Kettigs Wurzeln: die alten Höfe
Entdecke eine entscheidende Epoche in Kettigs Geschichte. Zwischen 1804 und 1811 veränderten sich die Besitzverhältnisse grundlegend, als große kirchliche Hofgüter privatisiert wurden. Dies legte den Grundstein für die Dorfstruktur, die Kettig bis heute prägt. Begleite uns auf einer Reise zu den Ursprüngen unseres Heimatortes.

Eine Transformation entsteht
Die Domänenversteigerung zu Beginn des 19. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt für Kettig. Wo einst kirchliche Hofgüter das Land beherrschten, entstanden neue private Besitzstrukturen. Diese Umwälzung formte nicht nur die Landschaft, sondern auch das gesellschaftliche Gefüge und die wirtschaftliche Entwicklung unseres Dorfes.

Die Menschen hinter der Geschichte
Wer sind die Gesichter hinter dieser bedeutsamen Geschichte? Es sind Heimatkundler, Familien mit tiefen Wurzeln in Kettig und alle historisch Interessierten, die verstehen möchten, wie die heutigen Straßen, Felder und Besitzverhältnisse aus den ehemaligen Klosterhöfen hervorgegangen sind. Tauche ein in die Vergangenheit und entdecke die Anfänge unserer heutigen Gemeinschaft.

Von Höfen zu Heimat
Die Veränderung der Hofstrukturen war nicht nur ein bürokratischer Akt, sondern eine tiefgreifende Entwicklung, die das Bild Kettigs dauerhaft prägte. Die heutige Ortsstruktur ist ein direktes Ergebnis dieser Transformation. Wir bewahren dieses Wissen, um unsere Heimat besser zu verstehen und ihre Geschichte für zukünftige Generationen lebendig zu halten.
Ehemalige Höfe in Kettig (vor der Domänenversteigerung um 1804 – 1811)
Thema des Dokuments: Das Dokument dokumentiert den Verkauf von 16 ehemaligen Höfen und Ländereien in Kettig im Rahmen der sogenannten Domänenversteigerung (Säkularisation unter französischer Herrschaft) zwischen den Jahren 1804 und 1811.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Ursprüngliche Eigentümer: Vor der Versteigerung gehörten die Güter verschiedenen kirchlichen Einrichtungen, Klöstern und Stiften aus der Region (z. B. dem Karthäuser Kloster zu Koblenz, der Abtei St. Thomas zu Andernach, der Prämonstratenserabtei Rommersdorf oder der Zisterzienserabtei Marienstatt).
- Art der Ländereien: Es handelte sich um Hofgüter mit dazugehörigen Wohnhäusern, Ackerland, Weinbergen, Wiesen und Buschholz (Waldflächen).
- Die Käufer: Die Ländereien wurden von Privatpersonen aus Kettig und der Umgebung (wie Koblenz, Münstermaifeld oder Kreuznach) ersteigert. Sehr oft taten sich zwei Personen zusammen und erwarben ein Gut gemeinsam (häufig zu je 50 %).
- Preisentwicklung: In nahezu allen Fällen überstieg der tatsächliche Kaufpreis den vorher festgelegten Schätzwert der Immobilien, teilweise sogar deutlich.
- Erfolg der Versteigerungen: 15 der 16 aufgeführten Hofgüter wurden erfolgreich verkauft. Lediglich ein Gut der Zisterzienserabtei Marienstatt (Nr. 16) blieb trotz mehrfacher Angebote über Jahre hinweg unverkauft.
- Historischer Bogen zur Gegenwart: Das Dokument schlägt eine Brücke in die (damalige) Gegenwart des Verfassers, indem es zu fast jedem Hofgut die neuen, „heutigen“ Eigentümer sowie die aktuellen Straßennamen in Kettig (z.B. Hauptstr., Breitestr., Neugasse) benennt. Als historische Belege dienen Quellen aus dem Landeshauptarchiv (LHA).
Zusammenfassend ist es ein historisches Verzeichnis, das den Wechsel von großem kirchlichen Grundbesitz in private Hände in Kettig zu Beginn des 19. Jahrhunderts detailliert nachzeichnet.
1) Hofgut Stift Florin zu Koblenz in Kettig
Grundstücksnummer: 975 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Hofgut, 1 Haus, Bering (Hausgarten), 32,52 ha Land
Schätzwert = 20435 Kaufpreis = 27700
haben gekauft am: 28.November 1811
Hillesheim Heinrich zu 50%
Weckbecker Franz Georg aus Münstermaifeld zu 50%
Das Haus ist heute Eigentum von Schmorleiz Robert
und befindet sich in der Neugasse Nr.
Quelle: LHA 256/10122/10339
2) Hofgut Abtei St. Thomas zu Andernach in Kettig
Grundstücksnummer: 833 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Hofgut, 6,05 Land, 3,50 Land, 6,05 Land in der Gemarkung Andernach
Schätzwert = 7000 Kaufpreis = 7950
haben gekauft am: 28. November 1811
Schmorleitz Simon aus Kettig zu 50%
Sahler Johann Christoph aus Kreuznach zu 50%
Das Haus ist heute im Besitz von Manns Helmut jun.
und befindet sich in der Dobenstr./Ecke Moosgasse Nr.
Quelle: LHA 256/10122/10339
3) Hofgut Prämonstratenserabtei zu Rommersdorf in Kettig
Grundstücksnummer: 769 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut: 0,77 Land (11), 0,17 Heckenland (2)
Schätzwert = 200 Kaufpreis = 395
hat gekauft am: 07. März 1805
Mauth Johann Peter
Das Grundstück gehört heute Kohl Irene
und befindet sich in der Schnürstr. Nr.
Schätzwert = 200 Kaufpreis = 395
Quelle: LHA 256/10000/10212
4) Hofgut Karthäuser Kloster zu Koblenz in Kettig
Grundstücksnummer: 776 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut, 0,54 Land (7), 0,23 Weinberg (2.569 Stöcke) (11) (+),
0,04 Wiese (1), 0,39 Buschholz (12),
Schätzwert = 360 Kaufpreis = 395
hat gekauft am: 18. Juli 1805
Hillesheim Matthias
Dieses Haus und Grundstück gehört heute Urmersbach Karl Heinz
und befindet sich in der Schnürstr. Nr.
(ehemalig Helf Christian)
Quelle: LHA 256/10019/10230
5) Hofgut Karthäuser Kloster zu Koblenz in Kettig
Grundstücksnummer: 873 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut: 0,37 Land (6), 0,39 Weinberg (4.310 Weinst.) (17) (+),
0,70 Buschholz (14
Schätzwert = 440 Kaufpreis = 505
hat gekauft am: 20. Juni 1805
Rausch Jakob
Das Haus gehört heute Hommer August
und befindet sich in der Breitestr. Nr.
Quelle: LHA 256/10015/10227
6) Hofgut Karthäuser Kloster zu Koblenz in Kettig
Grundstücksnummer: 734 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 0,76 Land (10), 0,34 Weinberg (3.768 Weinst.) (6) (+), 0,04 Wiese,
0,52 Buschholz (14)
Schätzwert =520 Kaufpreis = 555
hat gekauft am: 20. Juni 1805
Kohl Johann Peter
Das Haus gehört heute Korb Bernd
und befindet sich in der Bachstr. Nr.
(gehörte früher Theisen und stand oberhalb vom ehemaligen Pfarrhaus am Bach heute Hommer Hermann Josef)
Quelle: LHA 256/10015/10227
7) Hofgut Zisterzienserabtei Marienstatt in Kettig
Grundstücksnummer: 826 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut: 0,50 Land (5), 013 Weinberg (1)
Schätzwert = 320 Kaufpreis = 325
haben gekauft am: 14. Juni 1810 (es wurde mehrfach angeboten: schon am 28.02.1805)
Röser Gerhard zu 50%
Hommer Johann Peter zu 50%
Das Haus gehört heute Rath Hans
und befindet sich in der Moosgasse Nr.
Quelle: RMB, 41, 23.05.1810; LHA 256/10322
8) Hofgut Karthäuser Kloster zu Koblenz in Kettig
Grundstücksnummer: 956 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut: 0,53 Land, 0,27 Weinberg (3.027 Weinstöcke) (6) (+), 0,18 Buschholz (7)
Schätzwert = 400 Kaufpreis = 540
hat gekauft am: 18.Juli 1805
Hammer Johann Peter
das Haus gehört heute Scheil
und befindet sich in der Neugasse Nr:
Quelle: LHA 256/10019/10230
9) Hofgut Karthäuser Kloster zu Koblenz in Kettig
Grundstücksnummer: 878 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut: 0,94 Land, (10), 0,33 Weinberg (3.637 Weinst) (8) (+), 0,43 Buschholz (10)
Schätzwert = 600 Kaufpreis = 735
hat gekauft am: 20. Juni 1805
Wald Johann
Das Haus gehört heute Wald Bernhard
und befindet sich in der Breitestr.
Quelle: LHA 256/10015/10227
10) Hofgut Karthäuser Kloster zu Koblenz in Kettig
Grundstücksnummer: 1001 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut: 0,69 Land (5), 0,29 Weinberg (3.271 Weinst.) (8) (+) 0,04 Wiese,
0,13 Buschholz (6)
Schätzwert = 440 Kaufpreis = 445
hat gekauft am: 20.Juni 1805
Dewald Katharina (Witwe) / Kettig / (?)
Das Haus gehört heute Hermes Rudolf
und befindet sich in der Hauptstr. Nr.
Quelle: LHA 256/10015/10227
11) Hofgut Kloster „Maria vom Siege“ zu Wallersheim in Kettig
Grundstücksnummer: 737 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Hofgut: 2.77 Land. 0,09 Wiese, (2)
Schätzwert = 3284 Kaufpreis 7225
haben gekauft am: 28. November 1811
Mauth Johann Georg zu 33% aus Kettig
Lenz Johann 67% aus Koblenz
Das Haus gehört heute Heinrich Rünz (ehemals Bäckerei)
und befindet sich in der Hauptstr. Nr.
Quelle: LHA 256/10122/10339
12) Hofgut Karthäuser Kloster zu Koblenz in Kettig
Grundstücksnummer: in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Hofgut: 4,21 Land
Schätzwert = 2629 Kaufpreis = 2675
haben gekauft am: 28. November 1811
Rausch Jakob aus Kettig zu 0,33%
Weckbecker Franz Georg aus Münstermaifeld zu 0,67%
Das Haus gehört heute
und befindet sich in der
Quelle: LHA 256/10122/10339
13) Hofgut Abtei St. Maria Himmerod in Kettig
Grundstücksnummer: in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut: 2,20 Land (3), 2,06Land (10)
Erl.: 2,06 Land: ehemals Weinberg (22.912 Weinstöcke)
Schätzwert = 1840 Kaufpreis = 2426
hat gekauft am: 07. März 1805
Dhal j. Elias aus Koblenz
Das Haus gehört heute
Quelle: LHA 256/10000/ 10212
14) Hofgut Abtei St. Maria Himmerod in Kettig
Grundstücksnummer: in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Hofgut: 10,77 Land, 0,78 Buschholz, 0,04 Wiese
Erl. 0,04 Länder bei Weißenthurm
Schätzwert = 7589 Kaufpreis 7800
haben gekauft am: 28. November 1811
Wald Peter aus Kettig zu 0,50%
Lenz Johann aus Koblenz zu =,50%
Das Haus gehört heute
und befindet sich in der
Quelle: LHA: 256/10122/10339
15) Hofgut Prämonstratenserabtei, Rommersdorf
Grundstücksnummer: in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut: 1,06 Acker (12), 0,95 Weinberg (11), 0,26 Busch (2)
Schätzwert = 400 Kaufpreis 800
hat gekauft am: 20. November 1806
Trapp Johann aus Koblenz
Das Haus gehört heute
und befindet sich in der
Quelle: LHA: 256/10060/10271
16) Hofgut Zisterzienserabtei Marienstatt in Kettig
Grundstücksnummer: 826 in der franz. Katasterkarte
Objekt: 1 Gut: 0,50 Acker, 0,13 Weinberg (1.600 Weinstöcke)
Schätzwert = 640 Kaufpreis ( - )
Angebot vom 30. August 1804; wieder angeboten 28. Februar 1805
und nochmals am: 14. Juni 1810
Pächter war: Johann Franz
blieb unverkauft!
Quelle: LHA 256/9999
Hier ist die tabellarische Übersicht der 16 Hofgüter. Um die Lesbarkeit zu wahren, sind die wichtigsten Daten (Nummer, ehemaliger Besitzer, Käufer, Datum und Kaufpreis) zusammengefasst.
| Nr. | Ehemaliger Besitzer (Institution) | Käufer (Name & Anteil) | Kaufdatum | Kaufpreis |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Stift Florin (Koblenz) | Heinrich Hillesheim (50%), Franz Georg Weckbecker (50%) | 28.11.1811 | 27.700 |
| 2 | Abtei St. Thomas (Andernach) | Simon Schmorleitz (50%), Joh. Christoph Sahler (50%) | 28.11.1811 | 7.950 |
| 3 | Prämonstratenserabtei Rommersdorf | Johann Peter Mauth | 07.03.1805 | 395 |
| 4 | Karthäuser Kloster (Koblenz) | Matthias Hillesheim | 18.07.1805 | 395 |
| 5 | Karthäuser Kloster (Koblenz) | Jakob Rausch | 20.06.1805 | 505 |
| 6 | Karthäuser Kloster (Koblenz) | Johann Peter Kohl | 20.06.1805 | 555 |
| 7 | Zisterzienserabtei Marienstatt | Gerhard Röser (50%), Johann Peter Hommer (50%) | 14.06.1810 | 325 |
| 8 | Karthäuser Kloster (Koblenz) | Johann Peter Hammer | 18.07.1805 | 540 |
| 9 | Karthäuser Kloster (Koblenz) | Johann Wald | 20.06.1805 | 735 |
| 10 | Karthäuser Kloster (Koblenz) | Katharina Dewald (Witwe) | 20.06.1805 | 445 |
| 11 | Kloster „Maria vom Siege“ (Wallersheim) | Joh. Georg Mauth (33%), Johann Lenz (67%) | 28.11.1811 | 7.225 |
| 12 | Karthäuser Kloster (Koblenz) | Jakob Rausch (33%), Franz Georg Weckbecker (67%) | 28.11.1811 | 2.675 |
| 13 | Abtei St. Maria Himmerod | Elias Dhal j. | 07.03.1805 | 2.426 |
| 14 | Abtei St. Maria Himmerod | Peter Wald (50%), Johann Lenz (50%) | 28.11.1811 | 7.800 |
| 15 | Prämonstratenserabtei Rommersdorf | Johann Trapp | 20.11.1806 | 800 |
| 16 | Zisterzienserabtei Marienstatt | Pächter: Johann Franz | Unverkauft | - |
Ergänzende Details aus den Listen:
- Währung: Die Beträge sind im Dokument ohne explizite Währung genannt (historisch meist Franken/Francs oder Reichstaler, je nach exaktem Zeitpunkt der französischen Verwaltung).
- Lage heute: Viele der Anwesen befinden sich laut Dokument in der Hauptstraße, Neugasse, Breitestraße oder Schnürstraße in Kettig.
- Größtes Objekt: Das Gut des Stifts Florin (Nr. 1) war mit über 32 Hektar Land und einem Preis von 27.700 das mit Abstand bedeutendste Objekt.