Lebensmittelherstellung und Aufbewahrung


Butterfass mit Zubehör
– „Handbetriebene Buttermaschine“

Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Holz (Fass, Deckel, Löffel, Schale), Metall (Kurbelmechanik, Fassreifen)
Hersteller: u. a. Miele (siehe Deckelaufschrift)
Zustand: vollständig, mit Gebrauchsspuren und Patina

Gestaltung und Funktion

Das Butterfass besteht aus einem zylindrischen Holzbehälter, verstärkt durch Metallreifen, mit einem Deckel samt Kurbelmechanik. Durch Drehen der Kurbel wird die im Inneren befindliche Rührvorrichtung bewegt, die den Rahm mechanisch schlägt, bis sich Butter und Buttermilch trennen.

Ergänzt wird das Ensemble durch:

  • eine Holzschale zur Aufnahme der fertigen Butter
  • einen Holzlöffel oder Butterpaddel zum Formen und Abschöpfen

Die Aufschrift „Miele Buttermaschine ist die Beste“ verweist auf die bekannte Haushaltsgerätefirma, die auch in der frühen Milchtechnik aktiv war.

Kulturelle Einordnung

Solche Butterfässer waren fester Bestandteil der Selbstversorgung im ländlichen Raum. Die Butterherstellung erfolgte regelmäßig im Haushalt, oft im Rahmen der Wochenarbeit.

Im Dialekt wurde das Gerät als „Butterfass“, „Buttermaschin“, „Rahmschläger“ oder „Butterquirl“ bezeichnet.

Die Arbeit war körperlich, aber gemeinschaftlich – oft begleitet von Liedern, Gesprächen oder dem Duft frischer Buttermilch. Die Butter selbst war nicht nur Lebensmittel, sondern auch Tauschgut, Festzutat und Symbol für Wohlstand.

Museale Bedeutung

Dieses Ensemble dokumentiert die Verbindung von Ernährung, Handwerk und Alltagsleben. Es erzählt von bäuerlicher Arbeit, von der Veredelung eines Naturprodukts und von der Rolle der Frau im Haushalt.

Als museales Objekt steht es für eine Zeit, in der Lebensmittel mit der Hand und mit Geduld hergestellt wurden – und für die Wertschätzung, die daraus entstand.


Butterfass („Budderfass“) mit Stampfer

Datierung: ca. spätes 19. bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Holz (meist Buche oder Eiche), Metallreifen, Stoff- oder Lederabschluss
Herkunft: Ländliches Mitteleuropa, insbesondere Rheinland, Hunsrück, Westerwald

Gestaltung und Funktion

Das „Budderfass“ besteht aus einem zylindrischen Holzbehälter, der durch Metallreifen stabilisiert wird. Die obere Öffnung ist mit einem Stoff- oder Lederabschluss versehen, durch den der hölzerne Stampfer (Korgehols) geführt wird.

In der Seitenansicht zeigt sich die robuste Fasskonstruktion mit leicht konischer Form, während die Draufsicht den eingesetzten Stampfer mit gelochter Quirlplatte offenbart – ein funktionales Detail zur besseren Durchmischung des Rahms. Das Fass wurde zur Herstellung von Butter verwendet, indem süßer oder saurer Rahm durch rhythmisches Stampfen mechanisch getrennt wurde in Butter und Buttermilch.

Kulturelle Einordnung

Das „Budderfass“ ist ein zentrales Objekt der bäuerlichen Selbstversorgung. Es steht für handwerkliche Lebensmittelherstellung, für Geduld und körperliche Arbeit – oft eingebettet in familiäre Rituale und saisonale Abläufe.

Die doppelte Darstellung – von außen und innen – zeigt nicht nur die Konstruktion, sondern auch die Nutzung im Detail. Als museales Objekt dokumentiert das Butterfass die Verbindung von Material, Technik und Ernährungskultur. Der Dialektausdruck „Budderfass“ verleiht dem Objekt eine regionale Verankerung und emotionale Tiefe – es ist nicht nur ein Gerät, sondern ein Stück gelebter Geschichte.


Räucherofen – stationäre Vorrichtung zur Konservierung von Fleisch und Wurst

Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: gemauerter oder betonierter Korpus, Metalltür mit Verriegelung, Rauchrohranschluss
Standort: Speicherraum, Hauptstraße 47, Kettig
Zustand: stark gebraucht, mit Rußspuren, Korrosion und typischer Alterung

Gestaltung und Funktion

Der Räucherofen besteht aus einem massiven, feuerfesten Korpus, ausgestattet mit einer Metalltür mit Doppellasche, einem Rauchabzug und innenliegenden Vorrichtungen zum Aufhängen von Fleisch oder Würsten.

Er wurde verwendet zur Konservierung durch Kalträucherung oder Warmräucherung, insbesondere von:

  • Hausmacherwurst
  • Speckseiten
  • Schinkenstücken
  • Blut- und Leberwürsten

Die Räucherung erfolgte über mehrere Tage hinweg mit Buchenholzrauch, wobei Temperatur und Luftzug manuell reguliert wurden.

Kulturelle Einordnung

Solche Räucheröfen waren fester Bestandteil der hauswirtschaftlichen Selbstversorgung, besonders in Regionen mit Hausschlachttradition.

Im Dialekt wurde der Ofen oft als „Räucherkammer“, „Rauchschrank“, „Worschtkeller“ oder „Speckofen“ bezeichnet.

Die Nutzung war ritualisiert: Nach dem Schlachttag wurden die Würste aufgehängt, der Ofen angefeuert und die Vorräte für den Winter vorbereitet – begleitet von Stolz, Erfahrung und familiärer Zusammenarbeit.

Museale Bedeutung

Dieser Räucherofen dokumentiert die Verbindung von Handwerk, Ernährung und Konservierung. Er erzählt von Zeiten, in denen Vorratshaltung lebenswichtig und gemeinschaftlich organisiert war – und in denen Geschmack, Haltbarkeit und Tradition durch Rauch und Geduld entstanden.

Als museales Objekt steht er für eine Kultur, in der Lebensmittel nicht nur verzehrt, sondern bewahrt, veredelt und geteilt wurden – und für die Rolle des Speichers als Ort der Transformation und des Vertrauens.


Holzmulde zur Sauerteigherstellung – „Behälter für Sauerteig“

Datierung: ca. spätes 19. bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Handgehauenes Hartholz (vermutlich Eiche oder Buche), mit Metallband verstärkt
Herkunft: Ländliches Mitteleuropa, insbesondere Rheinland, Hunsrück, Westerwald

Gestaltung und Funktion

Die längliche Holzmulde wurde aus einem einzigen Stück Holz gefertigt und zeigt deutliche Gebrauchsspuren: dunkle Flecken, Rissbildung und eine metallene Verstärkung am Rand – Hinweise auf langjährige Nutzung und Reparatur.

Solche Mulden dienten traditionell der Ansetzung und Reifung von Sauerteig, der als Grundlage für Roggenbrot und andere herzhafte Backwaren verwendet wurde. Die poröse Holzstruktur begünstigte die Mikroflora, die für die Gärung notwendig war, und wurde bewusst nicht vollständig gereinigt, um die „gute Kultur“ zu erhalten.

Die zwei Ansichten – einmal von oben, einmal seitlich – zeigen sowohl die Tiefe als auch die handwerkliche Ausführung des Gefäßes. Die Form erlaubt ein gleichmäßiges Durchmischen und Ruhen des Teigs über mehrere Stunden oder Tage.

Kulturelle Einordnung

Der Sauerteigbehälter ist ein zentrales Objekt der bäuerlichen Backtradition. Er steht für Geduld, Erfahrung und die Weitergabe von Wissen, denn ein guter Sauerteig wurde oft über Generationen gepflegt.

Als museales Objekt dokumentiert die Holzmulde die Verbindung von Material, Mikroklima und kulinarischer Praxis. Sie erzählt von der Kunst des Brotbackens, vom Rhythmus der Woche und vom Wert des Selbstgemachten. Der Dialektausdruck „Muhl“ mag schlicht klingen – doch er bezeichnet ein Gefäß, das Leben trägt und Geschmack formt.


Einmachgläser verschiedener Hersteller
– mit Schwerpunkt WECK-System

Datierung: ab ca. 1920er Jahre bis heute
Material: Klarglas, Metallklammern, Gummiringe
Hersteller: WECK, GERRIX, Le Pratique, Le Parfait Super, Einheitsglas u. a.
Zustand: gebraucht, vollständig, mit Zubehörteilen

Gestaltung und Funktion

Die ausgestellten Gläser stammen von verschiedenen Herstellern und zeigen die Vielfalt der Einmachsysteme, wie sie in Haushalten zur Konservierung von Lebensmitteln verwendet wurden. Besonders verbreitet im Rheinland war das WECK-System, das sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

  • Verschlussprinzip: Glasdeckel, roter Gummiring, zwei Federklammern
  • Funktionsweise: Beim Einkochen entsteht ein Vakuum, das den Deckel luftdicht auf das Glas presst
  • Material: Klarglas zur Sichtkontrolle, robust und hitzebeständig
  • Zubehör: Gummiringe und Klammern müssen regelmäßig ersetzt werden

Anwendung und Vielseitigkeit

WECK-Gläser wurden traditionell verwendet zum Einkochen von:

  • Obst, Gemüse, Kompott, Marmeladen
  • Fleisch, Suppen, Eintöpfen

Darüber hinaus fanden sie Verwendung als:

  • Backform für Kuchen im Glas
  • Dessertschale oder Vorratsglas
  • Dekorative Vase oder Geschenkverpackung

Kulturelle Einordnung

Der Begriff „Einwecken“ hat sich im deutschen Sprachgebrauch eingebürgert und geht direkt auf die Marke WECK zurück. Besonders bei älteren Generationen – wie bei „Oma“ – war das Einwecken ein fester Bestandteil der Vorratshaltung, oft verbunden mit Saisonalität, Gemeinschaft und Haltbarmachung ohne Strom.

Andere Marken wie GERRIX, Le Pratique, Le Parfait Super oder das Einheitsglas zeigen die internationale und industrielle Vielfalt, doch das WECK-System gilt bis heute als bewährt, nachhaltig und funktional.

Museale Bedeutung

Diese Gläser dokumentieren die Verbindung von Haushaltskultur, Technik und Nachhaltigkeit. Sie erzählen von Erntezeiten, Vorratskellern, Familienrezepten und der Kunst, Lebensmittel haltbar und sichtbar zu machen – ganz ohne Plastik, Strom oder Konservierungsstoffe


Steingut-Gärgefäß
– „Krautfass“ zur Herstellung von Sauerkraut

Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: glasiertes Steingut
Zustand: gebraucht, mit typischer Patina und Gebrauchsspuren

Gestaltung und Funktion

Das dickwandige, braun glasierte Gefäß mit leicht ausgestelltem Rand und umlaufenden Rillen wurde zur Fermentation von Weißkohl zu Sauerkraut verwendet. Die robuste Keramik hält die Temperatur konstant und schützt den Inhalt vor Licht.

Ein Deckel mit Wasserrinne (nicht abgebildet, aber typisch) ermöglichte einen luftdichten Abschluss, während Gärgase entweichen konnten.

Kulturelle Einordnung

Solche Gärgefäße waren fester Bestandteil der hauswirtschaftlichen Vorratshaltung, besonders in Regionen mit ausgeprägter Krauttradition.

Im Dialekt wurde das Gefäß oft als „Krautfass“, „Krautdöppe“, „Gärtopf“ oder „Krautbottich“ bezeichnet.

Die Herstellung von Sauerkraut war ein saisonales Ritual – verbunden mit dem Schneiden großer Mengen Kohl, dem Stampfen mit Holzstößeln und dem gemeinsamen Befüllen des Gefäßes. Das fertige Kraut war vitaminreich, haltbar und unverzichtbar für die Wintermonate.

Museale Bedeutung

Dieses Objekt dokumentiert die Verbindung von Ernte, Handwerk und Konservierung. Es erzählt von Vorratskellern, Familienrezepten und der Kunst, mit natürlichen Prozessen Lebensmittel haltbar zu machen.

Als museales Objekt steht der Krauttopf für eine Zeit, in der Fermentation Alltag, Notwendigkeit und kulinarische Tradition war – und für die Wertschätzung einfacher, aber wirkungsvoller Techniken.


Gärkörbchen
– Formen aus dem traditionellen Bäckerhandwerk

Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: naturbelassene, spiralförmig gewickelte Ruten (meist Rattan)
Typ: Gärkörbchen / Simperl für Brotlaibe
Formen: länglich (oval) und rund
Zustand: gut erhalten, mit typischer Mehlpatina und Gebrauchsspuren

Gestaltung und Funktion

Die Gärkörbchen bestehen aus spiralförmig gewundenen Naturfasern, die zu stabilen, luftdurchlässigen Körben geformt wurden.
Sie dienten dazu, Brotteige während der Stückgare zu stützen, ihnen Form zu geben und überschüssige Feuchtigkeit aufzunehmen.

Die charakteristische Spiralstruktur hinterlässt beim Backen das typische Rillenmuster auf der Kruste – ein Markenzeichen handwerklich hergestellter Brote.

Die Körbchen liegen in zwei Varianten vor:

  • Oval – ideal für längliche Brote wie Bauernbrot oder Kastenformen ohne Form
  • Rund – für klassische runde Laibe, Roggenbrote oder Mischbrote

Kulturelle Einordnung

Gärkörbchen gehören seit Jahrhunderten zur Grundausstattung jeder Backstube.
Sie stehen für:

  • Handwerkliche Brottradition
  • Sorgfalt und Erfahrung im Umgang mit Teig
  • Regionale Brotvielfalt, die durch Form und Führung geprägt wird

In vielen Haushalten waren solche Körbchen ebenfalls im Einsatz, besonders dort, wo regelmäßig selbst gebacken wurde.

Museale Bedeutung

Diese Gärkörbchen dokumentieren die Materialkultur des Bäckerhandwerks und zeigen, wie eng Formgebung, Technik und Tradition miteinander verbunden sind.
Die Gebrauchsspuren erzählen von vielen Broten, die darin gereift sind – ein stilles Zeugnis für die tägliche Arbeit in Backstuben und Küchen.

Sie stehen für eine Zeit, in der Brot nicht nur Nahrung war, sondern Handwerk, Stolz und Gemeinschaft.


Hölzerne Gebäckmodel – mit Familiengeschichte und Doppelnutzung

Datierung: spätes 19. bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: geschnitztes Hartholz (Birnbaum, Ahorn), teils handgefertigt
Technik: Reliefschnitzerei mit figürlichen und floralen Motiven
Zustand: gebraucht, mit Patina und teils dunkler Färbung durch Teig und Zeit

Gestaltung und Besonderheiten

Die Sammlung umfasst mehrere Gebäckformen mit unterschiedlichen Motiven:

  • Links unten: Ein besonders wertvolles Stück, von Opa Röser selbst geschnitzt, zeigt Tiere in liebevoller Detailarbeit. Die persönliche Herkunft macht es zu einem Familienerbstück mit emotionaler Tiefe.
  • Rechts: Eine beidseitig nutzbare Form, selten und besonders praktisch – sie erlaubt das Backen von zwei Motivgruppen mit nur einem Brett, was Platz und Material spart.

Die Motive reichen von Menschen in Tracht über Tiere wie Vögel und Schafe bis hin zu pflanzlichen Ornamenten. Sie wurden verwendet für Springerle, Spekulatius oder andere Bildgebäcke.

Kulturelle Einordnung

Im Dialekt: „Druckbrettche“, „Plätzchebrett“, „Schnitzholz“ oder „Gebäckmodel“.

Solche Formen waren Teil der festlichen Backtradition, oft zu Weihnachten oder besonderen Anlässen. Die Herstellung und Nutzung waren familiäre Rituale, bei denen Generationen zusammenkamen – und die Form unten links wurde von Opa Röser sogar selbst geschnitzt, was die Verbindung von Handwerk und Brauchtum besonders greifbar macht.

Museale Bedeutung

Diese Objekte dokumentieren die Verbindung von Kunsthandwerk, Ernährung und familiärer Identität. Sie erzählen von Küchen, in denen Backen nicht nur Nahrung, sondern Ausdruck und Erinnerung war.

Als museale Stücke stehen sie für eine Kultur, in der Formen nicht gekauft, sondern geschaffen wurden – und für die Rolle des Handwerks als Träger von Geschichte und Zuneigung.


Selters‑Steingutkrug / Mineralwasserflasche aus dem Herzogtum Nassau (19. Jahrhundert)

Kategorie: Keramik & Alltagskultur – Mineralwassergefäße

Dieses handgefertigte Steingutgefäß stammt aus dem Herzogtum Nassau und wurde für den Transport des international bekannten Selters‑Mineralwassers hergestellt. Obwohl die Form eindeutig einer Flasche entspricht, wurden solche Gefäße in den Schriftquellen des 18. und 19. Jahrhunderts häufig als „Krüge“ bezeichnet. Der Begriff „Selterswasserkrug“ ist daher historisch korrekt und spiegelt die damalige Gebrauchssprache wider.

Auf der Vorderseite befindet sich ein eingestempelter Rundstempel mit der Aufschrift „SELTERS“, in dessen Mitte ein Löwe dargestellt ist – das heraldische Tier des Hauses Nassau. Unterhalb des Siegels ist im ungebrannten Ton die Herkunftsangabe „HERZOGTHUM NASSAU“ in gerader Schrift eingestanzt.

Material & Herstellung

Das Gefäß besteht aus salzglasiertem Steingut, dem typischen Material für Selters‑Krüge des 18. und 19. Jahrhunderts.
Mehrere Merkmale belegen die handwerkliche Herstellung:

  • sichtbare Fingerabdrücke und Bearbeitungsspuren im Ton
  • leichte Unregelmäßigkeiten in Form und Wandstärke
  • individuell eingestempelte Marken
  • handgesetzte Zeichen unter dem Henkel

Unter dem Henkel befindet sich ein geschwungener Buchstabe, vermutlich das Töpfer‑ oder Werkstattzeichen, sowie die Markierung „Num 18“, die als Formnummer, Produktionsnummer oder interne Chargenkennzeichnung interpretiert werden kann.

Herkunft: Selters & das Herzogtum Nassau

Das Herzogtum Nassau (1806–1866) war europaweit berühmt für seine Mineralquellen, insbesondere die Selters‑Quelle im Taunus.
Selterswasser wurde in großen Mengen exportiert und galt als hochwertiges Heil‑ und Tafelwasser. Die charakteristischen Steingutkrüge dienten dabei als:

  • Transportbehälter
  • Markenzeichen
  • Qualitätssiegel

Der Löwe im Siegel verweist eindeutig auf die nassauische Herkunft und diente zugleich als Schutz vor Fälschungen.

Datierung

Aufgrund von:

  • Material und Form
  • dem nassauischen Löwen im Siegel
  • der Schreibweise „HERZOGTHUM“
  • der handwerklichen Ausführung

lässt sich das Gefäß in die Mitte des 19. Jahrhunderts, wahrscheinlich zwischen 1820 und 1860, einordnen.

Fundzustand

Die Flasche wurde aus dem Boden geborgen, was sich zeigt durch:

  • Verfärbungen
  • mineralische Ablagerungen
  • leichte Beschädigungen
  • typische Bodenpatina

Diese Spuren verleihen dem Objekt eine authentische archäologische Ausstrahlung und dokumentieren seine lange Nutzung und Lagerung.

Museale Bedeutung

Dieses Seltersgefäß ist ein bedeutendes Objekt, weil es:

  • die Material‑ und Alltagskultur des Herzogtums Nassau dokumentiert
  • ein authentisches Beispiel für die historische Selters‑Produktion darstellt
  • die heraldische Symbolik (nassauischer Löwe) bewahrt
  • handwerkliche Techniken des 19. Jahrhunderts zeigt
  • ein wichtiges Zeugnis für Handel, Markenbildung und Exportgeschichte ist

Es verbindet regionale Identität, Handwerk und Wirtschaftsgeschichte in einem einzigen Objekt.


Fleischerbeil / Schlachtbeil für Hausschlachtungen (Kettig, frühes 20. Jahrhundert)

Kategorie: Handwerk & Alltagskultur – Ländliche Schlachtwerkzeuge

Dieses robuste Fleischerbeil stammt vermutlich aus dem frühen 20. Jahrhundert und wurde sehr wahrscheinlich im Rahmen von Hausschlachtungen in Kettig und der umliegenden Region verwendet. Solche Werkzeuge gehörten zur Grundausstattung vieler landwirtschaftlicher Haushalte, in denen Schweine, gelegentlich auch Rinder oder Schafe, traditionell im eigenen Hof geschlachtet wurden.

Das Beil besitzt eine breite, schwere Klinge mit charakteristischer Aufhängbohrung im oberen Bereich – ein typisches Merkmal vieler Metzgerbeile, die nach der Arbeit an Haken oder Wandhalterungen hingen. Der hölzerne Griff ist gedrechselt und zeigt eine handwerklich sorgfältige Ausführung, die auf eine lokale oder regionale Herstellung schließen lässt. Die Messingmanschette am Übergang zwischen Griff und Klinge verstärkt die Verbindung und schützt das Holz vor Feuchtigkeit und Belastung.

Funktion & Einsatz

Dieses Beil wurde bei Hausschlachtungen für mehrere Arbeitsschritte eingesetzt:

  • Spalten von Knochen
  • Abtrennen größerer Fleischstücke
  • Öffnen des Brustkorbs
  • Zerteilen des Schlachtkörpers

Die breite, schwere Klinge war ideal, um mit einem kräftigen Schlag durch Knochen und Gelenke zu gehen. Die Form ist typisch für ländliche Schlachtwerkzeuge, die auf Haltbarkeit und Funktionalität ausgelegt waren.

Regionale Bedeutung: Hausschlachtungen in Kettig

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren Hausschlachtungen in Kettig und der gesamten Region Rheinland‑Pfalz ein fester Bestandteil der ländlichen Versorgung.
Typisch waren:

  • Schlachtungen im Spätherbst oder Winter
  • gemeinschaftliche Arbeit mit Nachbarn und Verwandten
  • Verarbeitung des gesamten Tieres (Wurst, Schinken, Speck, Brühe)
  • Nutzung traditioneller Werkzeuge wie Beile, Messer, Wurstfüller und Kessel

Ein Werkzeug wie dieses war daher nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern Teil einer jahrhundertealten dörflichen Tradition.

Handwerkliche Merkmale

  • Handgeschmiedete Klinge mit sichtbaren Altersspuren
  • Gedrechselter Holzgriff, ergonomisch geformt
  • Messingzwinge zur Stabilisierung
  • deutliche Gebrauchsspuren, die auf langjährige Nutzung hinweisen
  • typische Patina eines Werkzeugs, das über Jahrzehnte im Einsatz war

Diese Merkmale machen das Stück zu einem authentischen Zeugnis ländlicher Arbeitskultur.

Museale Bedeutung

Das Fleischerbeil ist ein wertvolles Objekt, weil es:

  • die Alltags- und Ernährungskultur der Region dokumentiert
  • ein authentisches Werkzeug der Hausschlachttradition darstellt
  • handwerkliche Fertigung und Gebrauchsspuren bewahrt
  • ein Stück dörflicher Selbstversorgung sichtbar macht
  • die Verbindung zwischen Handwerk, Landwirtschaft und Gemeinschaft zeigt

Es ergänzt die Sammlung hervorragend, da es die materielle Kultur Kettigs jenseits von Münzen und Dokumenten sichtbar macht.


Großer Steinzeug‑Vorrats- und Gärtopf (100‑Liter‑Gefäß, frühes bis mittleres 20. Jahrhundert)

Kategorie: Landwirtschaft, Vorratshaltung und Ernährungsgeschichte
Objektart: großvolumiger salzglasierter Steinzeugtopf
Datierung: ca. 1900–1950
Material: Westerwälder Steinzeug, salzglasiert
Fassungsvermögen: ca. 100 Liter (Prägung „100“)
Provenienz: Kettiger Familienbesitz

Dieser massive, braun glasierte Steinzeugtopf mit der eingeprägten Zahl „100“ ist ein großvolumiges Vorrats‑ und Gärgefäß aus dem Westerwald‑/Rheinland‑Raum. Mit einem Fassungsvermögen von rund 100 Litern gehört er zu den großen Nutzgefäßen, die nicht in normalen Haushalten, sondern vor allem in landwirtschaftlichen Betrieben, Keltereien, größeren Hofstellen oder Gastwirtschaften verwendet wurden.

Die kleine Öffnung im unteren Bereich diente als Ablauf‑ oder Gärloch, das mit einem Holz- oder Korkstöpsel verschlossen werden konnte. Solche Öffnungen erlaubten das Ablassen von Flüssigkeit oder das Regulieren von Gärprozessen.

Verwendung und Funktion

Ein 100‑Liter‑Steinzeuggefäß wurde typischerweise genutzt für:

  • Gärprozesse (z. B. Sauerkraut in großen Mengen)
  • Most, Apfelwein oder vergorene Getränke
  • Einlegen und Pökeln größerer Mengen Fleisch
  • Lagerung von Schmalz, Fett oder Salzlake
  • Konservierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse
  • Zwischenlagerung in Gaststätten oder Vereinsheimen

Die Größe zeigt:
Dieses Gefäß war für gemeinschaftliche Nutzung gedacht — nicht für den kleinen Haushalt.

Material und Herstellung

Das Gefäß besteht aus klassischem Westerwälder Steinzeug, das:

  • extrem hart,
  • säurebeständig,
  • hygienisch,
  • und nahezu unverwüstlich

ist. Die braune Salzglasur entsteht durch das Einbringen von Salz in den Brennofen, das sich bei hohen Temperaturen mit der Oberfläche verbindet.

Historischer Kontext

Solche Großgefäße waren bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts unverzichtbar:

  • in landwirtschaftlichen Betrieben,
  • in Wein‑ und Obstbaugebieten,
  • in Dorfwirtschaften,
  • in Klöstern,
  • und in Großhaushalten.

In einem Ort wie Kettig, mit starker landwirtschaftlicher Prägung, waren solche Gefäße Teil der alltäglichen Vorratshaltung — besonders vor der Verbreitung von Kühltechnik.

Museale Bedeutung

Dieses Objekt ist museal bedeutsam, weil es:

  • ein selten erhaltenes Großgefäß der regionalen Keramiktradition darstellt,
  • die Vorratshaltung im landwirtschaftlichen Rheinland dokumentiert,
  • die Arbeits‑ und Ernährungskultur des 20. Jahrhunderts sichtbar macht,
  • und ein Stück Dorfgeschichte bewahrt, das heute kaum noch existiert.

Es ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie robust, funktional und langlebig die Keramikproduktion des Westerwaldes war.


Krumeich’s Konserven‑Krug (2‑Liter‑Steinzeuggefäß, Wilhelm E. Krumeich, Ransbach/Westerwald)

Kategorie: Haushalt, Vorratshaltung und Ernährungsgeschichte
Objektart: Steinzeug‑Konservenkrug / Vorratsgefäß
Datierung: ca. 1895–1910
Material: salzglasiertes Westerwälder Steinzeug
Fassungsvermögen: 2 Liter
Prägung: „Krumeichs Konserven‑Krug 2 L“
Hersteller: Wilhelm E. Krumeich, Steinzeugfabrik, Ransbach/Westerwald
Provenienz: Kettiger Familienbesitz

Dieser kleine, braun glasierte Konserven‑Krug aus salzglasiertem Westerwälder Steinzeug wurde von der Steinzeugfabrik Wilhelm E. Krumeich in Ransbach hergestellt. Das Gefäß gehört zu einer Serie von speziell entwickelten Haushalts‑Konservierungsgefäßen, die um 1900 intensiv beworben und millionenfach verkauft wurden.

Die deutlich eingeprägte Beschriftung „Krumeichs Konserven‑Krug 2 L“ weist auf ein standardisiertes Produkt hin, das für die sichere und einfache Haltbarmachung von Lebensmitteln gedacht war.

Werbung und Vermarktung

Krumeich bewarb seine Konservenkrüge mit markanten, zeittypischen Slogans, die auf Reklamemarken und Händlerkarten gedruckt wurden:

  • „Zerspringt nicht wie Gläser! Liefert naturfrische Konserven. Kein Apparat nötig. Millionenfach bewährt.“

Diese Werbeaussagen zielten auf Haushalte, die ohne teure Geräte oder Einkochapparate Lebensmittel haltbar machen wollten. Der Krug wurde als moderne, sichere und einfache Alternative zu Glasbehältern präsentiert.

Verwendung und Funktion

Der 2‑Liter‑Krug war ideal für kleinere Mengen und hochwertige Vorräte wie:

  • eingelegte Bohnen, Gurken oder Rüben
  • Sauerkraut in Kleinmengen
  • Schmalz, Fett oder Brühe
  • Salzlake‑Produkte
  • Fleischkonserven
  • Sirup, Honig oder dickflüssige Vorräte

Der Verschluss bestand nicht aus einer festen Mechanik, sondern aus:

  • einem separaten Steinzeugdeckel oder
  • einem Holzdeckel,
  • alternativ einer Pergament‑ oder Stoffabdeckung, die mit Schnur abgebunden wurde.

Diese Verschlussarten entsprachen der üblichen Konservierungspraxis der Zeit.

Gestalterische Merkmale

  • braune Salzglasur mit typischer Westerwälder Struktur
  • zylindrische, dickwandige Form
  • weite Öffnung zum Befüllen
  • klare, tief eingeprägte Herstelleraufschrift
  • robuste, hygienische Oberfläche

Historischer Kontext

Um 1900 erlebte die private Vorratshaltung einen technischen Wandel. Während Glasbehälter leicht zerbrachen und Einkochapparate teuer waren, boten Steinzeug‑Konservenkrüge:

  • Sicherheit,
  • Haltbarkeit,
  • Temperaturstabilität,
  • und einfache Handhabung.

Krumeich gehörte zu den Herstellern, die diese Vorteile offensiv bewarben und damit große Verbreitung erreichten. Seine Produkte wurden in Haushalten im gesamten Rheinland genutzt — auch in Orten wie Kettig, wo Vorratshaltung ein zentraler Bestandteil des Alltags war.

Museale Bedeutung

Der Krumeich‑Konservenkrug ist museal bedeutsam, weil er:

  • ein typisches Markenprodukt der frühen Lebensmittelkonservierung darstellt,
  • die Westerwälder Steinzeugtradition repräsentiert,
  • die Alltags‑ und Ernährungskultur um 1900 sichtbar macht,
  • und durch die erhaltene Prägung und bekannte Reklame hervorragend dokumentierbar ist.

Er ist ein seltenes Beispiel für ein vollständig identifizierbares Marken‑Steinzeuggefäß aus der Zeit vor der Industrialisierung moderner Konservierungstechnik.