Das alte Pfarrhaus am Bach – Herzstück der frühen Kettiger Dorfgeschichte
Das alte Pfarrhaus in der Bachstraße gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten Kettigs. Über vier Jahrhunderte war es Wohnort der Pfarrer, Verwaltungszentrum, Anlaufstelle für die Dorfbewohner und ein stiller Zeuge des Lebens am Bach, der einst offen durch die Gasse floss. Seine Geschichte ist eng verwoben mit der Entwicklung des Dorfes – und mit dem Wasser, das direkt an seinen Mauern vorbeirauschte.
Die Anfänge im 14. Jahrhundert – „unten am Bach“
Die ältesten Urkunden der Pfarrei Kettig berichten bereits im 14. Jahrhundert, dass der Pfarrinhaber „unten am Bach“ wohnte. Damit ist das Pfarrhaus eines der frühesten dokumentierten Gebäude des Dorfes – ein Ort, an dem geistliche Aufgaben und dörflicher Alltag unmittelbar zusammenkamen.
Der Bach war damals offen, lebendig, Teil des täglichen Lebens. Das Pfarrhaus stand so nah am Wasser, dass sein Schatten auf die flache Strömung fiel. Für die Pfarrer war der Bach ebenso Begleiter wie für die Dorfbewohner.
Zustand und Alltag – Ein Haus zwischen Pflicht und Verfall
Die Quellen zeigen, dass das Pfarrhaus über die Jahrhunderte immer wieder in schlechtem Zustand war. Eine Niederschrift von 1656 beschreibt:
Das Pfarrhaus sei „noch einigermaßen im Stande“, doch Kelterhaus und Scheunendach seien sehr schlecht und müssten dringend erneuert werden.
Das Anwesen war also nicht nur Wohnhaus, sondern auch landwirtschaftlicher Betrieb – mit Kelter, Scheune, Stallungen und Garten.
In einer Urkunde von 1822 wird der Zustand drastischer:
Das Pfarrhaus sei sehr alt und morsch. Unten drei Zimmer und die Küche, oben vier Zimmer. Scheune und Stall: strohgedeckt und sehr baufällig.
Das Gebäude war damit kaum noch bewohnbar. Die Pfarrer lebten in engen, dunklen Räumen, während die Nebengebäude teilweise einsturzgefährdet waren.
1828 – Ein Pfarrer lehnt ab
Ein besonders eindrücklicher Moment der Pfarrhausgeschichte ereignete sich 1828: Pfarrer Kraft aus Oberheimbach sollte die Pfarrei Kettig übernehmen. Doch als er das Pfarrhaus sah, lehnte er ab, dort einzuziehen. Der Zustand war schlicht unzumutbar.
Diese Ablehnung war ein Wendepunkt – sie machte deutlich, dass ein Neubau unvermeidlich war.
Neubeginn in der Schulgasse (1838–1841)
Zwischen 1838 und 1841 wurde schließlich ein neues Pfarrhaus unterhalb der Kirche in der Schulgasse errichtet. Mit diesem Neubau endete die jahrhundertelange Geschichte des Pfarrhauses am Bach.
Das alte Anwesen – bestehend aus Wohnhaus, Stallungen, Scheune, Garten und Kelter – wurde nach 1841 an die Familie Hommer verkauft. Der Kaufpreis: 1200 Taler.
Ein Teil des alten Pfarranwesens ist bis heute erhalten und erinnert an die lange Tradition des Ortes.
Das Tor am Pfarrhaus – Ein Meisterstück der Schmiedekunst
Neben dem alten Pfarrhaus steht ein Tor, das eine eigene kleine Geschichte erzählt. Es war das Meisterstück des Schmieds Hommer, im Dorf bekannt als:
„Schmieds Herm seinem Vadde“
Der Schmied hieß Hommer, sein Sohn Hermann führte die Schmiede weiter. Die Torbauart ist eine regionale Besonderheit: Sie kommt fast ausschließlich im Maifeld vor und gilt als typisches Beispiel lokaler Schmiedetradition.
Damit ist das Tor nicht nur ein bauliches Detail, sondern ein Stück handwerklicher Identität des Dorfes.
Ein Ort, an dem Dorfgeschichte geschrieben wurde
Das alte Pfarrhaus war über Jahrhunderte:
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Wohn- und Arbeitsort der Pfarrer
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Zentrum der frühen Dorfverwaltung
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Ort, an dem Entscheidungen vorbereitet wurden
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Treffpunkt für Ratsleute, Bauern und Dorfbewohner
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Schauplatz mancher Streitigkeiten, die hier beigelegt wurden
Die Bachstraße, der Bach selbst und das Pfarrhaus bildeten ein zusammenhängendes Gefüge aus Natur, Verwaltung, Religion und Alltag.
Bedeutung für den Dorfspaziergang
Für den Kettiger Dorfspaziergang ist das alte Pfarrhaus eine Schlüsselstation. Es zeigt:
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wie eng Natur und Dorfleben verbunden waren
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wie ein Pfarrhaus über Jahrhunderte funktionierte
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wie Handwerk und Verwaltung zusammenkamen
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wie sich das Dorf modernisierte
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wie ein Tor zum Symbol lokaler Schmiedekunst wurde
Das alte Pfarrhaus ist damit ein Fenster in die Vergangenheit – ein Ort, an dem Kettig seine Geschichte schrieb.