Die verbotenen Pechfackeln

Veröffentlicht am 18. Oktober 2026 um 12:33

eine Kettiger Martinsgeschichte nach Jupp

Jupp hat das mit einem breiten Grinsen erzählt. Als Kinder war es ja klar: Alles, was verboten war, war genau das, was sie wollten. Die richtigen Fackeln durften nur die Erwachsenen und die Feuerwehr benutzen – also genau die, die für sie unerreichbar waren.

Also halfen sie sich selbst. „Vom Kirjoff hame de Kerzewaks jeklaut“, sagte Jupp. Die Reste aus dem Müll der Dauerbrenner, die eigentlich für die Verstorbenen leuchten sollten. Zu Hause nahmen sie Kartoffelsäcke, tränkten sie mit dem Wachs, banden alles an einen Stock und steckten unten noch ’nen Bierdeckel dran – und schon hatten sie ihre eigenen Pechfackeln. Stolz wie Bolle liefen sie damit beim Martinszug mit.

Nur hinterher sahen einige aus wie wandelnde Kerzenständer. Die Jacken waren voller Wachs, das nie wieder richtig herausging. „De Jagge wore voll met Waks“, meinte Jupp, „dat wor bie festbetoniert.“

Nach St. Martin suchte seine Mutter den Topf, in dem sie sonst die Suppe kochte. Sie wunderte sich, warum er nicht richtig sauber war – oder warum die Suppe, die sie darin kochte, einen seltsamen Beigeschmack hatte. „Zum Glück gab’s Maggi“, sagte Jupp, „damit konnte man alles retten.“

Später erzählte seine Frau Anke noch, wie sie und auch die Jungs sich mit den Pfeifen der Weckmänner wie große Kerle fühlten. Sie stopften irgendwelche Gräser hinein, zündeten sie an und fanden sich unglaublich cool. Bis die Pfeife plötzlich heiß wurde wie ein Schmelzofen. „Wie konnt de Upa die Peyff üwerhaupt festhahle?“ wunderte sich Anke. Der Rauch kratzte im Hals, geschmeckt hat es furchtbar – und der „Tabak“, den sie sich dann noch irgendwo abgezockt hatten, brannte kaum. Niemand hatte darauf geachtet, dass es Kautabak war und nicht zum Rauchen gedacht.

Am Ende sagte Jupp dann:

„Jo, dat wor uns Kettijer Matinszeyt – Waks, Qualm, verbrannte Fingere, un trotzdem die beste Erinn’runge. Heut’ kann mer dat erzähle – däte die Ellere noch lewe, hädde mer och jetzt noch lange Uhre.“