Dauve vom Kärchturm – un bloß nit dem Sorjerschs Jakob in de Ärm laave

Veröffentlicht am 28. September 2026 um 09:01

Hermann erzählte mit einem breiten Grinsen, wie er und Werner früher als Jungs Tauben vom Kirchturm geholt haben. Das war damals ein richtiges Abenteuer – halb Mutprobe, halb Einbruch, halb Tierfang. Und alles streng geheim, versteht sich.

Zum Glück hatten sie einen Mann im Team, der Zugang hatte:
Bruno, Messdiener, wohnhaft in der Neugasse.
Der kannte jede Tür, jeden Winkel und vor allem jeden Trick.

„Der hät uns de Griff vom Fenster richtisch jestellt, do musste mer dat nur ofdröcke“, erklärte Hermann.
Und dann kam der entscheidende Teil:
„Un do hamme de Herbert – der wor jo schmal jenoch – do durchjescheckt!“

Herbert war so dünn, dass er durch jede Öffnung passte, die größer war als ein Briefschlitz. Er kroch also durch das Fenster, landete in der Sakristei und öffnete von innen die Tür.

Damit war der Weg frei.

„Mir hatten jo Dauve jehat, un do woren mir interessiert dran, annere Dauve zo kreje.“
Klar – wer Tauben hielt, wollte immer neue, schöne, schnelle Tiere haben. Und oben im Kirchturm gab es genug davon.

Also rauf auf den Turm.
Stufe für Stufe, immer höher, immer dunkler, immer staubiger.
„Mir woren of de Kärchtorm rof un die Dauve hamme do ronne jeholt.“

Man hörte das Flattern, roch den Staub, und die Jungs griffen beherzt zu.
Ein paar Tauben flatterten weg, ein paar ließen sich fangen – und die Beute wurde in Jacken und Hemden verstaut.

Doch ein Problem hing wie ein Damoklesschwert über der ganzen Aktion:

„Die größte Angst wor, dat Sorjerschs Jakob, der Küste, do aufgetroffen wär. Dat wor unser Problem a bissje.“

Der Küster Jakob Sorger war streng, wachsam und überall gleichzeitig.
Wenn der sie erwischt hätte – oh je.
Dann wäre Schluss gewesen mit Tauben, Abenteuern und wahrscheinlich auch mit dem Sitzen für die nächsten zwei Wochen.

Also lauschten sie bei jedem Schritt, ob unten die Tür ging.
Ob jemand hustete.
Ob ein Schlüsselbund klimperte.

Aber sie hatten Glück.
Der Küster kam nicht.
Und die Jungs schlichen mit ihren Tauben wieder raus – genauso heimlich, wie sie reingekommen waren.

Eine typische Kettiger Jugendgeschichte:
Ein bisschen verboten, ein bisschen verrückt, aber unendlich spaßig.