Alltagsleben & Wohnen
NEUE ILLUSTRIERTE – 16. November 1957
Köln, 12. Jahrgang, Nummer 46 – Preis: 50 Pfennig
Kategorie: Presse‑, Medien‑ und Zeitgeschichte der Bundesrepublik
Diese Ausgabe der NEUE ILLUSTRIERTE, einer der großen westdeutschen Wochenzeitschriften der 1950er Jahre, dokumentiert die Themenvielfalt und Bildsprache der jungen Bundesrepublik. Die Zeitschrift verband politische Berichterstattung, internationale Ereignisse, Unterhaltung, Fotoreportagen und Werbung zu einem für die Zeit typischen publizistischen Gesamtbild.
Die Ausgabe vom 16. November 1957 fällt in eine Phase intensiver weltpolitischer Entwicklungen – nur zwei Wochen nach dem Start von Sputnik 2 mit der Hündin Laika – und spiegelt zugleich die starke Präsenz von Filmstars und Popkultur im westdeutschen Medienalltag wider.
Titelblatt
- großformatiges Farbfoto von Marilyn Monroe
- Titelzeile: „Marilyn Monroe: Mein schönstes Foto“
- gelber Kasten mit Hinweis auf die Memoiren der Herzogin von Windsor
- typisches Layout der 1950er Jahre: kräftige Farben, klare Typografie, starke Bilddominanz
Das Titelblatt zeigt die internationale Ausrichtung der Illustrierten und die Bedeutung von Hollywood‑Ikonen für die westdeutsche Medienlandschaft.
Inhaltliche Schwerpunkte der Ausgabe
Die Ausgabe enthält u. a.:
- Zeitgeschehen und Politik
– Berichte über die Sowjetunion, die Raumfahrt und die weltpolitische Lage
– Hintergrundartikel zu Wissenschaft und Technik - Wissenschaft und Zukunftsvisionen
– Beiträge über Weltraumforschung, Strahlung, unterirdische Labore
– Spekulative Konzepte wie das „Wellen‑Schiff“ - Kultur und Unterhaltung
– Fotostrecken und Artikel über Filmstars
– Fortsetzungsromane und Reportagen - Werbung der 1950er Jahre
– Parfum, Schuhe, Haushaltsgeräte (z. B. Kühlschränke von Bosch)
– Fotoartikel und Kameras (Kodak Retina, Kodachrome)
Die Mischung aus Politik, Wissenschaft, Unterhaltung und Konsum spiegelt die Medienkultur der jungen Bundesrepublik.
Historische Einordnung
Diese Ausgabe steht exemplarisch für:
- die Medienlandschaft der 1950er Jahre in Westdeutschland
- die wachsende Bedeutung von Illustrierten als Leitmedium
- die Verbindung von Weltpolitik (Sputnik‑Ära) und Popkultur (Marilyn Monroe)
- die Rolle Kölns als bedeutender Standort der deutschen Presse
- die zunehmende Kommerzialisierung durch großflächige Anzeigen
Illustrierte wie diese prägten das Bild der Welt für Millionen Leserinnen und Leser.
Museale Bedeutung
Das Objekt ist kulturhistorisch wertvoll, weil es:
- ein authentisches Beispiel westdeutscher Pressegeschichte darstellt
- die Themen, Ängste und Hoffnungen der späten 1950er Jahre sichtbar macht
- die Bildsprache und Werbekultur der Nachkriegszeit dokumentiert
- durch Titelbild und Inhalte ein Zeitfenster zwischen Kaltem Krieg und Konsumgesellschaft öffnet
Für eine Sammlung zur Medien‑, Alltags‑ oder Zeitgeschichte ist diese Ausgabe ein besonders aussagekräftiges Exponat.
Zwei Postkartenmotive der 1950er/1960er Jahre
Postkarte 1 – Mara Lane (Nr. F 80)
Diese farbige Postkarte zeigt die Schauspielerin Mara Lane, eine international bekannte Film- und Fotomodelldarstellerin der 1950er Jahre. Das Motiv präsentiert sie in Badebekleidung auf einem Boot – eine typische Inszenierung der damaligen Starfotografie, die Freizeit, Glamour und Modernität miteinander verband.
Auf der Rückseite finden sich Produktionsangaben:
– J. Arthur Rank-Film, Hamburg 13, Rothenbaumchaussee 67/9 – Hinweis auf die deutsche Niederlassung des britischen Filmkonzerns, der zahlreiche internationale Stars vermarktete.
– Foto: Collignon – ein Fotograf, der häufig für Film- und Pressebilder tätig war.
– Made in Germany, WS‑Druck Wanne‑Eickel – Angabe zur Herstellung und Druckerei.
– Nr. F 80 – Seriennummer der Karte.
– Zusätzlich ist der Geburtstag Mara Lanes (10. März) vermerkt, wie es bei Starpostkarten üblich war.
Museale Einordnung
Diese Karte steht exemplarisch für die Starpostkarten der Nachkriegszeit, die Schauspielerinnen als Symbole für Eleganz, Internationalität und ein neues Lebensgefühl präsentierten. Sie dokumentiert die enge Verbindung zwischen Filmindustrie, Fotografie und populärer Bildkultur sowie die Rolle solcher Karten als Sammelobjekte und Identifikationsmedien einer ganzen Generation.
Postkarte 2 – Strandmotiv mit Frau in Badebekleidung (Nr. PU 10)
Die zweite Postkarte zeigt eine Frau in floraler Badebekleidung an einem Strand. Die farbintensive Darstellung, die Pose und der dekorative Rand verweisen auf die typische Ästhetik der 1950er/1960er Jahre, in denen Urlaubs- und Strandmotive zu beliebten Bildthemen wurden.
Auf der Rückseite finden sich folgende Hinweise:
– Nr. PU 10 – Seriennummer der Karte.
– Made in Germany – Herkunftsangabe.
– Logo „Terra‑Color“ – vermutlich der Markenname der Postkartenserie oder des Druckverfahrens.
Museale Einordnung
Das Motiv repräsentiert die Freizeit‑ und Urlaubskultur der Wirtschaftswunderzeit, in der Reisen, Mode und Körperkultur neue Bedeutung gewannen. Solche Postkarten waren Massenprodukte, zugleich aber Träger eines optimistischen, modernen Lebensgefühls. Sie zeigen, wie stark Bildmedien zur Verbreitung von Idealen wie Freiheit, Wohlstand und Sommeridylle beitrugen.
Getränkeflasche „Regina Orange“ – Regina Mineralbrunnen Niedermendig
Deutschland, ca. 1950er–1960er Jahre
Kategorie: Konsum- und Alltagsgeschichte – Getränkeverpackungen
Diese Glasflasche des Regina Mineralbrunnens Niedermendig ist ein typisches Beispiel für die regionale Getränkekultur der Nachkriegszeit. Mit ihrem markanten Spiralrelief, dem bernsteinfarbenen Glas und dem auffälligen Etikett steht sie für die Gestaltung und Markenwelt kleinerer Mineralbrunnenbetriebe im nördlichen Rheinland-Pfalz. Das Produkt „Regina Orange“ war ein Fruchtsaftgetränk aus Orangen- und Zitronensaft und gehörte zu den beliebten Erfrischungsgetränken der 1950er und 1960er Jahre.
Beschreibung
- bernsteinfarbene Glasflasche mit charakteristischem spiralförmigem Relief
- kurze, gedrungene Form mit rundem Mündungsrand
- farbiges Etikett in Rot und Weiß mit Markenname REGINA
- Produktangabe:
„Regina Orange – Fruchtsaftgetränk aus Saft und Fleisch sonnengereifter Orangen und Zitronen“ - Herstellerangabe: Regina Mineralbrunnen Niedermendig
- leichte Altersspuren und Patina, typisch für wiederverwendete Mehrwegflaschen
Die Spiralstruktur diente sowohl der optischen Gestaltung als auch der besseren Griffigkeit.
Historische Einordnung
Die Flasche steht exemplarisch für:
- die regional verankerte Getränkeproduktion im Rheinland
- die zunehmende Beliebtheit von Fruchtsaftgetränken in der Wirtschaftswunderzeit
- die typische Glasformensprache der 1950er/60er Jahre
- die Bedeutung kleiner Mineralbrunnenbetriebe für die lokale Versorgung
Niedermendig war in dieser Zeit ein aktiver Standort der regionalen Getränkeindustrie, was die Flasche auch lokalgeschichtlich interessant macht.
Museale Bedeutung
Das Objekt ist kulturhistorisch wertvoll, weil es:
- ein authentisches Beispiel für Getränkeverpackungen der Nachkriegszeit darstellt
- die Marken- und Konsumkultur eines regionalen Mineralbrunnens dokumentiert
- durch Form, Farbe und Etikett die Gestaltungstrends der Zeit zeigt
- ein Stück Alltags- und Genussgeschichte aus dem direkten Umfeld von Kettig bewahrt
Für eine Sammlung mit regionalem Bezug ist diese Flasche ein besonders aussagekräftiges Exponat.
Handglocke des Gemeindedieners
– Ausschellerglocke
Datierung: vermutlich spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert
Material: Glockenkörper aus Messing mit geprägter Nummer „16“, Griff aus dunkel oxidiertem Eisen
Zustand: deutliche Gebrauchsspuren, Patina, historische Authentizität
Gestaltung und Funktion
Diese robuste Handglocke mit metallischem Klangkörper und festem Griff diente vermutlich einem Gemeindediener, Stadtausrufer oder Ausscheller als akustisches Signalgerät. Die Glocke wurde geschwungen, um Aufmerksamkeit zu erregen, bevor mündlich Neuigkeiten, amtliche Verordnungen oder Markthinweise verkündet wurden.
Die eingeprägte Zahl „16“ könnte auf eine Seriennummer oder Größe hinweisen. Die Oberfläche zeigt Alterungsspuren, die auf intensive Nutzung im öffentlichen Raum hindeuten.
Kulturelle Einordnung
Vor der Verbreitung von Zeitungen, Radios und digitalen Medien war der Ausrufer ein zentraler Bestandteil der lokalen Informationskultur. Je nach Region und Funktion wurde er unterschiedlich bezeichnet:
- Gemeindediener / Ausscheller: Amtlich beauftragte Personen zur mündlichen Bekanntmachung
- Stadtausrufer / Stadtkrantz: Lautstarke Verkünder städtischer Nachrichten
- Klingelmann: Regionaler Begriff, da oft Glocken verwendet wurden
- Herold / Mundschenk: Höfisch geprägte Rollen mit repräsentativer Funktion
Diese Personen waren die „Nachrichtenagenten“ ihrer Zeit, besonders wichtig in ländlichen Regionen, in denen viele Menschen nicht lesen oder schreiben konnten. Die Glocke war ihr Werkzeug – laut, verbindlich und unüberhörbar.
Museale Bedeutung
Als museales Objekt steht diese Glocke für eine vormediale Kommunikationskultur, in der Klang, Stimme und Präsenz die Informationsverbreitung bestimmten. Sie erzählt von dörflichem Leben, öffentlicher Ordnung und der Rolle des Menschen als Träger von Nachrichten.
Handglocke mit Holzgriff und Messingkörper
Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Messing (Glockenkörper), Holz (gedrechselter Griff)
Zustand: Gebrauchsspuren, sichtbare Korrosion und Lochbildung am unteren Rand
Gestaltung und Funktion
Die Glocke besteht aus einem gedrechselten Holzgriff und einem leicht ausgestellten Messingkörper mit umlaufenden Zierlinien. Die Form ist klassisch, funktional und auf gute Klangentfaltung ausgelegt.
Ein sichtbares Loch am unteren Rand deutet auf Korrosion oder mechanische Beschädigung hin – ein Zeichen intensiver Nutzung oder Alterung. Die Oberfläche zeigt typische Patina, die auf langjährige Verwendung schließen lässt.
Kulturelle Einordnung
Solche Handglocken wurden traditionell verwendet:
- in Schulen zum Pausensignal oder zur Ordnung
- in kirchlichen Kontexten bei Andachten oder Prozessionen
- im Haushalt als Rufzeichen, etwa für Dienstboten oder Pflege
Im Dialekt hätte man sie schlicht als „Glöckche“, „Handglock“ oder „Klingel“ bezeichnet.
Als museales Objekt steht sie für eine Zeit, in der akustische Signale sichtbar, greifbar und persönlich waren. Sie erzählt von Alltag, Ritual und Kommunikation ohne Elektronik – und von der Hand, die sie geführt hat.
Kellertür aus Holz mit handgeschmiedetem Riegelverschluss
Datierung: mittleres 20. Jahrhundert
Material: Massivholz, handgeschmiedetes Eisen
Technik: traditionelle Zimmermanns- und Schmiedearbeit
Zustand: gebraucht, mit deutlicher Patina und funktionalen Ergänzungen
Beschreibung
Die Kellertür besteht aus massivem, naturbelassenem Holz, dessen Oberfläche durch langjährige Nutzung eine dunkle, lebendige Patina entwickelt hat. Eine diagonal gesetzte Holzverstrebung stabilisiert die Konstruktion und verweist auf klassische handwerkliche Bauweise.
Besonders hervorzuheben ist der handgeschmiedete Riegelverschluss: ein Stück traditioneller Schmiedekunst, erkennbar an den unregelmäßigen Hammerschlägen, der leicht asymmetrischen Form und der robusten Materialstärke. Der Riegel ist nicht industriell gefertigt, sondern individuell geschmiedet – ein funktionales Bauteil, das zugleich ein authentisches Zeugnis ländlicher Metallverarbeitung darstellt.
Auf der Vorderseite der Tür befindet sich zusätzlich eine schmale Holzleiste mit Metallhaken, die als praktische Aufhängemöglichkeit diente und die Tür in den alltäglichen Arbeitsablauf einband.
Kulturelle Einordnung
Solche Türen wurden im Dialekt oft als „Kellerdür“ oder „Vorratsdür“ bezeichnet. Der handgeschmiedete Riegel zeigt, wie eng Holz- und Metallhandwerk im ländlichen Alltag verbunden waren. Er steht für eine Zeit, in der Bauteile nicht gekauft, sondern gefertigt wurden – angepasst an Bedarf, Material und Können des Schmieds.
Museale Bedeutung
Die Kellertür mit ihrem handgeschmiedeten Riegel ist ein eindrucksvolles Beispiel für Alltagsarchitektur, in der Funktionalität und Handwerk eine Einheit bilden. Sie erzählt von einer Wohnkultur, in der der Keller ein zentraler Ort der Versorgung war und in der langlebige, selbst gefertigte Bauteile den Haushalt prägten.
Als museales Objekt verweist sie auf die Wertschätzung handwerklicher Arbeit, die im unscheinbaren Detail – wie dem Riegel – sichtbar wird und die Geschichte eines Hauses ebenso trägt wie die Menschen, die es nutzten.
Arbeitstasche – „Ärwetstösch“
aus Leder mit Gebrauchsspuren
Datierung: mittleres 20. Jahrhundert
Material: Echtleder mit Metallverschlüssen, Trageriemen mit Kette, Holzbleistift
Zustand: stark gebraucht, mit sichtbaren Falten, Kratzern und Patina
Gestaltung und Funktion
Die Tasche besteht aus robustem, braunem Leder, mit zwei Metallschnallen, einem verstellbaren Mittelriemen und einem Tragegriff mit Kettenaufhängung.
Ein eingesteckter Bleistift verweist auf die Nutzung im handwerklichen oder technischen Bereich – etwa für Notizen, Skizzen oder Arbeitsaufträge. Die Tasche bot Platz für:
- Dokumente und Formulare
- Werkzeug oder Messgeräte
- Brotzeit und persönliche Gegenstände
Kulturelle Einordnung
Im Dialekt wurde sie als „Ärwetstösch“, „Ledertösch“, „Handwerkerbüchs“ oder „Schafftasch“ bezeichnet.
Solche Taschen begleiteten ihre Besitzer täglich zur Arbeit, ob ins Büro, auf die Baustelle, in die Werkstatt oder aufs Feld. Sie waren Ausdruck von Pflichtbewusstsein, Ordnung und persönlichem Stil – oft über Jahrzehnte hinweg genutzt und gepflegt.
Die Tasche von Onkel Hubert erzählt von einem Menschen, der anpackte, plante und präsent war – und dessen Alltag sich in Leder und Metall eingeschrieben hat.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert die Verbindung von Beruf, Bewegung und Persönlichkeit. Es erzählt von Wegen, die gegangen wurden, von Aufgaben, die erledigt wurden, und von der Würde der Arbeit im ländlichen Raum.
Als museales Objekt steht die „Ärwetstösch“ für eine Zeit, in der Arbeitsmittel nicht nur funktional, sondern auch vertraut und persönlich waren – und für die Rolle des Einzelnen im großen Gefüge des Alltags.
Zwei Sigelstempel und eine rote Wachsstange
Datierung: ca. frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Materialien: Metall (Stempelfläche), Holz und Kunststoff (Griffe), Siegellack (Wachsstange)
Herkunft: Mitteleuropa, private oder institutionelle Nutzung
Gestaltung und Funktion
Die beiden Sigelstempel zeigen unterschiedliche Ausführungen:
- Stempel mit Holzgriff und geschwungenen Buchstaben „JH“ oder „IH“ – vermutlich für persönliche oder familiäre Korrespondenz.
- Stempel mit grünlichem Griff und den Initialen „H.Pf“ in Blockschrift – möglicherweise für gewerbliche oder institutionelle Zwecke.
Die rote Siegellackstange ist teilweise verwendet, mit abgebrochener Spitze – ein typisches Zeichen für praktischen Einsatz. Der Lack wurde erhitzt, auf das Papier oder die Umschlagklappe getropft und mit dem Stempel geprägt.
Kulturelle Einordnung
Sigelstempel dienten der Authentifizierung, Kennzeichnung und Verschlusssicherung. Sie waren Ausdruck von Identität, Status und Vertrauen – ob im privaten Briefverkehr, bei amtlichen Dokumenten oder in der Geschäftskorrespondenz.
Im Dialekt wurden sie oft schlicht als „Sijel“, „Stempelche“ oder „Brefsijel“ bezeichnet. Als museale Objekte dokumentieren sie die Verbindung von Schriftkultur, Handwerk und sozialer Kommunikation.
Sie erzählen von einer Zeit, in der ein Abdruck mehr sagte als eine Unterschrift – und in der das Öffnen eines Briefes ein sichtbares Zeichen der Verbindung war.
Büro-Papierablage
– Ordnung mit Flechtwerk und Farbe
Datierung: vermutlich 1960er–1970er Jahre
Material: geflochtenes Naturmaterial (vermutlich Rattan), Bambusleisten, roter Textilboden
Provenienz: Büro- oder Haushaltsgebrauch; Herkunft nicht dokumentiert
Zustand: gebraucht, mit leichten Gebrauchsspuren; stabil und funktionstüchtig
Gestaltung und Funktion
Diese rechteckige Papierablage kombiniert traditionelles Flechtwerk mit funktionalem Design. Die Seiten bestehen aus einem fein geflochtenen Naturmaterial, eingefasst mit gebogenen Bambusleisten an den Ecken. Der Boden ist mit einem kräftig roten Einsatz versehen, der farblich Akzente setzt und zugleich als stabile Unterlage dient.
Solche Ablagen wurden in Büros, Schreibzimmern oder Haushalten verwendet, um Dokumente, Briefe oder Formulare griffbereit und geordnet aufzubewahren. Die offene Form erlaubt schnelles Einlegen und Entnehmen, während die Materialien eine warme, handwerkliche Note vermitteln.
Kulturelle Einordnung
Die Papierablage steht für die Verbindung von praktischer Büroorganisation und ästhetischer Gestaltung im Alltag der 1960er- und 1970er-Jahre. Sie dokumentiert, wie auch einfache Ordnungshelfer mit Sorgfalt und Stil gefertigt wurden – oft als Teil eines größeren Sets aus Korbwaren oder Bambusmöbeln.
Als museales Objekt erzählt sie von Schreibarbeit, Verwaltung und dem Wunsch nach Übersichtlichkeit – sei es im häuslichen Umfeld oder im beruflichen Kontext
Lederummantelter Flachmann mit Metallgehäuse
Datierung: ca. 1950er–1970er Jahre
Materialien: Edelstahl oder verchromtes Metall, Leder, Kunststoff oder Metallverschluss
Herkunft: Mitteleuropa, vermutlich Deutschland
Gestaltung und Funktion
Dieser elegante Flachmann kombiniert ein glänzendes Metallgehäuse mit einer roten Lederummantelung und einem Schraubverschluss. Die kompakte, leicht gebogene Form ist ergonomisch gestaltet und passt diskret in Jackentasche oder Reisegepäck. Der kleine Metallknopf mit stilisiertem „A“-Logo könnte auf einen Hersteller oder eine Designlinie hinweisen – möglicherweise ein Accessoire aus dem gehobenen Segment.
Flachmänner wie dieser dienten dem diskreten Transport kleiner Mengen alkoholischer Getränke, etwa Schnaps oder Likör, und waren beliebte Begleiter bei Jagdausflügen, Wanderungen oder gesellschaftlichen Anlässen. Die Lederummantelung schützt vor Kälte und verleiht dem Objekt eine edle Anmutung.
Kulturelle Einordnung
Der Flachmann ist ein Symbol für persönliche Freiheit und diskrete Geselligkeit. In der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre war er ein beliebtes Accessoire für Männer – oft verschenkt, gesammelt oder als Statussymbol getragen.
Dieses Exemplar verbindet Funktionalität mit stilvollem Design und erzählt von einer Kultur des Unterwegsseins, von Ritualen des Genusses und von der Wertschätzung handlicher, langlebiger Begleiter. Als Objekt der Alltagskultur steht er zwischen Brauchtum und Mode – ein stiller Zeuge individueller Lebensstile.
Messingfeuerzeug und Zigarillo-Transporthülse – „Feuerzeug & Hülse“
Datierung: ca. 1940er–1960er Jahre
Material: Vollmessing, teils mit Schraub- und Reibmechanik; Gebrauchspatina sichtbar
Herkunft: Mitteleuropa, vermutlich Deutschland oder Frankreich; persönliche Raucherutensilien
Gestaltung und Funktion
Das Ensemble besteht aus zwei Teilen:
- Feuerzeug: Ein kleines, zylindrisches Taschenfeuerzeug aus Messing, mit Reibrad und abnehmbarem Deckel. Die kompakte Bauweise und das robuste Material machen es ideal für den Außeneinsatz – oft als „Grabenfeuerzeug“ bezeichnet, da ähnliche Modelle im Krieg verwendet wurden.
- Transporthülse: Eine ebenfalls zylindrische Messinghülse, passend für einen Zigarillo oder eine kleine Zigarre. Sie schützt den Tabak vor Bruch, Feuchtigkeit und Geruchsaustritt – ideal für die Jackentasche oder das Reisegepäck.
Beide Objekte zeigen deutliche Gebrauchsspuren: Kratzer, dunkle Stellen, leichte Verformungen – Zeichen eines langen, persönlichen Einsatzes.
Kulturelle Einordnung
Dieses Set steht für eine Zeit, in der Rauchen nicht nur Gewohnheit, sondern auch Stil und Ritual war. Das Messingmaterial verleiht den Objekten eine gewisse Würde – sie waren langlebig, reparierbar und oft über Jahre im Gebrauch.
Im Dialekt hätte man sie schlicht als „Feierzeuch“ und „Zigarrehüls“ bezeichnet – vertraut, funktional und mit einem Hauch von Eleganz. Als museale Objekte dokumentieren sie die Verbindung von Tabakkultur, Materialästhetik und persönlicher Ausstattung.
Sie erzählen von Pausen, Gesprächen, Momenten der Ruhe – und von einem Alltag, in dem selbst kleine Dinge aus Messing eine Geschichte trugen.
Esskachelche
– Mehrteiliger Speisenträger aus Metall
Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Aluminium oder verzinntes Blech, Metallbügel mit Holzgriff
Zustand: gebraucht, mit typischer Patina und Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Das sogenannte Esskachelche besteht aus gestapelten, zylindrischen Behältern, die durch einen Metallrahmen mit Tragegriff zusammengehalten werden. Jeder Behälter besitzt einen Deckel und kann separat geöffnet werden.
Diese Konstruktion diente der Mitnahme von warmen oder kalten Speisen, etwa zur Arbeit, Schule oder aufs Feld. Die einzelnen Behälter ermöglichten die Trennung von Suppe, Hauptgericht und Beilage – eine frühe Form der mobilen Mehrgangverpflegung.
Kulturelle Einordnung
Esskachelche waren besonders in ländlichen Regionen verbreitet, wo Menschen lange Wege zur Arbeit oder aufs Feld zurücklegten und auf eine praktische, wiederverwendbare Lösung zur Essensmitnahme angewiesen waren.
Im Dialekt wurde der Behälter liebevoll als „Esskachelche“, „Essbüchs“, „Kachelche“, „Essdösche“ oder „Essträger“ bezeichnet.
Die Speisen wurden oft zuhause frisch gekocht und dann in den Behälter gefüllt – ein Ausdruck von Fürsorge, Planung und familiärer Verbundenheit.
Museale Bedeutung
Dieses Esskachelche dokumentiert die Verbindung von Mobilität, Ernährung und Alltag. Es erzählt von Arbeitswegen, Pausenzeiten und der Kunst, auch unterwegs warm und nahrhaft zu essen.
Als museales Objekt steht es für eine Zeit, in der Essen nicht nur Nährstoff, sondern Heimat zum Mitnehmen war.
Gussofen mit Keramikgriff
– Heizgerät aus dem Wohnbereich
Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Gusseisen, emaillierte Metallteile, Keramikgriff, Rauchrohranschluss
Zustand: gepflegt, mit Gebrauchsspuren und dekorativen Elementen
Gestaltung und Funktion
Der Ofen besteht aus einem ornamentierten Gusskörper mit glänzender Oberfläche, einer Feuertür mit weißem Keramikgriff, einem Aschekasten und einem senkrechten Rauchrohr zur Ableitung der Verbrennungsgase.
Er diente sowohl zur Raumheizung als auch zum Erwärmen von Wasser oder Speisen. Die obere Fläche konnte als Kochstelle genutzt werden, etwa für Kaffeekannen, Töpfe oder Wärmflaschen.
Kulturelle Einordnung
Im Dialekt wurde der Ofen je nach Region als „Stubbofe“, „Schwarzer Herd“, „Kochschdellche“ oder „Feiermaschin“ bezeichnet.
Er war zentraler Bestandteil der Wohnstube oder Küche, spendete Wärme, diente als Treffpunkt und war oft mit Sitzbank, Holzkorb und Ofenplatte kombiniert. Die Bedienung erforderte Erfahrung: Luftzug, Brennmaterial und Reinigung mussten abgestimmt sein.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert die Verbindung von Wärme, Alltag und Gestaltung. Es erzählt von einer Zeit, in der Feuer nicht nur funktional, sondern auch atmosphärisch war – und in der der Ofen Mittelpunkt des familiären Lebens war.
Als museales Objekt steht der Gussofen für eine Kultur, in der Technik und Gemütlichkeit Hand in Hand gingen – und für die Rolle des Ofens als Symbol für Geborgenheit und Verlässlichkeit.
Schlafkammer mit Wärmflasche, Waschgeschirr und Hausaltar
Datierung: frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Materialien: Holz, Keramik, Metall, Textilien, Glas
Zustand: gepflegt, mit originaler Ausstattung und liebevoller Dekoration
Gestaltung und Funktion
Das Ensemble zeigt ein einfaches Einzelbett mit floraler Decke, einem Zierkissen mit Spruchstickerei und einer Metallwärmflasche – typisches Zubehör für kalte Nächte ohne Zentralheizung.
Daneben steht eine Waschkommode mit Spiegel, bestückt mit:
- Keramik-Waschschüssel und Krug
- Engelfigur und Hausaltar
- Zwei Wecker und Pflegeutensilien
- Spiegel mit Blick auf ein Kruzifix
Die Wandgestaltung mit rotem Zierband, das Licht mit Wandlampe, und die Ordnung der Gegenstände zeigen eine liebevoll gepflegte, persönliche Wohnkultur.
Kulturelle Einordnung
Im Dialekt wurde das Zimmer oft als „Schlofkammer“, „Kammerche“, „Stubbe“ oder „Schlofstellche“ bezeichnet.
Es war nicht nur Ort der Ruhe, sondern auch der persönlichen Andacht, Körperpflege und Rückzug. Die Wärmflasche war ein unverzichtbares Hilfsmittel, die Waschschüssel Teil der täglichen Hygiene, und der Hausaltar Ausdruck des Glaubens im Alltag.
Die Kombination aus Funktion und Symbolik zeigt, wie praktische Notwendigkeit und emotionale Geborgenheit ineinandergriffen.
Museale Bedeutung
Dieses Ensemble dokumentiert die Verbindung von Wohnen, Glauben und Fürsorge. Es erzählt von einer Zeit, in der das Schlafzimmer nicht nur Schlafplatz, sondern Lebensraum war – geprägt von Ritualen, Erinnerungen und persönlicher Ordnung.
Als museales Objekt steht die Schlafkammer für eine Kultur, in der das Private sichtbar, gestaltet und geschätzt wurde – und für die Rolle des Raumes als Spiegel der Persönlichkeit und des Alltags.
Zierkissen mit Stickerei
– „Ein Schläfchen nach Tisch
macht heiter und frisch.“
Datierung: spätes 20. Jahrhundert
Material: Baumwollstoff, Stickgarn, Innenfüllung
Technik: Handstickerei in Rot mit floralen Ornamenten
Zustand: gepflegt, mit leichten Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Das Kissen zeigt eine dekorative Stickerei in rotem Garn, ausgeführt in klassischer Schreibschrift, umrahmt von floralen Motiven. Der Spruch „Ein Schläfchen nach Tisch macht heiter und frisch.“ verweist auf eine volkstümliche Lebensweisheit, die Ruhe und Regeneration nach dem Mittagessen empfiehlt.
Solche Kissen wurden oft als Zierobjekte auf Betten, Sofas oder Tagesdecken platziert und verbanden Textilkunst mit familiärer Atmosphäre.
Kulturelle Einordnung
Im Dialekt wurde das Kissen je nach Region als „Schlöffkisse“, „Sprüchkisse“, „Zierdeckche“ oder „Mittagsruhekisse“ bezeichnet.
Es steht für eine Wohnkultur, in der textile Objekte nicht nur funktional, sondern auch emotional und kommunikativ waren – Ausdruck von Fürsorge, Humor und Lebenshaltung.
Die Stickerei war oft Teil familiärer Handarbeit, gefertigt von Großmüttern, Tanten oder als Geschenk zur Hochzeit, Geburt oder Einzug.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert die Verbindung von Sprache, Textil und Alltag. Es erzählt von einer Zeit, in der Lebensweisheiten gestickt statt gepostet wurden – und in der das Zuhause durch solche Details Wärme und Persönlichkeit erhielt.
Als museales Objekt steht das Spruchkissen für eine Kultur, in der Ruhe geschätzt, gestaltet und geteilt wurde – und für die Rolle des Textilen als Träger von Erinnerung und Haltung.
Handgeschmiedetes Doppelriegel‑Schloss mit Geheimmechanismus
Datierung: ca. 1820er–1860er Jahre
Materialien: Schmiedeeisen, Stahlfedern, Nieten, frühe handgefertigte Schlitzschrauben
Herkunft: Mitteleuropa, vermutlich Rheinland
Gestaltung und Funktion
Dieses handgeschmiedete Schloss zeigt die charakteristische Konstruktion der vorindustriellen Schlosserei: eine massive Eisenplatte, individuell geformte Hebel und Federn sowie eine Kombination aus traditionellen Vernietungen und frühen Schlitzschrauben. Die Mechanik ist offen sichtbar und offenbart einen komplexen Doppelriegelaufbau.
Die erste Drehung des Schlüssels bewegt den Hauptriegel, während eine zweite Drehung in gleicher oder entgegengesetzter Richtung einen zusätzlichen Sicherungsriegel aktiviert. Diese Bedienung wird durch eine interne Umschaltklinke ermöglicht und erschwert das gewaltsame Öffnen erheblich.
Eine besondere Geheimfunktion beim Öffnen – nur durch eine spezifische Zusatzbewegung des Schlüssels auslösbar – machte das Schloss für Unbefugte nahezu unüberwindbar. Solche Mechanismen wurden bewusst so gestaltet, dass nur Eingeweihte den korrekten Ablauf kannten.
Schlösser dieser Art wurden nicht an einfachen Türen eingesetzt, sondern dienten der Sicherung wertvoller Inhalte: Dokumenten‑ oder Geldtruhen, kirchliche Schränke, Kassenkästen oder hochwertige Möbelstücke. Die handwerkliche Ausführung und die technische Raffinesse weisen auf eine Werkstatt hin, die traditionelle Schmiedekunst mit frühen industriellen Elementen verband.
Kulturelle Einordnung
Dieses Schloss steht exemplarisch für eine Zeit des Übergangs: Zwischen handwerklicher Einzelanfertigung und beginnender industrieller Fertigung, zwischen regionaler Schmiedetradition und wachsendem Sicherheitsbedürfnis.
Im 19. Jahrhundert wurden Wertgegenstände, wichtige Dokumente und liturgische Objekte häufig in Truhen oder Schränken verwahrt, deren Schutz maßgeblich von der Qualität des Schlosses abhing. Ein Doppelriegel mit Geheimfunktion war Ausdruck von Misstrauen gegenüber einfachen Mechanismen – und zugleich ein Zeichen für den sozialen oder wirtschaftlichen Wert des Verwahrten.
Das vorliegende Exemplar verbindet technische Funktionalität mit handwerklicher Individualität. Es erzählt von einer Kultur des Schutzes und der Vorsicht, von regionalen Schmiedetraditionen und von der Bedeutung sicherer Aufbewahrung im Alltag des 19. Jahrhunderts. Als Objekt der Alltags‑ und Handwerksgeschichte steht es zwischen praktischer Notwendigkeit und kunstvoller Mechanik – ein stiller Zeuge vergangener Sicherheitskultur.
Addiator – Rechnen mit Stift und Schieber
Datierung: vermutlich 1950er–1960er Jahre
Material: Metallgehäuse, Kunststoffschieber, Lederetui, Kartonverpackung
Hersteller: Addiator GmbH, Berlin
Zustand: gebraucht, mit Gebrauchsspuren; Etui und Verpackung erhalten
Gestaltung und Funktion
Der Addiator ist ein mechanisches Rechengerät zur Durchführung von Addition und Subtraktion. Die Vorderseite ist für die Addition, die Rückseite für die Subtraktion ausgelegt. Mit einem kleinen Metallstift werden Zahlen über vertikale Schlitze eingegeben und die Ergebnisse direkt angezeigt – ganz ohne Strom oder Batterie.
Das Gerät besteht aus einem flachen Metallkörper mit nummerierten Schiebern, einem separaten Stiftfach und einem schwarzen Lederetui. Die beigelegte Kartonverpackung trägt einen ovalen Stempel, der auf den Vertrieb oder Händler hinweisen könnte.
Kulturelle Einordnung
Der Addiator steht für die Rechenkultur vor dem Taschenrechner – für Buchhalter, Handwerker, Lehrer und Schüler, die mit mechanischer Präzision Zahlen bewegten.
Als museales Objekt dokumentiert er die Technikgeschichte des Rechnens, die Verbindung von Handarbeit und Kopfrechnen und die stille Eleganz eines Werkzeugs, das in der Jackentasche Platz fand. Er erzählt von Alltag, Genauigkeit und der Freude am Verstehen von Zahlen – ganz ohne Display.
Kellnertasche mit integriertem Wechselgeldspender – Modell „MARL 13“
Datierung: vermutlich mittleres 20. Jahrhundert
Material: Leder, Metall (Messing/Stahl), Kunststoffteile
Prägung: MARL 13
Provenienz: mobiler Kassier- und Servicedienst (Gastronomie, Markt, Fahrkartenverkauf)
Zustand: stark gebraucht, Mechanik und Gurt erhalten
Gestaltung und Funktion
Diese Kellnertasche mit integriertem Wechselgeldspender wurde am Körper getragen und diente der schnellen Bargeldabwicklung. Der breite Ledergurt hält das Gerät sicher am Körper.
Der eingebaute mechanische Münzspender verfügt über vier zylindrische Röhren, aus denen Kleingeld per Schieber oder Daumendruck ausgegeben wurde. Darüber hinaus besitzt die Tasche Fächer für Geldscheine, sodass der Kassierer oder Kellner alle Zahlungsmittel übersichtlich sortiert mitführen konnte.
Die Prägung „MARL 13“ verweist auf das Modell oder die Serie des Herstellers.
Kulturelle Einordnung
Solche Geräte waren typisch für Kellner, Markthändler, Fahrkartenverkäufer, Schausteller oder mobile Dienstleister. Auch in Kettig dürfte man sie bei Kirmes, Bahn oder in der Gastronomie gesehen haben.
Als museales Objekt zeigt die Kellnertasche, wie Bargeld organisiert, transportiert und ausgegeben wurde, bevor elektronische Kassen und Kartenzahlung verbreitet waren. Sie steht für Routine, Geschick und die soziale Rolle jener, die mit Geld hantierten – schnell, zuverlässig und immer mit einem Lächeln.
Bierkiste – Brauereigeschichte zwischen Weißenthurm und Kettig
Datierung: vermutlich 1964 (Kennung B08/64)
Material: Holz, mit 24 Flaschenfächern (4 × 6), seitlicher Prägung
Prägung:
- BRAUEREI-EIGENTUM
- UNVERKÄUFLICH
- NORDRH. WESTF. B08/64
Provenienz: Herkunft aus Nordrhein-Westfalen, vermutlich aus dem Bereich der industriellen Großbrauereien
Zustand: stark gebraucht, mit Spuren von Lagerung und Alterung
Gestaltung und Funktion
Diese Holzbierkiste mit 24 Einzelfächern diente dem Transport und der Lagerung von Bügelflaschen. Die robuste Bauweise und die klare Prägung zeigen, dass sie Teil eines Mehrwegsystems war, wie es in der deutschen Brauwirtschaft üblich war.
Die Kennung „B08/64“ verweist auf eine Registrierung oder Seriennummer, vermutlich aus dem Jahr 1964, und auf die Herkunft aus Nordrhein-Westfalen.
Kulturelle Einordnung
Auch wenn diese Kiste nicht direkt aus Kettig stammt, passt sie gut in die regionale Brauereigeschichte:
Im benachbarten Weißenthurm, einem „Vorort“ von Kettig, existierten bis ins späte 20. Jahrhundert zwei bedeutende Brauereien:
- Brauerei zur Nette
- Gegründet 1849, später unter dem Namen J. Bubser OHG
- Ab den 1970er Jahren Teil der Königsbacher Brauerei, später von der Bitburger Braugruppe übernommen
- Die Marke „Nette Edel Pils“ wird heute in Bitburg gebraut
- Schultheiss-Brauerei Weißenthurm
- Bestand über 150 Jahre, die Gebäude wurden 2020 abgerissen
- Die Brauerei war ein bedeutender Arbeitgeber in der Region
Viele Kettiger Bürger arbeiteten früher in diesen Brauereien, sei es in der Produktion, im Vertrieb oder in der Verwaltung. Die Bierkiste steht somit stellvertretend für die Arbeitswelt und Konsumkultur der Region – auch wenn sie aus einem anderen Bundesland stammt.
Weißenthurm wurde lange als die „3-B-Stadt“ bezeichnet: Bims, Bier und Blech – drei Industriezweige, die das Leben und die Arbeit in der Region prägten. Die Bierkiste ist ein stilles Zeugnis dieser Ära.
Museale Bedeutung
Diese Bierkiste dokumentiert die Materialkultur des Biertransports, die Logistik der Brauwirtschaft und die Verbindung zwischen regionaler Arbeit und überregionaler Produktion.
Sie steht für eine Zeit, in der Bier nicht nur Genussmittel, sondern auch Wirtschaftsfaktor und sozialer Treffpunkt war – und in der Kettig und Weißenthurm durch Arbeit, Dialekt und Durst miteinander verbunden waren.
Grüner Kleiderschrank mit Widmung – Ein Weihnachtsgeschenk für Oswald, 1934
Datierung: ursprünglich 1934, grün bemalt vermutlich Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts
Material: Holz, außen grün gestrichen, innen naturbelassen
Typ: zweitüriger Kleiderschrank mit Einlegeboden, Kleiderstange und Sockel
Provenienz: aus einem privaten Haushalt, mit familiärer Widmung
Zustand: gut erhalten, mit Gebrauchsspuren, liebevoll dekoriert mit Stofftieren und persönlichen Gegenständen
Gestaltung und Funktion
Der Schrank ist ein klassisches Möbelstück der Zwischenkriegszeit, schlicht und funktional. Die grüne Lackierung wurde vermutlich erst Jahrzehnte später aufgetragen – ein Zeichen für Wertschätzung und Weiterverwendung.
Im Inneren befindet sich eine handgeschriebene Widmung, vermutlich mit folgendem Wortlaut:
„Meinem Sohn Oswald zu seinem 16. Weihnachtsfeste. f. oder l. Mutter ???bata geb. Wald. 25.12.34“
Die Inschrift ist nicht vollständig lesbar, doch sie deutet auf ein persönliches Geschenk einer Mutter an ihren Sohn Oswald hin – zum 16. Weihnachtsfest am 25. Dezember 1934.
Kulturelle Einordnung
Dieser Schrank ist mehr als ein Möbelstück – er ist ein familiäres Zeugnis. Die Widmung im Inneren verleiht ihm eine biografische Tiefe, die sich mit der Geschichte des Hauses, der Familie und der Zeit verbindet.
Die spätere grüne Bemalung zeigt, dass der Schrank über Generationen hinweg genutzt und gepflegt wurde – ein Zeichen für Beständigkeit und emotionale Bindung.
Museale Bedeutung
Der Schrank dokumentiert die Materialkultur des privaten Wohnens, die sprachliche und emotionale Ausdrucksform familiärer Bindung, und die Spuren individueller Geschichte in einem Objekt des Alltags.
Er steht für eine Zeit, in der Möbel nicht nur gekauft, sondern geschenkt, beschrieben und mit Bedeutung versehen wurden – und in der ein einfacher Schrank zum Träger von Erinnerung und Zuneigung wurde.
Aussteuertruhe von Oma Julchen
– Sitzbank mit Geschichte
Datierung: um 1935, im Zusammenhang mit der Hochzeit von Julchen (1912–1985)
Material: Holz, mit sichtbaren Zinkungen, Schlossöffnung, gepolsterter Sitzfläche
Typ: Aussteuertruhe, später umfunktioniert zur Sitzbank
Zustand: gut erhalten, mit Gebrauchsspuren und wohnlicher Umgestaltung
Gestaltung und Funktion
Diese massive Holztruhe wurde ursprünglich als Aussteuertruhe genutzt – ein Möbelstück, in dem junge Frauen ihre Wäsche, Textilien und Haushaltsgegenstände für die Ehe sammelten.
Die Truhe stammt aus dem Besitz von Julchen, geboren 1912, verheiratet 1935. Sie steht damit exemplarisch für eine Generation, in der die Ehe mit einem klaren häuslichen Neuanfang verbunden war – und die Aussteuertruhe ein zentrales Symbol für diesen Übergang.
Die sichtbaren Zinkungen an den Ecken und die Schlossöffnung auf der Vorderseite zeugen von handwerklicher Qualität und sicherer Verwahrung.
Heute dient die Truhe als Sitzbank, ausgestattet mit einer gepolsterten Auflage und dekorativen Kissen. Besonders auffällig sind die runden Kissen in Steinoptik, die der Truhe eine moderne, verspielte Note verleihen und zugleich Ruhe und Gewicht symbolisieren.
Kulturelle Einordnung
Die Aussteuertruhe war über Generationen hinweg ein zentraler Bestandteil der häuslichen Vorbereitung auf die Ehe. Sie steht für Fürsorge, Planung und familiäre Übergänge.
In Kettig und Umgebung gehörten solche Truhen zur Ausstattung vieler Haushalte. Sie wurden oft von Eltern oder Großeltern übergeben – in diesem Fall von Oma Julchen, deren Lebensdaten (1912–1985) und Hochzeit im Jahr 1935 der Truhe eine konkrete biografische Verankerung geben.
Die spätere Umgestaltung zur Sitzbank zeigt, wie Tradition und Gegenwart sich verbinden: Die Truhe bleibt erhalten, wird aber anders genutzt und neu inszeniert.
Museale Bedeutung
Diese Truhe dokumentiert die Materialkultur des privaten Lebens, die Verbindung von Familiengeschichte, Handwerk und Wandel.
Sie steht für eine Zeit, in der Möbel nicht nur funktional, sondern emotional aufgeladen waren – und in der ein einfacher Holzbehälter zum Symbol für Fürsorge, Übergang und Erinnerung wurde.
Aussteuertruhe „E.A.L. 1875“
– Dachbodenfund aus der Weißenthurmer Straße
Datierung: ursprünglich 1875, Initialen und Jahreszahl später mit schwarzer Tusche rekonstruiert
Material: Holz mit Zinkungen, Schlossöffnung, beidseitig handgeschmiedete Eisenbeschläge
Typ: Aussteuertruhe, später als TV-Unterbau genutzt
Fundort: Dachboden des Hauses Kreier, Weißenthurmer Straße, das Haus gehörte früher der Familie Loos
Zustand: stark gebraucht, mit Patina, wohnlich umfunktioniert
Gestaltung und Funktion
Diese massive Holztruhe stammt aus dem Jahr 1875, wie die rekonstruierten Initialen „E.A.L.“ und die Jahreszahl auf der Frontseite belegen. Die Beschriftung wurde nachträglich mit schwarzer Tusche erneuert, vermutlich zur besseren Lesbarkeit und zur Würdigung der Herkunft.
Die Truhe zeigt handwerkliche Zinkungen, eine zentrale Schlossöffnung und an beiden Seiten handgeschmiedete Eisenbeschläge mit Griffen, die ursprünglich dem Tragen und Transport dienten. Die Schmiedearbeit verleiht dem Stück eine robuste, ehrliche Ästhetik und verweist auf die regionale Handwerkskultur des 19. Jahrhunderts.
Heute wird die Truhe als TV-Unterbau genutzt – ein Beispiel für die Verbindung von Alt und Neu, bei der moderne Technik auf historische Substanz trifft.
Kulturelle Einordnung
Aussteuertruhen waren im 19. Jahrhundert ein zentraler Bestandteil familiärer Übergänge. Sie wurden oft zur Hochzeit übergeben und begleiteten die Besitzerin ein Leben lang.
Der Fund auf dem Dachboden des Hauses Kreier in der Weißenthurmer Straße verleiht dem Objekt eine lokale Verankerung. Es steht für die Wohnkultur und Lebensrealität der damaligen Zeit – und für die Spuren, die über Generationen hinweg erhalten bleiben.
Museale Bedeutung
Diese Truhe dokumentiert die Materialkultur des Wohnens und der familiären Übergänge. Sie verbindet biografische Tiefe, handwerkliche Qualität und zeitgenössische Nutzung.
Als Dachbodenfund und heutiges Möbelstück zeigt sie, wie Vergangenheit weiterlebt – nicht im Archiv, sondern im Alltag.
Rhön-Schrank
– Bauernmöbel mit Charakter und Qualität
Datierung: vermutlich spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert
Material: Eiche (Gefachungen, Eckverzierungen, Mittelmotiv), weitere Hölzer
Typ: rustikaler Bauernschrank, heute als Wohnzimmerschrank genutzt
Provenienz: Rhön-Region
Zustand: fachgerecht restauriert, mit originaler Substanz
Gestaltung und Funktion
Dieser großformatige Bauernschrank aus der Rhön vereint rustikale Ausstrahlung mit handwerklicher Raffinesse. Die Gefachungen, die Eckverzierungen und das Blumenmotiv in der Mitte sind aus Eiche gearbeitet – ein Material, das für einfache Bauernmöbel eher untypisch ist und auf besondere Wertigkeit hinweist.
Die Konstruktion in Holzkeilbauweise ist ein echtes Qualitätsmerkmal: Der Schrank kommt gänzlich ohne Nägel oder Schrauben aus und lässt sich teilweise zerlegen – ein großer Vorteil bei Transport und Aufstellung.
Zerlegbar sind Seitenteile, Türen, Mittelsteg und Rückwand, während der untere Teil mit kleinen Türen und der obere Aufsatz fest verbunden sind, aber dennoch gut zu bewegen. Mit einer Höhe von etwas über zwei Metern ist das Möbel imposant, aber wohnlich.
Kulturelle Einordnung
Solche Schränke waren in ländlichen Regionen zentraler Bestandteil der Wohnkultur – oft als Aufbewahrungsort für Wäsche, Geschirr oder Vorräte. Die Verwendung von Eiche und die aufwendige Gestaltung deuten auf ein besonders geschätztes Stück, das möglicherweise zur Aussteuer oder als repräsentatives Möbel angeschafft wurde.
Die Rhön-Provenienz macht den Schrank heute besonders gefragt – regional verwurzelt, stilistisch eigenständig und von Sammlern geschätzt.
Museale Bedeutung
Dieser Schrank dokumentiert die Materialkultur des Wohnens, die Verbindung von Handwerk, Regionalstil und Alltagstauglichkeit.
Er zeigt, wie Qualität und Funktion sich ergänzen – und wie ein Möbelstück über Generationen hinweg seinen Platz im Leben und im Raum behauptet. Die behutsame Restaurierung bewahrt die Geschichte, ohne sie zu überformen: Ein Bauernschrank mit Haltung.
Fensterladen – Schutz, Farbe und Fachwerk
Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Holz, Eisenbeschläge
Typ: Fensterladen, original montiert am Fachwerkhaus
Fundort: Hauptstraße in Kettig
Zustand: gebraucht, mit Patina und originaler Farbgebung
Gestaltung und Funktion
Dieser rote Fensterladen stammt aus einem Fachwerkhaus in der Hauptstraße von Kettig und zeigt die typische Verbindung von praktischem Nutzen und regionaler Gestaltung.
Er besteht aus vertikalen Holzplanken, verstärkt durch diagonale und horizontale Querleisten, und ist mit schwarzen Eisenbändern befestigt. Die Konstruktion ist robust, wetterfest und für jahrzehntelangen Einsatz geschaffen.
Die rote Farbe setzt einen lebendigen Akzent im Zusammenspiel mit dem weiß verputzten Gefach und den dunklen Balken – ein klassisches Bild der Kettiger Fachwerkarchitektur.
Kulturelle Einordnung
Fensterläden wie dieser dienten dem Wetterschutz, der Belüftung und der Privatsphäre, waren aber zugleich ein sichtbarer Ausdruck von Hauspflege und regionaler Identität.
Das zugehörige Fachwerkhaus wurde vom Enkel des ehemaligen Besitzers liebevoll restauriert, um es für kommende Generationen zu bewahren. Damit steht der Fensterladen nicht nur für traditionelle Bauweise, sondern auch für familiäre Verbundenheit, Verantwortung und gelebte Ortsgeschichte.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert die Materialkultur des Bauens und Bewahrens. Es zeigt, wie ein alltägliches Bauteil zum Zeugen von Handwerk, Heimat und familiärer Kontinuität wird.
Der Fensterladen ist nicht nur ein Stück Holz mit Farbe – er ist ein Fragment gelebter Kettiger Geschichte, getragen von Menschen, die ihr Erbe nicht nur besitzen, sondern pflegen und weitergeben.
Brief- und Feinwaage – Wiegen mit Präzision
Datierung: vermutlich Mitte 20. Jahrhundert
Hersteller: Arca, Modell 125
Material: Metallgehäuse mit mechanischem Zeigerwerk
Typ: Brief- und Feinwaage
Bezeichnung in Kettiger Platt: Breefwoch
Zustand: gebraucht, mit Patina und funktionierendem Mechanismus
Gestaltung und Funktion
Die Breefwoch ist eine kompakte, mechanische Waage mit fein abgestufter Skala in Gramm und Unzen. Ihr sensibler Zeiger reagiert auf kleinste Gewichtsveränderungen und machte sie ideal für das Wiegen von Briefen, kleinen Päckchen oder feinen Mengen im Haushalt.
Das Modell Arca 125 steht für robuste, langlebige Mechanik: ein solides Metallgehäuse, ein klar ablesbares Zifferblatt und ein präziser Federmechanismus im Inneren.
Kulturelle Einordnung
Bevor digitale Waagen den Alltag prägten, war die Brief- oder Feinwaage ein unverzichtbares Werkzeug im Haushalt oder im Büro.
Sie half beim Portoabgleich oder beim Abwiegen von Zutaten.
Der Dialektname „Breefwoch“ zeigt, wie selbstverständlich solche Geräte im sprachlichen und praktischen Alltag der Kettijer verankert waren.
Museale Bedeutung
Die Breefwoch dokumentiert die Materialkultur der Kommunikation, Genauigkeit und Haushaltsführung.
Sie steht für eine Zeit, in der Gewicht noch sichtbar, mechanisch und haptisch bestimmt wurde – ein Zusammenspiel aus Zeiger, Feder und Skala.
Sie ist ein kleines, aber präzises Werkzeug, das Ordnung, Sorgfalt und Genauigkeit im Alltag verkörperte.
Klemmbrett F. Soennecken Nr. 169
– Schreibkultur für den Arbeitsalltag
Datierung: vermutlich 1930er–1950er Jahre
Hersteller: F. Soennecken, Bonn
Material: Hartpappe mit dekorativer Oberfläche, Metallklemme
Typ: Schreib‑ und Unterlagebrett für Formulare, Notizen und Listen
Zustand: deutlich gebraucht, mit Patina, Abrieb und gealterter Oberfläche
Gestaltung und Funktion
Das Klemmbrett besteht aus einer stabilen Hartpappe, deren Oberfläche mit einem ornamentalen Muster versehen ist – typisch für Soennecken‑Produkte, die Funktionalität mit einem Hauch von Eleganz verbanden.
Die Metallklemme am oberen Rand ist robust gearbeitet und trägt die charakteristische Formensprache des Herstellers. Sie diente dazu, Loseblattsammlungen, Formulare oder Schreibpapier sicher zu fixieren – im Büro, im Lager, in der Werkstatt oder unterwegs.
Kulturelle Einordnung
Soennecken war einer der bedeutendsten deutschen Hersteller für Schreibwaren, Büroartikel und Organisationssysteme.
Ein Klemmbrett wie dieses steht für eine Zeit, in der Schriftverkehr, Aktenführung und handschriftliche Notizen den Arbeitsalltag prägten.
Es war ein unverzichtbares Werkzeug für Handwerker, Lehrer, Büroangestellte, Verkäufer und Außendienstler – überall dort, wo man mobil schreiben oder Dokumente griffbereit halten musste.
Museale Bedeutung
Das Klemmbrett dokumentiert die Materialkultur des Schreibens und Organisierens.
Es zeigt, wie analoge Arbeitsmittel gestaltet waren, bevor digitale Geräte diese Aufgaben übernahmen.
Die sichtbaren Gebrauchsspuren erzählen von jahrelanger Nutzung, von Arbeitsroutinen, Listen, Notizen und Entscheidungen, die darauf festgehalten wurden.
Ein kleines, aber aussagekräftiges Objekt der Büro‑ und Alltagsgeschichte.
Tintenlöscher
– Schreiben in der Zeit der Füllfedern
Datierung: vermutlich frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
Material: Holzgriff, Holzsockel, gewölbte Unterseite mit Löschpapier
Typ: Tintenlöscher / Löschwiege
Zustand: gut erhalten, mit sichtbarer Patina und Gebrauchsspuren
Gestaltung und Funktion
Der Tintenlöscher besteht aus einem abgerundeten Holzgriff, der angenehm in der Hand liegt, und einem rechteckigen Holzsockel, dessen Unterseite leicht gewölbt ist. Dort wurde ein Stück Löschpapier befestigt, das überschüssige Tinte von frisch geschriebenen Zeilen aufnahm.
Durch sanftes Hin‑ und Herwiegen über das Papier wurde die Tinte gebunden, ohne das Schriftbild zu verwischen – ein unverzichtbares Werkzeug in der Zeit der Füllfederhalter, Stahlfedern und Tintenfässer.
Kulturelle Einordnung
Bevor Kugelschreiber und moderne Tintenroller den Alltag eroberten, gehörte ein Tintenlöscher zu jedem Schreibpult, Schulranzen und Büroarbeitsplatz.
Er steht für eine Epoche, in der Schreiben noch ein handwerklicher Vorgang war: mit Feder, Tinte, Sorgfalt und Geduld.
Solche Löschwiegen waren alltägliche Begleiter in Schulen, Verwaltungen, Haushalten und Werkstätten – überall dort, wo handschriftliche Dokumente entstanden.
Museale Bedeutung
Der Tintenlöscher dokumentiert die Materialkultur des Schreibens und zeigt, wie eng Technik, Handwerk und Alltag miteinander verbunden waren.
Die Gebrauchsspuren erzählen von vielen geschriebenen Seiten, von Briefen, Listen, Schulheften und Notizen.
Ein kleines, aber bedeutendes Objekt, das die Ästhetik und Praxis des analogen Schreibens lebendig macht.
Drei Deckenleuchten
– Lichtkultur im Wandel der Zeit
Datierung: vermutlich 1950er–1970er Jahre
Material: Glas, Metall, Textilkabel bzw. Kordel
Typ: Deckenpendelleuchten in unterschiedlichen Stilrichtungen
Zustand: funktionsfähig, mit Gebrauchsspuren und Patina
Gestaltung und Funktion
Die drei Leuchten zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig Wohnraumbeleuchtung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gestaltet wurde:
- Leuchte 1: Glaslampe mit gewelltem Rand, aufgehängt an einem schwarzen Kabel, das pragmatisch verknotet wurde – ein typisches Beispiel für improvisierte, aber langlebige Alltagslösungen.
- Leuchte 2: Warm getönter, marmorierter Glasschirm, getragen von einer dekorativen Kordel. Diese Leuchte verbindet rustikale Elemente mit eleganter Formgebung.
- Leuchte 3: Klare, gerippte Glasglocke an einer stabilen Metallstange – sachlich, funktional und im Stil der 1960er/70er Jahre, als industriell anmutende Formen in Wohnräumen modern wurden.
Alle drei Lampen sind Pendelleuchten, die das Licht nach unten bündeln und damit ideal für Tische, Arbeitsbereiche oder zentrale Räume geeignet waren.
Kulturelle Einordnung
Deckenleuchten wie diese prägten über Jahrzehnte hinweg das Lichtbild deutscher Wohnhäuser.
Sie spiegeln:
- Materialtrends (Glas, Metall, Textilkordeln)
- Wohnstile (rustikal, modern, funktional)
- Alltagspraktiken (Reparieren, Weiterverwenden, Anpassen)
Solche Lampen waren oft langlebige Begleiter eines Hauses – sie wurden nicht nach Mode, sondern nach Zweckmäßigkeit ausgewählt und blieben häufig über Generationen hängen.
Museale Bedeutung
Die drei Leuchten dokumentieren die Entwicklung der Wohnraumgestaltung und zeigen, wie sich Geschmack, Technik und Materialien im Laufe der Zeit verändert haben.
Sie stehen für eine Epoche, in der Beleuchtung nicht nur funktional war, sondern auch Atmosphäre, Wärme und Identität eines Raumes prägte.
Gemeinsam bilden sie ein kleines Panorama der Lichtkultur des 20. Jahrhunderts.
Kastenschloss mit Schlüssel
– Handwerkliche Türsicherung aus vergangener Zeit
Datierung: vermutlich 19. Jahrhundert bis frühes 20. Jahrhundert
Material: Eisenblech, handgeschmiedete Mechanik, später ergänzte Schrauben
Typ: Kastenschloss mit außenliegendem Schlosskasten und Bartschlüssel
Zustand: gut erhalten, mit deutlicher Patina und späteren Veränderungen
Gestaltung und Funktion
Das Schloss besteht aus einem rechteckigen Eisenkasten, der außen auf der Tür montiert wurde. Die Mechanik ist handgeschmiedet, was sich an den unregelmäßigen Formen, der Materialstärke und der sichtbaren Bearbeitung zeigt.
Der Bartschlüssel ist groß und flach gearbeitet – typisch für ältere Schlossgenerationen.
Die Verriegelung erfolgt über einen Schubriegel, der durch Drehen des Schlüssels bewegt wird. Zusätzlich besitzt das Schloss einen manuell bedienbaren Hebel, mit dem sich die Tür auch ohne Schlüssel verriegeln oder öffnen ließ.
Auffällig sind die Kreuzschlitzschrauben, die das Schloss heute halten. Diese sind nicht original, da Kreuzschlitz erst ab den 1930er/40er Jahren verbreitet wurde. Ursprünglich wären Schlitzschrauben oder geschmiedete Nägel verwendet worden.
Kulturelle Einordnung
Kastenschlösser dieser Art waren weit verbreitet in:
- Wohnhäusern
- Scheunen
- Ställen
- Werkstätten
Sie boten eine robuste, einfache und langlebige Sicherung.
Solche Schlösser wurden oft über Jahrzehnte genutzt und bei Bedarf repariert oder mit neuen Schrauben befestigt – ein typisches Beispiel für die Pragmatik des ländlichen Alltags.
Der große Schlüssel zeigt, wie sich Sicherheitstechnik früher auf Mechanik, Materialstärke und handwerkliche Präzision stützte, lange bevor Zylinderschlösser und moderne Schließsysteme üblich wurden.
Museale Bedeutung
Dieses Kastenschloss dokumentiert die Alltagskultur des Wohnens und Arbeitens.
Es zeigt, wie Türen gesichert wurden, wie Handwerker Schlösser bauten und wie solche Objekte im Laufe der Zeit weiterverwendet und angepasst wurden.
Die später eingesetzten Kreuzschlitzschrauben erzählen eine zusätzliche Geschichte:
Sie zeigen, wie historische Objekte im Alltag „überlebt“ haben, indem man sie mit modernen Mitteln funktionsfähig hielt.
Ein authentisches Stück regionaler Bau‑ und Handwerksgeschichte.
Zwei Kastenschlösser mit Schlüsseln
Datierung: 19. Jahrhundert bis frühes 20. Jahrhundert (nicht näher datiert)
Material: Eisen, Messing; handwerkliche Fertigung
Typ: links: Kastenschloss mit Schiebeschild; rechts: Vorhängeschloss NADEEM LOCK 5 LEVERS mit Klappschutz für das Schlüsselloch
Zustand: originaler Befestigungszustand; deutliche Patina und Gebrauchsspuren; keine modernen Ergänzungen
Linkes Schloss — Prägung 2 TOUR
Bezeichnung: Prägung „2 TOUR“
Funktion: Bedienhinweis: das Schloss wird durch zwei vollständige Umdrehungen des Schlüssels auf- bzw. abgeschlossen.
Besonderheit: Über dem Schlüsselloch lässt sich ein kleines Messingschildchen seitlich über das Loch schieben; dieser Schiebeschutz diente dem Verschluss des Schlüssellochs gegen Schmutz und Witterung.
Herkunft: Form, Sprache und Typologie deuten auf französische Herkunft.
Merkmale: Kastenschlossbauweise mit außenliegendem Schlosskasten und großem Bartschlüssel; robuste handwerkliche Ausführung; sichtbare Gebrauchsspuren.
Rechtes Schloss — Prägung NADEEM LOCK 5 LEVERS, Nr. 1820
Bezeichnung: Prägung „NADEEM LOCK 5 LEVERS“; zusätzlich Nummer 1820 eingestanzt.
Funktion: Hebelmechanik mit fünf Hebeln (5 levers) — Hinweis auf die innere Verriegelungsbauart und das Sicherheitsniveau.
Besonderheit: Das Schlüsselloch ist durch ein klappbares Messingschild geschützt; der Klappmechanismus verhindert Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit und ist Teil der ursprünglichen Konstruktion.
Herkunft: Schreibweise, Typologie und technische Ausführung deuten auf englische Fertigung oder einen englischen Hersteller.
Nummer: Die eingestanzte 1820 ist als Herstellungs‑, Modell‑ oder Serienkennzeichnung zu lesen; sie ist nicht automatisch als Herstellungsjahr zu interpretieren.
Merkmale: Massiver Metallkörper, robuste Hebelmechanik, zugehöriger Bartschlüssel; Gebrauchsspuren und Patina belegen langjährige Nutzung.
Kontext und Museale Bedeutung
Beide Schlösser veranschaulichen die Praxis historischer Schließtechnik: direkte Prägungen vermitteln Bedienhinweis und technische Information am Objekt selbst; Schutzvorrichtungen am Schlüsselloch zeigen die Bedeutung von Witterungs‑ und Schmutzschutz für die Funktionstüchtigkeit. Die Kombination eines vermutlich französischen und eines englischen Fabrikats in einer Sammlung spiegelt Handelswege, Austausch und die Verfügbarkeit unterschiedlicher Fabrikate in ländlichen Regionen wider. Als Objekte der Alltagsgeschichte dokumentieren sie Materialkultur, Reparaturpraxis und langjährige Nutzung.
Porzellangriff „ZIEHEN“
– Zuggriff einer historischen Toilettenspülung
Datierung: spätes 19. Jahrhundert bis frühes 20. Jahrhundert
Material: glasiertes Porzellan, Metallkette
Typ: Zuggriff eines Hochspülkastens (Toilettenspülung)
Zustand: gut erhalten; klare Beschriftung, feine Gebrauchsspuren, originale Kettenbefestigung
Gestaltung und Funktion
Der Griff besteht aus weiß glasiertem Porzellan, verziert mit schwarzen, ornamental geschwungenen Linien, wie sie für Sanitärkeramik um 1900 typisch waren.
Die zentrale Beschriftung „ZIEHEN“ weist eindeutig auf die Bedienung hin: Durch Ziehen an der Kette wurde der Hochspülkasten ausgelöst, der das Wasser von oben in die Toilette leitete.
Solche Porzellangriffe waren Standard bei:
- Hochhängenden Spülkästen in Wohnhäusern
- Gasthöfen und Bahnhöfen
- Städtischen Mietshäusern der Gründerzeit
- Sanitärräumen mit früher Wasserinstallation
Porzellan war hygienisch, langlebig und ließ sich gut reinigen — ein wichtiges Kriterium im frühen Sanitärwesen.
Kulturelle Einordnung
Der Griff steht für eine Phase, in der moderne Sanitärtechnik in Haushalte und öffentliche Gebäude einzog.
Hochspülkästen waren damals der technische Standard, und der Porzellangriff war das sichtbare, täglich genutzte Bedienelement.
Die dekorative Gestaltung zeigt, dass selbst funktionale Objekte im Alltag ästhetisch gestaltet wurden — ein typisches Merkmal der Zeit um 1900, in der selbst Gebrauchsgegenstände eine gewisse Eleganz tragen durften.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt dokumentiert den Wandel der Hygiene‑ und Sanitärkultur:
- den Übergang von einfachen Aborten zu wasserbasierten Spülsystemen
- die Verbreitung von Sanitärtechnik im privaten und öffentlichen Raum
- die Verbindung von Funktion, Material und Gestaltung
Der Porzellangriff ist ein kleines, aber aussagekräftiges Zeugnis der Alltagsgeschichte, das zeigt, wie technische Innovationen im häuslichen Umfeld sichtbar wurden.
Mid‑Century Tisch – Wohnkultur der 1950er bis 1970er Jahre
Der Tisch ist ein charakteristisches Beispiel für das Mid‑Century‑Design, das Funktionalität, klare Linien und einen bewussten Materialmix verbindet. Die Kombination aus einer warmen Holzplatte und einem schlichten Metallgestell entspricht genau der Ästhetik dieser Epoche – modern, leicht, praktisch und vielseitig einsetzbar.
Gestaltung, Maße und Technik
Der Tisch vereint typische Mid‑Century‑Elemente mit einer für die Zeit bemerkenswerten technischen Ausstattung:
- Tischplatte: 60 × 130 cm
- Seitliche Erweiterungen: je 20 cm, einzeln ausziehbar
- Höhenverstellung: von 56 cm bis 78 cm, stufenlos bzw. individuell regulierbar
- Materialien: Holzplatte, Holzfurnier mit sichtbarer Maserung, schwarzes Metallgestell
- Mechanik: unterseitige Kurbel‑ bzw. Hebelmechanik zur Höhenverstellung
Die Kombination aus Ausziehfunktion und Höhenverstellbarkeit macht den Tisch zu einem echten Multifunktionsmöbel – nutzbar als Wohnzimmertisch, Arbeitstisch, Esstisch oder Spieltisch.
Altersbedingte Gebrauchsspuren zeigen, dass der Tisch über Jahrzehnte im Einsatz war und damit ein authentisches Objekt der Alltagskultur ist.
Kultureller Kontext
Mid‑Century‑Möbel spiegeln den gesellschaftlichen Wandel der Nachkriegszeit:
- neue Wohnformen mit flexiblen Möbeln
- der Wunsch nach Leichtigkeit statt massiver Gründerzeitmöbel
- technische Innovationen im Möbelbau
- skandinavische und amerikanische Einflüsse
- Fokus auf Alltagstauglichkeit und klare Formen
Ein Tisch wie dieser war ideal für Familien, die ihren Wohnraum flexibel nutzen mussten – Essen, Arbeiten, Spielen, Gäste bewirten.
Museale Bedeutung
Für das virtuelle Museum passt der Tisch hervorragend in die Rubrik:
„Haushalt & Alltagskultur / Wohnen & Einrichten“
Er dokumentiert:
- den Stilwandel der Nachkriegszeit
- die Hinwendung zu modernen, funktionalen Möbeln
- den Einfluss des internationalen Designs auf den ländlichen Alltag
- die zunehmende Mechanisierung und Variabilität im Möbelbau
Damit ist er ein authentisches Beispiel für die Wohnästhetik einer ganzen Epoche.
Geldspange mit zusammengerolltem Bündel Hundert‑Mark‑Scheine (1908)
– Ein konserviertes Wertpaket der Kaiserzeit
Dieses Objekt besteht aus einem kompletten Bündel Hundert‑Mark‑Banknoten von 1908, das sorgfältig zusammengerollt und mit einer Geldspange fixiert wurde. In dieser Form wirkt es wie ein persönliches Wertpaket – ein Stück gelebter Finanzgeschichte, das weit über den einzelnen Schein hinausgeht.
Historischer Kontext
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war die 100‑Mark‑Note ein hoher Wert, der im Alltag kaum genutzt wurde. Ein ganzer Bündel solcher Scheine deutet auf:
- geschäftliche Transaktionen
- Vermögensaufbewahrung
- private Rücklagen wohlhabender Haushalte
Die Geldspange zeigt, dass der Bündel bewusst zusammengehalten und geschützt wurde – ein Hinweis auf persönlichen Besitz, Ordnungssinn und den hohen Stellenwert von Bargeld in der Kaiserzeit.
Bedeutung der Geldspange
Die Geldspange selbst ist ein kleines, aber aussagekräftiges Detail:
- Sie diente der sicheren Fixierung größerer Bargeldmengen
- Sie verhinderte das Auseinanderfallen oder Verlieren einzelner Scheine
- Sie verleiht dem Objekt eine authentische, alltagsnahe Note
- Sie zeigt, wie Geld tatsächlich transportiert und verwahrt wurde
In musealer Präsentation macht die Spange sichtbar, dass es sich nicht um ein zufällig erhaltenes Konvolut handelt, sondern um ein bewusst gebündeltes Wertobjekt.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt ist besonders aussagekräftig, weil es:
- Geldgeschichte und Alltagsleben miteinander verbindet
- den Umgang mit größeren Bargeldsummen um 1900 zeigt
- die Wertschätzung und Ordnungskultur der Kaiserzeit widerspiegelt
- ein selten erhaltenes Ensemble darstellt, da die meisten Bündel später getrennt wurden
Es ist ein faszinierendes Stück materieller Kultur – ein Blick in die Welt, in der Bargeld nicht nur Zahlungsmittel war, sondern ein sichtbares Zeichen von Wohlstand und Sicherheit.
Holz‑Karteikasten mit verstellbarer Innenmechanik
Kategorie: Büro
Dieser industriell gefertigte Holz‑Karteikasten diente der geordneten Ablage von Karteikarten, Formularen oder kleinen Dokumenten. Das Objekt stammt aus einer Zeit, in der analoge Registratursysteme den Büroalltag prägten und robuste Holzbehälter Standard waren.
Beschreibung des Objekts
Der Kasten besitzt:
- einen klappbaren Deckel mit Metallverschluss
- eine Metallplatte im Inneren, die über ein Schlitzsystem im Boden verschoben und in verschiedenen Positionen fixiert werden kann
Diese verstellbare Platte diente dazu:
- die Tiefe des Innenraums anzupassen
- die Karten geordnet an einer definierten Stelle abzulegen
- das Verrutschen oder Verkanten zu verhindern
Damit war der Kasten flexibel einsetzbar – ein praktisches Organisationsmöbel für Büros, Werkstätten, Verwaltungen oder Vereine.
Funktion im Büroalltag
Typische Einsatzbereiche:
- Karteikarten (Kunden‑, Patienten‑, Material‑ oder Inventarkarten)
- Arbeits‑ oder Meldezettel
- kleine Formulare
- interne Ablage von Notizen oder Belegen
Die verstellbare Innenmechanik zeigt, dass der Kasten für regelmäßige Nutzung und variable Anforderungen konzipiert war.
Museale Bedeutung
Der Karteikasten steht exemplarisch für:
- die analoge Büroorganisation vor der Digitalisierung
- die Materialkultur des 20. Jahrhunderts
- die Bedeutung von Karteisystemen für Verwaltung und Dokumentation
- funktionale Serienmöbel, die in vielen Betrieben jahrzehntelang im Einsatz waren
Er ist ein authentisches Objekt aus einer Zeit, in der Informationen noch physisch sortiert, abgelegt und strukturiert wurden – und in der solche Kästen das Rückgrat der Büroarbeit bildeten.
Wand‑Öllampen mit Spiegelreflektor
(spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert)
Kategorie: Beleuchtung & Alltagskultur – Vorindustrielle und frühindustrielle Haushalte
Diese beiden Wand‑Öllampen stammen aus der Zeit zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und repräsentieren eine typische Form der häuslichen Beleuchtung, wie sie in vielen Haushalten – auch in Kettig – bis zur Elektrifizierung üblich war. Die Lampen bestehen aus einem Glasbehälter für Lampenöl, einem Messingbrenner mit Dochtmechanik, einem klaren Glaszylinder (Schornstein) und einem runden Spiegelreflektor, der das Licht verstärkt und in den Raum zurückwirft.
Gestaltung & Aufbau
Ölbehälter
- aus farbigem, meist grünem Pressglas
- gerippte oder profilierte Form zur besseren Griffigkeit
- diente als Vorratsbehälter für Petroleum oder Lampenöl
Brenner
- aus Messing gefertigt
- mit seitlichem Stellrad zur Regulierung der Dochtlänge
- typische Flachdocht‑Mechanik der Zeit
Glaszylinder
- klarer, hoher Schornstein
- schützt die Flamme vor Zugluft
- verbessert den Luftzug und sorgt für gleichmäßiges Brennen
Spiegelreflektor
- runder, leicht gewölbter Spiegel
- verstärkt die Lichtausbeute erheblich
- diente zugleich als Brandschutz für die Wand
- häufig in Küchen, Fluren oder Ställen verwendet
Funktion & Nutzung im Alltag
Solche Wandlampen waren:
- Alltagsbeleuchtung in Wohnräumen, Küchen und Fluren
- Arbeitslicht in Ställen, Werkstätten und Vorratsräumen
- oft an festen Plätzen montiert, wo man zuverlässiges Licht benötigte
Der Spiegelreflektor war besonders praktisch, da er:
- das Licht bündelte,
- den Raum heller machte,
- und die Lampe energiesparender wirken ließ.
In vielen Haushalten blieb diese Art von Beleuchtung bis in die 1950er Jahre in Gebrauch, besonders in ländlichen Regionen.
Datierung
Die Kombination aus:
- Pressglasbehälter
- Messingbrenner
- Spiegelreflektor
- Wandhalterung
weist auf eine Herstellung zwischen ca. 1880 und 1930 hin.
Museale Bedeutung
Diese beiden Wand‑Öllampen sind wertvolle Zeugnisse für:
- die Beleuchtungskultur vor der Elektrifizierung,
- den Alltag in ländlichen Haushalten,
- die technische Entwicklung von einfachen Öllampen zu effizienteren Petroleumleuchten,
- die Materialkultur der frühen Moderne.
Sie zeigen anschaulich, wie Menschen in Kettig und Umgebung ihre Häuser beleuchteten, bevor elektrisches Licht selbstverständlich wurde.
Tischhefter „Skretri“
– Skrebba, Deutschland (1950er–1960er Jahre)
Kategorie: Büro- und Arbeitswelt des 20. Jahrhunderts
Hersteller: Skrebba Apparatebau, Bielefeld
Dieser Tischhefter aus der Modellreihe „Skretri“ gehört zu den klassischen Bürogeräten der Nachkriegszeit. Die robuste Metallkonstruktion, das funktionale Design und die langlebige Mechanik stehen exemplarisch für die deutsche Bürotechnik der 1950er und 1960er Jahre. Geräte dieser Art waren jahrzehntelang in Behörden, Schulen, Handwerksbetrieben und privaten Haushalten im täglichen Einsatz.
Beschreibung
- massives Metallgehäuse mit farbig lackiertem Unterteil
- großer, runder Druckknopf zum Auslösen des Heftvorgangs
- sichtbare Gebrauchsspuren und Patina als Zeichen intensiver Nutzung
- mechanischer Heftmechanismus mit Frontladefunktion für Heftklammern
- typisches Industriedesign der Wirtschaftswunderzeit: funktional, schlicht, langlebig
Hersteller und Modell
Die Firma Skrebba (Skrebba Apparatebau) war einer der bedeutenden deutschen Hersteller für Bürogeräte.
Die Modellreihe „Skretri“ wurde in den 1950er und 1960er Jahren produziert und galt als besonders zuverlässig und wartungsarm.
Merkmale der Reihe:
- stabile Ganzmetallkonstruktion
- einfache Bedienung
- hohe Lebensdauer
- weit verbreitet in Büros und Verwaltungen der jungen Bundesrepublik
Historische Einordnung
Der Tischhefter steht exemplarisch für:
- die Standardisierung der Büroarbeit in der Nachkriegszeit
- die zunehmende Verbreitung mechanischer Bürogeräte
- das funktionale Design der 1950er/60er Jahre
- die Rolle deutscher Hersteller im wachsenden Markt für Büroausstattung
Solche Geräte waren jahrzehntelang unverzichtbare Werkzeuge im Arbeitsalltag und prägten das Erscheinungsbild von Schreibtischen in Verwaltung, Schule und Betrieb.
Museale Bedeutung
Der Skretri‑Tischhefter ist ein authentisches Objekt der Alltags- und Arbeitskultur des 20. Jahrhunderts.
Er dokumentiert:
- die Entwicklung der Bürotechnik
- die Material- und Formensprache der Wirtschaftswunderzeit
- die Langlebigkeit deutscher Metallwarenproduktion
Durch seine Gebrauchsspuren erzählt er zugleich die Geschichte eines Werkzeugs, das über viele Jahre hinweg zuverlässig im Einsatz war.
Mechanischer Datumsstempel „Trodat“
(20. Jahrhundert)
Material: Metall, Gummi, Kunststoffgriff
Funktion: Einstellbarer Datums- und Buchungsstempel
Dieser mechanische Datumsstempel stammt aus der analogen Büro- und Verwaltungspraxis des 20. Jahrhunderts. Das Gerät besteht aus einem stabilen Metallrahmen, einem hellen Kunststoffgriff und mehreren drehbaren Gummibändern, auf denen Tag, Monat, Jahr sowie Funktionsvermerke angebracht sind. Durch Drehen der seitlichen Stellräder lassen sich die gewünschten Angaben einstellen.
Auf der Stempelplatte sind kombinierte Vermerke wie „Erfaßt / Gebucht“ sowie verschiedene Datumszeilen sichtbar. Die erhabenen Gummizeichen tragen deutliche Gebrauchsspuren von Tinte und langjährigem Einsatz. Der Stempel wird klassisch mit einem separaten Stempelkissen verwendet.
Museale Einordnung
Solche Datumsstempel waren zentrale Werkzeuge der analogen Verwaltungs-, Buchhaltungs- und Archivarbeit. Sie ermöglichten eine schnelle, eindeutige Kennzeichnung von Eingängen, Buchungen und Bearbeitungsschritten und prägten über Jahrzehnte den Arbeitsalltag in Behörden, Banken, Firmen und Vereinen.
Der Stempel dokumentiert die mechanisierte, aber noch vollständig papierbasierte Büroorganisation vor der Digitalisierung: ein Arbeitsmittel, das Routine, Ordnung und Nachvollziehbarkeit garantierte und heute als typisches Objekt der Verwaltungskultur des 20. Jahrhunderts gilt.
Rosenkranz aus dem Besitz von „Tante Miesche“ (1905–1997)
Objektart: Rosenkranz / katholisches Andachtsobjekt
Datierung: 20. Jahrhundert
Provenienz: Kettiger Familienbesitz — vermutlich aus dem Nachlass von Tante Miesche (1905–1997)
Material: Holzperlen, Metallglieder, Metallkreuz, Marienmedaille
Technik: Drahtgefügte Kettenglieder, gegossenes Metall, geprägte Medaille
Dieser Rosenkranz stammt sehr wahrscheinlich aus dem Besitz von Tante Miesche, einer Kettigerin des Jahrgangs 1905, die den Rosenkranz vermutlich über viele Jahrzehnte im Alltag, im Gebet oder als persönliches Schutzsymbol nutzte. Das Objekt ist ein typisches Beispiel katholischer Volksfrömmigkeit im 20. Jahrhundert und zugleich ein Stück gelebter Familiengeschichte.
Der Rosenkranz besteht aus dunklen Holzperlen, verbunden durch Metallglieder, sowie einem metallenen Kruzifix und einer Marienmedaille mit der französischen Inschrift:
„O Marie conçue sans péché, priez pour nous“
(„O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns“)
Diese Medaille gehört zur Tradition der sogenannten „Wundertätigen Medaille“, die seit dem 19. Jahrhundert europaweit verbreitet war.
Gestaltung und Funktion
Der Rosenkranz folgt der klassischen Struktur:
- fünf Gesätze (jeweils zehn Perlen),
- verbindende Einzelperlen,
- ein zentrales Medaillon,
- ein abschließendes Kruzifix.
Er diente der täglichen Andacht, dem meditativen Gebet und oft auch als persönlicher Begleiter in schwierigen Zeiten. Die robuste Kombination aus Holz und Metall deutet auf ein Objekt hin, das regelmäßig benutzt wurde.
Kulturelle Einordnung
In einem katholisch geprägten Ort wie Kettig gehörte der Rosenkranz über Generationen hinweg zum religiösen Alltag:
- als Gebetsinstrument,
- als Trostspender,
- als Erbstück,
- als Zeichen familiärer und spiritueller Kontinuität.
Dass dieser Rosenkranz aus dem Besitz von Tante Miesche stammt, verleiht ihm eine zusätzliche emotionale Tiefe: Er steht für die Glaubenspraxis einer Frau, die fast das gesamte 20. Jahrhundert erlebt hat — Krieg, Wiederaufbau, Wandel und Modernisierung.
Museale Bedeutung
Dieses Objekt ist museal bedeutsam, weil es:
- die religiöse Alltagskultur einer Kettiger Familie dokumentiert,
- ein authentisches Beispiel katholischer Frömmigkeit darstellt,
- die persönliche Geschichte von Tante Miesche bewahrt,
- und die Sammlung um eine spirituelle, intime Dimension erweitert.
Es bildet einen ruhigen, menschlichen Gegenpol zu den militärischen und administrativen Objekten der Familie Hillesheim — und zeigt, wie Glaube und Alltag in Kettig über Generationen miteinander verwoben waren.
Tisch‑Korkenzieher „HEKTOR 1“ (Hersteller: F.u.C., frühes bis mittleres 20. Jahrhundert)
Kategorie: Gastronomie, Weinbau und Alltagskultur
Objektart: professioneller Tisch‑Korkenzieher / Entkorkgerät
Datierung: ca. 1920er–1950er Jahre
Material: massiver Stahlguss, Eisen, Holzgriff
Provenienz: Kettiger Familienbesitz; vermutlich Einsatz in einer örtlichen Gastwirtschaft
Dieser schwere, vollständig aus Metall gefertigte Tisch‑Korkenzieher trägt die Prägungen „HEKTOR 1“ und „F.u.C.“, die auf ein industriell gefertigtes, patentiertes oder markenrechtlich geschütztes Modell eines spezialisierten Herstellers hinweisen.
Das Gerät ist für den Dauereinsatz konzipiert und wurde über eine kräftige Schraubklemme fest an einer Tisch‑ oder Tresenkante montiert. Solche Geräte fanden sich vor allem dort, wo viele Weinflaschen in kurzer Zeit geöffnet werden mussten — etwa in:
- Kneipen,
- Schankwirtschaften,
- Weinlokalen,
- Vereinsheimen,
- ländlichen Gaststätten.
Damit passt es hervorragend in den historischen Kontext der alten Kettiger Gaststätten, in denen Wein aus der Region und aus dem Mittelrheintal ausgeschenkt wurde.
Funktionsweise
Der Tisch‑Korkenzieher arbeitet mit einer Kurbel‑ und Spindelmechanik:
- Das Gerät wird fest an einer Tischkante verschraubt.
- Die Weinflasche wird unter den Mechanismus geführt und gehalten.
- Durch Drehen des Holzgriffs wird die Spindel in den Korken eingedreht.
- Die Mechanik zieht den Korken senkrecht, sauber und ohne Kraftaufwand aus der Flasche.
Diese Bauweise war ideal für den gastronomischen Alltag:
- schnell,
- kraftsparend,
- zuverlässig,
- und geeignet für hunderte Flaschen pro Woche.
Hersteller und Modell
Die Prägungen „HEKTOR 1“ und „F.u.C.“ deuten auf:
- ein Modellname („Hektor“ als kraftvolle, heroische Bezeichnung),
- und ein Herstellerkürzel (F.u.C., vermutlich ein metallverarbeitender Betrieb).
Solche Kürzel waren typisch für kleinere Werkzeug‑ und Haushaltsgerätehersteller der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Historischer Kontext
Bevor moderne Kellnermesser und Hebelkorkenzieher verbreitet waren, nutzten Gaststätten stationäre Tisch‑Korkenzieher, weil sie:
- weniger Kraft erforderten,
- den Korken selten beschädigten,
- und auch bei alten, brüchigen Naturkorken zuverlässig funktionierten.
In ländlichen Regionen wie Kettig, wo Wein eine wichtige Rolle spielte, gehörten solche Geräte zur Grundausstattung jeder Schankwirtschaft.
Museale Bedeutung
Das Objekt ist museal bedeutsam, weil es:
- ein authentisches Werkzeug der regionalen Weinkultur darstellt,
- die Gastronomiegeschichte Kettigs sichtbar macht,
- die Materialität und Mechanik früher professioneller Entkorkgeräte zeigt,
- und ein Stück Alltagsgeschichte bewahrt, das heute kaum noch bekannt ist.
Es ergänzt die Sammlung um ein Objekt, das sowohl technisch als auch kulturell relevant ist — und das die Verbindung zwischen Wein, Handwerk und Dorfleben eindrucksvoll dokumentiert.