Wenn Anfang November die ersten selbstgebastelten Laternen in den Fenstern erscheinen, dann wissen die Kettiger: St. Martin steht vor der Tür. Kaum ein Brauch verbindet seit Generationen Kinder, Eltern, Großeltern und Freunde so sehr wie das Martinsfest. Dabei reicht seine Geschichte mehr als 1.700 Jahre zurück.
Der Ursprung des Festes liegt in der Lebensgeschichte des heiligen Martin von Tours. Der Legende nach begegnete der römische Soldat an einem kalten Wintertag einem frierenden Bettler vor den Toren der französischen Stadt Amiens. Martin zögerte nicht lange, zog sein Schwert und teilte seinen Mantel in zwei Hälften, um eine davon dem Bedürftigen zu schenken. Diese Geste der Nächstenliebe machte ihn bis heute zu einem Sinnbild für Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und das Teilen mit anderen.
Im Laufe des Mittelalters verbreitete sich die Verehrung des heiligen Martin in ganz Europa. Rund um seinen Gedenktag am 11. November entwickelten sich zahlreiche Bräuche. Besonders im Rheinland entstanden die Martinsumzüge mit Laternen, Reitern, Martinsfeuern und gemeinsamen Gesängen, die bis heute fester Bestandteil der Dorf- und Stadtkultur geblieben sind.
Bild: KI-generiert - Google Gemini
Auch in Kettig wird diese Tradition seit vielen Generationen gepflegt. Zwar haben sich einzelne Abläufe im Laufe der Zeit verändert, doch der eigentliche Gedanke ist derselbe geblieben: Gemeinschaft erleben und miteinander feiern.
Schon Wochen vor dem Fest beginnen vielerorts die Vorbereitungen. Zuhause, im Kindergarten und in der Grundschule entstehen bunte Laternen, die von den Kindern mit Stolz präsentiert werden. Am Martinsabend versammeln sich dann Familien, Nachbarn und Freunde, um gemeinsam durch den Ort zu ziehen. Hinter St. Martin auf seinem Pferd geht es traditionell die Andernacher Straße hinauf auf den Kettiger Berg. Dort erleuchtet das Martinsfeuer die Dunkelheit und erinnert an die Werte, für die der heilige Martin bis heute steht.
Viele ältere Kettiger erinnern sich noch daran, wie es früher nach dem Martinsfeuer weiterging. Der Weg führte zum Gasthaus Rünz, wo die Kinder ihren Martinsweck erhielten. Während die Kleinen ihren wohlverdienten Weck genossen, trafen sich Eltern und Großeltern häufig noch auf einen „kleinen Schlummertrunk“ und ließen den Abend in gemütlicher Runde ausklingen.
Auch heute lebt dieser Geist der Gemeinschaft weiter. Das Martinsfest verbindet Tradition mit neuen Ideen und bleibt ein Höhepunkt im Kettiger Jahreskalender.
St. Martin 2026 in Kettig
Am Freitag, dem 13. November 2026, sind alle Kinder, Familien und Freunde herzlich eingeladen, gemeinsam St. Martin in Kettig zu feiern. Neben dem traditionellen Martinsumzug erwartet die Besucher wieder ein abwechslungsreiches Programm für Jung und Alt.
Programm
16:45 Uhr - Gottesdienst
Gemeinsamer Auftakt zum Martinsfest.
Anschließend - Martinsumzug
Gemeinsam mit St. Martin und den leuchtenden Laternen zieht der Umzug auf den Kettiger Berg.
Ca. 18:00 Uhr - Martinsfeier auf dem Kettiger Berg
Martinslieder am Feuer sowie musikalische Begleitung durch die Rheinischen Musikfreunde.
Ca. 18:45 Uhr - Rückkehr zum Bürgerhaus
Ausgabe der traditionellen Martinswecken für die Kinder.
Prämierung der Laternen
Die schönsten und kreativsten Laternen werden ausgezeichnet.
Ab 19:00 Uhr - Gemütlicher Ausklang im Bürgerhaus
Traditionelles Döppekoche-Essen und geselliges Beisammensein.
Bekanntgabe des neuen Kinderhofstaates
Ein besonderer Höhepunkt für die jüngsten Besucher.
Große Überraschung am Abend
Die Karnevalsgesellschaft „Gemütlichkeit“ Kettig hält zudem noch eine besondere Überraschung bereit, die erst im Laufe des Abends enthüllt wird.
Ort: Bürgerhaus Kettig und Kettiger Berg
Eintritt: Frei
Wenn die Laternen durch die Straßen ziehen, die Martinslieder erklingen und das Feuer auf dem Kettiger Berg lodert, wird deutlich, warum dieser Brauch bis heute so beliebt geblieben ist. St. Martin ist in Kettig weit mehr als ein Umzug. Es ist ein lebendiges Stück Dorfkultur, das Menschen aller Generationen zusammenbringt und Jahr für Jahr an die Bedeutung von Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und Gemeinschaft erinnert.