Hermann war der Jüngste von sieben Kindern – und das merkte man. Nicht, weil er verzogen gewesen wäre, sondern weil er früh gelernt hatte, dass man als Nesthäkchen manchmal ein bisschen kreativer sein musste als die älteren Geschwister.
Früher war es eben so: Alle packten mit an. Ob im Garten, auf dem Feld oder in der kleinen Werkstatt hinterm Haus – jeder hatte seinen Dienst, und niemand stellte das infrage. Es war keine Kinderarbeit, es war schlicht das Leben, wie es war: eine Gemeinschaft, in der jeder seinen Teil beitrug.
Eines Tages war es wieder soweit. Die Jungs sollten mit in den Garten, um zwischen den Nutzpflanzen das Unkraut zu jäten. Für die älteren Brüder war das Routine. Für Hermann war es… nun ja… eine Zumutung. Er hatte absolut keine Lust. Aber das half nichts. Wenn Vater Peter rief, ging man mit.
Also trottete Hermann hinterher, sein kleines Werkzeug in der Hand, den Blick schon voller Widerwillen. Doch während die anderen sich bückten und konzentriert das Unkraut auszupften, kam Hermann eine Idee. Eine geniale Idee – zumindest aus seiner Sicht.
Er kniete sich hin, schaute kurz nach links und rechts, und dann begann er zu hacken. Nur eben nicht das Unkraut. Nein. Hermann ließ das Unkraut stehen – und entfernte stattdessen die mühsam gezogenen Nutzpflanzen. Eine nach der anderen. Mit einer Gründlichkeit, die er beim Arbeiten sonst nie zeigte.
Es dauerte nicht lange, bis Vater Peter das bemerkte. Er starrte auf die Reihe, in der eigentlich Gemüse hätte wachsen sollen, und sah stattdessen eine Schneise der Verwüstung.
„Hermann!“ donnerte er. „Dich kann mer jo zu jar nix jebrauche! Sieh zo, dass de noh Hus kümmst!“
Hermann ließ die Hacke fallen, nickte brav, packte sein kleines „Säckelchen“ und machte sich auf den Heimweg. Nicht traurig. Nicht beschämt. Sondern mit einem kaum zu unterdrückenden Grinsen.
Sein Plan war nämlich perfekt aufgegangen.
Während die Brüder weiter schuften mussten, saß Hermann schon zu Hause, schlürfte vielleicht einen Kakao und dachte sich:
„Mer muss net de Schtärkste sin – sonnern de Schlaueste.“