Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Kettig – Eine lebendige Tradition seit 1860

Die Geschichte der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Kettig ist zugleich ein Stück Kettiger Dorfgeschichte. Seit ihrer Gründung im Jahr 1860 prägt die Bruderschaft das gesellschaftliche, kulturelle und kirchliche Leben des Ortes. Über mehr als anderthalb Jahrhunderte hinweg haben sich Generationen von Kettiger Bürgerinnen und Bürgern zusammengefunden, um Gemeinschaft zu erleben, Traditionen zu bewahren und Verantwortung für das Dorfleben zu übernehmen.

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Die Anfänge

Im Jahr 1860 gründeten zwanzig Kettiger Bürger die Schützengesellschaft zu Kettig. An ihrer Spitze standen Schützenhauptmann Philipp Dötsch, Leutnant Kohl und Kassenführer Praeder. Gemeinsam mit siebzehn weiteren Männern legten sie den Grundstein für eine Gemeinschaft, die bis heute Bestand hat.

Die damalige Gesellschaft war von klaren Regeln und christlichen Werten geprägt. Der Wahlspruch „Einheit, Brüderlichkeit und Religiosität“ bestimmte das Vereinsleben ebenso wie die Satzungen. Mitglieder mussten mindestens 24 Jahre alt sein, die Aufnahme erfolgte nur an bestimmten Tagen des Jahres, und von jedem Schützen wurde ein tadelloser Lebenswandel erwartet.

Auch im Schießbetrieb galten schon früh strenge Sicherheitsvorschriften. Ordnung, Verantwortung und Kameradschaft waren keine leeren Begriffe, sondern feste Bestandteile des Vereinslebens. Diese Grundsätze prägen die Bruderschaft bis heute.

Aufbruch und Wachstum

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffnete sich die Schützengesellschaft zunehmend nach außen. 1907 nahm sie erstmals an einem auswärtigen Schützenfest in Miesenheim teil. Die Anreise erfolgte noch mit festlich geschmückten Pferdegespannen und wurde selbst zu einem besonderen Ereignis.

Zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 1910 erhielt der Verein eine neue Fahne, die feierlich geweiht wurde. Gleichzeitig trat die Schützengesellschaft dem Unterverband Neuwied und damit dem Deutschen Schützenbund bei. Die Kettiger Schützen wurden nun Teil eines größeren schießsportlichen Netzwerkes.

Kriegsjahre und Neubeginn

Der Erste Weltkrieg unterbrach das Vereinsleben. Die letzte Generalversammlung vor Kriegsbeginn fand am 16. Juli 1914 statt. Erst im November 1921 konnten sich die Mitglieder wieder zu einer Versammlung treffen und das Vereinsleben neu organisieren.

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Bruderschaft weiter. 1932 wurde erstmals eine Jungschützenabteilung erwähnt. Damit begann die gezielte Förderung junger Menschen innerhalb des Vereins. Im selben Jahr trat die Bruderschaft der Erzbruderschaft des heiligen Sebastian bei und festigte ihre Verbindung zu den historischen Schützenbruderschaften im Rheinland.

Die politischen Veränderungen nach 1933 blieben auch für die Kettiger Schützen nicht folgenlos. Im Zuge der Gleichschaltung des Vereinswesens mussten die deutschen Schießverbände 1935 ihre Tätigkeit einstellen. Das traditionelle Schützenwesen kam vorübergehend zum Erliegen.

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs begann für die Bruderschaft eine Zeit des Wiederaufbaus. Mit Unterstützung der Gemeinde und durch den tatkräftigen Einsatz vieler Mitglieder wurde der Schützenplatz wiederhergestellt und ausgebaut.

In den 1950er Jahren entstanden wichtige Grundlagen für die Zukunft. Die Ausschankhalle wurde instand gesetzt, der Schützenplatz eingefriedet und die Schützenhalle erweitert. Zum Bundesfest 1959 konnte bereits eine neue Halle genutzt werden.

Ein Jahr später feierte die Bruderschaft ihr 100-jähriges Bestehen. Die neue Schützenhalle war inzwischen fertiggestellt und bot rund 500 Personen Platz. Das Jubiläum wurde mit einem großen Fest begangen und zeigte eindrucksvoll, welchen Stellenwert die Schützen inzwischen im Dorf und weit darüber hinaus erreicht hatten.

Ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahres war der Gewinn der Bezirkskönigswürde durch Werner Engel in Vallendar.

Moderne Entwicklungen und neue Wege

Auch in den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Bruderschaft stetig weiter. Die Schützenhalle erhielt Strom- und Wasseranschluss, später neue Fenster, eine moderne Heizung und eine erneuerte Elektroinstallation.

Ein bedeutender Schritt erfolgte 1973 mit der Öffnung des Vereins für Frauen. Bereits ein Jahr später traten die ersten zwölf Frauen der Bruderschaft bei. 1974 schrieb der Verein Vereinsgeschichte: Maria Neuefeind wurde als erste Schützenkönigin der Bruderschaft ermittelt. Damit begann eine neue Tradition, die bis heute fortgeführt wird.

Zu den Persönlichkeiten, die die Geschichte des Vereins nachhaltig geprägt haben, zählen unter anderem Werner Engel, Peter Schmorleiz, Christian Elingshäuser, Johann Hillesheim und Arthur Fickler. Ihr Engagement hat die Entwicklung des Vereins über Jahrzehnte hinweg entscheidend beeinflusst.

Mit der Einweihung einer neuen Luftgewehrhalle im April 1988 entstand ein weiterer wichtiger Baustein für den sportlichen Erfolg und die Nachwuchsarbeit der Bruderschaft.

Der große Umbau der Kleinkaliberanlage

Mit dem Ende der 1980er Jahre war die Entwicklung der Vereinsanlagen jedoch keineswegs abgeschlossen. Bereits in den 1990er Jahren entstand der Plan, den Kleinkaliberschießstand grundlegend zu modernisieren. Die bestehende Anlage entsprach mit ihrer Länge von 40 Metern nicht mehr den geltenden Anforderungen.

Die Erweiterung auf die erforderlichen 50 Meter stellte die Schützen vor große Herausforderungen. Wegen der beengten Platzverhältnisse musste sogar ein Teil des angrenzenden Berges abgetragen werden. Gleichzeitig machten neue Schallschutzbestimmungen umfangreiche bauliche Veränderungen notwendig.

Die veranschlagten Kosten von weit über 200.000 Mark waren für den Verein allein nicht zu stemmen. Erst durch Fördermittel des Landes, Zuschüsse des Kreises und der Ortsgemeinde Kettig sowie durch enorme Eigenleistungen konnte das Projekt verwirklicht werden. Viele Vereinsmitglieder leisteten über Monate hinweg unzählige Arbeitsstunden auf der Baustelle.

Am 14. Juli 2001, einen Tag vor dem Schützenfest, wurde die neue Anlage feierlich eingeweiht. Brudermeister Rudi Lück würdigte die Arbeit der zahlreichen Helfer und Unterstützer. Stellvertretend für den Bauausschuss erläuterte Anton Hillesheim den Bauverlauf und dankte den vielen Spendern. Besonders hervorgehoben wurde Armin Moskopp, der nahezu täglich auf der Baustelle tätig war.

Mit der Segnung der Anlage durch Pastor Johannes Steffens und den ersten Schüssen auf dem neuen Stand wurde ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte erreicht. Die moderne Anlage erfüllte nun sogar die Voraussetzungen für überregionale und internationale Wettkämpfe.

Dorfmeisterschaft – Schießsport für alle

Neben den sportlichen Erfolgen und dem traditionellen Schützenfest hat sich im Laufe der Jahre eine Veranstaltung zu einem festen Bestandteil des Kettiger Dorflebens entwickelt: die Dorfmeisterschaft.

Jedes Jahr treten Vereine, Nachbarschaften, Stammtische, Freundeskreise und interessierte Bürgerinnen und Bürger in Mannschaften gegeneinander an. Geschossen wird mit dem Luftgewehr, wobei nicht allein das Ergebnis zählt. Ebenso wichtig sind die Begegnungen, die Gespräche und das gemeinsame Erleben.

Die Dorfmeisterschaft bringt Menschen unterschiedlichsten Alters zusammen und stärkt den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde. Sie ist damit weit mehr als ein sportlicher Wettkampf und gehört für viele Kettiger fest zum Jahreskalender.

Auf dem Weg in die Zukunft

Auch nach mehr als 165 Jahren Vereinsgeschichte bleibt die Bruderschaft ihrem Grundgedanken treu: Tradition bewahren und gleichzeitig offen für Neues sein.

Im Jahr 2025 wurde daher ein weiteres Modernisierungsprojekt gestartet. Ziel war die Umrüstung der Kleinkaliberanlage auf eine elektronische Trefferanzeige und digitale Schusserfassung. Gleichzeitig sollte die über fünfzig Jahre alte Heizungsanlage modernisiert werden.

Die elektronische Technik bietet zahlreiche Vorteile. Ergebnisse können sofort ausgewertet werden, körperlich eingeschränkte Schützen werden entlastet und der Verbrauch von Zielscheiben wird deutlich reduziert. Darüber hinaus macht die moderne Technik den Schießsport insbesondere für junge Menschen attraktiver.

Zur Finanzierung wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Bis zum Abschluss konnten 2.290 Euro von 40 Unterstützern gesammelt werden. Gemeinsam mit weiteren Eigenleistungen und Fördermitteln gelang es, das Vorhaben erfolgreich umzusetzen.

Das Grombire-Fest 2026

Am 24. Oktober 2026 konnte die Fertigstellung der modernisierten Kleinkaliberanlage gefeiert werden. Die offizielle Eröffnung erfolgte in typisch Kettiger Atmosphäre mit einem Grombire-Fest.

Mitglieder, Freunde, Unterstützer und Gäste kamen zusammen, um den erfolgreichen Abschluss des Projekts zu feiern. Die neue elektronische Schießanlage verbindet traditionelle Vereinsarbeit mit moderner Technik und schafft beste Voraussetzungen für die kommenden Jahrzehnte.

Eine Geschichte, die weitergeht

Von den zwanzig Gründungsmitgliedern des Jahres 1860 über die Herausforderungen zweier Weltkriege, den Wiederaufbau, die Öffnung für Frauen, den Ausbau der Schießanlagen und die Digitalisierung des Schießsports spannt sich ein beeindruckender Bogen durch die Geschichte der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Kettig.

Doch die eigentliche Erfolgsgeschichte liegt nicht in Gebäuden oder Technik. Sie liegt in den Menschen, die den Verein über Generationen hinweg getragen haben. Ihr ehrenamtlicher Einsatz, ihre Verbundenheit mit dem Dorf und ihre Bereitschaft, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen, haben die Bruderschaft zu dem gemacht, was sie heute ist: ein lebendiger Teil der Kettiger Geschichte und ein Treffpunkt für Jung und Alt, der Tradition und Zukunft auf besondere Weise miteinander verbindet.

St. Sebastianus Schützenbruderschaft Kettig - Historische Listen

Historische Listen der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Kettig

Brudermeister und Vorsitzende

Jahr(e) Name
1860Philipp Dötsch
1909Christian Elingshäuser (Major)
1910Christian Elingshäuser (Oberst)
1910Johann Jungbluth
1913-1927Christian Helf
1927-1937Peter Schmorleiz
1937Wilhelm Hommer
1949-1954Peter Scholz
1954-1961Peter Schmorleiz
1961-1962Johann Hillesheim
1963-1976Werner Engel
1977Willi Sorger
1978-1988Werner Engel
1989-1990Roland Bach
1990Rudi Lück

Schützenkönige

Jahr Name
1958/59Peter Schmorleiz
1959/60Werner Engel
1960/61Lothar Zilger
1961/62Peter Schmorleiz
1962/63Rudi Kristen
1963/64Hermann Jungbluth
1964/65Moritz Rösch
1966/67Peter Löcher
1967/68Hermann Josef Korb
1968/69Engelbert Dott
1969/70Paul Löcher
1970/71Christian Elingshäuser
1971/72Arthur Fickler
1972/73Erwin Mehlem
1973/74Arthur Fickler
1974/75Johann Hillesheim
1975/76Hermann Josef Korb
1976/77Willi Hommer
1977/78Adolf Kleinewig
1978/79Hermann Josef Korb
1979/80Raimund Israel
1980/81Hermann Hommer
1981/82Norbert Engel
1982/83Hermann Hommer
1983/84Bernhard Höchstötter
1984/85Manfred Röder
1985/86Herbert Hillesheim
1986/87Roland Bach
1987/88Arthur Fickler
1988/89Peter Müller
1989/90Armin Moskopp
1990/91Erwin Mehlem
1991/92Anton Hillesheim
1992/93Toni Hillesheim
1993/94Arthur Fickler
1994/95Raimund Israel
1995/96Stefan Scherer
1996/97Lothar Zilger
1997/98Rainer Doll

Schützenköniginnen

1974/75Maria Neuefeind
1975/76Marlies Löcher
1976/77Marlies Löcher
1977/78Roswitha Fickler
1978/79Elisabeth Engel
1979/80Käthe Engel
1980/81Roswitha Sorger
1981/82Elsbeth Alsbach
1982/83Magdalena Urmersbach
1983/84Roswitha Sorger
1984/85Marianne Blechinger
1985/86Sieglinde Mehlem
1986/87Christel Ebert
1987/88Inge Hillesheim
1988/89Christel Ebert
1989/90Manuela Rünz
1990/91Gisela Höchstötter
1991/92Resi Israel
1992/93Hildegart Deisen
1993/94Änni Urmersbach
1994/95Maria Neuefeind
1995/96Roswitha Fickler
1996/97Ingrid Korb
1997/98Elfriede Elingshäuser
1998/99Änni Urmersbach

Jungschützenkönige

1958/59Hermann Josef Hommer
1961/62Herbert Kornwolf
1962/63August Hommer
1963/64Otto Meyerböck
1964/65Herbert Hillesheim
1965/66Walter Finkel
1966/67Dietmar Groß
1967/68Jürgen Freimuth
1968/69Achim Hommer
1969/70Toni Weiler
1970/71Norbert Engel
1971/72Willi Sorger
1972/73Norbert Kretschmann
1973/74Uwe Kohl
1974/75Uwe Kohl
1975/76Dieter Kretschmann
1976/77Thomas Dott
1977/78Hans Peter Urmersbach
1978/79Horst Rünz
1979/80Horst Rünz
1980/81Achim Moskopp
1981/82Thomas Krämer
1982/83Andreas Gies
1983/84Alfred Korb
1984/85Andreas Elingsheuser
1985/86Michael Sorger
1986/87Dirk Zimmermann
1987/88Jörg Israel
1988/89Jörg Israel
1989/90Jörg Israel
1990/91Jörg Israel
1991/92Michel Sorger
1992/93Stefan Scherer
1993/94Sandra Israel
1994/95Jens Guski
1995/96Stefan Lück
1997/98Manuela Freimuth
1998/99Daniel Bruchhof

Schülerprinzen

1987Stefan Lück
1988Dennis Deisen
1989Alexander Schneider
1990Jens Guski
1991Nadine Andernach
1992Eva Lück
1993Christian Raab
1994Sven Zelter
1995Rene Schuth
1996Daniel Fickler
1997Michael Mehlem
1998Sabrina Pilarczyk

Bezirkskönige

1960Werner Engel
1974Arthur Fickler
1982Norbert Engel
1983Hermann Hommer