Wie viell Kettijer passe in en DöSchöVö?

Veröffentlicht am 3. August 2026 um 16:47

In den 70ern und 80ern hatte die Kettiger Jugend zwei Haupttreffpunkte: entweder an der Kirche – wo man immer jemanden fand, der Zeit hatte – oder an der Bushaltestelle schräg gegenüber beim Parkplatz der damaligen Raiffeisenbank. 
Wer schon 18 war, kam manchmal sogar mit dem eigenen Auto.

Und eines Abends rollte Fiff mit seinem ganzen Stolz auf den Platz: einer Ente. Ein Citroën 2CV. Ein „DöSchöVö“. Für uns damals ein Kultobjekt – klein, weich gefedert, klapprig, aber unverwüstlich. Und vor allem: perfekt für Blödsinn.

Fiff und seine Kumpels hatten vorher schon auf dem Schulhof getestet, ob die Ente wirklich nicht umkippt, egal wie scharf man in die Kurve geht. Und tatsächlich – das Ding schaukelte wie ein Schiff, aber blieb stehen wie ein Fels. Das beeindruckte uns natürlich nachhaltig.

An diesem Abend kam dann die große Frage auf, die damals überall im Fernsehen lief:
„Wie viele Menschen passen in …?“
Diese Nummern waren in den 70ern/80ern extrem beliebt – in Gameshows, auf Jahrmärkten, sogar bei Guinness-Rekordversuchen. Und die Ente war dafür wie gemacht.

Also beschlossen wir:
„Mir probeere dat och!“

Fiff machte die Türen auf – zwei von uns hingen sie direkt aus, „damit mer besser rin komme“. Andere kletterten durchs offene Dach, wieder andere über die Rückbank. Irgendwann war die Ente so voll, dass man nicht mehr wusste, wo Beine aufhörten und Arme anfingen.

Wie viele wir genau waren? Keine Ahnung mehr. Aber es waren viele.
Sehr viele.

Plötzlich rief einer aus dem Fußraum:
„Wat issn dat hee?“
Und hielt – ungelogen – das komplette Gaspedal in der Hand. Abgerissen. Einfach so.

Draußen gab es dann noch einen dumpfen Rums.
Einer hatte sich auf eins der hinteren Kotflügel gesetzt – und das war jetzt nicht mehr fest, sondern eher… dekorativ lose.

Fiff wurde kreidebleich.
„Loost mei Audu janz, sonst krisch ich Ärjer daham!“

Wir krochen, rutschten, fielen aus der Ente wie Clowns aus einem Zirkuswagen.
Und das Wunder:
Wir hatten sie nicht komplett zerlegt.

Mit ein bisschen Drücken, Schieben und gutem Willen bekamen wir die Türen wieder eingehängt, den Kotflügel halbwegs geradegebogen und das Gaspedal… na ja… es hing wieder da, wo es ungefähr hingehörte.

„Un mir konnde die Schees och widder zusamme setze.“
So lautete später die offizielle Version.

Und Fiffs Ente?
Die fuhr am nächsten Tag wieder – als wäre nie etwas gewesen.
Nur Fiffs Vater wunderte sich über einen leicht schiefen Kotflügel und ein Gaspedal, das irgendwie „anders“ reagierte.

Aber das blieb unser Geheimnis.
Bis heute.