oft vor. Je nach Kontext bedeutet das:
ein Jahr Ertrag, das jemand der Kirche überlässt, bevor die Erben das Gut übernehmen dürfen, oderein Nutzungsjahr (Freijahr), in dem eine Institution (meist ein Kloster oder eine Kirche) die Einkünfte eines Gutes erhält, oder ein Jahr des Nutzens / eine Jahresrente.
Das deutsche Wort „Gnadenjahr“ ist hier also kein religiöses Gnadenjahr im heutigen Sinn, sondern ein technischer Rechtsbegriff für eine einjährige Nutzungsüberlassung oder Einkünfte.
Beispiel in modernem Deutsch:
„Ich vermache (überlasse) der Kirche in Wolmerode ein Jahr der Einkünfte (= ein Jahr lang die Erträge) aus meinen Gütern in Werle, Ketge, Puodilbach …“
Das bedeutet also:
Die Kirche oder das Kloster soll ein Jahr lang die Erträge aus diesen Besitzungen bekommen – wahrscheinlich als Stiftung zur Wiederherstellung des Klosters.
Historische Orte im Testament von Gerlach (1236)
| Ort | Bedeutung im 13. Jahrhundert | Kommentar |
|---|---|---|
| Koblenz (Confluentia) | Bedeutende Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel | Sitz der Stiftskirche St. Castor, geistliches Zentrum |
| St. Castor | Romanisches Kollegiatstift, gegründet im 9. Jh. | Gerlachs Wirkungsstätte als Propst; Ort seines Hauses |
| Andernach (Andernacho) | Reichsstadt mit Handels- und Kirchengeschichte | Gerlach besaß dort ein Haus bei „Cornporthe“ |
| Wolmerath (Wolmerode) | Kleiner Ort in der Eifel, kirchlich angebunden | Vermutlich mit einer Pfründe oder Kapelle des Stifts |
| Werle | Eventuell Dorf in der Region Koblenz | Historisch schwer zu lokalisieren |
| Kettig (Ketge) | Dorf mit keltisch-römischen Wurzeln, nahe Koblenz | Bereits in römischer Zeit besiedelt, später Besitz des Kurfürstentums Trier |
| Kärlich (Kerleghe) | Ort mit frühmittelalterlicher Besiedlung, heute Mülheim-Kärlich | Im Mittelalter Besitz der Erzbischöfe von Trier |
| Puodilbach | Vermutlich ein alter Flurname oder Hof. „Bach des Bodil (Podil)“ | Nicht eindeutig identifizierbar, evtl. heute unter anderem Namen bekannt |
| Menigenweidere | Unklarer Name, evtl. Flur oder Hof. „Weideland des Menig(en)“ | Keine eindeutige Zuordnung möglich |
| Kornpforte (Cornporthe) | Viertel oder Flur in Andernach | Lage des Hauses von Gerlach – Name heute nicht mehr gebräuchlich. Wahrscheinlich in der Nähe des Rheintors mit den Steinfiguren der Bäckerjungen |
Hinweise zur Lokalisierung
Kettig und Kärlich liegen beide im heutigen Landkreis Mayen-Koblenz und waren im Mittelalter Teil kirchlicher Grundherrschaften.
Die Nennung dieser Orte im Testament zeigt, wie weit verzweigt die Besitzstruktur des Stifts St. Castor war – von städtischen Häusern bis zu ländlichen Einkünften.
Die weniger bekannten Namen wie Puodilbach oder Menigenweidere könnten auf kleinere Höfe, Fluren oder heute verschwundene Siedlungen hinweisen.
Personen und Ämter
| Name / Titel | Funktion | Kommentar |
|---|---|---|
| Gerlach | Propst von St. Castor | Höchster geistlicher Verwalter des Stifts, zuständig für Besitz und Seelsorge |
| Magister Meiwardo | Geistlicher oder Gelehrter | Erhielt Gerlachs Haus bei St. Castor – möglicherweise ein Lehrer oder Priester |
| Gerhard | Kanoniker von St. Castor | Zeuge des Testaments, Mitglied des Stiftskapitels |
| Wilhelm von Andernach | Laie oder Geistlicher | Als Testamentsvollstrecker benannt – wohl ein Vertrauter Gerlachs |
| Ingübert | Gläubiger | Gerlach schuldet ihm 18 Solidi – ein beachtlicher Betrag |
| Alina, Thilmann, Heinrich von Mettheric, Saulino, Wilchinus | Empfänger kleinerer Vermächtnisse | Möglicherweise Bedienstete, Verwandte oder arme Gemeindemitglieder |
| Isinbardus | Dienstleister | Sein „servicium“ wird den Vertrauenspersonen überlassen – könnte ein Knecht oder Verwalter sein |
Kirchliche Begriffe und Praktiken
- Anniversarium: Der Todestag eines Geistlichen, an dem eine Messe gefeiert wird. Gerlach verfügte, wie die Einkünfte an diesem Tag verteilt werden sollen.
- Malder: Altes Volumenmaß für Getreide. Vier Malder Roggen für die Prediger und Minderbrüder zeigen Gerlachs Unterstützung für Bettelorden.
- Pfründe (praebenda): Einkünfte aus kirchlichem Besitz, die einem Geistlichen zur Verfügung gestellt wurden.
- Gnadenjahr (annus gratiae): Ein Jahr, in dem die Einkünfte einer Pfründe nicht an einen neuen Inhaber, sondern für einen bestimmten Zweck verwendet werden – hier zur Wiederherstellung des Klosters.
Historischer Kontext
Das Testament zeigt die typische mittelalterliche Verbindung von Frömmigkeit und Besitzregelung. Geistliche wie Gerlach verfügten über umfangreiche Güter und nutzten ihr Testament, um:
- Für ihr Seelenheil zu sorgen (z. B. durch Stiftungen für Messen),
- Ihre Schulden zu begleichen,
- Armen und Kirchenbediensteten kleine Vermächtnisse zu hinterlassen,
- Die Kirche baulich und wirtschaftlich zu unterstützen.
Die genaue Auflistung von Geldbeträgen, Getreide und Sachwerten zeigt, wie konkret und praktisch solche Testamente waren – und wie stark das kirchliche Leben mit dem lokalen Besitz verknüpft war.
Wenn du möchtest, kann ich dir auch eine Karte mit den genannten Orten erstellen oder eine Zeitleiste zur Geschichte von St. Castor. Was würde dir am meisten weiterhelfen?
Kirchliche Struktur im 13. Jahrhundert
- Stiftskirchen als Machtzentren
- St. Castor in Koblenz war ein Kollegiatstift, also eine Gemeinschaft von Kanonikern ohne klösterliche Gelübde.
- Der Propst war der oberste Verwalter – zuständig für Besitz, Einkünfte und geistliche Leitung.
- Solche Stifte verfügten über ausgedehnten Landbesitz, oft über Dörfer, Höfe und Rechte in der Umgebung.
- Pfründen und Gnadenjahre
- Geistliche erhielten Pfründen – Einkünfte aus kirchlichem Besitz, z. B. aus Feldern oder Abgaben.
- Ein Gnadenjahr bedeutete, dass die Einkünfte eines verstorbenen Geistlichen für ein Jahr nicht neu vergeben wurden, sondern z. B. für Bauprojekte oder Seelenmessen verwendet wurden – wie hier zur „reedificationem claustri“.
- Seelenheil durch Stiftungen
- Das Testament zeigt die mittelalterliche Vorstellung von Jenseitsvorsorge: Spenden an Kirchen, Messen, Almosen und Getreidegaben sollten das Seelenheil sichern.
- Die genaue Aufteilung der Jahrestagsgabe (Anniversarium) zeigt, wie stark liturgische Praxis und Ökonomie verbunden waren.
Soziale Struktur und Fürsorge
- Familie und Erbteilung
- Gerlach vermacht Teile seines Besitzes an die Kinder seiner Geschwister – ein Hinweis auf familiäre Verantwortung trotz geistlicher Lebensform.
- Die gleichmäßige Verteilung zeigt ein frühes Bewusstsein für Gerechtigkeit im Erbe.
- Bedienstete und Gläubiger
- Namentlich genannte Personen wie Alina, Thilmann oder Saulino erhalten Geld oder Kleidung – vermutlich Diener, Verwalter oder arme Gemeindemitglieder.
- Die Schuldenliste zeigt, dass auch Geistliche in wirtschaftlichen Beziehungen standen und diese transparent regelten.
- Bettelorden und Prediger
- Die Zuwendungen an Prediger und Minderbrüder (Franziskaner oder Dominikaner) zeigen Gerlachs Nähe zu den neuen geistlichen Bewegungen.
- Diese Orden waren im 13. Jahrhundert auf dem Vormarsch und wurden von reformorientierten Klerikern unterstützt.
Fazit: Ein typisches Testament seiner Zeit
Das Testament ist ein Paradebeispiel für die Verflechtung von Kirche, Besitz und Seelenfürsorge im Hochmittelalter:
- Es zeigt die Verantwortung eines Geistlichen gegenüber Kirche, Familie und Gesellschaft.
- Es dokumentiert die wirtschaftliche Organisation eines Stifts und die Rolle des Propstes als Verwalter.
- Es spiegelt die Frömmigkeit und Jenseitsvorstellungen der Zeit wider – mit dem Ziel, durch gute Werke das eigene Seelenheil zu sichern.
Wert und Verhältnis der Münzeinheiten
Im 13. Jahrhundert waren Mark, Denar (auch Pfennig genannt) und Solidus zentrale Rechnungseinheiten im Geldsystem des Heiligen Römischen Reichs. Ihr Wert war jedoch nicht absolut, sondern hing stark von Region, Silbergehalt und Kaufkraft ab. Hier ist eine Übersicht:
| Einheit | Verhältnis zueinander | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1 Mark | = 20 Schillinge = 240 Pfennige (Denare) | Gewichtseinheit für Silber, ca. 234 g (Kölner Mark) |
| 1 Solidus (Schilling) | = 12 Pfennige (Denare | Zwischenwert, oft als Recheneinheit genutzt |
| 1 Denar (Pfennig) | Basiseinheit | Kleine Silbermünze, im Alltag gebräuchlich |
Kaufkraft im Alltag (ca. 13. Jahrhundert)
- 1 Denar konnte z. B. ein Brot oder ein Maß Bier kaufen.
- 1 Solidus entsprach etwa einem Tageslohn für einfache Arbeiten.
- 1 Mark war ein größerer Betrag – etwa der Monatslohn eines Handwerkers oder der Preis für ein kleines Tier (z. B. ein Schwein).
Beispiel aus Gerlachs Testament
- Jahresgabe von 1 Mark → verteilt auf Kanoniker, Vikare, Glöckner etc.
- 18 Solidi Schulden an Ingübert → entspricht 216 Pfennigen, also fast einer ganzen Mark.
- Vermächtnisse von ½ oder 1 Mark → bedeutende Beträge, z. B. für Alina, Thilmann, Heinrich.
Hinweis zur Bewertung
Die tatsächliche Kaufkraft schwankte stark:
- Regionale Unterschiede: Münzfüße und Silbergehalt variierten.
- Inflation und Münzverfall: Besonders im Spätmittelalter relevant.
- Sachwerte statt Bargeld: Oft wurde in Naturalien (Getreide, Kleidung) gezahlt.
Werle (Gegend von Coblenz?)
Zusammenfassung
Das Urkundenbuch dokumentiert sowohl ein unsicher lokalisiertes „Werle“ im Raum Koblenz (1236, Testament Gerlach) als auch das klar belegte Dorf „Werlau“ bei St. Goar (1256, Lehnsurkunde Gerlach von Limburg). Die Herausgeber haben diese Orte bewusst getrennt aufgeführt, was die historische Forschung zur Lokalisierung von „Werle“ unterstützt.
Ergänzter Bericht zu den Einträgen „Werle“ und „Werlau“ im Urkundenbuch
- Der Eintrag „Werle (Gegend von Coblenz?) 1236. 487..“
- Im Topographischen Register auf Seite 1198 wird „Werle“ mit der Jahreszahl 1236 und der Seitenzahl 487 aufgeführt.
- Vermutlich handelt es sich hier um einen Schreibfehler, da die einschlägige Quelle – das Testament des Propst Gerlach von St. Castor – tatsächlich auf Seite 437 zu finden ist.
- Inhaltlich bezieht sich dieser Eintrag auf die Erwähnung von Einkünften aus Werle im Testament Gerlachs (11. September 1236).
- Die Herausgeber ordnen „Werle“ vorsichtig der Gegend um Koblenz zu, da die genaue Lage nicht mehr bekannt war.
- Der Eintrag „Werle (Werlau Kr. S. Goar) 1256. 976.“
- Ein zweiter Registereintrag nennt „Werle“ ausdrücklich mit dem Zusatz „Werlau Kr. S. Goar“.
- Die Jahreszahl 1256 und die Seitenzahl 976 verweisen auf eine Urkunde vom 13. Juni 1256:
- Gerlach, Herr von Limburg an der Lahn, belehnt Conrad von Schöneck mit der Hälfte des Dorfs Werlau auf dem Hundsrücken.
- Hier ist eindeutig das Dorf Werlau bei St. Goar gemeint, das bis heute als Ortsname existiert.
- Bedeutung der Unterscheidung
- Die Herausgeber des Urkundenbuchs haben also zwei verschiedene Örtlichkeiten unterschieden:
- Werle (bei Koblenz?) – ein unsicher lokalisierter Ort, vielleicht ein Frauenkloster oder eher eine kleine Siedlung, im Testament von Propst Gerlach 1236 erwähnt.
- Werlau (bei St. Goar) – ein klar belegtes Dorf, 1256 in einer Lehnsurkunde genannt.
- Diese Differenzierung zeigt, dass „Werle“ nicht einfach mit „Werlau“ gleichgesetzt werden darf. Vielmehr handelt es sich um zwei verschiedene Orte, deren Namensähnlichkeit zu Verwechslungen führen konnte.
Propst Gerlach von St. Kastor
Landeshauptarchiv Koblenz
Bestand 109 Nr. 12
Propst Gerlach von St. Kastor überträgt dem St. Kastorstift sein Haus in Andernach an der Kornpforte ("Cornportthe"), dessen Ertrag von 1 Mark für sein Jahrgedächtnis bestimmt wird, und zwar für jeden Stiftsherrn 6 Pfennig, für jeden Vikar 3 Pfennig, für Beleuchtung und Opfer 2 Pfennig, für die Glöckner 1 Pfennig, zum Trank 1 Schilling. Die Beträge für Getränk, Licht und Glöckner sollen von den nicht residierenden genommen werden. Den Rest seiner Erbschaft vermacht er den Kindern seiner Brüder und seiner Schwester. Das Gnadenjahr seiner Pfründe und der Kirche in Wollmerath ("Wolmerode") bestimmt er für den Wiederaufbau des Kastorstifts ("claustrum"), das Gnadenjahr in Werlau, Kettig, "Puodilbach" und die Früchte des Jahres in "Menigweidere" und Kärlich, den Rest der Ernte und andere Außenstände für die Bezahlung seiner Schulden und der Begräbnisfeier und den Lohn an folgende Personen: Alina und Thilmann je ½ Mark, Heinrich von Metternich ("Mettheric") und Saulin je 1 Mark, Wilchin die ihm zustehenden Kleider. Die Dienstleistung ("servicium") Jsinbards überläßt er der Verfügung seiner Treuhänder. Ferner vermacht er den Predigern und den Minderbrüdern je 4 Malter Weizen, jedem Vikar 18 Pfennige, sein Haus bei St. Kastor dem Mag. Meiward, seinen Hausrat demselben und dessen Bruder dem Küster. Er erkennt eine Schuld von 18 Schilling an Ingilbert an. Als Testamentsvollstrecker werden der Scholaster, der Küster und Wilhelm von Andernach bestimmt. In Gegenwart des Dechanten, des Scholasters, des Küsters und des Stiftsherrn Gerhard von St. Kastor. Es siegeln 1) der Dechant und 2) der Ausst. "Acta sunt hec in domo mea a. d." 1236 "in die Proti et Jacincti."
1236 September 11, Koblenz
Nähere Informationen
Überlieferungsart
Ausf. Perg.
Sprache
lateinisch
Siegel
an Pergamentstreifen: 1) des Propstes Gerlach (Ewald IV Taf. 60 Nr. 4) Rand besch.; 2) ger. Rest (Kopf).
Drucke
MUB III Nr. 568.
Lagerort
Landeshauptarchiv Koblenz
Literatur
Regest: Goerz II Nr. 2233; Schmidt, St. Kastor I, S. 34/35, Reg. 73.
Quelle: APERTUS
Testament des Propstes Gerlach – Kopie des Pergaments
Quelle: Landeshauptarchiv Koblenz
Die kirchliche Rolle von St. Castor im Mittelalter
1. Ursprung und kirchliche Funktion
- Gründung: Das Kollegiatstift St. Castor wurde im 9. Jahrhundert gegründet, vermutlich unter karolingischem Einfluss. Die Weihe der Kirche erfolgte 836 durch Erzbischof Hetti von Trier.
- Kollegiatstift: Es handelte sich nicht um ein Kloster im strengen Sinne, sondern um ein Stift mit Kanonikern, die keine Mönchsgelübde ablegten. Die Kanoniker lebten gemeinschaftlich, aber nicht in klösterlicher Klausur.
- Propst als geistlicher Leiter: Der Propst war oberster Verwalter und geistlicher Führer des Stifts. Er war zuständig für die Verwaltung der Güter, die Seelsorge und die liturgische Ordnung.
2. Liturgie und Seelenfürsorge
- Anniversarium: Der Todestag eines Geistlichen wurde mit einer Messe begangen. Im Testament von Propst Gerlach (1236) ist genau geregelt, wie die Einkünfte seines Hauses in Andernach an diesem Tag verteilt werden sollten – ein Zeichen für die enge Verbindung von Liturgie und Ökonomie.
- Stiftungen für das Seelenheil: Geistliche wie Gerlach vermachten Güter und Einkünfte zur Feier von Messen, zur Unterstützung der Kirche und zur Sicherung ihres eigenen Seelenheils.
3. Besitzstruktur und wirtschaftliche Rolle
- Weitreichender Besitz: Das Stift verfügte über Güter und Einkünfte in zahlreichen Orten der Region.
- Gnadenjahre: Einkünfte aus bestimmten Orten wurden dem Stift für ein Jahr überlassen, bevor Erben sie übernehmen durften – ein kirchenrechtlicher Mechanismus zur Finanzierung von Bauprojekten oder liturgischen Aufgaben.
- Verwaltung durch den Propst: Der Propst regelte in seinem Testament die Verteilung von Geld, Naturalien und Sachwerten – etwa Getreide für Bettelorden oder Kleidung für Bedienstete.
4. Soziale Verantwortung und Fürsorge
- Vermächtnisse an Bedienstete und Arme: Namentlich genannte Personen erhielten Geld oder Kleidung – vermutlich als Ausdruck von Fürsorge und Dank.
- Schuldenregulierung: Gerlach erkannte offen seine Schulden an und verfügte deren Begleichung – ein Zeichen für wirtschaftliche Transparenz und Verantwortung.
- Familienbindung: Trotz geistlicher Lebensform vermachte Gerlach Teile seines Besitzes an die Kinder seiner Geschwister – ein Hinweis auf familiäre Verpflichtungen.
5. Baugeschichte und geistliche Präsenz
Romanische Architektur: Die Kirche wurde im 12. Jahrhundert unter Propst Buvo zur romanischen Pfeilerbasilika umgebaut – ein Zeichen für die bauliche und geistliche Erneuerung.
St. Castor als geistliches Zentrum: Die Basilika war nicht nur ein Ort der Liturgie, sondern auch ein Symbol kirchlicher Macht und Präsenz in Koblenz.
Fazit
Das Stift St. Castor war im Mittelalter ein bedeutendes kirchliches Zentrum mit vielfältigen Funktionen:
- Es verband geistliche Leitung, ökonomische Verwaltung und soziale Fürsorge.
- Es war eingebunden in regionale Netzwerke von Besitz, Liturgie und kirchlicher Reform.
- Es spiegelte die mittelalterliche Vorstellung von Frömmigkeit, Verantwortung und Jenseitsvorsorge wider.
Zeitleiste zum Stift St. Castor in Koblenz
9. Jahrhundert – Gründung des Stifts
- Gründung des Kollegiatstifts St. Castor in Koblenz.
- Errichtet als geistliches Zentrum mit Kanonikern, aber ohne klösterliche Gelübde.
- Frühromanische Architektur, später mehrfach erweitert.
8. bis 12. Jahrhundert – Entwicklung der Stadt Koblenz
- Koblenz (Confluentia) wächst als strategischer Ort am Zusammenfluss von Rhein und Mosel.
- Das Stift St. Castor wird zu einem bedeutenden kirchlichen und wirtschaftlichen Zentrum.
1236 – Testament des Propstes Gerlach
- Gerlach, Propst von St. Castor, vermacht:
- Einkünfte und Güter in Andernach, Wolmerath, Werle, Kettig, Kärlich, Puodilbach und Menigenweidere.
- Ein „Gnadenjahr“ der Pfründe in Wolmerath zur Wiederherstellung des Klosters St. Castor.
- Hausrat und Haus bei St. Castor an Magister Meiward und dessen Bruder.
- Das Testament zeigt die wirtschaftliche und spirituelle Bedeutung des Stifts sowie seine weitverzweigten Besitzstrukturen.
13. Jahrhundert – Wiederaufbau und Besitzpflege
- Das Stift erhält Einkünfte aus mehreren Orten zur baulichen Erneuerung („reedificationem claustri“).
- Die Struktur des Stifts umfasst Kanoniker, Vikare, einen Scholastiker, einen Custos und einen Propst.
Spätes Mittelalter – Wandel und Wüstungen
- Einige Orte im Testament (z. B. Werle, Puodilbach, Menigenweidere) verschwinden oder werden umbenannt.
- Mögliche Ursachen: Pest, Kriege, wirtschaftlicher Niedergang.
- Das Stift bleibt bestehen, verliert aber möglicherweise Teile seines ländlichen Besitzes.
Historischer Überblick (Kurzfassung)
- 836: Weihe der Kirche durch Erzbischof Hetti von Trier.
- Jh.: Umbau zur romanischen Basilika unter Propst Buvo.
- 1236: Testament von Propst Gerlach – zeigt Besitzstruktur und geistliche Praxis.
- –21. Jh.: Sanierungen, archäologische Grabungen, neue Forschung und Publikationen.
Zusatz
Koblenz
Koblenz geht auf den lateinischen Namen Confluentia zurück, was „Zusammenfluss“ bedeutet. Die Römer errichteten um 8 v. Chr. an der Mündung der Mosel in den Rhein ein Lager, das sie Castellum apud Confluentes („das Kastell bei den Zusammenfließenden“) nannten.
Entwicklung des Namens im Mittelalter
Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich aus dem lateinischen Namen Confluentia der heutige Name Koblenz. Dabei gab es verschiedene phonetische und orthografische Wandlungen:
- Confluentia: Der ursprüngliche lateinische Name, der bis in das frühe Mittelalter gebräuchlich war.
- Coblenz: Eine ältere, oft verwendete Schreibweise, die bis 1926 offiziell in Gebrauch war.
- Koblenz: Die heutige Schreibweise, die aus der Entwicklung der Sprache und den verschiedenen dialektalen Einflüssen entstand.
Ursprung des Namens
Der Name der Stadt leitet sich direkt aus ihrer geografischen Lage am Zusammenfluss von Rhein und Mosel ab. Das Deutsche Eck, der Ort, an dem die beiden Flüsse zusammenfließen, ist das sichtbare Zeichen für diesen Ursprung.
Andernach
Andernach wurde im Mittelalter unter dem Namen Andernacho erwähnt. Die Namensform taucht in Urkunden auf, in denen der spätere Kaiser Karl der Große dem Kloster Hersfeld Besitztümer in der Region schenkte.
Andere historische Schreibweisen
Die mittelalterliche Schreibweise ist eine der vielen Entwicklungen, die der Name von Andernach im Laufe der Jahrhunderte durchlief.
- Antunnacum: Dies ist der älteste, römische Name, der auf einen keltischen Ursprung zurückgeht und so viel wie „das Dorf des Antunnus“ bedeutet.
- Antenacum: Eine weitere römische Bezeichnung, die in historischen Quellen zu finden ist.
- Andernacho: Diese Namensform wurde im frühen Mittelalter verwendet, wie in den Urkunden zur Schenkung an das Kloster Hersfeld belegt.
- Andernach: Die heutige Schreibweise entwickelte sich aus diesen früheren Formen.
Ursprung des Namens
Der Name Andernach hat keltisch-römische Wurzeln. Die frühesten Bezeichnungen verweisen auf eine keltische Siedlung, die später von den Römern zu einem Kastell und einem bedeutenden Ort in der Provinz Germania Superior ausgebaut wurde.
Kärlich
Kärlich wurde im Mittelalter unter verschiedenen Schreibweisen erwähnt, unter anderem auch als Kehrlege. Diese Bezeichnung findet sich in Urkunden des 13. Jahrhunderts, wie zum Beispiel in einer Urkunde von 1271.
Andere mittelalterliche Schreibweisen
Im Laufe des Mittelalters gab es für Kärlich verschiedene Schreibweisen, die sich über die Jahrhunderte entwickelt haben:
- Kerlich: Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes im Jahr 1047.
- Kerliche: Eine weitere Schreibweise, die ab dem Jahr 1217 belegt ist.
- Keirlich: Dokumentiert ab dem Jahr 1310.
Ursprung des Namens
Die verschiedenen Schreibweisen deuten darauf hin, dass der Name wahrscheinlich keltisch-römische Wurzeln hat. Die ursprüngliche Form könnte Ca(e)rill(i)acum gewesen sein, was die Grundlage für die späteren Namensformen Kerlich, Kehrlege und andere Varianten bildete.
Kettig
Kettig wurde im Mittelalter unter dem Namen Ketge erwähnt. Der Ort findet sich unter dieser Schreibweise in einer Urkunde von 1236.
Weitere mittelalterliche Schreibweisen
- Ketichi: In einer Urkunde zwischen 915 und 928 wurde Kettig erstmals schriftlich erwähnt, als Godilda, die Ehefrau von Herzog Giselbert, dem Kloster Echternach Besitz in Ketichi schenkte.
- Ketige: Eine weitere Schreibweise aus dem Jahr 1204 ist Ketige.
Ursprung des Namens
Der Name Kettig hat vermutlich einen keltisch-römischen Ursprung. Die ursprüngliche Form könnte Cattiacum gewesen sein, was so viel wie „Besitztum des Cattius“ bedeutet. Die mittelalterlichen Schreibweisen Ketichi, Ketige und Ketge entwickelten sich aus diesem früheren Namen.
Wollmerath
Wollmerath wurde im Mittelalter unter verschiedenen Namen erwähnt. Die genannte Form Wolmerode ist wohl mittelalterliche Variante.
Andere historische Schreibweisen
- Wolmerath: Die heutige Schreibweise entwickelte sich aus früheren Formen. Der Name taucht auch in lateinischen Urkunden auf, wo er auf verschiedene Arten geschrieben wurde.
- Wollmerath: Eine weitere gebräuchliche Form, die in den historischen Dokumenten und der heutigen offiziellen Schreibweise Verwendung findet.
Ursprung des Namens
Der Name Wollmerath hat vermutlich einen althochdeutschen Ursprung und setzt sich aus den Wörtern Waldemar (ein germanischer Name) und rod (Rodung) zusammen. Dies deutet auf die Entstehung des Ortes als eine durch Rodung entstandene Siedlung hin. Im Laufe des Mittelalters und der folgenden Jahrhunderte entwickelte sich die Schreibweise und Aussprache des Namens, wie die verschiedenen Varianten zeigen.
Werle
Basierend auf historischen Aufzeichnungen und Sagen gab es wohl einen Ort namens Werle, der als Wüstung zwischen den heutigen Ortschaften Kettig und Bassenheim gelegen haben soll.
Historische Hinweise
- Wüstung: Werle ist ein Beispiel für eine sogenannte Wüstung – eine Siedlung, die im Laufe der Geschichte aufgegeben und verlassen wurde.
- Historische Karten und Sagen: Hinweise auf den Ort finden sich in historischen Karten, Sagen und Flurnamen der Region. Der Name Werle ist noch in einigen Flurbezeichnungen erhalten geblieben.
- Mögliche Ursachen des Verschwindens: Wie viele andere Wüstungen in der Region könnte auch Werle im späten Mittelalter, insbesondere im 15. und 16. Jahrhundert, aufgegeben worden sein. Als Ursachen gelten oft Seuchenzüge wie der Schwarze Tod, kriegerische Auseinandersetzungen (z. B. der Dreißigjährige Krieg) oder Klimaveränderungen, die zu Missernten führten und die Bewohner zur Aufgabe ihrer Siedlung zwangen.
- Forschungsstand: Ob es sich bei Werle tatsächlich um eine Siedlung mit einer Kirche gehandelt hat, ist jedoch nicht nachgewiesen. Der genaue Standort und die genauen Umstände des Verschwindens sind nur fragmentarisch überliefert.
Lage
- Zwischen Kettig und Bassenheim: Die Überlieferung platziert den Ort Werle in einem Waldstück oder einer Feldflur zwischen den heutigen Gemeinden Kettig und Bassenheim, nahe der Stadt Koblenz.
Cornporthe (Kornpforte)
- Standort: die Annahme ist korrekt. Die Cornporthe oder Kornpforte befand sich in Andernach.
- Funktion: Dabei handelte es sich um eine der ehemaligen Pforten der Stadtbefestigung, durch die das Getreide vom Rheinufer in die Stadt gebracht wurde.
- Heutiger Name: Heute ist die Kornpforte als das Rheintor bekannt. Es gehört zu den erhaltenen Teilen der mittelalterlichen Stadtmauer, die im 12. und 13. Jahrhundert errichtet wurde.
Puodilbach und Menigenweidere
Historische Flurnamen wie Puodilbach und Menigenweidere sind in der Region Koblenz nicht eindeutig nachweisbar und in den gängigen historischen Aufzeichnungen oder archäologischen Untersuchungen schwer zu finden. Es ist wahrscheinlich, dass es sich dabei um sehr alte oder lokale Bezeichnungen handelt, die im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit gerieten.
- Puodilbach: Könnte auf einen kleinen Bach (-bach) oder einen Ort in der Nähe eines solchen Gewässers verweisen. Namen, die mit Pudel oder Puodil beginnen, sind historisch im deutschen Sprachraum bekannt, aber eine eindeutige Zuordnung ist ohne weitere historische Quellen schwierig.
- Menigenweidere: Dieser Name könnte auf eine Siedlung oder eine landwirtschaftlich genutzte Fläche verweisen. Er könnte aus mehreren Wortteilen zusammengesetzt sein, was Rückschlüsse auf die damalige Sprache oder die geografischen Gegebenheiten zulassen würde, doch auch hier sind genaue Informationen rar.
Mögliche Bestandteile:
- „Menigen“ könnte auf einen Ort oder eine Person hinweisen – eventuell verwandt mit Mendig, Menningen oder Mönch.
- „Weidere“ ist vermutlich eine Variante von Weide oder Weidereich – also ein Gebiet zur Viehhaltung oder landwirtschaftlichen Nutzung.
Regionale Nähe:
Da Menigenweidere im Testament gemeinsam mit Orten wie Werle, Kettig, Puodilbach und Kerleghe (Kärlich) genannt wird, liegt es nahe, dass es sich um ein Gebiet im Umkreis von Koblenz handelt – möglicherweise eine Wüstung, ein Hofname oder eine Flur, die später aufgegeben oder umbenannt wurde.
Flurnamenforschung:
- Flurnamen wie Weidere sind typisch für mittelalterliche Besitzverzeichnisse und spiegeln die Nutzung des Landes wider.
- Viele solcher Namen wurden mündlich überliefert und erst später in Katasterkarten eingetragen.
Fazit
Menigenweidere war sehr wahrscheinlich ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet oder eine Flur im Besitz des Stifts St. Castor, das heute nicht mehr unter diesem Namen existiert. Es könnte sich um eine Wüstung oder Flur bei Kettig oder Kärlich handeln, deren Name sich im Laufe der Jahrhunderte verändert hat oder verloren ging.
Gründe für das Fehlen in historischen Aufzeichnungen:
- Wüstungen: Wie bei dem Ort Werle könnte es sich um Wüstungen handeln, also aufgegebene Siedlungen, die keine schriftlichen Spuren hinterlassen haben.
- Geografische Besonderheiten: Die Namen könnten sich auf geografische Merkmale wie Bäche (-bach in Puodilbach) oder landwirtschaftlich genutzte Flächen bezogen haben, die mit der Zeit anders benannt wurden.
- Sprachliche Entwicklung: Die Namen können sprachlich so veraltet sein, dass sie nicht mehr erkennbar sind oder mit der heutigen Toponymie nicht mehr in Verbindung gebracht werden können.
Ohne konkrete historische Dokumente oder archäologische Funde lassen sich die genaue Bedeutung und der Standort dieser Namen nicht sicher bestimmen. Sie könnten in alten Kirchenbüchern, Katasterkarten oder Gemeindearchiven auftauchen, sind aber in den üblichen historischen Aufzeichnungen schwer nachzuweisen.
🖋️ Autor Toni H.
Recherchen, Archivarbeit & Text
Kettiger Heimatkundler