Die Brod Torte ist eines jener Rezepte, bei denen man sofort spürt, wie viel Alltag, Erfindungsgeist und Herzenswärme in den Küchen von damals steckte. Man sieht förmlich, wie Anna Rausch am großen Holztisch stand, die Eier trennte und den Zucker mit kräftigen Bewegungen schaumig rührte, während durch das Fenster der Duft von frisch gebackenem Brot aus der Nachbarschaft hereinwehte.
Dass in dieser Torte tatsächlich Schwarzbrot und Weckmehl landen, zeigt den Charme der Zeit: Nichts wurde verschwendet, alles fand seinen Platz. Und gerade diese Mischung aus Mandeln, Zitronenschale, Zimt und Nelken, dazu die Brotkrume, macht die Torte zu einem kleinen Wunderwerk der damaligen Hausküche. Man kann sich gut vorstellen, wie die Familie neugierig um den Ofen schlich, denn eine Stunde Backzeit war lang genug, um die Spannung zu steigern.
Wenn die Torte schließlich aus dem Ofen kam, war sie sicher ein besonderer Moment im Haus: warm, duftend, würzig – ein Gebäck, das nicht nur satt machte, sondern Geschichten erzählte. Geschichten von Sonntagen, von Besuch, von Festtagen und von der Kunst, aus einfachen Zutaten etwas Großes zu zaubern. Eine Torte, die zeigt, wie viel Seele in den Rezepten unserer Kettiger Vergangenheit steckt.
Zutaten und Zubereitung:
12 Eier, wovon man 2 ganze hineinschlägt und die 10 übrigen trennt.
Dann nimmt man:
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230 g Mandeln
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7–8 g Bittermandeln (oder „Bittere?“ im Original)
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¾ Pfund Zucker
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170 g Schwarzbrot
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1 Handvoll Weckmehl
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Schale und Saft von 1 Zitrone
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1 gute Messerspitze Zimt
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1 Teelöffel gestossene Nelken
Man rührt die Eier mit dem Zucker schaumig, dann gibt man die Mandeln und das Gewürz dazu, anschließend das Brot und zuletzt das Weckmehl und den Schnee (Eiweiß).
Zum Schluss kommt 1 Messerspitze Hirschhornsalz dazu.
Die Torte muss 1 Stunde backen.
Zutatenliste – Brod Torte (ca. 1914)
| Zutat | Menge | Hinweis |
|---|---|---|
| Eier | 12 Stück | 2 ganze, 10 getrennt (Eigelb + Schnee) |
| Mandeln | 230 g | fein gerieben |
| Bittermandeln | 7–8 g | oder entsprechende Menge Aroma |
| Zucker | ¾ Pfund (≈ 375 g) | für die Eiermasse |
| Schwarzbrot | 170 g | fein gerieben |
| Weckmehl | 1 Handvoll | zum Binden |
| Zitronenschale | von 1 Zitrone | fein abgerieben |
| Zitronensaft | von 1 Zitrone | frisch |
| Zimt | 1 gute Messerspitze | gemahlen |
| Nelken | 1 Teelöffel | gestoßen |
| Hirschhornsalz | 1 Messerspitze | Triebmittel |
| — | — | Backzeit: ca. 1 Stunde |
Moderne Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung – Brod Torte
1. Vorbereitung
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Den Ofen auf 170–180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
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Eine Springform (26–28 cm) einfetten und mit Mehl oder Backpapier auskleiden.
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10 Eier trennen: Eigelb und Eiweiß separat bereitstellen.
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Schwarzbrot fein reiben oder in der Küchenmaschine zerkleinern.
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Mandeln ebenfalls fein mahlen.
2. Eiermasse herstellen
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Die 2 ganzen Eier und die 10 Eigelb mit dem Zucker (¾ Pfund ≈ 375 g) schaumig schlagen, bis die Masse hell und cremig ist. (Das ist die Basis für die Luftigkeit der Torte.)
3. Aromaten und Mandeln einarbeiten
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230 g Mandeln,
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7–8 g Bittermandeln (oder ein paar Tropfen Bittermandelaroma),
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Zitronenschale und Zitronensaft,
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Zimt (Messerspitze) und
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gestoßene Nelken (1 TL) zur Eiermasse geben und gut unterrühren.
4. Brot und Weckmehl zugeben
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Das fein geriebene Schwarzbrot (170 g) unterheben.
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Danach die Handvoll Weckmehl einarbeiten. (Das sorgt für Bindung und die typische Konsistenz.)
5. Schnee und Triebmittel
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Die 10 Eiweiß zu festem Schnee schlagen.
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Den Schnee vorsichtig unter die Masse heben, damit die Torte luftig bleibt.
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Zum Schluss 1 Messerspitze Hirschhornsalz einrühren. (Alternativ geht auch ein Hauch Backpulver, aber Hirschhornsalz bleibt historisch korrekt.)
6. Backen
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Die Masse in die vorbereitete Form füllen.
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Die Torte 1 Stunde backen.
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Gegen Ende der Backzeit eine Stäbchenprobe machen: Wenn nichts mehr klebt, ist sie fertig.
7. Abkühlen und Servieren
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Die Torte in der Form leicht auskühlen lassen, dann herauslösen.
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Sie schmeckt pur, mit Puderzucker oder mit einem Klecks Sahne.
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Durch das Brot und die Gewürze entwickelt sie ein wunderbar würziges, leicht nussiges Aroma – ein echtes Stück Küchenhistorie.
🖋️ Marita und Julia
Transkription & Schriftentzifferung
Kettiger Heimatkundler
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