Allerheiligen wird jedes Jahr am 1. November gefeiert. Das Fest geht auf die frühe Kirche zurück und ist allen Heiligen gewidmet, also nicht nur den offiziell bekannten Heiligen, sondern auch all den vielen Menschen, die nach christlichem Verständnis ein gottgefälliges Leben geführt haben. Bereits im 8. Jahrhundert wurde das Fest im Frankenreich auf den 1. November gelegt und verbreitete sich von dort aus in der gesamten westlichen Kirche.
Für viele Menschen in unserer Region ist Allerheiligen jedoch weit mehr als nur ein kirchlicher Feiertag. Es ist ein Tag des Erinnerns an verstorbene Angehörige. Die Gräber werden gepflegt, mit Blumen geschmückt und oftmals mit Kerzen versehen. Gerade auf den Friedhöfen im Rheinland entsteht dadurch eine besondere und würdige Atmosphäre.
Für Kettig bedeutete Allerheiligen früher auch ein eindrucksvolles Bild, das vielen Kindern und Erwachsenen in Erinnerung geblieben ist:
Wir waren an Allerheiligen meist bei unseren Großeltern im Westerwald zu Besuch. Da es zu dieser Jahreszeit schon früh dunkel wurde, fuhren wir am Abend im Dunkeln wieder zurück nach Hause nach Kettig. Auf der Heimfahrt schliefen wir als Kinder regelmäßig auf der Rückbank ein. Doch erstaunlicherweise wurden wir kurz vor Kettig fast immer wieder wach.
Wir wollten nämlich ein ganz bestimmtes Spektakel nicht verpassen.
Damals war der heutige Mittelweg am Sportplatz noch nicht asphaltiert. Der gesamte Verkehr verlief deshalb durch Weißenthurm und anschließend über die Weißenthurmer Straße am Kettiger Friedhof vorbei. Wenn wir dort ankamen, bot sich ein beeindruckender Anblick: Auf nahezu jedem Grab brannten die roten Grabkerzen. Hunderte kleine Lichter leuchteten in der Dunkelheit und verwandelten den Friedhof in ein warmes, rot schimmerndes Lichtermeer.
Für uns Kinder war das etwas ganz Besonderes. Deshalb mussten unsere Eltern an dieser Stelle immer etwas langsamer fahren, damit wir das Schauspiel auch richtig genießen konnten. Die vielen Kerzen wirkten zugleich feierlich, friedlich und irgendwie tröstlich. Noch heute gehört diese Erinnerung für uns untrennbar zu Allerheiligen in Kettig.
So verbindet sich in Kettig die ursprüngliche Bedeutung von Allerheiligen als christlicher Gedenktag mit ganz persönlichen Erinnerungen. Während die Grablichter an die Verstorbenen erinnern sollten, sind sie für manche Kettiger selbst zu einer bleibenden Erinnerung geworden. Oft sind es gerade solche einfachen Kindheitserlebnisse, die einen Brauch über Generationen hinweg lebendig halten.